-Geschichte einer Wandlung-
In der Regel ist der Mensch mit Anfang 20 in seinen Grundzügen seelisch geformt. Was sind die Gründe, dass sich ein erwachsener Mensch grundlegend ändert? Es sind Veranlagung, Traumata oder neue Gewohnheiten:
Verborgene Veranlagung, die durch Scham, Anpassung an die Mitmenschen, Moralvorstellungen oder Ängste verdrängt wurde und die in neuen Lebensumständen hervorbricht. Traumatische Erlebnisse, verbunden mit starken körperlichen Schmerzen oder Lüsten. Und neue Gewohnheiten. Ein Mensch lebt für Wochen, Monate in einer völlig anderen Umgebung und Umständen. Neue Verhaltensweisen werden gelebt. Wenn alles zusammenkommt, kann der Wandel des Menschen besonders gravierend ausfallen.
Mit dieser Geschichte möchte ich die Wandlung einer jungen Frau veranschaulichen. Dazu schildere ich drastisch zum Teil sehr einschneidende Erlebnisse. Also nichts für zarte Gemüter. Wem das nicht zusagt, einfach nicht weiterlesen. Für Menschen unter 18 Jahre sind die folgenden Zeilen sowieso nicht geeignet. Volljährige, die sich auf eine Reise in die Seele eines Wolfs und eines Rotkäppchens begeben wollen, wünsche ich Spannung, Vergnügen und menschliche Einsichten.
Der Blick heftete sich auf die Fährte, Abdrücke schlanker Füße im feuchten Waldboden. Geschmeidig bewegte er sich, schnell und leise. Plötzlich erblickte er vor sich einen roten Zipfel, hörte das Knacken eines Astes. Sie musste die Waldlichtung erreicht haben. Er verlangsamte sein Tempo, näherte sich schleichend seiner Beute, die in sein Revier eingedrungen war. Endlich erreichte er den Rand der Lichtung. Versteckt hinter dem breiten Stamm einer Eiche erspähte er sie. Ihre helle, weiße Haut kontrastierte mit der schwarzen Walderde an ihren Füßen und Waden und ihrem roten knielangen und ärmellosen Kleid. Er schätzte sie auf Mitte 20. Sie war mittelgroß und hatte eine schlanke Figur. Die Muskulatur ihrer Waden, der neben ihr abgesetzte Rucksack und die daran angebundenen Stiefel ließen auf eine geübte Wanderin schließen. Sie saß auf einem Baumstamm und ihre schmutzigen Füße baumelten vergnügt in der Sonne. Ein leichter Schweißfilm verleihte ihrer weißen festen Haut einen hellen Glanz. Er glaubte die Ausdünstungen ihres Körpers zu wittern. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Das Blut füllte seine Adern. Er spürte seinen Schwanz, steif ausgerichtet auf seine Beute. Sein Blick auf die Frau geheftet, trat er hinter dem Baum hervor auf die Lichtung.
Sie genoss die Sonne, die warme Luft, den Geruch nach Holz und Erde. Ihre Füße, befreit von den schweren Stiefeln, erfühlten die Erde, das Moos. Sie war froh, dass die Wanderstrecke sie an diesem heißen Sommertag durch den Wald geführt hatte. Ihr rotes Treckingkleid war zwar luftig und leicht. Aber erst die Kühle des Waldes ließ sie aufatmen. Sie musste sich eingestehen, dass sie sich trotz Navigation verlaufen hatte. Die Wege waren nicht verzeichnet gewesen. Sie konnte sich nur an den Stand der Sonne und die Himmelsrichtungen orientieren. Sie lauschte den Geräuschen des Waldes, als sie