From the book 'Feeling B - Mix mir einen Drink - Punk im Osten' pages 369-372. German text in green, translation in blue.
Der schönste Moment mit Feeling B war das, was wir in Hohen Viecheln erlebt haben. Da war ich leider auf Alkohol, nichtsdestotrotz waren das herrliche Tage. Hohen Viecheln, also der Norden, ist auch die Basis für Rammstein, dort habe ich Till Lindemann kennengelernt. Wir sind wieder auf so eine Gruppe von Leuten getroffen, die sich gut untereinander verstehen, bei denen haben wir uns sofort wohlgefühlt.
The best moment with Feeling B was what we experienced in Hohen Viecheln. Unfortunately I was high on alcohol, but nonetheless those were wonderful days. Hohen Viecheln, the north, is also the base for Rammstein, where I met Till Lindemann. Again we met a group of people who got along well with each other and we immediately felt at home with them.
Hohen Viecheln ist ein kleines Dorf zwischen Schwerin und Wismar. Aljoscha hatte dort irgendwo einen lustigen Fotografen namens Poppke aufgegabelt.
Hohen Viecheln is a small village between Schwerin and Wismar. Aljoscha somewhere dug up a funny photographer named Poppke.
Aljoscha kannte immer genau die Leute, die in den Dörfern aus den normalen Leben rausfallen, er kannte immer die auffälligen Typen.
Der Poppke konnte Kopfstand im Aschenbecher machen und dabei noch Wodka trinken. Wir sind die ganze Nacht mit dem LO *1) durchgefahren und kamen morgens gegen sechs Uhr in Hohen Viecheln an. Poppke nahm uns in Empfang und hat uns schnell zu 'Schnell', der Kneipe in Hohen Viecheln, geschleppt. Es wurde Kaffee bestellt, es kam aber ein Tablett voller Weinbrand und Bier an! Das Unheil nahm seinen Lauf. Vier Stunden später waren alle richtig rund und gaben Faxen *2) gemacht. Danach sind wir stockbesoffen mit Poppkes Auto, einem Dacia, in den Schweriner See gefahren. Türen auf, das Wasser floss rein und wir ließen uns einfach zur Seite in den See plumpsen und waren glücklich und zufrieden. Später ging es zurück in die Gaststätte, weitertrinken.
Wir erkundigten uns bei Poppke, ob er nicht wüsste, wo Feeling B auftreten konnte. Er sagte, in Schwerin, in der Halle am Fernsehturm, sei ein Theater-Abend, da könnten wir doch Performance machen. Das klappte auch. Wir haben da mit ernsten Gesichtern und schwerem Kater herumimprovisiert, dazu hat der Maler Hans Scheibner eine nackte Frau angestrichen. Poppke hat das sehr gefallen, er beschloss spontan, wir machen jetzt die Rocknächte von Hohen Viecheln mit Feeling B als Hauptattraktion. Also wurde dort ein Open Air organisiert. Wir blieben eine Woche im Dorf und eines Abends, als alle Kneipen schon zu waren, meinte Poppke, wir fahren einfach noch zu einem Freund. Über einen grauenhaften Holperweg sind wir mitten in der Nacht bei einem Haus angekommen, da saßen zwei, drei Leute mit Rotwein und Kerzenlicht. Wir sind da wie eine Bombe reingekracht und haben innerhalb von zehn Minuten das Haus auf den Kopf gestellt: Licht an, Musik volle Lautstärke, getanzt und, weil keine Butter mehr da war, haben wir uns ein Ei in Honig gebraten. Eine Woche später erfuhren wir erst, wem dieses Haus gehört: Till Lindemann. Der war diesen Abend wohl auch da, aber den nahmen wir gar nicht war. Wir haben einfach sein Haus überfallen, ignorant wie wir waren.
Aljosha always knew exactly the people who fell out of normal life in the villages, he always knew the noticeable types.
Poppke could do a headstand in the ashtray and drink vodka at the same time. We drove the LO *1) all night and arrived in Hohen Viecheln around six in the morning. Poppke picked us up and quickly dragged us to 'Schnell', the pub in Hohen Viecheln. Coffee was ordered, but a tray full of brandy and beer arrived! The disaster began. Four hours later everyone felt great and was acting silly *2). Afterwards we drove Poppke's car, a Dacia, into Lake Schwerin, completely drunk. The doors opened, the water flowed in and we simply flopped sideways into the lake and were happy and content. Later we went back to the restaurant and continued drinking.
We asked Poppke if he knew where Feeling B could perform. He said there was a theater evening in Schwerin, in the hall by the television tower, and we could do a performance there. That worked out. We improvised around with serious faces and severe hangovers, and the painter Hans Scheibner painted a naked woman. Poppke really liked that, he spontaneously decided that we would now do the rock nights in Hohen Viecheln with Feeling B as the main attraction. So an Open Air was organized there. We stayed in the village for a week and one evening, when all the bars were already closed, Poppke said we would just go to a friend's house. We arrived at a house in the middle of the night along a horrible bumpy road. Two or three people were sitting there with red wine and candlelight. We crashed in like a bomb and within ten minutes turned the house upside down: lights on, music at full volume, dancing and, because there was no butter left, we fried an egg in honey. It wasn't until a week later that we found out who owned this house: Till Lindemann. He was probably there that evening too, but we didn't even notice him. We just raided his house, ignorant as we were.
