Arthur
2007 - Eine ganze Weile telefonierte ich mit Arthur aus Baden- Württemberg. Als ich erwähnte, dass ich aus Berlin komme, schimpfte er los. Die Berliner wären alle Schmarotzer die das Arbeiten nicht gewohnt seien.
“Bayern und Baden-Württemberg finanzieren das alles. Und deshalb haben sie auch mehr Feiertage verdient.“ Er selber war Hausarzt. Rief mich immer nachts an. Älterer Herr.
Hin und wieder klingelte dann auch nachts sein Telefon und er musste weg. Dann war er wieder Monate lang nicht zu hören dann wieder des Nachts drei bis vier Mal. Irgendwann musste er dann in die Charité zu einem Rheuma Symposium. Und er meinte wir könnten uns treffen am Bahnhof ZOO. Er würde um 19:00Uhr am Gleis warten. Anhaben würde er eine dunkle Hose und
eine Jacke in gelbem Karree.
Wie bitte? fragte ich nach.
Gelbes Karree sagte er.
Oh je was meinte er denn damit? schoss es mir durch den Kopf. Meine Neugier indes siegte und so zog ich los und wollte diesen grummeligen Hausarzt treffen.
Da lief tatsächlich jemand in so einen Frankenfeldschen gelb karierten Jackett herum. Ich mutig auf ihn zu...“Entschuldigen Sie, heißen Sie zufällig Arthur?“
„Ja und Sie sind Sonja.“
Ich bestätigte.
Er erzählte, dass er schon mittags angekommen und jetzt extra wegen mir noch mal zum Bahnhof zurück gekehrt sei, weil er mir ja gesagt habe, dass er mich hier treffen wolle. Sein Hotel lag in der Stadtmitte. Wir gingen essen im Restaurant Dalmacija. Ich kannte es und wusste, die Portionen sind groß und reichhaltig. Er grunzte ob der Portion zufrieden. Es war ein recht amüsanter Abend. Er erzählte von der Medizin-Historischen Ausstellung http://www.bmm-charite.de/ in der Charite. Das war sehr interessant, zumal er viele Dinge auch
anders erklären konnte als ein Nichtmediziner.
Wir sprachen darüber, dass mir z.B. die Gunter von Hagens Ausstellung auch sehr gefallen habe, weil auf die Art der Darstellung viele Dinge mit einer neuen Sichtweise gesehen werden konnten. Ich fand es immer gruselig, diese missgestalteten Föten in diesen Alkoholgläsern zu sehen. Die Flüssigkeit die leicht gelb war und somit einen makaberen Eindruck hinterließ. Bei „Körperwelten“ wurde hingegen davor gewarnt, in dem speziellen Raum
zu gehen, wenn man nicht sicher war, dass einem schlecht wurde. Ich war drin und habe es auch total nüchtern betrachten können. da diese auf einem
schwarzen Rondell wie Puppen aussahen. Er erklärte mir jedoch, dass 'von Hagens' den Tod nicht achte und dadurch ein Scharlatan sei. Kleines Streitgespräch am Rande.
Anschließend habe ich ihn zu der passenden U-Bahn gebracht und er ist zurück nach Mitte gefahren, nicht ohne mir zu erzählen, dass er drei Tage bleibe, und wir uns den nächsten Tag auf dem Gendarmenmarkt treffen wollten, so gegen 18:30Uhr. Es war Sommer, also um diese Zeit hell. Ohne getauschte Handy Nummern am Abend zuvor hätte ich ihn auf diesem Platz voller Menschen kaum gefunden, zumal er zu spät kam. Wir wollten ins DDR Museum, das gab es jetzt knapp ein Jahr. Ich kannte es noch nicht. Besuch ist immer eine Gelegenheit, Dinge aufzusuchen, die man schon immer mal besichtigen
wollte, aber vor lauter Bequemlichkeit den Arsch nicht
hoch bekam..
Also ab in die Geschichte der DDR abtauchen. Eine lange Schlange vor uns er begann zu meckern. Ich sagte das ist genau das richtige DDR Feeling, Schlange stehen gehört dazu. Er löste die Eintrittskarten, als wir endlich an der Reihe waren. Uns wurde da schon mitgeteilt, dass das Museum aber nur noch dreiviertel Stunde offen sei...hui war er da wütend.