vor Schreck zusammenfuhr. Ein großer Mann schritt auf sie zu. Sie hatte ihn bis jetzt weder gehört noch gesehen. Seine Hose und Hemd waren in einer grün-braunen Tarnfarbe. Instinktiv griff sie nach ihrem Rucksack. Das strahlende offene Lächeln des Mannes beruhigte sie. Ein kantiges Gesicht und die klaren grauen Augen gaben dem Aussehen dieses Riesen etwas vertrauenswürdiges. “Hallo, haben Sie sich verlaufen? Sie sind hier in einem Naturschutzgebiet, abseits der üblichen Wanderrouten,” sagte er, als er unmittelbar vor ihr zum Stehen kam. Sie schaute zu ihm auf, warf ihre braunes Haare in den Nacken, präsentierte unbewusst ihren weißen Hals. “Sie haben es erfasst. Ich bin irgendwie von den Wanderwegen abgekommen. Sind sie hier der Förster oder ein Jäger.” Ihr Blick wanderte zu einem großen Jagdmesser zum Ausweiden von Wild, das er in einem Lederholster am Gürtel trug. Er lachte “Nein, zum Förster habe ich es noch nicht gebracht. Ich bin Jäger, kümmere mich aber hauptberuflich im Auftrag der Behörden und Umweltorganisationen um den Naturschutz. Wohin wollen sie?” “Zu einer Herberge nach Kalm.” “Kommen sie, ich führe sie auf den rechten Weg.” Seine Lachfalten durchzogen das von Sonne und Wind gegerbte Gesicht. “Das ist sehr nett. Ich hoffe, sie haben durch mich nicht zu viele Umstände?” “Kein Problem, ein Vorteil meiner Tätigkeit ist, dass ich hier im Wald mein eigener Herr bin.” “Einverstanden. Dann brechen wir auf.” Er reichte ihr seine kräftige, schwielige Hand. Sie ergriff diese und er zog sie hoch. Er hatte einen festen sicheren Handgriff. Sie schaute an sich herunter. Ihre Zehen machten einen verletzlichen Eindruck gegenüber den schweren Kampfstiefeln des Mannes. “Wollen sie ihre Wanderstiefel nicht anziehen?” “Ich bin das Barfußlaufen gewohnt. Auf unserem Bauernhof lief ich als Kind im Sommer immer mit nackten Füßen. Ich will es noch ein wenig genießen. Wohnen sie hier im Wald?” “An einem kleinen See steht meine Blockhütte. Der Wald ist mein Revier, mein kleines Reich.” “Ist das nicht auf Dauer langweilig, so allein?” “Ich weiß mich zu unterhalten. Ich liebe die Jagd und das Hegen der Natur,” sagte er. Sie schulterte ihren Rucksack und zusammen verließen sie die Lichtung. Gemeinsam schritten sie auf dem Weg voran, wie ihr schien, immer tiefer in den Wald hinein. Er erklärte ihr die verschiedenen Baumarten des Mischwaldes. “Unser Ziel ist ein deutscher Wald in seiner ursprünglichen Form. Weg von der Monokultur. Schauen sie dort ein Specht.” Sie hörte seinen Erläuterungen über die Flora und Fauna aufmerksam zu. Er hatte eine dunkle sonore Stimme. Auch sonst war er ein dunkler Typ. Tiefbraune, von der Sonne gegerbte Haut. Schwarze Haare, durchzogen von einigen grauen Strähnen, besonders an den Schläfen. Die schwarzen Haare seiner breiten muskulösen Brust quollen aus seinem Hemdausschnitt. Seine Unterarme und sogar seine Handrücken waren behaart. Sie waren umgeben von dichtem Wald. Die Blätter der Bäume raschelten im Sommerwind. Er erzählte vom Wild- und Vogelbestand,von den Bäumen und Gräser der Lichtungen.
