Selbsttest: die beste Art zu schreiben
2018.193
Heute folgt noch mal ein Post aus der Reihe (d. h. einer, der nicht der Teil meiner Zurück zum Leser Reihe gehört). Da immer häufiger darüber geredet wird, wie leistungsstark Tablet-PCs sind und diese (angeblich) den klassischen Desktop-PC bald ersetzen werden, habe ich heute in einem Selbsttest überprüft, wie viel eigentlich an der Sache dran ist.
Dabei habe ich das natürlich nur auf das Schreiben beschränkt, da das ja immer noch die Haupttätigkeit eines Autors ist. Und nur damit ich ausnahmsweise mal etwas mehr tue, als sonst (und auch um eine Vorgabe für den Umfang zu haben) habe ich den kurzen Text für den Test auch handschriftlich verfasst. Hier meine Eindrücke und am Ende das Fazit.
Handschriftlich
Wie bereits erwähnt, habe ich zunächst per Hand einen kleinen Text verfasst. Dabei habe ich ein einzelnes DIN-A4-Blatt Papier (falls jemandem das noch etwas sagt) – beidseitig versteht sich – vollgeschrieben. Dieser Text sollte dementsprechend die Vorgabe für den Umfang des Tests darstellen. Ich muss jedoch zugeben, dass ich noch 2 Zeilen mehr geschrieben habe, als eigentlich auf das Blatt gepasst hätten. Vielen Dank an den Erfinder des Rands bei Collage-Blöcken!
Die Vorteile bei dieser Art des Schreibens liegen klar auf der Hand: man muss der Rechtschreibprüfung keine eigenen Begriffe beibringen, da man das ja selbst ist. Und es beweist, dass ich auch nach wie vor dazu in der Lage bin, analog (also auf Papier) zu schreiben.
Aber die Nachteile werden auch schnell deutlich: Korrekturen sind nur schwer einzuarbeiten. Hinzu kommt noch, dass man selbst auf die korrekte Syntax (also: Rechtschreibung und Grammatik) achten muss. Auch ein nachträgliches Ändern oder Erweitern wird hier sehr schwierig. Außerdem wird eine Menge Papier verschwendet, wenn man sich zu häufig verschrieben hat. Ach ja, und man hat natürlich auch einen großen Verschleiß an Stiften (vor allem, wenn man, wie ich, mit Blei schreibt).
Digital 1: Tablet-PC
Im zweiten Schritt habe ich den zuvor verfassten Text auf meinen Tablet-PC übertragen. Dazu nutze ich die vorinstallierte Applikation (ja, ich weigere mich tatsächlich „App“ zu sagen) „Docs To Go“. Mit dieser lassen sich Dokumente in den beiden Standardtypen von MS Office erstellen. Dabei kann man zwischen Textdokumenten (Word), Tabellenkalkulation (Excel) und Präsentationen (PowerPoint) wählen. Da ich einen winzigen Teil eines eventuellen Romans verfassen wollte, habe ich natürlich die Textverarbeitung gewählt.
Vorteile sind hierbei: man schont die Umwelt, da weder Stifte, noch Papier benötigt werden. Außerdem ist es so wesentlich angenehmer (und auch gesünder) für meinen linken Arm. Ja, ich gehöre zu der Minderheit unter den Säugetieren, die Rechtshänder sind.
Die Nachteile (zumindest bei Docs To Go) sind auch nicht ohne: da keine Rechtschreibprüfung eingebaut ist, muss man das auch hier manuell machen. Wenn dann auch noch (wie bei mir auch) das Betriebssystem des Tablet-PCs auf Englisch eingestellt ist, werden auch nur englische Begriffe vorgeschlagen. Beim Löschen von Zeichen, wurden mir auch andauernd andere Zeichen oder Teilwörter in das Dokument reingehauen.
