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One year ago...
Österreich: die vier Musketiere
Mit der heutigen Folge endet die dann doch ausführliche Saisonfazit-Serie. Wird ja auch Zeit, knapp dreieinhalb Monate nach dem Weltcup-Finale in Oslo. Zum Abschluss geht es heute um das Siegerteam im Nationen-Cup, nämlich das Team aus Österreich. Die Leistung Nationen-Cup-Sieger zu werden, ist schon eine ziemlich beeindruckende. Aber das mit vier Springerinnen, die überhaupt Punkte geholt haben, setzt noch einmal eins oben drauf. Ich habe euch ja von den Slowenninen und Deutschen berichtet, wo teilweise acht und mehr Athletinnen Punkte holen konnten. So viel Auswahl gibt es im eigentlich großen Skisprungland Österreich zwar, aber die Anzahl der Aktiven ist im Vergleich zu den anderen beiden Ländern deutlich geringer. Fast alle gemeldeten Athletinnen wurden auch eingesetzt. Die einen mit herausragendem Erfolg, die Anderen gänzlich ohne.
Herausragend war allen voran Daniela Iraschko-Stolz, die die fantastische Saison der Österreicherinnen mit ihrem Gesamtweltcupsieg krönte. Somit fehlt ihr in der Galerie der Titel lediglich der Olympiasieg. Der war 2014 zum Greifen nah, wurde ihr dann aber von Carina Vogt vor der Nase weggeschnappt. Ob es 2018 klappen wird, hängt in erster Linie von Iraschko-Stolz’ Fitness und Motivation ab. Doch bis zur nächsten WM (2017) wird sie sicher weitermachen und von dort ist es ja “nur” noch ein Jahr bis Olympia. Sie ist verdient Gesamtweltcup-Siegerin geworden; auch, weil sie kein Springen außerhalb der Top 8 beendete. Die Titel sprechen für sich, von daher machen wir die Besprechung mal nicht länger als notwendig.
Zweitbeste im Team wurde die hier schon viel erwähnte Eva Pinkelnig. Es ist ein wahres Märchen, das sie in dieser Saison geschrieben hat. Zur Krönung fehlte eigentlich nur ein Podestplatz. Aber auch so hat sie für sehr viel Furore gesorgt. Und das auch bei ihrer ersten WM in Falun, wo sie mal eben locker Achte wurde. Nerven scheint die Vorarlbergerin nicht zu besitzen, mehr noch: man braucht nur einen Sprung von ihr zu sehen, um zu wissen, dass sie einfach tierisch viel Spaß an ihrem Sport hat. 27 Jahre ist sie nun alt, heißt also: in einem normalen Sportlerleben kommen nun die besten Jahre. Und wenn ein normales Jahr Pinkelnigs so aussieht, wie das zurückliegende, darf man sich noch auf eine ganze Menge Action und Spaß freuen. Doch: was ist bei Pinkelnig schon normal? Nicht viel, wie sie selbst bekennt.
Ebenfalls wie Stammesherrin Daniela Iraschko-Stolz, kehrte auch Jacqueline Seifriedsberger nach langer Verletzungspause in den Weltcup zurück. Dass auch zwei Resultate dabei waren, die ihr nicht ganz so geschmeckt haben dürften (außerhalb der Top 15) gehört zur Natur der Sache und das wird die bodenständige Oberösterreicherin auch einkalkuliert haben. Ansonsten knüpfte sie nahtlos dort an, wo sie vor ihrer schweren Knieverletzung schon war. Bleibt sie nun verletzungsfrei, dürfen wir uns von ihr noch mehr als die ohnehin schon beständig konstanten Ergebnisse unter den besten acht bis zehn erwarten - dann ist auch das Podest nicht weit.
Etwas mehr Zeit wird dies bei der jüngsten Punktesammlerin, Chiara Hölzl, in Anspruch nehmen. Die 17-Jährige bestätigte aber ihre Vorsaison und wurde 17. im Gesamtweltcup. Von ihr kann man definitiv sagen, sie hat den Sprung in den Weltcup geschafft und hat sich etabliert. Und für ihr junges Alter ist sie vergleichsweise erfahren. Zum zweiten Mal nahm sie bereits am Weltcupfinale in Oslo teil, auch wenn man dort sah, dass die Schanze und ihre Größe ihr schon Respekt abnötigten. Aber auch die zweite WM hat sie schon hinter sich und durch den Ausfall Seifriedsbergers 2013 wurde sie Vize-Weltmeisterin und ist ohne Zweifel die Hoffnung für die Zukunft.
Das galt vor einigen Jahren auch für Sonja Schoitsch, die über einen gewissen Zeitraum als “Rohdiamant” des österreichischen Damen-Skisprungs gehandelt wurde. Doch der wirkliche Durchbruch gelang ihr bis heute nicht. Auch die Einsätze in dieser Saison waren von Nullnummern auf der Punktetafel geprägt. Mit nun 18 Jahren sollte sie schon dort sein, wo Hölzl bereits ist und klar ist auch, dass, je länger es dauert, die Chancen für Schoitsch persönlich immer weiter sinken. Es könnte im nächsten Winter die berühmt-berüchtigte “letzte Chance” anstehen. Da kommt es ihr sogar noch zugute, dass nicht viel Springermaterial vorhanden ist, auf welches die Trainer zurückgreifen könnten (noch nicht).