Plötzlich musste er lachen. Sie schaute ihn erstaunt an. Seine Lachfalten, die wie ein Gitternetz sein Gesicht überzogen, faszinierten sie. “Wissen sie, an welches Märchen ich gerade denken muss?” “Märchen?” fragte sie lächelnd. “Mit ihrem roten Sommerkleid erinnern sie mich an Rotkäppchen und der böse Wolf.” “Dann bin ich das Rotkäppchen? Und sie der Wolf?” sie lachte. “Gewissermaßen. Wie ging nochmal der Dialog?” “Ich habe gut aufgepasst,” erklärte sie beflissen. “Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!” - “Dass ich dich besser hören kann!” antwortete er, ebenfalls lachend. “Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!” “Dass ich dich besser sehen kann!” Er riss seine dunkelbraunen Augen auf. “Ei, Großmutter, was hast du für große Hände!” - “Dass ich dich besser packen kann!” Er erhob seine kräftigen Hände. “Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!” “Dass ich dich besser fressen kann!” Jetzt stand er direkt vor ihr. Ihr Lachen erstarb, als sie die Veränderung auf seinem Gesicht sah. Er fixierte sie mit dem Blick eines Jägers. Zum Sprung bereit. Sie dachte sofort daran, dass sie hier ganz alleine war, seinen Kräften ausgeliefert. “Wo sind wir” fragte sie, plötzlich mit einem Zittern in der Stimme. “Wir sind gleich bei meiner Hütte. Und du wirst mir gehören mit Haut und Haar und Seele.” Seine Stimme hatte einen bedrohlichen Unterton. Eine Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Riesig ragte er vor ihr auf. Instinktiv trat sie einen Schritt von ihm weg. Dachte an Flucht. Sie griff in die Seitentasche ihres Rucksackes, bekam die Spraydose zu fassen, riss sie nach vorne und sprühte das Reizgas in die Richtung des Riesen. Dann rannte sie mit großen Schritten in den Wald hinein. Sie schlug sich durch das Unterholz. Äste zerkratzen ihre Arme und Beine. Dornen, Wurzeln und Steine malträtierten ihre Füße. Sie fluchte darüber, dass sie ihre Stiefel nicht trug. Immer tiefer rannte sie in den Wald. Nach einer Weile hielt sie an, lauschte, ob sie Schritte ihres Verfolgers hörte. Aber sie vernahm nur die Geräusche des Waldes. Keuchend rang sie um Luft. Dann legte sie ihren Rucksack ab, griff in die Seitentasche nach ihrem Smartphone. “Kein Netz”. Sie musste aus diesem Wald heraus. Dann hörte sie ein Knacken. Sie griff sich den Rucksack und lief weiter.
Er hatte die Bewegung ihrer Hand zum Rucksack gesehen und war zur Seite gesprungen. Der Sprühstoß hatte ihn nicht voll erwischt. Ein wenig tränten seine Augen. Sie floh mit weit ausholenden Schritten in den Wald hinein. Wie eine Reh. Er grinste, eine richtige Jagd, wie er sie sich wünschte. Sie würde immer tiefer in den Wald geraten. Ohne Funknetz auf sich allein angewiesen. Er stand auf und machte sich an die Verfolgung.
Sie war wirklich eine dumme Gans, dachte sie, dass sie einem fremden Mann vertraut hatte. Aber wer hat schon Angst vor einem Naturschützer. Sie hätte misstrauischer sein müssen, auch wenn er noch so attraktiv und vertrauenswürdig aussah. Zwischen zwei Eschen hielt sie an. Sie musste ihre Stiefel anziehen, sonst würden ihre Füße nicht mehr lange mitmachen. Hinter sich hörte sie nichts. Sie band ihre Stiefel vom Rucksack los, als sie den Riesen aus dem Augenwinkel sah. Wie aus dem Nichts stand er da, breitbeinig, vielleicht vier Meter von ihr entfernt. Seine entschlossenen Augen auf sie gerichtet. Sie drehte sich um zur Flucht, als er mit zwei Sätzen schon hinter ihr war. Sie spürt, dass seine Finger wie ein Schraubstock ihr Fußgelenk umfassten und hochzog. Sie fiel mit Gesicht und Oberkörper auf die Erde. Unaufhaltsam zog er sie zu sich. Sie schleifte bäuchlings über den rauchen Waldboden.Benommen fühlte sie seinen harten Griff an der Schulter mit dem er sie auf den Rücken drehte. Sie schaute in seine vom Reizgas geröteten grauen Augen, die sie musterten. Sie schrie, “ Lassen sie mich los, zu Hilfe, lass mich”. Mit den Fäusten schlug sie nach ihm. Er griff ihre Handgelenke und drückte sie über ihren Kopf auf die Erde. Er lag mit seinem schweren Körper auf ihr