Ob das an der Applikation liegt oder an einem Bug in der Google-Tastatur, weiß ich allerdings nicht. Leider hatte ich auch andauernd das Problem, dass ich die Leertaste auf der Touch-Tastatur nicht richtig erwischt habe. Hinzu kommt auch noch, dass die Navigation im Dokument, ohne eine externe USB-Tastatur zu verwenden, erheblich schwieriger ist.
Digital 2: Desktop-PC
Im letzten Schritt habe ich dann den gleichen Text noch mal an meinem Desktop-PC mit LibreOffice Writer abgetippt. LibreOffice verfügt über die gleichen Programme, wie Docs To Go. Aber im Gegensatz dazu werden auch noch die OpenDocument Formate unterstützt. Neben den genannten Programmen (die in LO natürlich anders heißen), verfügte LibreOffice auch noch über ein Zeichenprogramm, ein Datenbankprogramm ähnlich wie MS Access und ein Programm zum Erstellen von naturwissenschaftlichen Formeln.
Die Vorteile sind auch gleichzeitig die Nachteile der ersten beiden Methoden. Die Syntax wird hier beim Schreiben bereits geprüft. Alles, was falsch oder unbekannt ist, wird rot unterkringelt (wer aus der Welt von Microsoft Office kommt, der kennt das). Den Natur- und Umweltschutz, ebenso, wie die Entlastung der Armmuskulatur, habe ich ja bereits weiter oben aufgeführt.
Wobei vor allem die USB-Tastatur an meinem Desktop-PC punkten kann, ist die Navigation im Dokument. Über die Pfeiltasten, ggf. noch mit der Steuerungstaste oder alternativ mit der Maus, ist die Navigation hier eindeutig leichter, als mit den fettigen Fingern über den Touchscreen eines Tablet-PCs.
Die Vorschläge für Wörter werden von Writer nur dann gemacht, wenn diese mindestens drei Zeichen lang sind und häufiger im Dokument vorkommen. Das Tastaturlayout und die Systemsprache sind LibreOffice Writer auch vollkommen egal, solange die Rechtschreibprüfung auf Deutsch geschaltet wird.
Als Nachteil fällt mir für den Desktop-PC auf die Schnell nur ein, dass man dadurch vielleicht verlernt, wie man mit der Hand schreibt. Ach ja, und wie die deutsche Syntax funktioniert (wenn man sich nur auf Rechtschreibprüfung und Auto-Korrektur verlässt).
Fazit
Obwohl das handschriftliche Schreiben sicherlich ganz gut tut, kann ich es auf Dauer wahrscheinlich nicht ertragen. Daher werde ich höchstens aus rein nostalgischen Gründen ab und an mit der Hand etwas schreiben, was dann später auf den PC übertragen wird.
Ganz egal, was andere auch behaupten mögen: als Werkzeug für einen Autor ist, meiner bescheidenen Meinung nach, ein Tablet-PC genauso ungeeignet, wie zum professionellen Programmieren auf Dauer. Vor allem dann, wenn man keine externe Tastatur verwendet.
Mein ganz persönlicher Favorit ist und bleibt zum Schreiben der klassische Desktop-PC. Wie leistungsstark die Tablets in den nächsten Jahren auch werden mögen, ich werde dem guten alten Desktop-PC treu bleiben. Schließlich hat dieser sich seit 1965 bewährt und Tablets sind da nur ein kleines Licht am Horizont der IT-Geschichte.
Wenn euch dieser Post gefallen hat, dann lasst es mich wissen. Wenn nicht, dann bitte auch. Da es sich hierbei um einen Selbsttest handelt, den sich persönlich durchgeführt habe, repräsentiert dieser Post auch lediglich meine eigene, vollkommen subjektive Meinung. Aber vielleicht hat mein Post dem einen oder anderen dabei geholfen, zu entscheiden, ob ein Tablet-PC für ihn bzw. sie infrage käme oder nicht vielleicht doch besser ein gewöhnlicher Desktop-PC die Alternative dazu wäre.
Oh je, ich habe schon wieder viel zu viel geschrieben. Bitte nehmt mir das nicht übel, ja?