Till probably ca 1987/1988 photo by Matthias Mathies or Lothar Steiner
Paul, der sich überall eingeladen fühlt, ist mit mir danach noch einige Male zu Till gefahren, und dabei lernten wir Till richtig kennen. Er ist ganz früh zu Hause ausgezogen und hat sich dieses Haus gekauft, das war eine Schilfkate, davon hat ihm auch nur die Hälfte gehört. In der anderen Hälfte wohnte eine Oma, die den ganzen Tag gehustet und jedes Wort mitgehört hat. Wir fanden Till viel besser als er wahrscheinlich uns. Weil er ein cooler Typ war, und sein Haus war richtig gut mit altem Müll und Möbeln eingerichtet. Schrottzeug, was man so hat, wenn man auf dem Dorf künstlerisch veranlagt ist. Till war Korbflechter und Fan. Er kam nach dem Konzert im Schweriner 'Achteck' zu uns, und wir haben uns ein bisschen unterhalten. Dabei habe ich gemerkt, dass die Jungs in Schwerin ein ganz anderes Bild von uns hatten. Für die war Feeling B eine richtig berühmte Band und nicht so ein Faxenverein, wie wir dachten. Till sah gut aus, eben so ein großen Bauer, der einen Satz in der Stunde spricht. So was hat uns beeindruckt. Es waren immer Schnaps und Essen da. Er hat einfach irgendwo zwei Enten geklaut und auf einem Kuchenblech gebacken. Es war wie bei Dornröschen, überall lagen wie erstarrt Leute rum, in allen Ecken und Truhen. Das fanden wir schon ein bisschen gut.
Paul, who feels himself invited everywhere, went with me to Till a few times afterwards and we really got to know Till. He left home very early and bought this house, it was a reed cottage, and he only owned half of it. In the other half lived a grandma who coughed all day and listened to every word. We liked Till much better than he probably liked us. Because he was a cool guy and his house was really well decorated with old junk and furniture. Junk stuff that you have when you're artistically inclined in the village. Till was a basket weaver and a fan. He came to us after the concert in Schwerin's 'Achteck' and we talked a bit. I noticed that the boys in Schwerin had a completely different image of us. For them, Feeling B was a really famous band and not as much of a silly-club as we thought. Till looked good, just like a big farmer who speaks one sentence an hour. That impressed us. There was always liquor and food there. He simply stole two ducks from somewhere and baked them on a cake tray. It was like Sleeping Beauty, people were lying around everywhere, frozen, in every corner and in chests. We felt that was pretty good.
Wir sind nachher immer zu Till gefahren, Urlaub machen. Dabei haben wir voll Berliner-mäßig mit der neuesten Musik angegeben, die wir mitbrachten. Von einem Kumpel bekamen wir aus London House- und Acid-music, das kannte da noch kein Schwein. Konnte man gut mit angeben. Bei Till im Haus und im Auto standen die Musikanlagen immer voll auf Anschlag, das fand ich gut. Schnell lernten wir die anderen Schweriner Kumpel kennen, die uns zeigten, wie ein Mann alleine ein Trabbi anschiebt und dann reinspringt. Das war ein sehr lebensjahender Kreis von Leute, nicht so trübe wie in Berlin oder Leipzig. Wir kannten da mehr die Leute, die Fischreusen ausgeräumt haben. Über Till haben wir dann Scholle kennengelernt, also Richard Kruspe, den Mann mit den vielen Namen. Scholle hatte zuvor schon bei der Band 'Das Elegante Chaos' mitgespielt, Till hatte schon seine Band 'First Arsch'. Die hatten nie einen richtigen Gitarristen, die wollten lieber fiese Typen haben, also fragten sie uns. Wir sind mit denen getourt, das war eigentlich die beste Tour, die ich je in meinem Leben mitgemacht habe. Das Drumherum hat einfach gefetzt.
Afterwards we always went to Till's, goon holiday. We showed off the latest music we brought with us in true Berlin style. We got house and acid music from a friend in London that no one knew about. It was easy to show off. Till's music systems in the house and in the car were always at full blast, which I thought was good. We quickly got to know the other Schwerin buddies who showed us how a man pushes a Trabbi alone and then jumps in. It was a very life-affirming group of people, not as gloomy as in Berlin or Leipzig. Over there we knew more the people who cleared out fish traps. Through Till we met Scholle, Richard Kruspe, the man with many names. Scholle had previously played with the band 'Das Elegante Chaos', Till already had his band 'First Arsch'. They never had a real guitarist, they preferred to have nasty guys, so they asked us. We toured with them, it was actually the best tour I've ever been on in my life. Everything going on around it was simply amazing.
*1) LO = Designation for trucks of brand 'Robur' that were broadly used in the DDR (type designation L (LastKraftwagen, truck) – O (Ottomotor, petrol engine))
2*) in Feeling B (and Rammstein) stories Paul and Flake often use the phrase 'Faxen machen', which is basically 'do silly stuff', but i haven't found the ultimate one-on-one english translation yet 😉
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