und drückte sie mit großer Kraft zu Boden. “Du Närrin, schrei nur. Hier ist niemand außer die Tiere des Waldes.” “Lass mich.” Mit aller Kraft versuchte sie sich zu entwinden. Aber gegen diesen gewaltigen Körper hatte sie keine Chance. Mit Erschrecken spürte sie ein großes erigiertes Glied an ihrem Oberschenkel. “Du gehörst jetzt mir. Du bist mein Wildfang, meine Beute. Und ich werde dich zähmen. Deinen Stolz brechen. Am Ende wirst du dich danach sehnen, mir zu gefallen. Winde Dich nur. Wehre dich. Umso mehr Freude habe ich an dir.” Sie schaute zu ihm hoch in seine funkelnden Augen in dem verzweifelten Wissen, dass es für sie kein Entkommen gab…
Lachfalten überzogen sein Gesicht. Ein unheimliches, gewinnendes Lachen. Plötzlich erhob er sich, befreite sie von der Schwere seines Körpers. Sie setzte sich auf. Breitbeinig stand er vor ihr. “Du hast die Wahl. Ich gehe zu meiner Hütte. Dort hole ich ein Seil und Gerätschaften, um dich zu fesseln und dich dann zu meiner Hütte zu führen. Wenn du bei meiner Rückkehr noch hier bist, werde ich dich streng aber fürsorglich behandeln. Du wirst mir gehorsam dienen und meinen Befehlen unbedingt Folge leisten. Ich werde dir Lust und Schmerz schenken und du wirst es lieben,” sagte er mit seiner verführerisch tiefen Stimme. “Sie perverses Schwein. Lassen sie mich in Ruhe, sonst werden sie es bereuen,” schrie sie. Er fuhr mit ruhiger Stimme sachlich fort,“Ich will dich und du bist auch an mir interessiert. Oder, warum hast du sonst deine Haare in den Nacken geworfen und für mich deinen weißen Hals entblößt?” Ihr schoss das Blut in das Gesicht. Sie wusste nicht, ob aus Scham oder Wut. Ja, sie hatte ihn attraktiv gefunden, aber jetzt beherrschte sie Angst und Zorn. Er quittierte ihre Röte mit einem Lachen. “Was ist daran pervers, wenn ich dich will, mit Haut und Haaren und Seele? Sparen wir uns das Werben, Flirten, das romantische Getue. Alles Zeitverschwendung. Ich nehme dich in Besitz. Du wirst mein Eigen. Wie heißt es schon in der Bibel? Die Frau soll dem Manne untertan sein und das genau werde ich dich lehren. Ein evolutionäres natürliches Rollenbild, kein bisschen pervers.” Wut blitzte in ihren Augen. Sie spukte in seine Richtung, traf seinen Schuh. Lässig wischte er den Schuh am Moos ab. “Wie gesagt, du hast die Wahl. Wenn du bei meiner Rückkehr nicht mehr hier bist, werde ich dich jagen. Vielleicht triffst du hier jemanden, der dir hilft, was eher unwahrscheinlich ist oder du schaffst es bis zur Straße oder zum nächsten Dorf. Dann hast du gewonnen und ich muss mich wohl absetzen, da du sicher auf eine Anzeige bestehen wirst.” Er grinste listig. Dann wurde er sehr ernst. Drohend fuhr er fort, “Oder ich fange dich. Dann werde ich dich strafen, zerbrechen und nach meinem Willen neu formen. Das ist der Weg der Qualen, der Schmerzen, der Lust. Wenn ich dich greife, verlierst du und bezahlst einen sehr hohen Preis für deine Flucht. Also entscheide. Bleibst du hier, wählst du den guten Weg. Fliehst du, kannst du nur hoffen, dass du entkommst.” Er hob ihren Rucksack auf, an dem ihre Wanderstiefel angebunden waren. “Den nehme ich mit. Zu einfach will ich es dir doch nicht machen, wenn du dich zur Flucht entscheiden solltest.” Sie tat eine Bewegung in seine Richtung. Er hob abwehrend den Arm.“Wage es nicht, mich zu hindern,” zischte er drohend. “Diese Arme können dir mit einer kleinen Bewegung das Genick brechen. Und das wollen wir doch beide nicht.” Mit ihrem Rucksack auf dem Arm verließ er sie, in Richtung See.
Sie saß auf dem Boden und war wütend auf ihn und auf sich selbst, da sie jetzt tatsächlich darüber nachdachte, ob sie auf seine Rückkehr warten würde. Die Flucht durch den Wald, nur bekleidet mit einem Kleid. Eine anstrengende Tortur, vor der sie sich fürchtete. Noch mehr Angst hatte sie vor dem, was ihr blühte, wenn sie blieb. Floh sie aber, musste sie alles daran setzen, zu entkommen. Seine Rache würde schrecklich sein. Da war sie sich sicher. Entschlossen stand sie auf und lief in entgegengesetzter Richtung in den Wald hinein.