Davon profitierten bislang auch immer Michaela Kranzl und Lisa Wiegele, die beide ihre Karrieren beendet haben. Somit bleiben im Dunstkreis des Weltcups von den bisher bekannten und eingesetzten Springerinnen noch Elisabeth “Lis” Raudaschl (ebenfalls Jahrgang 1997) und Julia Huber (Jahrgang 1998). Auch bei Raudaschl wäre es allmählich an der Zeit, den Anschluss an den Weltcup und die Top 50 zu schaffen. Bis vor rund zwei Jahren tourte sie noch beispielsweise mit Gianina Ernst im Alpencup umher. Ernst gehört mittlerweile zu den besten 30 der Welt, während Raudaschl bislang noch keine Weltcuppunkte sammeln konnte. Bei Julia Huber sieht die Sache noch ein wenig anders aus. Als Jüngste des Teams wird ihr mehr Zeit einberaumt, die sie aber wohl auch brauchen wird. Ihr größtes Problem ist sicher die Körpergröße, die zwar bislang nicht genau beziffert wurde, aber bei rund 1,85m liegen dürfte. Groß und schlank ist sie, aber das birgt natürlich auch im Bewegungsablauf auch Komplikationen. Man darf gespannt sein, ob die Trainer die Motorik so hingebogen bekommen, dass sie auch auf großen Normalschanzen gut zurechtkommt. Ohnehin haben die Trainer recht viel zu tun und das trotz des Teamerfolgs.
Auch hier funktioniert mein Bewertungsprinzip so, dass ich mögliches Potenzial mit tatsächlich erbrachter Leistung vergleiche. Und so komme ich zur Note: 11 Punkte (2).
Japan: eine gesunde Mischung, vielleicht auch zwei
Das Team Japan hat im Nationen Cup den zweiten Rang erreicht und gehört definitiv auch zu den Mannschaften, die mehr konkurrenzfähige Springerinnen haben als Startplätze. Auch ihnen kommt die Regel mit maximal sechs Startplätzen nicht wirklich entgegen. Es kamen zwar lediglich vier Springerinnen in die Top 30, Punkte holten jedoch doppelt so viele. Die Mannschaftstruktur ist in den letzten Jahren gewachsen und nur punktuell kamen neue Gesichter hinzu. Das zahlte sich im vergangenen Winter definitiv aus.
Die im Team bislang immer alles überstrahlende Springerin, Sara Takanashi, war auch heuer wieder die Beste. Jedoch mit mehr Einschränkungen als ihr lieb ist. Insbesondere die Tatsache, dass ihre Teamkollegin Yuki Ito bei einem Großereignis besser als sie war, dürfte Takanashi nicht geschmeckt haben. Letzten Winter bei Olympia scheiterte sie als Vierte schon an der Medaille und in Falun bei der WM? Wieder Platz vier. Das allein ist schon ärgerlich genug, doch Ito sprang sogar um den Titel mit und wurde letztendlich Zweite und ging mir Silber nach Hause. Es war ein klein wenig sympthomatisch für die Saison der 1,48m kleinen Dame aus Kamikawa. So recht zusammenlaufen wollte es nicht, von der Dominanz des vorherigen Winters war sie ein gutes Stück entfernt. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: sechs Weltcupsiege und ausnahmslos Top-8-Platzierungen sind ein unfassbar starkes Ergebnis. Doch für die Titelverteidigung im Gesamtweltcup reichte es eben nicht. Und diesen Anspruch stellte Takanashi an sich selbst und wurde diesem nicht gerecht. Da halfen auch ein zweiter und drei dritte Plätze nichts, an Daniela Iraschko-Stolz kam sie einfach nicht vorbei. Immerhin: nach dem Tiefschlag bei der WM berappelte sie sich sehr gut und wurde Dritte mit dem Mixed und gewann beim Saisonfinale am Holmenkollen und demonstrierte dort, dass auf der Großschanze kein Vorbeikommen an ihr herrscht.
Zu Yuki Ito fällt mir spontan das Prädikat Konstanz ein. Sie ist definitiv eine verlässliche Größe im japanischen Team und durchaus in der Lage, Sara Takanashi etwas Druck unter den Kessel zu machen - wie bei der WM bewiesen. Nerven scheint sie nicht zu haben, oder sie kommt einfach besser mit der Situation klar. Beeindruckend ist ihre Beständigkeit und die konstant gute Technik, die sie jederzeit abrufen kann. Lediglich bei einem Springen stand sie am Ende nicht unter den besten Zehn und mit Ausnahme der Plätze vier und fünf (je einmal) sie jede Platzierung zweimal, Rang neun sogar dreimal. Es fehlt im Grunde nur ihr erster Weltcupsieg. Doch dieser, so wage ich mal zu prognostizieren, ist nicht mehr weit weg. Technik und Mentales stimmen absolut und im Team hat sie mit Takanashi, die ihr zeigen kann, wie siegen geht. Und das wird beiden zugute kommen.
Die Position drei ist im Team gar nicht klar vergeben, denn: Kaori Iwabuchi (101 Punkte) und Yuka Seto (100) stehen auf einer Stufe. Das Duell bei der WM entschied Seto als 31. für sich, Iwabuchi wurde 36.. Auch bei der besten Platzierung hatt Seto mit einem elften Rang knapp die Nase vorn, Iwabuchi wurde, auch in Oberstdorf, Zwölfte. Auch im Vergleich der Top-20-Platzierungen liegt Seto mit 4:3 vorne. Aber eben auch in Bezug auf Platzierungen außerhalb der Punkte. Da steht bei Seto eine zwei, Iwabuchis Weste ist blütenweiß. Wir haben es hier also mit zwei Springerinnen zu tun, die fast immer in den Punkten landen und sogar Ausreißer nach oben haben. Das ist auf jeden Fall eine gute Basis, auch für die Trainer. Denn das macht es leichter, die Schrauben zu finden, an denen noch gedreht werden muss. Während bei Iwabuchi insbesondere der Absprung-Übergang und der Telemark geübt werden muss, ist es bei Seto eher eine Sache der Erfahrung. Mit nun 18 Jahren hat sie gerade einmal ihre erste nahezu komplette Weltcupsaison hinter sich und wird, wie man so schön sagt, an ihren Aufgaben wachsen.
