19. Mai 2021
Der GeigerzÀhler bekommt etwas zu zÀhlen
2015 habe ich mich mit Clemens Setz ĂŒber RadioaktivitĂ€t unterhalten, wir waren auf das Thema gekommen ĂŒber den Sachbuchautor John McPhee und sein Buch âThe Curve of Binding Energyâ undÂ ĂŒber Taylor Wilson, den neuen Radioactive Boy Scout und dessen VorgĂ€nger David Hahn. Clemens besaĂ mehrere GeigerzĂ€hler und ich keinen einzigen. So kam es, dass ich eins seiner ĂŒberzĂ€hligen GerĂ€te geschenkt bekam.
Ich habe den GeigerzĂ€hler seitdem immer dabei gehabt, in meinem Beutel mit den Techniksachen (Korrektur: Diesem Ă€lteren Technikbeutelbeitrag entnehme ich, dass das 2016 noch gar nicht der Fall war. Irgendwann kurz danach muss der GeigerzĂ€hler aber ins DauergepĂ€ck aufgenommen worden sein.) Denn wann man einen GeigerzĂ€hler braucht, kann man nicht vorher wissen, und wenn man ihn nicht immer dabei hat, wird er in diesem Moment fehlen, das ist genau wie bei Taschenmessern. In den ersten Monaten des GeigerzĂ€hlerbesitzes hatte ich ihn manchmal eingeschaltet im Rucksack, er gibt dann gelegentlich einen Piepston von sich, wenn natĂŒrliche Beta- oder Gammastrahlung in sein ZĂ€hlrohr gerĂ€t und sich zĂ€hlen lĂ€sst.
Dieses ZĂ€hlrohr ist ein SBM-20U und stammt noch aus alten sowjetischen BestĂ€nden. Die BestĂ€nde mĂŒssen sehr groĂ und sehr robust gewesen sein, jedenfalls werden sie bis heute zu gĂŒnstigen Preisen verkauft.
AuĂen heiĂt das GerĂ€t SOEKS (es ist ein âSOEKS Defenderâ), innen ĐĄĐĐĐĐĄ
Mit Aleks bin ich im Sommer 2015 sogar extra nach Dalgety Bay gefahren, wo es einen radioaktiven Strand gibt, in der Hoffnung auf ZĂ€hlbares. Der Grund fĂŒr die RadioaktivitĂ€t sind wohl Radiumleuchtaufschriften aus den Cockpits verschrotteter Kampfflugzeuge. Man darf den Strand betreten, man sollte dort nur nicht graben, nichts aufheben und sich nach dem Strandbesuch die HĂ€nde waschen.
Trotz grĂŒndlicher Suche haben wir an diesem Strand kein bisschen RadioaktivitĂ€t gefunden, er war wohl schon weitgehend gereinigt.
Nach dem ersten Jahr des GeigerzÀhlerbesitzes habe ich ihn kaum noch eingeschaltet, ich weià jetzt, dass man im Alltag einfach keinen interessanten Strahlungsschwankungen begegnet, und das ist ja auch gut so.
Aber heute ist der groĂe Tag des GeigerzĂ€hlers, also, jedenfalls hoffe ich, dass es sich um den relativ harmlosen Höhepunkt seiner Existenz handelt: Angela hat einen Termin fĂŒr eine Knochenszintigrafie und bekommt morgens in einer Praxis fĂŒr Nuklearmedizin ein Radionuklid gespritzt. Dann darf sie wieder nach Hause und dort abwarten, bis sich das Radionuklid an ihren Knochen ablagert. WĂ€hrenddessen habe ich schon mal den GeigerzĂ€hler eingeschaltet. Die Hintergrundstrahlung im ersten Stock in Bonn betrĂ€gt ĂŒberschaubare 0,12 Mikrosievert pro Stunde. Wenn Angela nicht zu Hause ist.
Als Angela die HaustĂŒr öffnet, wird der GeigerzĂ€hler im Wohnzimmer schon unruhig, und als sie in seine NĂ€he kommt, geht ein eindrucksvolles Gepiepse los. DANGEROUS!
Eine Stunde spÀter ist es aber schon wieder vorbei mit der Piepsaufregung. Angela ist jetzt kaum noch vom Hintergrund zu unterscheiden.
(Kathrin Passig)









