Hercules DJControl Jogvision Test
Hercules hat mit dem DJ Controller DJControl Jogvision einen DJ-Controller fĂŒr zwei Decks mit integriertem Audiointerface im Portfolio, bei dessen Entwicklung die Devise wohl âklotzen statt kleckernâ gewesen sein muss. Nicht nur, dass der Controller mit dem berĂŒhrungslosen Abstandssensor âAir Controlâ ausgestattet ist, Serato DJ (Intro) im GepĂ€ck hat und mit zwei imposanten Jogwheels im besten Technics Look nebst integrierten LED-Display-Funktionen ausgestattet ist. Nein, darĂŒber hinaus stellt er auch Pads, Effektregler und visuelle Mixhilfen bereit. 349 Euro (UVP) ruft der Hersteller fĂŒr seinen Neuling auf, der somit in direkter Konkurrenz zu Pioneers DDJ SB2, dem GMX von Gemini und NIs Traktor Kontrol S2 MK2 steht. Schauen wir mal, ob Hercules mit DJControl Jogvision in diesem hart umkĂ€mpften Marktsegment ein guter Wurf gelungen ist.
Nimmt man den DJ Controller Controller in die Hand, staunt man nicht schlecht, denn die Verarbeitung ist gut gelungen, das ĂŒberwiegend aus Kunststoff gefertigte Case legt ein vertrauenserweckendes Gewicht an den Tag und das gute GefĂŒhl verstĂ€rkt sich, wenn ich anfange, an den Tasten und Reglern herumzuspielen. Die Tasten sind je nach Funktion von adĂ€quater GröĂe und zum Teil mit transparenten Schlitzen wie bei Controllern von Native Instruments versehen. Die Drehknöpfe reagieren geschmeidig und gleichmĂ€Ăig, wĂ€hrend die Fader ein wenig seitliches Spiel aufweisen, aber dafĂŒr dennoch sauber auf der Leiterbahn laufen. Dass der Controller ein echter Hercules ist, kann, ja will er offensichtlich nicht bestreiten, denn das Layout ist an einigen Stellen schon ein wenig âunkonventionellâ, doch dazu im Laufe des Textes mehr.
Das Jogwheel mit seinem 1210er-Design zieht nicht nur meinen DJ Controller Blick auf sich, sondern lockt direkt auch meine Hand fĂŒr einen imaginĂ€ren Kick-Abwurf. Der kĂŒhle Metallring fasst sich gut an, der Widerstand ist ausgezeichnet. Nur wenn ich beim Scratchen sehr fest drauf drĂŒcke, gibt es ein wenig nach und schleift am GehĂ€use. Ich kann aber beruhigen: Das ist bei meinem Pioneer DDJ-SX2 auch nicht anders. Nichtsdestotrotz ist es konstruktionsbedingt ein wenig kippeliger als der besagte Konkurrent. Kritisieren könnte ich an dieser Stelle eigentlich nur den geringen Abstand zum Pitchfader, wenn dieser voll heruntergezogen ist. Ein Umstand, der aber wegen des allgemeinen Sync-and-Perform-Virus wohl nicht so schwer ins Gewicht fallen dĂŒrfte. Mit MaĂen von 46 x 26 Zentimetern erweist sich mein Testkandidat zudem nicht nur als Ă€uĂerst rucksackkompatibel, sondern auch als relativ bescheiden hinsichtlich der Aufstellung, da er sich auch dort gut einfĂŒgt, wo Stellplatz knapp ist. Beispielsweise auf dem Schreibtisch oder im âBedroomâ.
Cue, Track oder Beat
Ăbersichtlich geben sich DJ Controller Front- und Backpanel. Vorn entdecke ich eine Mikrofonbuchse nebst LautstĂ€rkeregler und gleich zwei KopfhöreranschlĂŒsse, eine als Standard- und die andere als Miniklinke ausgefĂŒhrt. Adapter braucht ihr demnach nicht mitzunehmen. Allerdings fehlt hier der klassische Drehregler fĂŒr den Kopfhörer-Mix, stattdessen setzt Hercules auf zwei Tasten mit den Bezeichnungen âCueâ fĂŒr das Vorhörsignal respektive âMixâ fĂŒr das Summensignal. AuĂergewöhnlich und ... klar, kann man so machen, nur mein Fall ist es nicht, da sich das VerhĂ€ltnis von Cue und Master nicht stufenlos ineinander blenden lĂ€sst, wie es bei jedem Clubmixer oder den meisten DJ-Controllern ĂŒblich ist. Wer jetzt sagt: Ist mir egal, ich will nur wissen, ob der Cue, Track oder Beat passt oder die Synchronisation stimmt, kann meine Anmerkung ignorieren.