Nahzu identisches gilt für Olympiateilnehmerin Yurina Yamada. Sie absolvierte ein etwas schlankeres Programm, schied aber nur einmal im ersten Durchgang aus. Mit 16 Punkten aus sechs Springen hat sie die Erwartungen allemal erfüllt und sah auch bei der Junioren-WM recht passabel aus. Yula Kobayashi ist mit 21 Jahren schon in einem etwas fortgeschrittenen Semester, verglichen mit Yamada, jedoch holte sie in der zurückliegenden Saison erstmals Weltcuppunkte. Nach zuvor sechs nicht erfolgreichen Versuchen in der nationalen Gruppe, landete sie in Sapporo auf Rang 23 und 30. Kann sie daran anknüpfen, könnte sie zu einem festen Bestandteil des Teams werden. Diesen Status hatte Misaki Shigeno noch in der vergangenen Saison inne. Doch eine kleine Verletzung und die teaminterne Ausscheidung bescherten ihr eine Pause zu Saisonbeginn, sodass sie erst “zuhause” in Japan ins Geschehen eingfreifen konnte. Wesentlich verbessert hat dies ihre Situation jedoch auch nicht: sie holte zwar in Sapporo beim ersten Springen vier Zähler, doch die reichten nicht zum Ticket für die Europa-Tournee und auch die WM in Falun verpasste sie. Im November wird sie 30 und gehört somit auch zu den Älteren im Geschäft, das bedeutet aber nicht, dass bei ihr demnächst Schluss sein muss. Zumal sie alle Voraussetzungen für die Top 25-30 besitzt und somit auch eine konstante Größe darstellen kann. Ob das zukünftig geschehen wird, entscheidet Shigeno (auch durch Leistung) und die Trainer. Bei Ayumi Watase tickt die Uhr noch ein wenig schneller als bei Shigeno, sie wird im kommenden Monat 32. Sie ist also derzeit die Drittälteste im gesamten Feld und in den letzten Jahren auch nicht übermäßig erfolgreich gewesen. Mehr noch: im Grunde genommen ging es in den letzten Jahren Stück für Stück bergab und von unten eilen junge Talente nach. Die Tage von Watase dürften also früher oder später gezählt sein. Nicht identisch, aber ähnlich gelagert ist der Fall Natsuka Sawaya. Mit für eine Skispringerin stolzen 26 Jahren feierte sie in Zao ihr Comeback im Weltcup, nach sage und schreibe drei Jahren. Nun mögen aufmerksame Leser sich zu Wort melden und sagen, sie könnte eine ähnliche Entwicklung nehmen wie Eva Pinkelnig, das Alter allein könne ja für Zweifel kein Grund sein. Rein theoretisch ist das sicherlich möglich, doch da wäre auch die Praxis: Sawaya ist seit 2005 aktiv und gehörte nie zu den besten 50 Springerinnen der Welt. Zu denen gehörte sie heuer auch nicht und es wird logischerweise nicht einfacher, diesen Sprung zu schaffen. Ich bin eher skeptisch, ob wir sie noch einmal im Weltcup sehen werden. Der Auftritt in Zao häte hätte mich in der Rolle des Trainers jedenfalls nicht zu erneuten Einsätzen bewogen.
Mit kleinen Schritten nähern wir uns nun dem Nachwuchs im Team. Im genauer zu sein, schlagen wir im Geburtsregister das Jahr 1990 auf und finden dort am 23. Januar die Geburt von Ayuka Takeda. Deren beste Weltcup-Resultate liegen mittlerweile auch schon zwei Jahre zurück und sind nichts, was beispielsweise Shigeno erschrecken würde. Heuer blieb sie als 38. und 40. in Sicherheitsabstand zum Finale. Gleihes gilt für die knapp zwei Jahre jüngere Aki Matsuhashi, für die jedoch aufgrund des Alters durchaus größere Chancen bestehen, sich noch etablieren zu können. Die größten Chancen derjenigen, die keine Punkte zu sammeln, diesen Status zu ändern, hat sicher Shohori Oi. Mit 15 Jahren ist sie überhaupt erst seit zwei Jahren im Weltcup startberechtigt. Sie gab ihr Debüt heuer in Sapporo und schrammte als 31. direkt an der Grenze zum zweiten Durchgang. In Zao wurde auch sie wie viele andere vom Wind verweht und wurde 44.. Bei der Junioren-WM holte sie Bronze mit dem Team, im Einzel schlug sie sich als 19. bei ihrer ersten Teilnahme beachtlich. Sie ist also der einzige richtige Rohdiamant, den die Trainer nun schleifen dürfen. Die Basis ist jedenfalls durchaus verwendenswert.
Für das Team Japan vergebe ich die Note: 12 Punkte (2+).

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Deutschland: coole Socke voran, Dampf hinten dran
Das drittletzte Team dieser doch langen und ausgedehnten Serie ist das des DSV, welches im Nationen-Cup Platz drei belegte. An dessen Spitze steht Olympiasiegerin, Doppel-Weltmeisterin und nun auch Weltcupsiegerin Carina Vogt vom SC Degenfeld, die nun mit Ausnahme des Gesamtweltcupsiegs alles gewonnen hat, was es im Damen-Skispringen (derzeit) zu gewinnen gibt. In Falun war sie die überragende Frau am 22. Februar und fuhr cool ihren WM-Titel ein, kurze Zeit darauf gelang ihr selbiges Kunsstück mit dem Mixed, zusammen mit Richard Freitag, Katharina Althaus und Severin Freund. Bereits einen Monat zuvor gelang ihr beim Chaosspringen von Zao ihr erster Weltcupssieg, wonach sie kundtat, sie fühle sich nun wie eine komplette Skispringerin. Denn dieser Sieg fehlte ihr zum vollkommenen Gefühl nach Olympia. Doch pragmatisch, wie sie eben ist, gewann sie zudem noch in Hinzenbach und polierte diese Bilanz in ihrer eigenen Manier auf.
