Ich glaube das Ich ist mehr, als bloĂź die Summe seiner Teile. Ich glaube aber auch, dass ohne die Summe seiner Teile das Ich nicht existiert.
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Bischof über den parallelistischen bzw. identitätstheoretischen Ansatz
[D]er parallelistische bzw. identitätstheoretische Ansatz […], der sich in der Wahrnehmungsforschung als der fruchtbarste erwiesen hat, lässt sich zweifellos am plausibelsten gemäß der Formel
Reizquelle : Zerebrale Aktivität : Erlebnisinhalt = Designat: Signal : Bedeutung
interpretieren.
Dieser Denkansatz hat auch methodisch den unschätzbaren Vorteil, dass man dadurch im Bedarfsfall den Übersetzungsproblemen zwischen physiologischen Daten und erlebten Qualitäten aus dem Wege gehen kann. Wenn es darum geht, den Zusammenhang zwischen Reizen und Reaktionen durch zentralnervöse Vorgänge zu erklären, von denen wir überhaupt nur über die subjektive Erfahrung ihres Bedeutungsgehalts Kunde haben, dann ist eine Betrachtungsweise geradezu unerlässlich, die das innerorganismische Geschehen im Signalmodus interpretiert und uns daher keine Antwort auf die Frage abverlangt, ob es sich bei den hypothetischen Prozessen, die irgendwelchen Erlebnisinhalten zugrunde liegen, um Hormone, Neurotransmitter, Nervenentladungen oder was auch immer handelt.
Norbert Bischof in Struktur und Bedeutung, 3. Aufl., 2016, S.37
Was von Seele zu schwafeln
Notiz
(Heute GrĂĽnbein zitieren. Darf man das?)
Randfrage: Was war eigentlich mit der Hirnforschung in der DDR? Gab es "das" Leib-Seele-Problem? Oder lag die Seele da auf Grundeis im Sinne eines kalten Krieges zwischen Gehirn und Geist?
Hauptfrage: Wann fing die Seele im Gedicht AN AUFzuhören, wann fing das Gehirn an? Gibt es da einen Schnitt? Heute reden alle vom Gehirn: Raoul Schrott, GrĂĽnbein, Goetz: "Ihr könnts mein Hirn haben"Â
Ich lese: Die Seele hat spätestens mit der Erfindung der Taschenuhr im 15. Jahrhundert ihren Geist aufgegeben und sich in die Literatur zurückgezogen. Dann kam Descartes (missverstanden), dann die Weltmaschine. Dann Reanimierung durch die Romantik, dann wieder die Seelenfledderer Ärzte: Virchow: "Ich habe schon viele Leichen seziert und nie eine Seele gefunden", dann Freud, dann Benn: (Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch) : "Was ist eure Seele?" Und Francis Crick natürlich - aber der ist auch tot.
Wann haben wir zuletzt aufgehört von Seele zu schwafeln, seit wann reden wir vom Gehirn? Haben wir überhaupt aufgehört?
Heute heiĂźt das: Geist und MIND - sagt mir neulich ein Neurobiologe. Das Leib-Seele Problem gibt es nicht mehr. Das heiĂźt jetzt mind-body-problem. Oder: Gehirn-Geist-Problem.Â
Was du bist steht am Rand
Anatomischer Tafeln.
Dem Skelett an der Wand
Was von Seele zu schwafelnÂ
Liegt gerad so verquer
Wie im Rachen der Zeit
(Kleinhirn hin, Stammhirn her)
Diese ScheiĂź Sterblichkeit
(Durs Grünbein, Schädelbasislektion, 1991)
Wann gab die Seele in der Literatur ihren Geist auf?
Wann fing das Gehirn an?