Auch an der DJ Controller RĂŒckseite ist alles zu finden, was der Einsteiger benötigen könnte. Es gibt sogar einen regelbaren Cinch-Ausgang fĂŒr die Monitorboxen sowie zwei Stereo-MasterausgĂ€nge im Cinch- und Miniklinkenformat, die seltsamerweise wiederum nicht regelbar sind. AuĂerdem findet sich hier die Netzteilbuchse zur Spannungsversorgung ein. Ein nettes Detail: Die Aufnahme fĂŒr das Kensington-Lock ist mit einem Gummischutz versehen. Gummi erblicke ich auch unter der Konsole, denn dort geben vier wirklich groĂe StandfĂŒĂe dem Controller Halt auf glatten Unterlagen.  Obendrein integriert Hercules noch einen Aux-Eingang, ebenfalls als Miniklinkenbuchse ausgelegt. Dieser ermöglicht, externe Zuspieler wie ein Warm-up iPhone anzuschlieĂen. Allerdings muss hierfĂŒr die Verbindung zum Computer und zur Spannungsversorgung gegeben sein. Ich hĂ€tte es sinnvoller gefunden, wenn sich der Aux-In auch ohne USB-Verbindung auf die Summe schicken lieĂe. Wieso? â Nun,
Davon abgesehen hinterlÀsst der Proband bis hierher einen guten Eindruck. Die zahlreichen Ein- und AusgÀnge sind in dieser Preisklasse keine SelbstverstÀndlichkeit.
GB RAM, einem USB2
Bevor es tiefer in die Materie geht, lade ich Serato DJ Intro von der Hersteller-Website, dazu die Hercules Treiber fĂŒr den Mac. Das Jogvision-Serato-Bundle gibt sich bereits mit einem Core 2 Duo ab 2,4 GHz oder einem 1,6 GHz I3 sowie 2 GB RAM, einem USB2.0 Port und 100 MB Disc Space zufrieden. ErfahrungsgemÀà schaden 4 GB bei neueren Betriebssystemen allerdings nicht, schon gar nicht bei den Betriebssystemen von Microsoft. Gefordert sind entweder Windows 7 oder 8 (32/64 Bit) sowie Mac OS X ab 10.7 (ebenfalls in 32 oder 64 Bit).
Eine Bemerkung am Rande
Eine Bemerkung am Rande: Die hauseigene Software von Hercules âDjucedâ gehört momentan (08/2015) noch nicht zu den offiziell unterstĂŒtzten DJ-Programmen. DafĂŒr aber ... Â
Die Beipackvariante bietet euch im Zusammenspiel mit der vorliegenden Hercules-Hardware zwei virtuelle Decks mit farbigen Wellenformen in horizontaler oder vertikaler Anordnung. FĂŒr eure Tracks steht ein umfangreiches Musikmanagement nebst iTunes-Integration und virtuellen Plattenkisten zur VerfĂŒgung. Sechs Effekte, vier vom Controller zugĂ€ngliche Hotcues und ein Sample-Player mit vier Slots runden das Programm ab, nachstehend in Screenshots festgehalten. Klar, die Vollversion (129 Euro) hat deutlich mehr zu bieten, beispielsweise den Mix-Rekorder, mehr Effekte, den Slicer und Rolls etc. Doch auch Intro hat alle Basis-Funktionen zum Auflegen an Bord. Manch einem könnte das durchaus reichen.
Eine Anmerkung noch an dieser Stelle: Jogvision lÀsst die Auswahl zwischen 7 Bit und 14 Bit MIDI zu. Verwendet den voreingestellten hochauflösenden Modus, denn ansonsten funktionieren die Fader und Knobs nicht zusammen mit Serato DJ.
