Das Erbe
Der Entschluss des Machos den Kiez für eine neue Liebe zu verlassen fiel so plötzlich, dass keine Zeit blieb, um sein altes Leben in Umzugskartons zu packen und mitzunehmen. Viel das er zurücklassen musste, gab es aber ohnehin nicht, hatte ihn die Seife doch zuletzt nur noch auf drei Dinge reduziert: Spätkauf, Misserfolg bei Frauen und political incorrectness.
Für all dies ist nun der Sohn von Frau Seefeld zuständig. Mit Freude trat er das Erbe an und schlägt sich bisher wacker. Zwischen dem regulären Verkauf von Tiefkühlpizza, dem neuen Biosortiment und seinem Rollerverleih findet er genügend Zeit, um die spanische Austauschschülerin aufdringlich anzumachen und dem Sohn der neuen Nachbarn aufgrund eines Missverständnisses mit Homophobie zu begegnen.
Warum zumindest ich gleiches Verhalten dem Macho irgendwie weniger übel nahm, als nun seinem Nachfolger, lässt sich nur schwer fassen. Vielleicht liegt es daran, dass von Ersterem ohnehin nie etwas anderes zu erwarten war, erfüllte seine Figur doch bewusst sämtliche Klischees, die sich mit seinem kulturellen Hintergrund assoziieren ließen, während Frau Seefelds Sohn Werte wie Toleranz und Modernität vorgelebt bekommen hat.
Vielleicht ist es aber auch die Ernüchterterung über die Erkenntnis, dass die Seife scheinbar der Meinung war, eine kurze “witzige” Episode über Homophobie wäre eine gute Idee, um entweder ein weiteres Jahr im Seifenkosmos abzuschließen, das keinen Platz für eine (tatsächlich) schwule Figur hatte, oder eine zukünftige, komplizierte Selbstfindungs- und Liebesgeschichte unnötig mit einem Klischee einzuleiten.













