In den Ă€rmsten Stadtteilen Kairos zahlt ein ĂŒberschaubarer Kreis der Bewohner einen kleinen Geldbetrag in einen Topf. Gemeinsam wird entschieden, wer gerade besonders bedĂŒrftig ist oder UnterstĂŒtzung fĂŒr notwendige Anschaffungen benötigt. Die Filmemacherin Reem Saleh begleitet fĂŒr ihre Dokumentation  (AL GAMIâYA â WHAT COMES AROUND) einige Familien durch ihren Alltag, ĂŒber mehre Jahr hinweg. Um es vorweg zu sagen: Die Ă€gyptischen MĂ€nnern kommen nicht gut weg. Sie lĂŒmmeln herum, lassen sich versorgen, rauchen ohne Ende, sind faul und untĂ€tig. Die Frauen kĂŒmmern sich um die wachsende Kinderschar. ZurĂŒck zu dem sozialen Netzwerk: NatĂŒrlich geht es um Hochzeiten oder ZuschĂŒsse fĂŒr ein Moped. Sehr speziell wird es aber, als ein junges MĂ€dchen (10 Jahr alt? Noch jĂŒnger? Etwas Ă€lter?) lauthals verkĂŒndet, dass sie Geld fĂŒr ihre GenitalverstĂŒmmelung benötigt. Das erhĂ€lt sie dann wohl auch und irgendwann spĂ€ter berichtet sie einer Freundin anschaulich, wie die VerstĂŒmmelung vonstatten ging (Spritze in den Po, Spritz irgendwo vorne rein, Rasierklinge, Schere, und zack war die Klitoris etwas kĂŒrzer). Zur Veranschaulichung zĂŒckt sie ein Teppichmesser und lĂ€sst die Klinge herausfahren. Das MĂ€dchen erlĂ€utert zwar ihre Motivation, aber dem Inneren Burghof muss da etwas entgangen sein: Er hatâs nicht so richtig mitbekommen. Wollte sie dadurch heiratsfĂ€hig, also zur Frau werden? Im Alter von 10 oder 12 Jahren? Auf jeden Fall fantasiert sich das junge Ding in eine Ehe hinein, in der sie jeden Tag von ihrem Mann krĂ€ftig verprĂŒgelt wird. Denn das sei der einzige Weg, dass ihr Mann das Biest in ihr beherrschen könnte. Nun könnte man denken, Reem Saleh hĂ€tte uns in eine dystopische Welt entfĂŒhrt. Dem ist aber nicht so: Die Frauen strahlen eine Energie und einen Lebenswillen aus, der geradezu ansteckend ist. Es wird getanzt und gefeiert, man ist laut und streitsĂŒchtig, aber auch lustig und vertrascht. Eine der Protagonistinnen hat sich vom selben Mann dreimal scheiden lassen, jedesmal mit einem weiteren Kind im Bauch. Eine vierte Hochzeit lĂ€sst ihre Religion nicht zu, also kommt sie irgendwie allein zurecht, mit drei oder vier Kindern. Und dem sozialen Netzwerk, das ihre Nachbarschaft aufrecht erhĂ€lt.