Ihre Lungen brannten von der Anstrengung des Laufens. Ihre Füße bluteten, rote Striemen überzogen ihre Arme und Beine. Die Wurzeln, Dornen, Steine und Zweige hinterließen auf ihrem Körper ihre Spuren. Ihre Haut war überzogen mit Schmutz, ihr Kleid stellenweise eingerissen. Sie lief lange in Richtung der untergehenden Sonne. Irgendwann musste der Wald doch enden. Sie hoffte auf ein Haus, ein Dorf, Menschen auf einer Straße. Vor ihr plätscherte ein Bach. Sie stürzte verzweifelt zu dem Wasser, trank direkt aus dem fließenden Bach, kühlte ihre geschundenen Beine und Füße. Angstvoll schaute sie immer wieder um sich, in ständiger Furcht, dass er plötzlich vor ihr auftauchte. Sie hockte sich an das Wasser, reinigte die Aufschürfungen an ihren Händen, die sie sich bei einem Sturz zugezogen hatte. Da hörte sie in den Tiefen des Waldes das Bellen eines Hundes. Verdammt, dachte sie bei sich. Wenn ihr Verfolger sich nun mit einem Hund auf ihrer Fährte setzte? Sie beschloss, ein Stück durch den Bach zu waten. Vielleicht würde das den Hund von ihrer Fährte ablenken. Behutsam stapfte sie durch das eiskalte Wasser bis sie zu einer Böschung kam. Sie verließ das Bachbett und kletterte nach oben in den Wald. Ihre wunden Zehen meldeten sich schmerzhaft, sobald sie aus dem kalten Wasser stieg. Die Sonne sank unaufhaltsam und die Dämmerung setzte ein. Die Sicht zwischen den Bäumen wurde immer schlechter und mit der untergehenden Sonne, verschwand ihr Navigationspunkt. Wenn sie in der Dunkelheit weiter liefe, verlöre sie vollends die Orientierung. Es half nichts, sie würde sich für die Nacht ein Versteck suchen müssen. Sie fand ein dichtes Unterholz an einem Felsen, in das sie sich hineinzwängte. Die Zweige umrahmten vor dem Felsen einen kleinen Hohlraum. Ihre Schutzhöhle für die Nacht. Sie rollte sich wie eine Katze zusammen, umklammerte ihre Knie und lauschte in den Wald hinein. Sie versuchte, die Schmerzen ihrer geschundenen Füße, Hände und Glieder zu ignorieren. Hoffte, dass er sie in ihrem Versteck nicht entdeckte. Vielleicht hatte er ihre Fährte durch das Wasser verloren. Vor Erschöpfung schlief sie nach einer Weile ein.
Nach einem tiefen traumlosen Schlaf wachte sie mit einem Ruck auf. Der Morgen graute. Sie schüttelte sich. Ihr war kalt. Die Knochen taten ihr weh vom Liegen auf dem harten Waldboden. Ihre Wunden wurden ihr wieder bewusst. Jede Bewegung war schmerzhaft. Aber sie musste aufstehen und weiter laufen. Ihr Magen meldete sich knurrend. Sie wand sich aus dem Gestrüpp, schaute nach dem Stand der Sonne und ging weiter Richtung Osten. Nach einiger Zeit hörte sie die Motorgeräusche eines Autos. Sie mobilisierte ihre Kräfte, lief dem Geräusch entgegen. Vor sich zwischen den Bäumen erblickte sie den grauen Asphalt einer Straße. Gerettet, dachte sie erleichtert. Nur noch einige Meter, dann würde sie auf die Straße treten, ein Auto anhalten. Abrupt blieb sie stehen, als direkt vor ihr der Verfolger hinter einem Baum hervortrat. “Hab dich” knurrte er. Sie blickte erschreckt in seine kalten grauen Augen, dann traf sie ein Schlag an ihrer rechten SchläfeBenommen ging sie zu Boden. Als sie hoch blickte, war er über ihr, wie ein Berg der den Himmel verdunkelte
Er schaute auf sie herab. Sie lag auf dem Rücken, ihre weiße Haut von Schmutz und Blut befleckt, das Kleid an den wohl gerundeten Oberschenkeln hochgerutscht, in Fetzen. Blitzschnell bückte er sich, nahm den Saum ihres Kleides und zog es ihr über den Kopf. Er warf es beiseite. Dann griff er mit beiden Händen in das Bündchen ihres hellgrauen Slip. Als er es ihr über die Hüften zog, versuchte sie ihn mit abwehrenden Bewegungen ihrer Hände und dem Strampeln ihrer Beine vergeblich am vollständigen Entkleiden zu hindern. Mit Kraft zog er den Slip herunter und warf ihn auf das Kleid. Nach seinem zweiten gezielt dosierter Schlag gegen ihren Kopf erschlafften ihre Muskeln. Sie lag nackt und bewusstlos im Moos. Mit einem Lächeln betrachtete er ihre jetzt weichen Gesichtszüge, ihre weiße straffe jugendliche Haut, die vollen Brüste und die weiblich gerundeten, muskulösen Arme, Schultern, Hüften und Schenkel sowie ihre leicht behaarte Scham.
