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Edition F | Was weiĂe FĂŒhrungsetagen von Schwarzen Unternehmer*innen lernen sollten
Im Umfeld unserer Autorin grĂŒnden Schwarze Menschen oft lieber selbst ein Unternehmen, anstatt die einzige Schwarze Person im Team zu sein â und das ist aus vielen GrĂŒnden wichtig.
âBei uns bewerben sich keine People of Colourâ ist ein Satz, den ich immer wieder von weiĂen FĂŒhrungskrĂ€ften höre. Oft, nachdem sie sogar explizit darauf hingewiesen haben, dass sie sich Bewerbungen von âdiversenâ Kandidat*innen wĂŒnschen. Es ist ein Dilemma, fĂŒr das ich keine Antwort habe. Was ich aber in meinem Umfeld immer hĂ€ufiger sehe: BPoCs machen lieber ihr eigenes Ding, anstatt die*der einzige oder eine der wenigen nicht-weiĂen Menschen im Team zu sein.
Da wir nicht wissen, wie viele BPoCs es in Deutschland gibt, wissen wir auch nicht, wie viele von ihnen GrĂŒnder*innen sind. Selbst in den USA fluktuieren die Zahlen: Es gibt schĂ€tzungsweise weniger als 200 Black-owned Werbeagenturen, etwa 350 BIPoC-Medienunternehmen und laut dem letzten Zensus werden 18,3 Prozent aller US-Unternehmen von (nicht-weiĂen) Minderheiten gefĂŒhrt. Das ist etwas weniger als der Prozentsatz der BIPoC-Bevölkerung, der bei 23,7 Prozent liegt. In GroĂbritannien werden 5,1 Prozent der Unternehmen von nicht-weiĂen Minderheiten gefĂŒhrt, bei einem BPoC-Bevölkerungsanteil von 12,8 Prozent sind das verhĂ€ltnismĂ€Ăig deutlich weniger GrĂŒnder*innen als in den USA.
Aus Deutschland wissen wir immerhin, dass die Zahl der GrĂŒnder*innen mit Migrationsgeschichte steigt. Bei einem Bevölkerungsanteil von 25 Prozent leiten sie mittlerweile 20 Prozent der Startups. DiversitĂ€t als gesellschaftliche Notwendigkeit, der Wunsch nach Impact und internationale Teams kennzeichnen diese Startups, was vielleicht ein StĂŒck weit erklĂ€rt, wo Bewerbungen von BPoCs landen. Wenn ich, als Schwarze Frau, mit Unternehmen zu tun habe, die von BPoCs gefĂŒhrt werden, fĂŒhlen sich GeschĂ€ftsmeetings beinahe an wie ein Erholungsurlaub.
Nicht, weil weiĂe Menschen per se anstrengend sind, sondern weil GesprĂ€che anders verlaufen, wenn dein GegenĂŒber deine LebensrealitĂ€t ganz genau versteht. Es entstehen Ideen und Projekte, die innovativ sind, anstatt mĂŒde Klischees zu bedienen â und man muss vor allem nicht erklĂ€ren, warum diese Klischees mĂŒde sind. Meistens ist es jedoch gar nicht nötig, einander ganz genau zu verstehen, sondern es hilft bereits, andere LebensrealitĂ€ten auf dem Schirm zu haben, sich aufrichtig fĂŒr sie zu interessieren. Anti-Bias-Trainings und D&I-Workshops (Diversity & Inclusion) können dafĂŒr einen wertvollen Beitrag leisten.
Von âMissverstĂ€ndnissenâ und âschlechter Kommunikationâ: Das Schicksal von Token-BPoC-Angestellten
Das Diagramm âThe ,Problemâ Woman of Colour in the Workplaceâ wird gerne in diesen D&I-Workshops verwendet, um ein PhĂ€nomen zu erklĂ€ren, das BPoC-Angestellten nur allzu bekannt ist. Es zeigt den Kreislauf einer Woman of Colour in einem Unternehmen, dessen Management weiĂ ist. Sie beginnt den Job im Unternehmen und das Team ist begeistert. In der âHoneymoon-Phaseâ lĂ€uft alles gut und ihr ist noch nicht klar, dass sie aus ImagegrĂŒnden eingestellt wurde und ein âTokenâ mit eingeschrĂ€nkter Wirkmacht ist. Anfangs merkt sie das auch nicht, da sie sich willkommen, gesehen und gehört fĂŒhlt. Sie nimmt dies zum Anlass, um auf Mikroaggressionen und strukturelle Ungleichheiten im Unternehmen hinzuweisen â in der Hoffnung, dass sich die Situation dadurch verbessert, denn man hatte ihr versichert, dass Kritik wichtig und willkommen ist.