Zweite Kraft, wenn auch mit etwas deutlicherem Abstand als im Vorjahr war erneut Katharina Althaus aus Oberstdorf. Bei ihr hängt nun also auch eine WM-Goldmedaille im Schrank und das auch verdient, denn sie rief ebenfalls eine tolle Leistung ab. Nur einmal nicht in den Top 20, dazu von den anderen zwölf Wettkämpfen dreimal nicht in den Top 10 sprechen für eine mehr als gute und konstante Form, ihr größter Fauxpas passierte ausgrechnet dahoam in Oberstdorf mit Rang 26. Ansonsten war sie stets unter den besten 10 zu finden und sicherte so ihren Platz in der Weltspitze ab, und das mit 18 Jahren (jetzt 19).
Mit der dritten hatten die Wenigsten gerechnet, auch sie selber nicht. Fast schon abgeschrieben und ohne Kaderstatus für die WM-Saison, zeigte Juliane Seyfarth, was in ihr steckt. Auch sie hätte den Platz im Mixed-Team verdient gehabt und war verständlicherweise enttäuscht, dass sie nicht berufen wurde. Den folgenden Zwist lassen wir hier mal unkommentiert außen vor. Beim Weltcup-Auftakt in Lillehammer war sie nicht dabei, meldete sich jedoch dann bereit für die Wettkämpfe in Japan bereit. Zunächst sprang sie mit Rang elf ihr vorerst bestes Ergebnis, am Folgetag blies sie der Wind aus den Punkten. In Zao holte sie als 26. erneut Punkte und war somit fraglos für Oberstdorf in der nationalen Gruppe gesetzt. Dort ernährte sich das Eichhörnchen Seyfarth weiterhin Stück für Stück mit Platz 20 und 22. Die wirkliche Chance, das war klar, würde sich erst auftun, wenn die Youngster (voran Gianina Ernst und Pauline Hessler, ihre Vereinskollegin) zur Junioren-WM bestellt würden. Und genau dann ging der Knopf bei Seyfarth auf: in Hinzenbach wurde sie zunächst 26. und als eben junge Kücken nicht mehr dabei waren, am nächsten Tag, wurde sie Zwölfte. Ihr bestes Wochenende sprang sie darauf in Rasnov mir Platz neun und fünf! Das WM-Ticket war gelöst und sie blieb im Flow - auf eigenen Wunsch. In Ljubno wurde sie dann 13. und erneut Fünfte. Die alte Form war wieder da und das genau zur richtigen Zeit. Während die anderen in Oberstdorf am Feintunung arbeiteten, was nachhaltig nicht aufging, sprang Seyfarth einfach weiter und wurde bei der WM sogar zweitbeste Deutsche als 14. Doch genau diese WM und eine anschließende Krankheit kosteten so viel Kraft, dass in Oslo beim Weltcup-Finale dann auf dem Zahnfleisch ging und als 24. unter Wert wegging. Unter dem Strich ist sie jedoch wieder da, wo sie vor Jahren (unglaublich eigentlich) schon einmal war und mit ihr wird in der nächsten Saison auch wieder zu rechnen sein.
Auf dem vierten Rang des teaminternen Rankings befindet sich die Dauerbrennerin des Teams, Ulrike Gräßler. Mit 124 gesammelten Punkten landete sie am Ende der Saison auf dem 23. Gesamtrang des Weltcups, ersprang also gewohnt solide Ergebnisse. Mit Ausnahme des Oberstdorf-Wochenendes (30. und 36.) und einem weiteren Ausfall in Sapporo war sie stets unter den Top 25. Große Ausschläge nach oben waren jedoch auch nicht dabei, das allerdings gab es in der Vorsaison auch nicht. Rang 11 in Rasnov war Gräßlers bestes Saisonergebnis. Bei der WM bestand leise Hoffnung auf einen weiteren Ausschlag nach oben, nachdem sie in der Quali auf Rang sechs landete. Es sollte jedoch nicht sein, Rang 22 war das Endergebnis und somit war ihre Nicht-Teilnahme am Mixed zementiert. In Oslo wurde sie zum Abschluss 19. Da bei den Nachrückerinnen davon auszugehen ist, dass sie kurzfristig keine Leistungsexplosion erfahren werden, dürfte Gräßler auch in der nächsten Saison wieder mindestens die Nummer vier im Team sein.
