Eurobonds, Fiskalunion, uneingeschrĂ€nkte Ankaufsprogramme der EZB â Was rettet die Eurozone?
Der Titel meines Beitrages mag etwas reiĂerisch klingen â soll er auch. Denn mittlerweile stehen wir aus meiner Sicht vor der entscheidenden Frage: wollen wir dieses Europa weiterentwickeln? Oder geht es wieder zurĂŒck in die Zeit vor der Errichtung einer gemeinsamen WĂ€hrung? Da die Bundeskanzlerin sich fĂŒr das gemeinsame Europa ausspricht (ich gehe einmal davon aus, dass sie das auch wirklich so meint), dann muss man nach einem endgĂŒltigen Weg aus der Krise suchen.
Und was wir jetzt brauchen ist, eine tatsĂ€chliche Lösung des Problems. Denn inzwischen sind die MĂ€rkte wohl an einem Punkt angelangt, wo sie von der Politik eine solche Lösung einfordern. Und hier will ich einmal diese fĂŒr viele eher âanonymen MĂ€rkteâ in Schutz nehmen. In diese Lage hat sich die Politik z. T. auch selbst gebracht. Da werden nĂ€mlich LösungsvorschlĂ€ge diskutiert und beschlossen. Aber es wird noch nicht einmal die Umsetzung dieser BeschlĂŒsse abgewartet, da wird schon wieder an der Sinnhaftigkeit dieser BeschlĂŒsse gezweifelt. So kann kein Vertrauen der MĂ€rkte entstehen. Und Vertrauen â das wissen meine Studies sicherlich noch â ist das wichtigste Asset in der Geld- und WĂ€hrungspolitik.
Und nun stehen wir an der Weggabelung â was kann jetzt noch helfen? Entweder gibtâs esÂ
Eurobonds (auch wenn dadurch falsche Signale an GlÀubiger und Schuldner gesendet werden und die disziplinierende Spreizung der Marktzinsen entfÀllt), oder
eine Fiskalunion (die so eigentlich nicht in den VertrÀgen von Maastricht gewollt war), oder
einen weitergehenden Ankauf von Staatsanleihen der EZB (womit die EZB noch stÀrker in den politischen Fokus gerÀt und deren UnabhÀngigkeit weiter geschwÀcht wird; zudem wird die fiskalpolitische SubsidiaritÀt und die finanzpolitische Eigenverantwortung der Staaten ausgehebelt).
Eine zumindest optische VerschĂ€rfung der ohnehin angespannten Lage ist durch die unerwartet geringe Nachfrage nach einer neuen zehnjĂ€hrigen Bundesanleihe entstanden. Aus Sicht der F.A.Z. ist kein Grund zur Panik, âwohl aber ein unmissverstĂ€ndliches Signal des Marktes, dass sich auch die in dieser Krise als sicherer Hafen geschĂ€tzte Bundesrepublik Deutschland am Anleihemarkt nicht alles erlauben kann. Knapp 2 Prozent Rendite fĂŒr eine zehnjĂ€hrige Anleihe sind vielen Anlegern in diesen unsicheren Zeiten einfach zu wenig, auch wenn Deutschland nach wie vor zu den angesehensten Schuldnern der Welt zĂ€hlt. Zudem spricht es sich an den MĂ€rkten herum, dass auch Deutschland keine konsequente Sparpolitik betreibt. Schlimmer als der Ansehensverlust deutscher Anleihen, der nur vorĂŒbergehend sein mag, ist die Ausstrahlung auf alle europĂ€ischen AnleihemĂ€rkte, die am Mittwoch nahezu vollzĂ€hlig steigende Renditen verzeichneten. Die Krise hĂ€lt nicht nur die WĂ€hrungsunion im Griff, sondern ist dabei, sich nach Osteuropa und damit auch in LĂ€ndern auszubreiten, die nationale WĂ€hrungen besitzen.â
Aus meiner Sicht könnte sich hierin ein KĂ€uferstreik zeigen, der aus einem mangelhaften Umgang der Politik mit der Krise resultiert. Jetzt mĂŒssen endgĂŒltige Lösungen her.
Ganz wichtig aus meiner Sicht ist noch die politische Komponente. Inzwischen hat sich die Bundeskanzlerin (und auch der Bundesfinanzminister) in eine nicht ganz ungefĂ€hrliche Lage manövriert: Die starre Ablehnung von Eurobonds einerseits und uneingeschrĂ€nkten Ankaufsprogrammen der EZB andererseits lĂ€sst eigentlich nur den Weg einer Fiskalunion mit weitreichenden Eingriffsrechten der EuropĂ€ischen Kommission und/oder des EuropĂ€ischen Rates ĂŒbrig. Dazu mĂŒssten aber die EuropĂ€ischen VertrĂ€ge geĂ€ndert werden. Und dies kostet Zeit â und die haben wir nicht mehr. Also wird es, und jetzt lege ich mich mal fest, wohl zu so etwas wie Eurobonds kommen. Frau Merkel sollte sich dieses ZugestĂ€ndnis mit vertraglich abgesicherten Zugriffsrechten auf nationale Haushalte abhandeln lassen. Und Ihre Meinung?
 Alles Gute â wo auch immer Sie dies lesen.