Beim ersten flĂŒchtigen Streifzug ĂŒber die BedienoberflĂ€che dĂŒrften nicht nur Controller-Greenhorns zunĂ€chst ein wenig irritiert sein, denn die Anordnung einiger Tasten und die Doppelbelegungen mĂŒssen erst mal verinnerlicht werden. Das Handbuch ist dabei nicht unbedingt nötig, da die Funktionsbeschreibungen, wenngleich verschachtelt, eindeutig genug sind. UnterstĂŒtzend wirken statusbeleuchtete Tasten oder LED-LĂ€mpchen, die darauf hinweisen, welche Betriebsart oder Funktion gerade aktiviert ist.
Load Prepare und Area
In der DJ Controller Mitte sitzt der Mixer, ausgestattet mit 47 Millimeter langen Linefadern, einem 40-Millimeter-Crossfader und dem obligatorischem Dreiband-Equalizer, allerdings ohne dedizierte Gain-Controls und ohne dedizierte Kanalfilter. Stattdessen steuert ihr via Air-Control ein Lowpass-Filter, das zwar an jedem Kanal separat aktiviert werden kann, allerdings ĂŒber denselben Infrarotsensor mit MIDI-Daten gefĂŒttert wird. Die Gain-Regler justiere ich ĂŒber dem zentralen, dicken und griffigen Browse-Encoder und die Deck-zugehörige Shift-Taste. FĂŒr alte Hasen, die an gĂ€ngigen Kontrollparadigmen festhalten wie die Maus am KĂ€se, ist dies sicher gewöhnungsbedĂŒrftig. Serato bietet alternativ hierzu die Option an, die LautstĂ€rke der Titel automatisch auf das gleiche Niveau einzustellen (Preferences, Auto Gain). Hervorheben möchte ich noch, dass ein Tastenblock ĂŒber dem Crossfader die Funktionen Panel, View, Load Prepare und Area bedient. Ferner finden sich hier die Vinyl-Taste fĂŒrs Scratchen und der Mic-Button zur Aktivierung des Mikrofonwegs ein.
DJ Vollversion zur VerfĂŒgung
An den DJ Controller Seiten: die Deck-Sektion mit dem vergleichsweise hĂŒnenhaften Jogwheel, den oben liegenden Pitch-Fadern und einer Transportsektion unterhalb des Tellers. Vier RGB Performance-Tasten finden sich an den jeweiligen AuĂenflanken ein. Das sieht man auch nicht oft, denn man hĂ€tte sicherlich auch zwei Vierer-Zeilen wie beim DDJ-SB2 oder Mixtrack anordnen können, jedoch herrscht so eine klare optische Trennung zwischen dem Cue/Play-Gefolge und den Pads. Diese kennen vier verschiedene Befehlsebenen, und zwar âCues 1-4â, âSamplesâ, âCues 5-8â und âSample-Bankâ. Allerdings sind nur die ersten beiden Layer fĂŒr SDJ Intro korrekt ausgewiesen. Die beiden letztgenannten Arbeitsebenen stehen nur in der Serato DJ Vollversion zur VerfĂŒgung. Rolls und Slicer bekommt ihr also auch bei einem Update nicht geboten.
PR-22 UT zum Einsatz
Verkabelung steht auf dem Programm. In meinem Fall landet der Master-Ausgang an einer Lukas Nano 600, als Mikrofon kommt ein Heil Sound PR-22 UT zum Einsatz, der verwendete Kopfhörer ist ein Sennheiser HD8 DJ. Ich benutze ein MacBook Pro, das mittlerweile auf Mac OSX 10.10 upgedatet ist, der Aux-Zuspieler soll ein iPhone sein. Aktiviert wird der Eingang via Jogvision Control Panel und ĂŒber die Mic-Taste. Danach gibtâs Sound auf dem Master. Unpraktisch ist, dass ich den Aux-Input nicht separat einpegeln kann.