Sein Schäferhund hatte die Fährte der Frau bis zum Bach verfolgt. Er entschied sich für eine Richtung und folgte dem Bachlauf am Ufer. An einer Böschung entdeckte sein Gehilfe, ein strohblonder Junge von 18 Jahren, ihre Spuren wieder. Der Rest war ein Kinderspiel. Er spürte sie in dem Gebüsch auf. Sie schlief zusammengekauert. Er schickte den Gehilfen mit dem Hund zurück mit dem Auftrag, ihm etwas aus der Hütte zu holen. Vor ihrem Unterschlupf wartete er geduldig hinter einem Baum versteckt. Zufrieden beobachtete er, wie sie morgens arglos ihr Versteck verließ und sich hoffnungsvoll auf den Weg machte. Das ahnungslose Wild im Visier des Jägers, kurz vor dem Erlegen. Als sie sich der Straße näherte, überholte er sie seitlich und fing sie dann einige Meter vor der Straße ab. Erregt dachte er an ihre vor Schreck geweiteten Augen. Mit beiden Armen hob er sie hoch, warf sie sich über seine Schulter und ging mit der weichen warmen nackten Beute hinein in die Tiefen des Waldes.
Langsam lichtete sich der Nebel in ihrem Bewusstsein und es wurde wieder heller um sie herum. Sie spürte zuerst das schmerzende Ziehen in ihren Hand- und Fußgelenken, dann das Hämmern in ihrem Kopf. Verstohlen sah sie nach oben. Ihre Hände und Füße mit einem Seil gebunden, baumelte sie wie ein Stück Wild an einer Stange im Rhythmus der Schritte ihrer beiden Träger. Das ganze Körpergewicht hing an den Seilen um ihre Gelenke. Füße und Hände waren bläulich-rot vom aufgestauten Blut. Außerdem war sie nackt.Vor ihr ging der dunkle Jäger. Der Träger dahinter war ein hellblonder blauäugiger Junge in Waldarbeiterkleidung. Nicht älter als 18 Jahre alt, schätzt sie. Beide Träger marschierten stumm und zielstrebig. Sie war gebunden . Mit ein wenig Glück hatten sie von ihrem Erwachen noch nichts gemerkt. Sie beschloss, sich weiter bewusstlos zu stellen, auch wenn sie ihre Schmerzenslaute nur schwer unterdrücken konnte. Zwischen den zusammengekniffenen Augen nahm sie wahr, dass es um sie herum immer heller wurde. Sie erreichten eine Wiese, die an einen See grenzte. Die Träger setzten sie ab und legten sie ins Gras. “Lars, bring mir die eisernen Hand- und Fußfesseln, die wir für die Festspiele gefertigt haben. Das ist besser als die Seile, die schnüren zu sehr ab,” sagte der Jäger zu dem Blonden. Dann schnitt er ihre Fesseln entzwei. Sie hätte am Liebsten laut aufgestöhnt, mimte aber weiter die Bewusstlose. Der Jäger wandte sich zur einer Werkzeugtasche, die einen Schritt entfernt auf dem Boden stand. Sie blickte sich um und sah einen faustgroßen Stein neben sich. Kurzentschlossen griff sie danach, trat hinter den Jäger und schlug auf seinen Hinterkopf. Er fiel kopfüber auf seine Tasche. Sie hörte ihn fluchen und dann lief sie mit schlotternden Beinen in Richtung Wald und hoffte, dass sie diesmal entkommen konnte. Da vernahm sie einen wütenden Schrei. Sie sah hinter sich den Blonden, der sich über den Jäger beugt. Dann schaute der junge Mann in ihre Richtung, nahm etwas aus der Tasche und sprintete hinter ihr her. Verzweifelt hörte sie, wie die Laufschritte immer näher kamen. Sie war einfach zu langsam, dachte sie verzweifelt. Sie lief schneller. Kurz nachdem