Veranstalter und Aussteller der WeinLeipzig mit Auftakt zufrieden
Die Sonne hat gestrahlt und auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt herrschte beste Adventsstimmung. Trotzdem haben auch Aussteller und Veranstalter der WeinLeipzig in der Alten Handelsbörse ein großen Stück vom vorweihnachtlichen Kuchen in der Messestadt abbekommen. Veranstalter Vincenz Weber war mit dem Besucherzuspruch jedenfalls zufrieden. Leipzig und das Umland hätten Potenzial beim Weinabsatz an Privatkunden. Die scheuten selbst Anreisen aus Cottbus, Dresden oder Chemnitz nicht und würden durchaus auch einmal den einen oder anderen Euro mehr in gute Weine investieren.
Veranstalter Vincenz Weber ist mit seiner Weinmesse in Leipzig offenbar auf dem richtigen Weg. Auch er entdeckt noch immer neue Tropfen an den Ständen.
In 15 deutschen Städten veranstaltet Weber seine Weinmesse für Genießer und Händler, zum zweiten Mal in Leipzig. Etwa 30 Weingüter aus verschiedenen deutschen Anbaugebieten waren dabei, in den größten Messen westdeutscher Metropolen sind es durchaus einmal 170. Doch gerade der kleine Rahmen in der Alten Handelsbörse zu Leipzig sorgte für eine äußert entspannte Stimmung und ermöglichte den weininteressierten Gästen intensive Gespräche mit den Winzern, die in den meisten Fällen selbst ihre Weine ausschenkten.
Direktvermarkter und naturnaher Weinbau liegen Weber besonders am Herzen. So bot die WeinLeipzig denn auch Gelegenheit, hochwertige Weine abseits des Mainstreams und der immergleichen in der Weinszene gehypten Namen zu entdecken. Es dominierten Familienweingüter, aber auch Genossenschaften mit hohem Qualitätsanspruch waren vertreten.
Ludwig Scherner vom Rodensteinerhof aus Flörsheim-Dalsheim hat bisher kaum Kunden im sächsische Raum, das Interesse allerdings an seinen rheinhessischen Klassikern ließ nicht lange auf sich warten. Der 17-Hektar-Betrieb verkauft 99 Prozent seine Weine direkt an Endverbraucher.
Gretzmeier lässt seinen Weinen viel Zeit
Auf Direktvertrieb setzt auch das Öko Wein- und Sektgut Gretzmeier aus Merdingen am Kaiserstuhl. 1986 hat Heinrich Gretzmeier aus einem Mischbetrieb mit Traubenerzeugung das Weingut mit zehn Hektar Rebfläche geschaffen. Inzwischen führt Junior Jakob Gretzmeier die Geschicke des Familienbetriebs gemeinsam mit seinem Vater. Der Winzer und Weinbautechniker ist einer jener jungen Wilden, die internationale Innovationen mit regionalen Traditionen unter einen Hut bekommen, dabei völlig unkompliziert über ihre Arbeit plaudern. Der selbstbewusste Winzer lässt seinen Weinen aus sonnenverwöhnten Trauben viel Zeit zum Reifen und kann so auch jetzt noch mit einem 2008er Spätburgunder glänzen. “Nicht, weil wir in der Vermarktung etwas falsch gemacht haben, sondern weil er erst jetzt perfekt ist”, betont der Jungwinzer. Und wer probiert, wird ihm Recht geben. Spätburgunder ist die Hauptrebsorte des Familienbetriebs. Dem 2008er setzt er einen jüngeren Pinot Noir aus französischen Klonen - deshalb steht auch nicht Spätburgunder auf dem Etikett - entgegen und demonstriert die Vielfalt nur einer Rebsorten aus einem Weingut.
Leidenschaft für große Weine: Jakob Gretzmeier und seine Partnerin Elena Gumpert führen auch Laien begeistert in die Weinwelt ein.
Obwohl klassische Rebsorten dominieren, ist Jakob Gretzmeier auch jungen pilzwiderstandsfähigen Sorten gegenüber aufgeschlossen. Solaris, Johanniter oder Regent finden sich insbesondere in Cuvées und tauchen namentlich nicht auf. Das erleichtere die Vermarktung, sagt er und führt voller Leidenschaft die Weinprobe durch sein Sortiment fort. Wer greift auch schon zu einem badischem Regent, wenn er einen Spätburgunder haben kann?! Im “Zwulscher rot” (Zwulscher ist eine alemannische Bezeichnung für groben Leinenstoff und auch die Merdinger Narrenzunft nennt sich so) kommt der Regent als dominante Rebsorte dieser Einstiegscuvée sehr ausgewogen daher. Schon nach dem zweiten Jahr ist es Jakob Gretzmeier offenbar gelungen, in Leipzig eine kleine Fangemeinde zu gewinnen, die sich interessiert die Philosophie des Weinguts und die Weine erklären lässt, probiert und seinen Angaben zufolge auch ordert.
Divino punktet mit Innovationen
Experimentierfreudig und hochmodern präsentierte sich die Genossenschaft Divino aus dem fränkischen Nordheim Thüngersheim mit rund 300 Mitgliedern und 400 Hektar Rebfläche. Qualitäts- und Weinbergsmanager Paul Glaser gibt seinen Winzern strikte Vorgaben, die im Rahmen der Bonituren auch überwacht werden. Wer die hochwertigsten Trauben liefert, bekommt den besten Preis. Das System sei gerecht, bewähre sich und alle machten mit, sagte Glaser. 2014 hat Divino vier Millionen Flaschen ab- und etwa elf Millionen Euro umgesetzt. Die Genossenschaft agiert äußerst transparent. Wichtigste Rebsorten sind Müller-Thurgau, Silvaner, Riesling sowie Weißer und Grauer Burgunder. Auch Glaser baut die Weine derselben Rebsorte aus unterschiedlichen Lagen sehr differenziert aus. So gibt es Einsteiger-Rieslinge, die trotz trockenen Ausbaus mit ihrer milden Säure auch Neulinge nicht verschrecken, während er für Kenner auch einen äußerst mineralischen Riesling mit markanter, wenn zugleich magenfreundlicher Säure ausschenken kann. Glaser verweist auf zahlreiche nationale und internationale Preise für seine Weine, die er als Bestätigung, Ansporn und Verkaufsargument zugleich verstanden wissen will. Die Winzer auf der WeinLeipzig verwiesen auf die vergleichsweise moderaten Preise für ihre Messeteilnahme, Veranstalter Weber auf einen stabilen Stamm von Teilnehmern. Insgesamt hat er 400 überwiegend deutsche Weingüter in seiner Kartei, die sich regelmäßig an seinen Weinmessen beteiligen. Es gebe zwar eine Warteliste, trotzdem seien neue Winzer willkommen. Sächsische Betriebe sind bisher auf den Weinmessen von Vincenz Weber noch nicht vertreten. Die LeipzigWein hat nochmals am 6. Dezember von 12 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt inkl. aller Verkostungen 12 Euro. Text/Fotos: Lars Müller












