Rezension Der Tunnel Friedrich DĂŒrrenmatt
Buchrezension Der Tunnel Friedrich DĂŒrrenmatt
Die drei Texte der Werkausgabe 21, Der Hund - Der Tunnel - Die Panne, sind ErzĂ€hlungen, bzw. Novellen; die bis auf Die Panne noch zur Prosa I - IV gehören; Der Hund zu Prosa I und Der Tunnel zu Prosa IV. Die Texte entstanden in den Jahren 1945 bis 1955. Der Hund wurde von DĂŒrrenmatt als "Kernsituation einer geplanten Novelle" skizziert und erschien erstmals im Verlag der Arche im Sammelband Die Stadt. Mehr zur Werkausgabe 21 (ist in Bearbeitung) "Der Tunnel" von Friedrich DĂŒrrenmatt ist eine surreale Kurzgeschichte, die 1952 das erste Mal im Band Die Stadt im Verlag der Arche erschien. Zusammenfassung/Inhalt Der Tunnel Friedrich DĂŒrrenmatt Das StĂŒck âDer Tunnelâ aus der Prosasammlung Friedrich DĂŒrrenmatts erschien 1952 und gehört zu den Hauptwerken des Autors. Es zĂ€hlt zu den Klassikern unter den surrealen Kurzgeschichten, die von einem 24-jĂ€hrigen Studenten, der auf der Zugfahrt nach ZĂŒrich einen ihm sonst auf der Strecke noch nie aufgefallenen ungewöhnlich langen Tunnel bemerkt, der nicht mehr endet, handelt. In der Urfassung von 1952 gab es den Schlusssatz: âNichts. Gott lieĂ uns fallen und so stĂŒrzen wir denn auf ihn zu.â DĂŒrrenmatt, Friedrich: Der Tunnel In. Werkausgabe 21: Der Hund. Der Tunnel. Die Panne. ErzĂ€hlungen. S. 98. In der zweiten Fassung von 1978 endet der Text "Was sollen wir tun?" schrie der ZugfĂŒhrer noch einmal, worauf der VierundzwanzigjĂ€hrige, ohne sein Gesicht vom Schauspiel abzuwenden, wĂ€hrend die zwei WattebĂŒschel durch den ungeheuren Luftzug, der nun plötzlich hereinbrach, pfeilschnell nach oben in den Schacht ĂŒber ihnen fegten, mit einer gespensterhaften Heiterkeit antwortete: "Nichts."DĂŒrrenmatt, Friedrich: Der Tunnel In. Werkausgabe 21: Der Hund. Der Tunnel. Die Panne. ErzĂ€hlungen. S. 34. Biographische Einordnung (ist in Bearbeitung) Analyse/Interpretation Der Tunnel Friedrich DĂŒrrenmatt DĂŒrrenmatt erzĂ€hlt "Der Tunnel" fast nur chronologisch. In beeindruckender Dynamik fĂŒhrt er die Leser:innen auf die "schlimmstmögliche Wendung" zu. Man könnte es auch mit "sehenden Augen ins Messer stĂŒrzen" der Protagonisten nennen. Bei Ulrich Weber finden wir den Hinweis, dass DĂŒrrenmatt hier nochmals seine eigene Situation, wĂ€hrend seines Studium als Fantasy verschriftet hat und: Sie ist zugleich eine existentialistische Parabel des Sturzes aus dem Alltag, der ErschĂŒtterung aller Gewissheiten und des Durchbruchs zum Wesentlichen, aber auch das apokalyptische Gleichnis einer sorglosen Zivilisation, die nicht merkt, wie sie in eine Katastrophe hineinfĂ€hrt.Weber, Ulrich: Friedrich DĂŒrrenmatt. Eine Biographie. Auch im DĂŒrrenmatt Handbuch wird der Text als existentialistisches Gleichnis gesehen. Nach zwei Weltkriegen ist die Welt eine andere als zuvor. Hier wird gezeigt, wie die Katastrophe ĂŒber Menschen hereinbricht, die sich vermeintlich sicher verankert in der Ordnung des Systems glauben. Es zeigt auch ein Ausgeliefertsein an eine Ordnung, deren Werte nicht mehr vorhanden sind, die leer ist. Der Einzelne ist dem Chaos ausgeliefert und kann nur noch ohnmĂ€chtig reagieren. Nur der namenlose VierundzwanzigjĂ€hrige "fett, damit das Schreckliche hinter den Kulissen, welches er sah (das war seine FĂ€higkeit, vielleicht seine einzige) nicht allzu nah an ihn herankomme.DĂŒrrenmatt, Friedrich: Der Tunnel In. Werkausgabe 21: Der Hund. Der Tunnel. Die Panne. ErzĂ€hlungen. S. 34. spĂŒrt den Schrecken, die AbsurditĂ€t des Lebens kommen. Das MĂ€dchen, das den Roman liest, hat sich in dessen Fiktion geflĂŒchtet. Der Schachspieler beschĂ€ftigt sich mit den Problemen der Nimzowitsch Verteidigung und verweist ihn lapidar auf statistische Aufzeichnungen, ohne diese zu prĂŒfen oder darĂŒber nachzudenken. Aber nur dem Studenten ist die eigene Ohnmacht bewusst. Keiner ist beunruhigt. Man kann hier wieder das zugrunde gelegte "Höhlengleichnis" erkennen. Die Zuginsassen erkennen die Gefahr nicht, weil sie nur die Schatten (das von ihne zurecht gelegte Bild der Welt), aber nicht wie Derjenige, der aus der RealitĂ€t zurĂŒckkehrt, die wahre RealitĂ€t sieht. In vorliegenden Text erfĂŒllt der VierundzwanzigjĂ€hrige diese Rolle. Der Sprung auf die Lokomotive erinnert wiederum an Sören Kierkegaard, und diesen Sprung hat Friedrich DĂŒrrenmatt selbst vollzogen, indem er sein Studium aufgab und den Beruf des Schriftstellers wĂ€hlte. Bei Kierkegaard ist es der Sprung in den Glauben. Letztendlich ist der Mensch in der Endlichkeit gefangen und bewegt sich auf den Tod zu. DĂŒrrenmatt bezieht sich hier sicherlich auch auf Martin Heidegger in Sein und Zeit. Was finden wir in den "Stoffen" dazu? Schon als DreijĂ€hriger war Friedrich DĂŒrrenmatt ausgbĂŒxt und hatte sich in einem "Tunnel" versteckt. Hierzu möchte auf den Ausschnitt des Films "PortrĂ€t eines Planeten" von Charlotte Kerr hinweisen, der in der digitalen Stoffe-Edition zu sehen ist, und einen Plan von Konolfingen, dem Geburtsort DĂŒrrenmatts zeigt, den er selbst skizziert hat. Ich werde hier nicht weiter in der Interpretation gehen, es sollen nur InterpretationsansĂ€tze und Aspekte zur genaueren Analyse gezeigt werden. Weiter zu - Ich lese DĂŒrrenmatt â Wir lesen DĂŒrrenmatt - âFriedrich DĂŒrrenmattâ von Ulrich Weber â Rezension - Weiter zu Blog DĂŒrrenmatt - Der Autor bei Diogenes Read the full article













