Von Julia Neupert


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Von Julia Neupert

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Flight Mode Quartet
im Club W71
28. März 2025
V.l.n.r.: Tony Buck (dr), John Edwards (db), Elisabeth Harnik (p) & Harri Sjöström (ss)
Das österreichisch-finnisch-englisch-australische Quartet zu Gast bei uns. Volles Haus und ein aufmerksames und hingerissenes Publikum, welches den vier Solisten in dieser traumhaft zusammen spielenden Band zu recht tosenden Applaus spendete. Zu Gast war auch Julia Neupert und ihr Team vom SWR und schnitt das Konzert mit. Der Ausstrahlungstermin wird noch bekannt gegeben. Darauf freut sich schon jetzt...
Schorle
"Bethlehem des Now Jazz"
w71: Trevor Watts / John Edwards / Tollef Østvang
von Rigobert Dittmann / bad alchemy
Der adventssonntägliche 3. Dez. beschert mir die Qual der Wahl zwischen der Freak-show mit Helene Richter & Hala und einer Legende. Denn in Weikersheim, dem Bethlehem des NowJazz, spielt mit Trevor Watts einer derjenigen, die in den 60ern für die Neugeburt des Jazz in britischen Farben gesorgt haben. Im letzten Februar vor dem "Blood, toil, tears and sweat"-Krieg geboren, gründete er 1965 mit dem Drummer John Stevens, den er im Wehrdienst bei der RAF in Köln kennengelernt hatte, das wegweisende Spontaneous Music Ensemble, 1967 die eigene Formation Amalgam, mit Stevens und Barry Guy, bei dessen London Jazz Composers Orchestra er natürlich ebenfalls zur Stelle war, während er seinen Weg fortsetzte bis zu seiner afrorhythmischen Moiré Music. And so on. Die seltene Mitfahrgelegenheit mit Martin, Hans und Peter gibt den Ausschlag. Drum steht nun diese Saxlegende aus Halifax vor mir, im schmalen Körper eines Teenagers, doch mit dem Knowhow von the Man on the Hill. Daneben der 25 Jahre jüngere John Edwards, der mich x Jahre und x-tausend Konzerte nach unserer letzten Begegnung anstrahlt wie das blühende Leben. Als Ace of the Bass, von seinen wilden Anfängen mit The Honkies, B Shops for the Poor und God bis hin zu The Remote Viewers, den New Old Luten und Big Bad Brötzmann Quintetten oder dem Trevor Watts Quartet mit Veryan Weston & Mark Sanders. Dritter Mann ist der Drummer Tollef Østvang, als mit Jg. 1985 weiterer Generationssprung und doch derjenige, der das Trio initiiert hat. Angereist aus Os in Østerdalen, mit besten Empfehlungen durch Universal Indians (mit John Dikeman & Joe Mc¬Phee), Mars Williams, All Included (mit Martin Küchen), steht er, hoch und schmal in Künstlerschwarz, da wie ein Page am Hof von König Olaf dem Strengen.
Teil 2 aus Platzgründen weiter unten
"Bethlehem des Now Jazz"
w71: Trevor Watts / John Edwards / Tollef Østvang
Rigobert Dittmann / bad alchemy
Teil 2
Gestärkt mit Elsbeths Schockoladenkuchen – John und Trevor – und dem von Felix empfohlenen Weihnachtsbier – ich – geht's um Halbsieben los, und Østvang entpuppt sich als Drummer der perkussiven Sorte, der hingebungsvoll mit Klangfarben spielt, mit Metallschalen, Muscheln, Glöckchen, Ketten, Rasseln, Flexaton, Beats schlägt er gerade mal mit Besen, von denen er auch ein Paar rote federt. Links vor ihm, aus meiner Sicht im gut gefüllten Club, agiert Edwards, und wie! Wie er da, mit dem Temperament von Joe Fonda und der Groovepower von Håker Flaten, die Saiten rupft, knurpst, patscht, wetzt, schnalzen lässt, mit Bögen sägt, harkt, knurrt, flageolettisiert, wie er sie plonken, murren und pfeifen lässt, wie er sich summend und mit sichtbarer Begeisterung reinkniet in seine Amour Fou, das ist, wie er hinterher sagt, dennoch das Gegenteil von Arbeit. Auch wenn es Schweiß kostet, ist es die pure Lust, dem Instrument alles zu entlocken, was in und an ihm steckt. Und einiges, das nur er entdeckt hat! Rechts wechselt Watts souverän und ohne Schweißperlen zwischen Alto und Soprano, feuriger als man es bei britischem Plinkplonk erwartet, mit selbstverständlichstem Spaß an Kakophonie und spitzestem Altissimo und zugleich erfreulichster Vogeligkeit. So wechseln in einem langen Set mit nur einer Beifallspause turbulente Verdichtungen mit nuancenreichem Klingklang, grooviger, von Edwards angestoßener Drive – daher meine Assoziation zum Bass bei The Thing – und Krach as Krach can mit detailverliebtem Gepfriemel und das gleich wieder mit sanglichem Tirili. Die heftig erklatschte Zugabe in ihrem nochmal gewagtem Auf und Ab gelingt ihnen so gefühlvoll und innig, dass ich sie in mir dem Andenken an Brötzmann und Mars Williams widmen kann. Edwards bringt sogar so was wie das 'A Love Supreme'-Motiv, Østvang lässt die Filzbeats rollen und Watts beschert raukehlige Melodik, die, wie er, noch aus den 1930ern herrühren könnte. Das letzte i-Tüpfelchen zu setzen, ist dann auch beim dritten Mal ein Kunststück für sich. Auch danach zeigt sich der 84-jährige nochmal als entspannter und redseliger Zeitgenosse, der gut lachen hat, wenn Edwards erzählt, wie der Zahn der Zeit Schlippenbach den Rücken krümmt, dass Paul Lovens keine Hand mehr rühren kann und andere das Schicksal des in Alkohol eingelegten und schon mit 67 abgegangenen Paul Rutherford teilen. Denn nach einem kleinen Hitech-Eingriff am Herzen ist er so fit wie's nur geht. Die Seeluft in Hastings, wo er seit über 40 Jahren lebt, und der 'Jazz'n'Roll' mit Edwards & Østvang, mit Veryan Weston, Liam Genockey oder Jamie Harris halten ihn jung. Und unsere Heimfahrt über Nassau und die B19 ist erfüllt vom einhelligen Eindruck, dass uns ein erstaunliches und fesselndes Konzert vergönnt war. [Rigobert Dittmann, bad alchemy 122]
Trevor Watts / John Edwards / Tollef Østvang im Club W71

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Trevor Watts / John Edwards / Tollef Østvang im Club W71
Trevor Watts / John Edwards / Tollef Østvang im Club W71
„Last Dream of the Morning”. Wenn vom letzten Traum des Morgens die Rede ist, dann ist damit gewiss nicht der Traum des Tiefschlafs gemeint,