Anstatt die Kritik ernst zu nehmen, geht das Unternehmen jedoch entweder in die Defensive, ignoriert die Woman of Colour oder wirft ihr vor, Unruhe zu stiften. Vielleicht kommt es sogar vor, dass Kolleg*innen of Colour gegen sie ausgespielt werden. Die Woman of Colour wird beauftragt, die Probleme, auf die sie hingewiesen hat, im Alleingang zu lösen, obwohl sie nicht von ihr ausgehen, sondern strukturell sind. Die Lösung dieser Probleme war auch nicht Teil ihrer Jobbeschreibung. Nach einer Weile entscheidet das Unternehmen schlieĂlich, dass die Woman of Colour das Problem ist. Plötzlich ist von âMissverstĂ€ndnissenâ und âschlechter Kommunikationâ die Rede. Sie wird als âschlechter Fitâ bezeichnet und das Klima beginnt sich zu verĂ€ndern. Das Ergebnis: Sie verlĂ€sst das Unternehmen.
UrsprĂŒnglich beschrieb das Diagramm den Nonprofit-Sektor. Nachdem die kanadische Charity COCo begann, es in Trainings zu verwenden, wurde es 2018 zu einem viralen Hit, da sich so viele BPoCs damit identifizieren konnten. Viele Menschen stellten teilweise erleichtert fest, dass sie sich dieses PhĂ€nomen nicht eingebildet hatten. Was Unternehmen tun können, um ihre Arbeitsumgebung weniger toxisch zu gestalten, ist, wie erwĂ€hnt, der Gegenstand von D&I-Workshops, die â spĂ€testens seit dem Sommer 2020 â auch in vielen deutschen Unternehmen stattfinden. FĂŒr einige BPoCs, und dazu zĂ€hle ich mich selbst, ist die Alternative zu diesem HĂŒrdenlauf, zu grĂŒnden und sich das Arbeitsumfeld selbst auszusuchen.
Wenn der Schuh nicht passt, gibt es auch andere Schuhe
Ich hatte im vergangenen Sommer viele GesprĂ€che mit Schwarzen Freund*innen, die wĂ€hrend der sogenannten âRassismus-Debatteâ ĂŒber Nacht zu Diversity-Beauftragten in ihren Unternehmen gemacht wurden. Sie sollten eilig verfasste Pressemitteilungen und performative Social-Media-Statements Korrektur lesen, obwohl sie kaum Kraft hatten, um durch den Tag zu kommen. Diese Aufgabe war nicht nur krĂ€ftezehrend, sie entsprach auch nicht ihrem Aufgabengebiet. Als Black-owned Unternehmen nahmen mein GeschĂ€ftspartner und ich wĂ€hrenddessen eine Auszeit, um Self-Care zu priorisieren. Das bedeutete, dass alles zu einem Stillstand kam, aber das war uns egal. Unsere mentale Gesundheit und die unserer Kolleg*innen war wichtiger. Umso schöner war es, dass unsere weiĂen Kolleg*innen unaufgefordert die Aufgaben ĂŒbernahmen, die liegengeblieben waren. Es gibt hoffentlich auch viele Beispiele von Unternehmen mit einem weiĂen Management, die ihre Schwarzen Mitarbeiter*innen an diesen Tagen nicht mit PR-MaĂnahmen und ihrer Imagepflege belĂ€stigten.
âWenn alleine das Erscheinen am Arbeitsplatz mehr Kraft kostet als man hat, ist es nicht verwunderlich, wenn BPoCs Unternehmen, in denen sie sich weder gesehen noch gehört oder verstanden fĂŒhlen, nach der ,Honeymoon-Phaseâ wieder verlassen.â
Wir haben GlĂŒck, dass unser Team so viel Empathie an den Tag legt â aber wir haben auch aktiv daran gearbeitet, ein Klima zu schaffen, in dem gegenseitige RĂŒcksichtnahme ernst genommen wird. Wenn alleine das Erscheinen am Arbeitsplatz mehr Kraft kostet als man hat, ist es nicht verwunderlich, wenn BPoCs Unternehmen, in denen sie sich weder gesehen noch gehört oder verstanden fĂŒhlen, nach der âHoneymoon-Phaseâ wieder verlassen. Das gilt natĂŒrlich auch fĂŒr andere Formen der Diskriminierung, die sich mit diesen Erfahrungen ĂŒberschneiden können.
