Wallaman Falls, Australia
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Wallaman Falls, Australia

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Und heute bin ich aufgewacht Augen aufgemacht Sonnenstrahlen in Gesicht halte die Welt und bin auf und davon...
Casper, Auf und davon
Auszug aus meinem Buch - OTTO - DIE QUITTUNG
DIE QUITTUNG
Am Abend fuhr er zu Oma und Opa in die Schillerstrasse. Er hatte keine Zeit fĂŒr Smalltalk und kam gleich auf den Punkt. âOpa kannst Du mir einen Anzug leihen, den Du nicht so hĂ€ufig benutzt?â
âWofĂŒr?â wollte Opa wissen.
âFĂŒr die Arbeit.â antwortete Otto. Was keine LĂŒge war. Opa muĂ gedacht haben, der Junge will mit Eleganz seinen Chef und seine Mandanten beeindrucken. Diesem vorbildlichen Vorhaben wollte Opa selbstverstĂ€ndlich mit dem Besten was seine Garderobe hergab unterstĂŒtzen. Als er aus seinem Schlafzimmer trat, erkannte Otto schon von weitem, daĂ der Anzug, den er in seinen Armen hielt, mit antiken QualitĂ€ten ausgestattet war.
âHier Otto! Behandle ihn gut! Der ist neu â nur zweimal getragen!â betonte Opa feierlich.
âWann?â fragte Otto.
âZu unserer Hochzeit undâŠâ
âEurer Hochzeit?â unterbrach Otto.
âJaap!â
âNeu - Opa?â
âSo gut wie. Wie gesagt, nur zweimal benutzt.â
âUnd die Hochzeit war wann - vor 50 Jahren?â
âStimmt haargenau, mein Junge! Was Du da in den HĂ€nden hĂ€lst nennt sich â zeitlose Eleganz! Der Zahn der Zeit kann diesem Juwel nichts anhaben!â behauptete Opa stolz.
Als Otto kurze Zeit spĂ€ter in der Burgstrasse eintraf, verschwendete er keine Sekunde. Er schloĂ sich in sein Zimmer ein und begann mit der Arbeit. Als erstes stopfte er Zeitungspapier in die Hosenbeine, nĂ€hte Hose und Jacke zusammen und fĂŒllte auch das Innere der Jacke mit Zeitungspapier. Als Kopf benutzte er eine von Omaâs Strumpfhosen. Schnitt mit einer Schere die Beine ab, klebte die Ăffnungen zu und stopfte das Innere mit Zeitungspapier. Er nĂ€hte den Kopf an den Anzungskragen und klebte auf ihn einen von Opa âso gut wie neuenâ Hut. âDarf ich vorstellen? Herr Walter!â Aber irgendwas passte hier noch nicht â er sah zu lebendig aus. Otto lief in die KĂŒche, schnappte sich Fritzâs Fleischmesser und rammte es in Herrn Walterâs RĂŒcken. Um die Wunde herum entleerte er eine Flasche Tomatenketchup. Fertig! Herr Walter sah von hinten aus wie jemand der nie eine Chance hatte. Aber bevor er ihn Herrn Wieganik vorstellen wĂŒrde, stand eine Generalprobe an. Otto setzte Walter an den KĂŒchentisch mit dem blutigen RĂŒcken zum KĂŒcheneingang und lehnte ihn ĂŒber den Tisch. Er verschwand in sein Zimmer und setzte sich vor der einen Spalt geöffneten ZimmertĂŒr.
Nach einer halben Stunde wollte er diese Aktion abbrechen, als Dagobert die Treppe hochstampfte und durch den Flur schnurstracks Richtung KĂŒche ging. Er öffnete die TĂŒr â und blieb sofort stehen. Er riĂ seinen Mund auf. Sein Gesicht verkrampfte in Panik. Er schien was sagen, schreien zu wollen. Stattdessen krĂ€chzte er irgendwas in einer neuen Sprache. Dann machte er einen Schritt zurĂŒck, drehte sich auf dem Absatz und ging langsam in groĂen Schritten auf die Treppe zu. Plötzlich nahm er gewaltig an Fahrt auf. Er surfte die Treppe runter ohne wirklich die Stufen zu berĂŒhren. Als Otto an seinem Fenster ankam, wuĂte er nicht so recht was jetzt passieren wĂŒrde. Vielleicht das Dagobert auf die StraĂe rennt um schreiend den Vekehr anzuhalten. Stattdessen rannte er wie ein Besessener die Burgstrasse runter und war bald mit der Dunkelheit verschmolzen.
âDa rennt jemand mit ânem schlechten Gewissen.â schmunzelte Otto.
Am nĂ€chsten Morgen immer noch kein Dagobert. âWahrscheinlich rennt er immer noch.â dachte Otto. Otto lieĂ Herrn Walter selbstverstĂ€ndlich verschwinden, bevor Fritz ihn entdecken konnte. Otto hoffte, daĂ Dagobert so fĂŒr immer im Ungewissen bleiben wĂŒrde. War da ein Toter? Wenn ja, warum steht nichts in der Zeitung? Warum keine polizeiliche Untersuchung? LieĂ jemand den Toten verschwinden? Wer? Fritz? Otto? Vielleicht beide? Lebt er unter Mördern?
