Wie informieren?
Rein theoretisch stehen uns heute alle Türen offen, wenn wir uns informieren wollen. Das Internet macht es möglich, dass wir auf eine Vielzahl von Informationsquellen zurückgreifen, ohne viel Geld auszugeben. Gleichzeitig habe ich nicht den Eindruck, als ob unsere Generation besonders über das Weltgeschehen aufgeklärt wäre.
Ich bin eigentlich eine faule Sau. Ich will mich gar nicht den ganzen Tag mit Politik beschäftigen. Ich will Zeit haben Comics zu lesen, Sport zu machen und mich um Menschen, die ich mag zu kümmern. Um trotzdem informiert zu sein, habe ich mir ein paar Sachen angewöhnt, die euch vielleicht auch nützen können. Der etwas längere Text auf den Seiten 2, 3 und 4 ist aus einer Anfrage eines Juso-Neumitglieds entstanden. Hier sind ein paar „Sofortmaßnahmen“:
· Verschaff dir einen Überblick, z.B. durch die „Tagesschau“ (auch die „in 100 Sekunden“-Ausgabe)
· Hör im Auto zur vollen Stunde Deutschlandfunk oder Regionalprogramm statt Jugendradio.
· Lade dir eine App mit Push-Nachrichten herunter und nutze sie. Z.B. die NTV-App
· Wenn du etwas nicht verstehst, google es sofort. Stelle genaue Suchanfragen.
· Wenn es dich interessiert weiter zu forschen, bleib dran! Wenn es dir Spaß macht, ist es cool.
· Diskutiere Nachrichten. Wenn du sie einzuordnen weißt, bleiben sie im Gedächtnis.
1. Neutralität von Informationen
Es gibt keine neutralen Infos. Alles ist gefärbt. Das ist auch nicht schlimm. Man muss es nur wissen. Mir fallen immer wieder zwei Färbungen auf. Es gibt redaktionelle Leitlinien, welche die Berichterstattung inhaltlich bestimmen. Die Springer AG hat ihre Leitlinie hier veröffentlicht. Ich würde nicht davon ausgehen, dass das alle sind.
Außerdem gibt es noch das profane, marktwirtschaftliche Argument. Die Verlage stellen euch die Artikel ja nicht zur Verfügung, weil sie gute Menschen sind, sondern weil sie Geld verdienen wollen. Darum sind die Artikel so geschrieben, dass sie einfach nachzuvollziehen sind und eine emotionale Reaktion auslösen. Das geht nicht selten zu Lasten der Neutralität. Wenn du willst, kannst du erkennen, wenn dir jemand die Bewertung vorwegnimmt.
2. Überblick bekommen
So, wie jeder Lehrer und jede Lehrerin davon überzeugt ist, dass ihr Fach das wichtigste ist, so will auch jeder Lobbyist sein eigenes Thema puschen. Es gibt eine ganze Industrie, die sich mit Strategien dazu beschäftigt.
Wer umfassend informiert sein will, braucht also ein Format, das einen Überblick liefert. Das tun zum Beispiel die stündlichen Radio-Nachrichten bei den öffentlich-rechtlichen. Am detailliertesten sind Deutschlandfunk und D-Radio Kultur. Es lohnt sich diese Sender auf einem hinteren Platz im Autoradio einzuspeichern und zu den Nachrichten zur vollen Stunden kurz umzuschalten. Dann hast du die Stunde über coole Musik und bist trotzdem gut informiert. Die Frequenzen findest du hier.
Was in der Tageschau kommt ist wichtig. Wenn du zwischendurch zwei Minuten Zeit hast, kannst du auf deinem Smartphone die“ Tageschau in 100 Sekunden“ schauen. Die Tageschau-App gibt’s für alle Handys.
Auch empfehlenswert ist die NTV-App, weil die den (meiner Meinung nach) besten Push-Service haben. Wenn etwas wichtiges in der Welt passiert wird das NTV-Logo angezeigt und du kannst dir die Nachricht durchlesen. Oder sie verwerfen, wenn dich die Überschrift nicht interessiert.
Leute die sich viel mit Medien beschäftigen fertigen Presseschauen an. Öffentlich zugängliche Presseschauen sind Gold wert. Zum Beispiel die des Deutschlandfunks .
3. Suchmaschinen nutzen
Viele Nachrichten klingen unglaublich. Nicht wenige klingen deshalb unglaublich, weil sie nicht stimmen. Das gilt insbesondere für Blogs, Facebook-Beiträge, Twitter-Gerüchte und Nischen-Magazine. Diese Medien sind sehr cool um neue Impulse aufzuschnappen. Aber dafür muss man sie kurz verifizieren oder zumindest dem Medium vertrauen können. Es reicht dafür oft nach den drei wichtigsten Stichworten zu googlen. Dann bekommst du Ergebnisse die zu deiner Anfrage passen. „spd programm 1959“ führt dich zu dem historisch bedeutsamen „Godesberger Programm“ Gibst du nur „SPD Programm“ ein findest du eine Menge zum aktuellen Programm.