Zu den Nachrückerinnen gehören die oben bereits erwähnten Pauline Hessler und Gianina Ernst. Ernst sammelte mit Ausnahme des zweite Springens in Ljubno stets Weltcuppunkte, es war ja zu erwarten, dass sie ihre Vorsaison kaum wird wiederholen können. So blieb der 15. Platz von Zao das beste Ergebnis, was absolut ihre Leistungsfähigkeit wiederspiegelt. Wichtig war für sie zudem der gute Auftritt bei der Junioren-WM, bei der sie im Einzel Zehnte wurde und im Team Gold holte. Für sie wird es im Sommer darum gehen, die Technik weiter zu verfeinern, um dann wieder eine gesamte Weltcup-Saison bestreiten zu dürfen. Pauline Hessler feierte nach ihrem Kreuzbandriss ein gelungenes Comeback und holte gleich beim Weltcup-Debüt Rang 23. Weitere Weltcuppunkte holte sie als 28. in Oberstdorf, die übrigen drei Einsätze blieben erfolglos. Doch auch ihre Junioren-WM-Bilanz kann sich mit Rang acht und der Goldmedaille sehen lassen. Auch bei ihr geht es nun darum, den stetigen Anschluss ans Team zu schaffen, um so mehr Weltcup-Einsätze zu bekommen. Für Anna Rupprecht verlief die vergangene Saison nicht zu ihrer Zufriedenheit. Aus den wenigen Einsätzen konnte sie leider Gottes auch nicht viel Zählbares mitnehmen. In Oberstdorf schaffte sie nur einmal die Quali und verpasste dann als 32. das Finale. Bei der Junioren-WM gab es dann als 33. ein niederschmetterndes Ergebnis, jedoch gewann sie am übernächsten Tag mit Hessler und Ernst Gold im Team. In Ljubno bekam sie eine zweite Bewährungschance im Weltcup. Auch hier schaffte sie nur einmal die Quali, holte aber immerhin einen Weltcuppunkt. Das Talent besitzt sie zweifellos, jedoch kommen die Fortschritte nicht so, wie erhofft. Aber: Geduld mit die jungen Pferde. Die vierte des Quartetts ist Henriette Kraus von der SG Nickelhütte Aue. Sie bekam in Oberstdorf die Debütchance im Weltcup une holte auf Anhieb zwei Punkte, doch auch sie schaffte nur einmal an diesem Wochenende die Qualifikation. Als Fünfzehnte war sie im Einzel in Almaty zweitbeste Deutsche und dass auch sie Gold im Team holte, dürfte nun auf der Hand liegen. Mit nun 16 Jahren ist sie ihrer Zeit auch schon ein wenig Voraus und auf dem Leistungsniveau von Ernst, also auch eine, auf die man in der Zukunft bauen kann.
Der vorletzte Part dieses Blogeintrags behandelt nun noch die Rekonvaleszenten, namentlich Svenja Würth und Ramona Straub. Straubs Geschichte ist schnell erzählt: mit wenigen Trainingssprüngen und noch weniger Wettkampferfahrung kam sie in Oberstdorf in die nationale Gruppe und erfuhr dasselbe Schicksal wie Hessler, Kraus und Rupprecht. Punkte sammelte sie jedoch keine. Würth hatte immerhin nahezu die komplette Sommervorbereitung mitmachen können, sodass sie nach ihrem Wirbelbruch zumidest physisch wieder einigermaßen beisammen war. Die Bilanz lies sich folgendermaßen: 39 Punkte und Rang 35 im Endklassement. Und mit Rang 17 in Rasnov schaffte sie durchaus ein Resultat, was an ihre vormalige Form erinnerte. Ansonsten stehen auf der Minus-Seite vier Ergebnisse und auf der konträren Seite sieben Ergebnisse, also keineswegs unbefriedigend. Natürlich hätte nach vorne immer noch etwas gehen können, doch es hat eben seine Zeit gebraucht, bis Würth wieder vollends da war.
Zu guter Letzt noch zu einer überraschenden Rücktrittsbekanntgabe. Die 25-Jährige Anna Häfele vom SC Willingen entschied sich nach der Saison dazu, ihre Ski an den Nagel zu hängen. In ihrem letzten Springen sprang die Frohnatur aus Hessen in Ljubno noch einmal einen 16. Platz und reckte ihre Hand mit der Aufschrift “Vielen Dank für alles!” in die Kamera. Ihr bestes Karriereergebnis erzielte sie vor rund einem Jahr beim einziegn Großschanzenspringen in Planica mit einem tollen achten Rang. Heuer waren es mit Ausnahme des zweiten Springens in Ljubno Platzierungen zwischen 24 und 29, also grundsolide. Umso überraschter waren die Verantwortlichen vom Rücktritt Häfeles, sie räumt also das Feld für die nachrückende Jugend. Ob zu der auch Veronika Zobel, die letzte zu erwähnende Athletin des DSV-Teams, dazu gehören wird, ist fraglich. Die Oberstdorfer Internatsschülerin schaffte es auf ihrer Heimschanze wieder einmal nicht, sich zu qualifizieren. Mit bald 21 Jahren ist es auch an der Zeit, entweder das Punkte sammeln anzufangen, oder sich anderweitig zu orientieren. Zudem verlor Zobel nun auch ihren Kaderstatus und müsste sich die Saison nun größtenteils selber finanzieren. Ob das eintreten wird, wage ich zu bezweifeln und somit könnte sich da ein weiterer Rücktritt ankündigen.
Für das große DSV-Team vergebe ich die Note: 12 Punkte (2+).
Slowenien: nicht mehr ganz geballt, dafür auf dem Podium
Das kleine Land Slowenien gehört im Damen-Skisprung seit jeher schon zu den Großmächten und das, obwohl die Gesichter schon lange dieselben sind. Das heißt aber nicht, dass der Altersschnitt im Team überdurchschnittlich hoch ist - ganz im Gegenteil: die zehn eingesetzten Damen plus die verletzungsbedingt ausgefallene Ema Klinec sind im Durchschnitt 20,45 Jahre alt. Das ist nichts ungewöhnliches und spricht einfach nur dafür, dass der slowenische Verband in Bezug auf die Förderung in diesem Sport eine ganze Menge richtig gemacht hat.