Er konnte jetzt schlecht fragen: âWo ist der Tote?â
âWelcher Tote?â
âDer der gestern abend ĂŒbern KĂŒchentisch lag?â
âWas? Da warân Toter in der KĂŒche?â
âJaaaa.â
âWas hast Du gemacht? Warum hast Du nicht die Polizei angerufen?â
âIch dachte, ich ĂŒberlaĂ das am besten Euch â und hab mich stattdessen aus âm Staub gemacht.â Dagobertâs Leben wird nie mehr so sein wie es mal war.
Otto traf am nĂ€chsten Morgen eine halbe Stunde vor BĂŒroöffnungszeit ein. Es war auĂer ihm noch keiner. Er setzte Herrn Walter mit dem RĂŒcken zur EingangstĂŒr an Wieganikâs Schreibtisch und stĂŒlpte ihn ĂŒber. Alle Akten und Dokumente die in pefekter Ordnung auf dem Schreibtisch lagen, flogen durch die Luft und landeten entweder zurĂŒck auf dem Schreibtisch oder auf dem FuĂboden. Ottoâs Motto: âAlles oder nichts!â
Das BĂŒhnenbild war fertig. Die Show konnte beginnen. Wie immer traf Agnes als Erste ein. Sie erschrak als sie Otto aus Wieganikâs BĂŒro kommen sah. âAaahhh!â kreischte sie. Beruhigte sich aber zunĂ€chst wieder. âMann â hast Du mich erschrocken! Was machst Du hier so frĂŒh?â
âAgnes! Du muĂt mir helfen! Was hab ich nur angerichtet?!â
âWieso â was? Was meinst Du? Was hast Du gemacht?â
âIch glaub ich hab ihn umgebracht?â â
Du hast was?! Wen?â sie stolperte in Wieganikâs BĂŒro und wurde umgehend hysterisch. âAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHH!!!!!!â âNNNNNNNNNNNEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNN!!!!!â
Zehn Minuten spĂ€ter keuchte sie immer noch stark. FĂŒnfzehn Minuten spĂ€ter, nachdem Otto sie in sein Vorhaben eingeweiht hatte, begann sie zu kichern. Mit einem verschmitzten LĂ€cheln wollte sie wissen, âWillst Du das wirklich machen?â
âMuĂ ich machen â hab gar keine andere WahlâŠâ
Mit gutem Grund nannte Otto seine Attrappe âHerr Walterâ. Herr Walter war ein Mandant von Wieganik. Nicht selten erregten sich die GemĂŒter wenn Walter bei Wieganik zu Besuch war. Wie an dem Tag als Agnesâs Ohr zufĂ€llig an Wieganikâs BĂŒrotĂŒr klebte. Walter schimpfte, âIch hab Ihnen eine einfache Frage gestellt, die sie mit maximum zehn Wörtern hĂ€tten beantworten können, stattdessen quasseln Sie mir die Ohren voll â in einer Sprache die nur Sie verstehen! Ich erwarte fĂŒr die heutige Session keine Rechnung! Verstanden?!â
Als Walter die TĂŒr aufriĂ und aus dem BĂŒro stampfte, sah er wie Agnes neben der TĂŒr die Tapete nach Fehlern untersuchte.
Es war 8.25 Uhr. Wieganik traf nie spĂ€ter als um 8.30 Uhr ein. An diesem Morgen fiel er um 9.00 Uhr durch die EingangstĂŒr. Der Tag fing bereits schlecht an. âGuten Morgen, Herr Wieganik! Herr Walter wartet bereits auf Sie in Ihrem BĂŒro!â verkĂŒndigte Agnes.
âBitte was? Ich hab keinen Termin mit dem!â
âEr behauptet aber - Sie hĂ€tten.â
Als er seine BĂŒrotĂŒr öffnete, bemerkte er Otto nicht, der hinter ihr stand. Seine Aufmerksamkeit war auf Walter gerichtet, der mit einem Schlachtermesser im RĂŒcken mit ausgestreckten Armen, blut verschmiert, ĂŒber seinen Schreibtisch lag. Anstatt auf ihn loszustĂŒrmen um seine Vitalfunktionen zu prĂŒfen, wand er sich in weinerlicher Panik an Agnes. âFrĂ€ulein Leerkrampf! Folgen Sie mir sofort in mein BĂŒro! Es ist was fĂŒrchterliches passiert - ich brauch Zeugen!â
Als er mit Agnes im Schlepp auf sein BĂŒro zu taumelte, kam Otto ihm mit Walter ĂŒbern RĂŒcken entgegen. âTach, Herr Wieganik â was meinen Sie â hab ich diese Aufgabe erfolgreich gelöst? Es handelt sich um Steuern und tote Mandaten. Und gerade Herr Walter â mit dem Sie sich ĂŒberhaupt nicht verstandenâŠâ Von da an wurde Wieganik vorsichtiger im Umgang mit Otto.
Otto stellte Walter unter anderen auch Mandy, Friedhelm und seiner Frau Hilde vor (ja, Friedhelm hatte sie geheiratet). Sie waren alle entzĂŒckt seine Bekanntschaft zu machen. Nur Friedhelm fand es ĂŒberhaupt nicht lustig als er sich wĂ€hrend eines sonntĂ€glichen NachmittagsschlĂ€fchen schlaftrunken an Walter schmiegte - anstatt Hilde. Nachdem er sich von Walterâs Anblick erholte und dann Otto grinsend in der TĂŒr stehen sah, sprang er wie eine Sprungfeder aus dem Bett und jagde Otto in Unterhose ĂŒbern Hof und fluchte, âIch bring Dich um â ich bring Dich um!â