Außerdem gibt es „Nachrichtensuchmaschinen“. Diese sammeln Berichte zu Schlagworten und können dir helfen schnell Infos zu einem Thema zu suchen. Eine nicht-abschließende Liste zu Nachrichtensuchmaschinen findest du hier:
4. Grundlagenwissen erarbeiten
Ich verstehe nicht alles, was in den Nachrichten kommt. Und weißt du was? Niemand versteht alles, was in den Nachrichten kommt. Leute die sich das nicht eingestehen, erkennt man daran, dass sie häufig Quatsch labern.
Du musst nicht jedes Wort nachschlagen, das du nicht verstehst. Dann wirst du nicht fertig. Wenn dir auffällt, dass du ein Wort schon mal nicht kanntest, wird es Zeit. Dann ist das ein Wort das (inzwischen) häufiger genutzt wird. Wenn du beginnst das Wort in deinen Sprachgebrauch zu übernehmen, solltest du ganz dringend wissen, was wirklich dahintersteckt. (Ernsthaft, in unzähligen Diskussionen haben Leute schon Worte brutalst falsch genutzt. Sei nicht der Typ über den sich andere später lustig machen.)
· Duden.de bietet eine kostenlose Wortsuche inklusive Erklärungen an.
Ist halt das Standartwerk zur Deutschen Sprache. Hilft auch beim Scrabble-Spielen.
· Was wichtig ist, steht auch in der Wikipedia
„Wissenschaftler*innen“ rümpfen von mir aus die Nase, weil Wikipedia ja nicht ihren Standarts entspricht. Nihilartikel und Fehler gibt es in jedem Lexikon. Wikipedia bildet da keine Ausnahme. Außerdem willst du Nachrichten verstehen und keine Doktorarbeit schreiben. Im Elfenbeinturm haben diese Bedenken ihre Berechtigung. Hier nicht. In den Quellenangaben zum Artikel findest du weiterführende Links. Ohne Quellenangaben ist der Artikel nichts wert. Wenn du von der Wikipedia profitierst solltest du auch selbst was schreiben, wenn du wichtige Infos nicht finden konntest. Denk an die Quellenangaben.
· Auf Youtube.de findest du Dokumentationen und Reportagen.
Viele davon sind empfehlenswert. Viele sind Schrott. Ich persönlich mag kurze Formate, von weniger als 30 Minuten. Viele dieser Formate sind ursprünglich fürs Fernsehen produziert und die Faktenlage ist gesichert.
Empfehlenswert für internationale Politik ist zum Beispiel die Sendung „Mit offenen Karten“. Eine Suchanfrage „Mit offenen Karten Iran“ bringt dir erst mal gute Ergebnisse. Naturwissenschaft und Technik bekommt man bei dem leicht nerdigen Erklär-Bär Harald Lesch. Dort wäre zum Beispiel „Harals Lesch Fracking“ eine gute Anfrage. Dem Lesch kann man auch Fragen stellen und mit etwas Glück bekommt man eine verfilte Antwort. Merks dir wenn du eine gute Quelle gefunden hast.
Natürlich könnte man das auch im Fernsehen schauen, wenn man dann zuhause ist, nichts Besseres zu tun hat und daran denkt. Wenn es ums öffentlich-rechtliche geht, hast du die Sachen aber eh schon bezahlt und kannst sie ohne schlechtes Gewissen schauen.
Die Programlogos sind ein Gütesiegel. Wenn das „ARD“-Logo in einer Bildschirmecke erscheint, heißt dass, dass die Sendung dort geprüft wurde und glaubwürdig ist. Wenn das „RTL II“–Logo erscheint haben die es geprüft. Du musst entscheiden, ob dir das reicht. Oft ist auch die Produktionsfirma irgendwo angegeben. Google ist dein Freund. Gerade wenn etwas komisch klingt.
· Bücher und Zeitschriften
Wenn du dich mit einem Thema tiefergehen auseinandersetzen willst, kommst du um Bücher nicht rum. Bitte jemanden, der sich mit dem Thema auskennt um Tipps beim Bücherkauf. Dann hast du automatisch auch jemanden, der dir bei Fragen zum Inhalt weiterhelfen kann und mit dem du den Text besprechen kannst. Wenn zu Fachzeitschriften abonnierst, bist du automatisch auf dem Laufenden. Und das noch bevor die Erkenntnisse in Bücher einfließen. (Siehe auch Punkt 8 „Bildet Banden“)


