Bestes Beispiel ist die neue Nummer eins des Teams, Špela Rogelj. Nur um Milimeter sicherte sie sich im vergangenen Winter die Teilnahme bei Olympia und in diesem Winter sprang sie mindestens eine Liga höher. Ihr erster Weltcupsieg in Lillehammer gleich zum Auftakt war ein Paukenschlag sondergleichen und das Resultat von Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, Fleiß und einer guten Prise Talent. Es folgten noch drei weitere dritte Plätze und damit insgesamt vier Podiumsplatzierungen, nachdem sie in den Vorjahren viermal knapp am Podium vorbeisprang. Insgesamt drei Wettbewerbe durfte sie das gelbe Trikot der Weltcupführenden tragen und wurde schließlich vierte im Gesamtweltcup. Lediglich ein Mal war sie nicht unter den besten Zehn, das war in Hinzenbach. Dort sprang sie aber gleich am Folgetag auf den dritten Rang und machte die schlechteste Saisonplatzierung gleich wieder vergessen. Es ist schon erstaunlich, wie die 20-Jährige nach ihrer Systemumstellung aufgrund von Rückenbeschwerden nicht nur in der Weltspitze blieb, sondern fast immer in Podestnähe war. Mit Rang 10 erreichte sie zudem in Falun bei ihrer dritten WM-Teilnahme ihre beste Platzierung und wurde dort Beste ihres Teams - die Nummer eins eben. Und sie ist ein Fliegertyp und fühlt sich auf der Großschanze wohl. Das bewies sie mit Rang acht in Oslo und rundete so eine absolute Top-Saison ab.
Ins zweite Glied verdrängte Rogelj durch ihre Leistungen Maja Vtič, die Älteste des Teams. Auch die 27-Jährige sprang die beste Saison ihres Lebens, es fehlte immer nur an Kleinigkeiten zum Podest. Mehrfach verspielte sie eine gute Ausgangsposition dann im zweiten Sprung und fiel noch leicht zurück. Gleich fünf Mal sprang sie auf Rang sechs, was genau diese Nähe zum Podest darstellt. Doch auch sie hielt die Positionen, auf denen sie sich aufhielt, in sehr engem Rahmen. Stets sprang sie zwischen eben diesem Rang sechs und 13, quasi ein Abbild von Konstanz. Vtič knüpfte an ihre gute Vorsaison an, es fehlte eben nur die Podestplatzierung. Doch es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis eben diese kommen wird. Einmal hatte sie es ja schon geschafft, im Febraur 2014 in Hinzenbach. Zusammen mit Rogelj bildete sie jedoch ein Top-Duo für das slowenische Team, welches ohne Zweifel ins Mixed-Team in Falun ging, doch da lief mit Rang fünf nicht alles nach Maß.
In der Spitze sind also zwei Sloweninnen absolut mit dabei. In den vergangenen jahren war es dann so, dass rund um Platz 16 bis 25 der Rest des Teams kam. Diese Grenze hat sich heuer etwas nach hinten verlegt, so ganz konnte der Rest des Teams nicht Anschluss halten. Eine Ursache dafür waren unter anderem die merkwürdigen bis unerklärlichen Schwächen von Katja Požun (auch schon mit zwei Podestplatzierungen in ihrer Karriere) und Urša Bogataj. Beide konnten nicht an schon gezeigte Top-Resultate anknüpfen und glänzten durch Mittelmaß. Bei Požun dürften auch Trainings- und Ernährungsumstellung ihren Anteil dazu beigetragen haben. Man merkte ihr an, dass es dann im letzten Saisondrittel wieder besser lief. Dort erzielte sie auch ihre beste Saisonplatzierung mit Rang neun in Ljubno, mehr war nicht drin. Insgesamt waren es nur zwei Top-20-Platzierungen (mit Platz 14 in Sapporo). Zweimal schied sie sogar in Durchgang eins aus, in Hinzenbach wurde sie gar disqualifiziert. Wir haben leider Gottes nicht die Katja Požun gesehen, an die wir uns schon gewöhnt hatten und es bleibt nur zu hoffen, dass sich das für den nächsten Winter wieder ändert. Bei Urša Bogataj fällt die Erklärung noch viel schwerer, denn es gibt keine - nennen wir es - bekannten oder offensichtliche Gründe. Denn an der Technik hapert es keineswegs und auch das Mentale ist keine Problezone Bogatajs. Doch für die Top 10 wollte es im abgelaufenen Winter nicht reichen, auch nicht für die Top 15. Rang 16 und 18 in Oberstdorf waren das beste, was sie anbot. “Nicht vorne und nicht hinten” könnte das Fazit dieser Saison lauten, denn sie sammelte bei jeder Teilnahme auch Weltcup-Punkte - insgesamt 91, die ihr Platz 28 in der Endabrechnung bescherten.
Doch sowoh für diese beiden, als auch für die Fünfte mit Punkten, Eva Logar, gilt: sie haben nun zwei Damen im eigenen Team, die auf höchstem Niveau springen (können) und mit denen sie sich tagtäglich messen können. An Logars Saison gibt es nicht viel auszusetzen. Sie sprang das, was sie bislang fast immer sprang und zeigte sich von ihrem Kreuzbandriss endgültig befreit. Im turbulenten Springen von Zao schaffte mit Rang 13 ihr bestes Saisonresultat, was schon ein kleiner Fingerzeig war. Für ganz vorne hat es bislang selten gereicht und deshalb sind Platzierungen zwischen Top 15 und Top 25 auch absolut im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Aus diesem fiel sie vier Mal in der Saison heraus, was immer mal passieren kann. Für sie gilt es jetzt den nächsten Schritt nach vorne zu machen und konstant unter die besten 20 zu springen.