Internalisierte Vorurteile
Es macht einen groĂen Unterschied, ob man in einem Unternehmen arbeitet, das BPoCs tatsĂ€chlich mitdenkt oder nicht. Wenn bei Themen wie Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Technologie, Kunst, Hochkultur, Mode, Beauty, Feminismus und LGBTQI-Rechte automatisch an weiĂe Expert*innen gedacht wird und nur bei Sport, Comedy, Musik und KriminalitĂ€t an BPoCs, dann verrĂ€t das viel ĂŒber internalisierte Vorurteile. DiversitĂ€t und Vielfalt mag dann zwar erreicht sein, aber gleichzeitig werden Stereotype reproduziert, die das Arbeitsergebnis zum Schlechteren beeinflussen. Sie resultieren in Medienberichten, Filmen, TV-Programmen und Werbekampagnen, denen es an Innovation und KreativitĂ€t mangelt, weil immer in den gleichen Schubladen gedacht wird.
Laut einer McKinsey-Studie erzielen Unternehmen, in deren VorstĂ€nden ethnische und kulturelle Vielfalt herrscht, weltweit mit einer Wahrscheinlichkeit von 43 Prozent höhere Gewinne. VorstĂ€nde, in denen ein Mangel an Vielfalt herrscht, schneiden hingegen wirtschaftlich schlechter ab. Der offensichtlichste Weg, um diese Schieflage zu korrigieren, nĂ€mlich ReprĂ€sentation auf allen Ebenen sicherzustellen und proaktiv fĂŒr ein Betriebsklima zu sorgen, das allen Angestellten im Unternehmen zugute kommt, wird jedoch immer noch viel zu selten eingeschlagen.
Schwarz â und die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin?
Um in Deutschland zu grĂŒnden, braucht man Nerven aus Stahl und eine Engelsgeduld. Es gibt zahlreiche Unternehmensformen, die aufgrund der hohen Stammeinlage fĂŒr Menschen, die nicht vermögend sind, nicht infrage kommen. Als Schwarze GrĂŒnder*innen blickten mein GeschĂ€ftspartner und ich oft in erstaunte Gesichter, wenn wir es mit Ămtern und Notaren zu tun hatten â nicht nur, weil wir beide Schwarz sind, sondern weil ich die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin bin.
Der bĂŒrokratische Aufwand war fĂŒr uns, so wie fĂŒr viele andere GrĂŒnder*innen hier, zermĂŒrbend â und dabei sprechen wir flieĂend Deutsch und haben davor bereits ohne Probleme in den USA und in GroĂbritannien Unternehmen gegrĂŒndet. Trotz allem kann ich nur dazu raten, den Schritt zu wagen. BPoCs in FĂŒhrungspositionen sind nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern eine Bereicherung, denn neue Perspektiven sind in der Kreativbranche dringend nötig. AuĂerdem ist nichts schöner, als nach den eigenen Regeln zu arbeiten und sein authentisches Selbst zur Arbeit bringen zu können.
1. Mai #SolidaritÀtIstZukunft #DGB demonstriert auch online.
Der Tag der Arbeit steht auch 2021 im Zeichen der Corona-Pandemie. Neben Aktionen vor Ort wird der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wie im vergangenen Jahr wieder einen Livestream zum 1. Mai senden. Denn eines ist in diesen Zeiten wichtiger denn je: Zeigen, dass die Gewerkschaften fĂŒr die Menschen in diesem Land aktiv sind. Der DGB-Livestream zum 1. Mai 2021 âSolidaritĂ€t ist Zukunftâ startet umâŠ
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Der Anteil der Professorinnen mit âniedrigerâ sozialer Herkunft liege derzeit bei nur sieben Prozent, wĂ€hrend es unter den MĂ€nnern immerhin fast doppelt so viele (13 Prozent) seien.
Soziale Netzwerke bestimmen selbst, welche Inhalte von den Plattformen verbannt werden. Das trifft vor allem KĂŒnstler*innen, die sich mit sexueller Vielfalt beschĂ€ftigen. iHeartBerlin stellt die verbannten Werke aus.
Mal schauen, ob dieser Artikel nicht schon zensiert wird. VerrĂŒckte Welt: Nackheit wird in sozialen Medien sofort zensiert, obwohl man frei zugĂ€nglich Pornografie im Internet finden kann.
Lesenswert: Warum die Angst, etwas falsch zu machen, uns niemals davon abhalten sollte, den nÀchsten Schritt zu gehen, das erzÀhlt Michael Kurth aka Curse im Interview. https://goo.gl/HUczAe #allesgutundrichtig #editionf