Ich habe mir nicht die Ruhe nehmen lassen und hab mir alles genau angesehen. Er in diesen Trabbi rein, das ist kein Auto schimpfte er. Diese synthetischen FDJ Hemdchen, die Hefte, die Uniformen .… eine dreiviertel Stunde ist zu kurz um das alles in Ruhe ansehen zu können. Also wir wieder raus, waren dann wieder essen diesmal Italienisch bei Enzo. Selbstge-
machte Nudeln von Mamma. Mmmh lecker, ein Genuss.
Dann da raus zum Nollendorfplatz gelaufen, wobei ich ihm dabei natürlich ein klein wenig Bezirksgeschichte erzählte, und von dort noch ein wenig bummeln Unter den Linden. Da meinte er denn, wir könnten ja kurz zum ihm ins Hotel, und er zieht sich um und ...
Ich ganz entrüstet: „Du hast mir vorhin einen Vortrag über "Anständigkeit" gehalten. Und jetzt erwartest du, dass ich dich in dein Hotelzimmer begleite und ich dir beim umziehen zuschaue. Mein Lieber, das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“
„Na ja“, meinte er, „ich habe dich jetzt zweimal zum Essen eingeladen.“
„Oho kommt jetzt deine schwäbische Seite zum Vorschein?“ fragte ich neugierig nach.
„Wieso?“ Er verstand nicht
Ich wieder: „Nun es ist ja bekannt das ihr den Kupferdraht erfunden habt, weil ihr den Pfennig so lange rumgedreht habt. Und weil du mir ständig vorwirfst wie toll ihr da unten im Süden Deutschlands seid und wir hier nur existieren weil ihr uns unterstützt.“
„Stimmt ja auch“, sagte er.
Dann lenkte er ein. „Du hast ja recht. Aber andererseits bist du eine Telefonsex Lady und wir haben viele Gespräche geführt, heiße Gespräche und da kann man schon mal auf den Gedanken kommen. das in real nach zu machen, zumal ich jetzt hier bin und ein Hotelzimmer habe.“
„Ah ja, du kommst also mit den Gedanken nach Berlin aus deinen verschlafenen Nest dass du die Sonja dann mal eine Runde ficken kannst.“
Man war ich wütend.
„Ich habe dich zweimal“ ... ging es erneut los.
„Hör mal Artur ..ich bin kein Freiwild. Und komm mir jetzt nicht damit das du mich ständig anrufst, das tust du auf der Uhse Line und ich bekomme von deinen Anrufen nicht soviel das ich davon leben kann. Und wenn
du anrufst, dann ist das deine ureigenste Entscheidung es steht kein Zwang dahinter“.
„Der Spaziergang zum Nollendorfplatz war schön“, sagte er nach einer Weile.
„Ja war er“, gab ich zurück. „Mach das jetzt nicht kaputt.“
„Tut mir leid“, sagte er dann, „ich werde das hier in Erinnerung behalten. Und du hast recht wenn du nachgegeben hättest wärest du genau das gewesen was ich so nicht in dir sehen wollte.“
Sonntag fuhr er zurück wir haben uns kein drittes Mal getroffen. Er hat noch einen Weile mich über die Line angerufen. Auch immer wieder von dem Nollendorfplatz geschwärmt und das es in der U-Bahn so eng war das
ich an ihn gepresst war und er.… na ja das lassen wir jetzt mal offen.
Also solche Treffen, waren ja an sich nicht erlaubt, es
gibt wohl kaum eine Telefonsex- Lady die sich nicht
doch mal getroffen hat. Der Reiz ist doch recht groß.
--------------------------------
Sonja Berner
Fetisch - Geschichten einer anderen sexuellen Befriedigung
ISBN: 9783746710624
Format: Taschenbuch
Seiten: 260
12,00€
------------------------------------------------------------
im Buchhandel mit der ISBN bestellen
