Dafür wäre auch Anja Tepeš sicherlich gut, doch ihre leider wohlbekannte Verletzungsmisere verhinderte dies. Ohne viel Training kam sie nach Ljubno zum Heimweltcup und schied dort zweimal in der Qualifikation aus. Richtig im Training ist sie erst seit Saisonende und sie wird sicher um ihren Platz im Team kämpfen müssen. Eben auch, weil sich die Rückkehr von Ema Klinec andeutet. Die 16-Jährige gilt als das größte Talent im slowenischen Skispringen und unterstrich das bei ihren Auftritten im Weltcup und auch mit einem Sommer-Grand-Prix-Sieg eindrucksvoll. Es bleibt abzuwarten, ob sie direkt wieder an diese Leistungen anknüpfen kann. Angesichts der Kompliziertheit ihrer Verletzung wäre es kein Wunder, wenn sie erstmal eine Übergangssaison bräuchte, um dies zu tun. Ganz anders ergeht es da Klinec’ älterer Schwester Barbara, die heuer bei keinem ihrer Einsätze die Qualifikation überstand. Augenscheinlich mangelt es ihr am Mut und auch den technischen Fähigkeiten, die ihr Ema weit voraus hat. Mit bald 21 Jahren wird es zeitlich auch langsam eng, dort noch groß etwas zu verändern. Und von hinten kommt die geballte Macht der Jugend nach. Mit Julija Sršen und Anita Serenitek stellten sich gleich zwei neue Gesichter in Ljubno beim Heimweltcup Sloweniens in der Nationalen Gruppe vor. Sršen überstand beide Male die Qualifikation und wurde 35. und 39.. Für Konkurrenz war, ist und wird im beschaulichen Ländchen Sloweniens also gesorgt und das ist nur ein Baustein von vielen, der das Team so stark macht. Insgesamt vergebe ich die Note: 2 (11 Punkte).
USA: von Comebackerinnen und Neulingen
Alles neu und doch vieles gewohnt? Das klingt zunächst nach einem Widerspruch, ist es aber im Damen-Team der USA nicht. Zur Erklärung fangen wir doch mal mit den neuen Sachen an und stellen fest. dass eben diese gewohnt sind. Neuheit Nummer eins war der Trainer. Vasja Bajc heißt er, doch gerade der ist ein voll beschriebenes Blatt im Skispringen. Er führte Jakub Janda zum Vierschanzentourneesieg und auch zum Gesamtweltcupsieg 2006/2007. Vor seiner Tätigkeit im US-Team war er Aufbauhelfer bei der türkischen Nationalmannschaft.
Vom Trainer nun zu den Springerinnen. Zunächst behandeln wir die Comebackerinnen - ein Neologismus, wie es ihn selten gibt, aber gerade im Damen-Skisprung (leider) Not tut. Die bekannteste und erfolgreichste dieser Comebackerinnen ist natürlich Sarah Hendrickson. Die RedBull-Athletin konnte in der vergangenen Saison aufgrund eines komplizierten Kreuzbandrisses nur bei Olympia an den Start gehen und musste danach erneut operiert werden und aussetzen. Dass ihr die Nachwirkungen der Verletzungen noch zu schaffen machen, sieht man an ihrer Landung, die zumeist deutlich schmaler als gefordert ausfällt und auch daran, dass sie Sprünge vorzeitig öffnet, um einfacher zu landen. Von den Weiten her gehört sie eindeutig wieder zur Weltspitze und das Manko der Landung wird man sicher im Training angehen. Sie meldete sich mit einem guten neunten Platz in Lillehammer zurück im Weltcup und sendete mit Rang acht und fünf in Sapporo weitere Zeichen, dass es auf kleineren Normalschanzen (HS 100 und kleiner) schon gut geht. Daran änderte auch der Ausfall in Zao nichts. Eine andere Sarah Hendrickson sahen wir dann in Oberstdorf auf der zweitgrößten Schanze der Weltcup-Saison: mit Rang 17 war sie am ersten Tag bedient und das Selbstvertrauen sank am zweiten Tag noch viel deutlicher, als sie im Wettkampf 40. und damit Letzte wurde. Man fragte sich als Beobachter was nun los mit ihr sei. Es fiel auf, dass die Sprünge nicht mehr so flüssig liefen wie gewohnt, vermutlich tatsächlich eine mentale Sache. Auch die nächsten beiden Wochenenden in Österreich und Rumänien verliefen unter Durchschnitt, Platz acht in Hinzenbach war das beste zu Beginn des Monats Februar. Und dann ging ausgerechnet auf dem alten, schwierig zu springenden Bock in Ljubno der Knopf bei Sarah Hendrickson auf. Gleich zweimal wurde sie dort Dritte und konnte ihr Glück kaum fassen. Gerade rechtzeitig zur WM kam sie wieder in Fahrt und zählte nun so zu den Mitfavoritinnen auf die Medaillen. So ganz ging die Rechnung in Falun dann nicht auf, aber mit dem sechsten Platz war sie vollends happy. So richtig jubeln durfte Sarah Hendrickson dann noch zum Saisonfinale am Holmenkollen, welches sie als Zweite beendete. Dort stellte sie ihre herausragenden fliegerischen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis und beendete so ihre Comeback-Saison unter dem Strich erfolgreich. 399 Punkte und ein achter Platz im Gesamtweltcup stehen am Ende zu Buche und bilden ein tolles Fundament für die kommende Saison.
Die zweite Comebackerin ist ausnahmsweise mal eine Neue in der hohen Riege des US-Teams, nämlich Nita Englund. Die 22-Jährige aus Steamboat Springs musste aufgrund einer Verletzung rund ein halbes Jahr aussetzen und meldete sich heuer erst so richtig zurück im Weltcup. Für sie sprach eine sehr konstante Leistungskurve mit wenigen Ausschlägen nach unten, aber dafür einem herausragenden Ergebnis. Dieses waren ihr erster Podestplatz und so stellte sie eine prima Ergänzung zu Sarah Hendrickson da und nahm so auch sicher etewas Druck von ihrer Teamkollegin. Sie zeigte schon in Oberstdorf, was man von ihr erwarten kann mit Rang sieben und acht und stand am Folgewochenende in Hinzenbach schon mit einem Bein auf dem Podium, als ihr die Nerven einen Strich durch die Rechnung machten. Doch dann in Raşnov war es schließlich so weit: das Nerven- und Vorsprungkissen hielten und so kam Englund auf den zweiten Platz. In der Folge sprang sie weiterhin gewohnt konstant und schloss ihre erste WM-Teilnahme mit Platz zwölf ab. Zudem bildete sie mit Sarah Hendrickson das weibliche Duo, welches im Mixed-Team mit William Rhoads und Nicholas Alexander den siebten Platz erreichte. Auf der Großschanze von Oslo tat sich Englund schwer, doch auch das wird mit zunehmender Erfahrung in Zukunft sicher keine allzu große Herausforderung mehr. In ihrer ersten Weltcup-Saison mit 332 Punkten am Ende als Gesamt-Zehnte dazustehen ist etwas, was ihr jemand erst einmal nachmachen muss - Nita Englund gehört zur Weltspitze.
