Sowas kommt von sowas #1
Der erste Typ mit dem ich was hatte, hat mich damals fast meine beste Freundin gekostet. Wir waren 14 und standen beide auf den wohl größten Gigolo der Stadt. Er war aber auch echt heiß. Groß und muskulös, dunkle stets gestylte Haare, dunkle Augen, gut gekleidet, Vespa, aus reichem Elternhaus. Aber, gehört anscheinend oft zum Gesamtpaket, ein riesen Arschloch. Will man das mit 14 hören? Nö. Es interessierte mich auch herzlich wenig, dass ihre und auch meine Eltern es mir aus moralischen Gründen nahelegten, auf den Kerl zu verzichten, um meine Freundin nicht zu verletzten. Manchmal würde es sich lohnen auf solche Ratschläge zu hören. Hab ich aber nicht, und so hatte ich die Freude einer fast vier Jahre langen on-off-Beziehung der fulminanten Selbstverleugnung mit einem Typen dessen Haargel mehr Strahlkraft hatte als sein IQ.
Warum ich so lange mit ner aufgestylten 0 zusammen/nicht zusammen war? Weil ich wenig Selbstvertrauen hatte und es schmeichelhaft war einen Typen zu haben den jede Frau zwischen 13 und 30 wollte. Dass die ganze Stadt ihn nicht nur wollte, sondern er sie auch alle parallel hatte, hab ich irgendwie großzügig ignoriert und in süßem Apfelkorn und Asti ertränkt. Was ich ebenfalls ertränkt habe, das war meiner Erinnerung nach mit Tequila, dass er um mich mit einem anderen Kerl gewettet hatte. Besser gesagt um meine Unschuld. Zwischen einem Komposthaufen und Gartenzwergen wurde ich somit in einem Vorgarten zur Frau, und er brüstete sich damit bei jedem den es interessierte, oder auch nicht. Was man in solchen Zeiten gerne zu sich selber und anderen sagt sind Sätze wie: „Wenn wir alleine sind, ist er ganz anders.“ Oder aber, auch schön: „Der ist innen total verletzlich, das sieht bloß keiner, der ist ganz lieb.“
Das war er manchmal tatsächlich. Aber nur wenn er etwas wollte und keine andere Frau zum Flachlegen hatte. Dann kam er angekrochen. Ich sei die einzige der er vertrauen würde, die ihn verstehen würde, alle anderen wollten sich doch nur mit ihm schmücken, sein Geld oder nur seinen Schwanz. Ich fragte mich schon damals, ob Regenwürmer eigentlich zur Gattung der Schwänze gehören.
Ich traf ihn vor einigen Jahren auf einem Stadtfest wieder. Über 15 Jahre waren seit damals vergangen und er hatte sich keinen Deut verändert. Er wirkte wie in der Pubertät eingefroren, a blast from the past, und mit zunehmendem Alkoholpegel fing er an meinen immer noch straffen Po zu loben -„boar, du hattest echt immer schon son geilen Body, boar Baby, dein Arsch, alter Falter“- , versuchte mich zu umarmen und biss alles weg was drei Beine hatte und mit mir reden wollte. Die Krone der Jämmerlichkeit setzte er sich jedoch auf als er von seinen zwei gescheiterten Verlobungen sprach und hinzufügte, wie leid ihm alles täte, ich wäre die einzige gescheite Frau in seinem Leben gewesen und selbst sein Vater würde heute noch nach mir fragen. Damit nicht genug, er bot an mir monatlich Geld zu überweisen, quasi als Kompensationszahlung, damit könnte ich mir ja dann auch leisten, mir mal ein ordentliches Bikini-Brasil-Waxing zu gönnen. Weil, das ginge ja mal gar nicht, dass ich da unten immer Haare hatte.
Im gleichen Atemzug machte er seinen Gürtel auf, ließ seine Hose, inklusive Unterhose, zu seinen Füßen gleiten, drehte sich um und tippelte mit Geisha-Schritten durch die Menschenmenge die Straße hinunter, reckte seine Hand mit der Flasche Apfelkorn gen Himmel und grölte: „wir wollen fiiicken, sieben Tage lang, wir wollen fiiicken, so ein Duuurst!“
Ich sah ihn nie wieder.  Welch Glück