Control Panel der Hardware
Ich möchte an dieser Stelle auch gleich auf die KlangqualitĂ€t des Jogvision eingehen, an der ich nichts auszusetzen habe. Der Sound aus dem Master- und Booth-Ausgang ist transparent und digitale StörgerĂ€usche sind im Live-Einsatz nicht zu vernehmen. Der KopfhörerverstĂ€rker ist satt genug und der Mikrofonkanal rauscharm. Letztgenannter verfĂŒgt obendrein ĂŒber eine zuschaltbare dreistufige Ducking-Funktion, deren Absenkung (-3, -6, -9) ohne Schwellwertangabe im Control Panel der Hardware eingestellt wird.
Schnell sind mit DJ Controller Hilfe des Browse-Encoders und den dazugehörigen Tasten zwei Titel in die Software-Decks geladen und eingestartet. Nun darf gemixt werden. Wer der automatischen Synchronisation nicht traut oder erst mal das Handwerk erlernen will, findet in dem akkuraten Jogwheel und dem bedauerlicherweise etwas kurz geratenen, mit zwei Hundertstel Prozent (+/-8) auflösenden Pitchfader zwei probate Hilfsmittel. Ăberhaupt liegt der Teller auĂerordentlich gut in, an und unter der Hand. Das interne Display ist ein Blickfang und praktisch noch dazu. Zwei konzentrische Ringe, von denen sich der Ă€uĂere blaue wie ein Plattenteller mit 33 oder 45 RPM dreht, bereiten die Abspielgeschwindigkeit und Position im MusikstĂŒck optisch auf. Das innere Kreisrund hingegen visualisiert in WeiĂ die Positionsanzeige anhand von 16 beleuchteten Segmenten. Ebenso prima fĂŒr die Scratch-Fraktion: vier Cuepoints âright by handâ.
Die Effekt- und Loop-Bedienung
Die Effekt- und Loop-Bedienung finde ich etwas unglĂŒcklich gelöst, da die drei Tasten in der FX-Sektion gleichzeitig auch fĂŒr Loops verwendet werden und der einzige hier verbaute Encoder in AbhĂ€ngigkeit vom Status der Tasten âFX Loopâ, âMulti FXâ und âShiftâ...
FX Modus die Funktionen
Die Tasten ĂŒbernehmen dann im DJ Controller FX Modus die Funktionen âFX ONâ und in Kombination mit Shift âFX Selectâ. Im Loop-Betrieb stehen euch die Funktionen âLoop onâ âx2â (LĂ€nge verdoppeln) und â/2â (LĂ€nge halbieren) zur VerfĂŒgung. Bei aller Liebe zu kompakten Formfaktoren, die oftmals nur durch Weglassen von Controllern und Mehrfachbelegungen zu realisieren sind: Das stĂ€ndige Umschalten zwischen Loops und FX ist fĂŒr mich nicht das Gelbe vom Ei. Das hĂ€tte man in meinen Augen durchaus anders machen können, beispielsweise indem man statt der âFX Loop Tasteâ einen dedizierten Loop-Encoder verbaut und diesen mit einer Push-Funktion ausstattet, um die Schleife zu setzen und spĂ€ter zu bearbeiten. Obendrein hĂ€tten sich auch die âungenutztenâ Performance Pad Layer angeboten. Aber gut, hier hat jeder individuelle PrĂ€ferenzen.
DJControl Jogvision von Hercules
Air-Control fĂŒr das DJ Controller Filter funktioniert von technischer Seite aus im Grunde ganz gut. Fraglich ist allerdings, inwieweit man bereit ist, wild mit den HĂ€nden herum fuhrwerkelnd sein abendliches DJ-Set zu bestreiten. Ich bevorzuge da Regler fĂŒr (bipolare) Hoch/Tiefpassfilter in den KanĂ€len. Sei es, wie es will: In der Summe bietet der Hercules Jogvision eine ordentliche Anzahl an Funktionen, die man auf solch einer kleinen FlĂ€che erst einmal zusammenstellen muss. Kennt man es nicht anders und hat sich auf den Arbeitsablauf einmal eingestellt, kann man mit dem GerĂ€t durchaus viel SpaĂ haben. In erster Linie möchte ich die gelungenen Jogwheels, die kompakte Bauweise und den guten Sound des DJControl Jogvision von Hercules herausstellen.
Via: Bonedo
