Das dritte Comeback in den Reihen der US-Girls ist das von Tara Geragthy-Moats. Im Februar 2014 kam sie zurück zum Skispringen, nachdem sie zuvor im Biathlon und in der Nordischen Kombination nicht ganz die Freude gefunden hatte, die ihr das Skispringen gegeben hatte. Auch sie zog sich 2009 nach einer Knie-Verletzung zunächst zurück, konnte sich dem Fieber aber dann nicht mehr entziehen. Die ebenfalls 22-Jährige benötigte lediglich zwei Weltcups, bis sie ihre ersten Punkt holen konnte. Diese blieben jedoch bis zum 1. Februar die einzigen beiden. Doch dann kam der Sonntag in Hinzenbach, der ihr Rang 26 bescherte. Das verlieh ihr einen Push und so fiel sie bei keinem Weltcup mehr aus den Punkten heraus, mehr noch: sie holte in Raşnov einen starken neunten Platz, welcher ihr bestes Weltcupergebnis darstellt. Mit Rang 18 lag sie in Falun bei der WM zudem über den Erwartungen und auch beim Weltcupfinale, dem ersten Springen auf einer Großschanze für Geragthy-Moats sprang sie ihre Technik durch.
Comeback, die Vierte - das ist Abby Hughes. Auch bei ihr zickte lange Zeit das Knie - genauer gesagt ein Gelengkörper, welcher ihr im Sommer letzten Jahres entfernt wurde. So stieg sie erst zum Continental Cup in Falun Mitte Januar ein, schaffte aber einen guten Saisonstart und wurde sofort zum Weltcup nach Hinzenbach bestellt. Dort verblüffte sie sofort als 19., es schien, als ob sie nie weggewesen wäre. Mit Ausnahme des letzten Springens vor der WM in Ljubno schaffte sie immer mindestens Rang 27 und somit war der Weg zur WM auch für sie frei. Dort nutzte sie ihre noch verhältnismäßig frischen Erinnerungen an die Normalschanze und kam in der Qualifikation auf Rang 18. Doch im turbulenten Wettkampf machte ihr dann auch der Wind zu schaffen und sie schied als 34. aus. Nichtsdestotrotz ist das Comeback der Abby Hughes definitiv gelungen und man darf von ihr in der kommenden Saison wieder solide Platzierungen erhoffen und auch erwarten.
Kommen wir zum Ende dieser ausführlichen Teambesprechungen noch zu den zwei Konstanten im US-Team. Da wäre einerseits Jessica Jerome. Seit 2002 ist die 28-Jährige aus Park City nun schon in der Weltspitze der Damen angesiedelt und damit länger dabei als jede andere im vergangenen Weltcup-Winter. Jerome ist eine, die über ein tolles und funktionierendes Flugsystem verfügt und auch bei jeden Bedigungen zurechtkommt. Dass ihr die Erfahrung ein weiteres Hilfsmittel ist, ist ein offenes Geheimnis. Und aufgrund all dieser Tatsachen ist sie eine absolut verlässliche Athletin, die solide Ergebnisse mit nach Hause bringt. Die beiden Wochenenden von Hinzenbach und Raşnov mit den Plätzen 27, 28, 20 und 26 waren da schon das schwächste, was sie anbot. Aus ihrer Sicht konsequenterweise schenkte sie sich dann die Generalprobe in Ljubno. Wohl auch, weil sie die Schanze nicht besonders mag. Und das zahlte sich aus: sie wurde Neunte im Einzel, am Mixed nahm sie nicht teil. Einen runden Abschluss verlieh sie der Saison dann in Oslo mit Rang elf, wo man einfach merkte, dass sie vermutlich diejenige mit der meisten Großschanzenerfahrung ist. 168 Punkte im Weltcup bedeuteten Platz 18 - eine Platzierung, zu der sie allemal hingehört.
Und last but least (leider) wäre da noch Nina Lussi. Sie konnte einem im Verlaufe der Saison nur noch Leid tun. Immer und immer wieder versuchte sie ins Finale zu kommen, doch es wollte einfach nicht klappen. Teils sehr knapp, teils aber auch sehr deutlich war für die 21-Jährige nach dem ersten Durchgang Schluss. Auf der technischen Seite ist das alles komplett in Ordnung, man sieht, dass sie in Stams ausgebildet wurde. Was vielleicht fehlt, ist der letzte Funke Entschlossenheit und vielleicht auch etwas die Kraft, aber daran lässt sich ja bekanntlich arbeiten. Ihr Sprungstil ist sehr ästhetisch und ausgereift, aber das allein reicht eben nicht. Der Vorteil für sie ist natürlich, dass sie in ihrem Team reichlich Vergleichsmöglichkeiten hat und sich an Hendrickson, Jerome und Co. orientieren kann. Man kann ihr nur die Daumen drücken, dass sie demnächst dann auch auf den Ergebnislisten gut aussieht - auf der Schanze und auch außerhalb davon tut sie das bereits eh.
Für die Leistungen des US-Teams in der Saison 2014/15 vergebe ich die Note: 12 Punkte (2+).