sie den Wald erreicht hatte, waren die Schritte aber direkt hinter ihr. Ihr Verfolger warf sich mit voller Wucht auf sie. Beide stürzten zu Boden. Sie lag auf dem Bauch und der Junge über ihr. Der rechte Arm wurde ihr schmerzhaft auf den Rücken gedreht. “Wenn Du dich weiter wehrst, kugele ich dir den Arm aus,” zischte der Blonde. Die Schmerzen in ihrem Schultergelenk zwangen sie stillzuhalten, als er auch noch den linken Arm ergriff. Mit geschickten Bewegungen band er mit einem Seil ihre Handgelenke auf dem Rücken zusammen. Mit einer Hand umfasste er den kleinen Finger ihrer linken Hand. Sie spürte einen leichten Zug an ihrem Fingernagel und dann brach die Hölle in ihr los. Der Schmerz traf ihren Körper wie eine Schockwelle. Sie schrie, zitterte, wand sich. Der Blonde fasste in ihre Haare und riss ihren Kopf nach oben. Dann sah sie entsetzt ihren ausgerissenen blutigen Fingernagel. “Der gehört jetzt mir,” zischte es hinter ihr.
Dieses Miststück hatte ihn schon wieder überlistet. Sein Kopf brummte. Lars war plötzlich über ihm gewesen. Mit ängstlichem Tonfall rief dieser seinen Namen. Er hatte Lars gesagt , dass er o.k. sei. Sein Kopf brummte. Bevor er Lars aufhalten konnte, nestelte der etwas aus der Werkzeugtasche und rannte der Frau hinterher. Der Jäger fluchte. Er musste jetzt unbedingt aufstehen und hinterher. Lars würde die Frau umbringen, wenn er sie in die Finger bekäme. Leicht taumelnd folgte er den Beiden. Als er den Wald erreichte, hörte er den gellenden Schrei der Frau. Lars saß auf dem Rücken der gefesselten Frau, die sich unter ihm vor Schmerzen krümmte. Er hielt ihm mit triumphierenden Blick eine Zange entgegen, mit einem blutigen Fingernagel zwischen den Spitzen. “Lass sie los,” rief er Lars zu. Als der ihn nur verständnislos anschaute, setzt er nach, “Das ist ein Befehl,” keuchte er. “Hol den Jeep, wir schaffen sie in die Höhle. Und bring die Notfalltasche mit. Beeil dich”. Lars stand auf wie befohlen und lief Richtung Wiese. Der Jäger schaute auf das schmutzige blutverschmierte zuckende Bündel Mensch zu seinen Füßen. Er kniete sich neben sie und nahm ihr Gesicht in die Hand. Ihre tränennassen Augen waren geweitet von Schmerz und Entsetzen. Sie wollte zurückweichen. “Jetzt lass dass! Ich muss die Blutung stoppen und die Wunde desinfizieren und verbinden. Sonst verblutest du oder bekommst eine Infektion. Das wird sehr weh tun, aber es geht nicht anders.” Da hörte er schon den Wagen. Das Blut lief aus der Wunde der Fingerkuppe. Lars eilte herbei, reichte ihm die Tasche. Der Jäger nahm sich einen Kompressionsverband, Zellstoff und eine kleine Flasche mit Alkohol. “Lars setz dich auf ihren Rücken und halte den anderen Arm.” Er selbst umfasste die rechte Hand und tupfte mit dem Zellstoff Blut von der Wunde. Die schien nicht verschmutzt zu sein. Dann öffnete er das Fläschchen. “Jetzt halt sie fest!” Als er das Alkohol auf ihre Wunde goss, heulte die Frau gellend auf. Ihr Körper zerrte gegen die Umklammerung, aber vergeblich. Sie winselte, als er den Druckverband um den Finger legte. Gemeinsam hievten die Männer die Frau in den Laderaum des Jeeps und sperrten sie dort in den aufmontierten Hundekäfig.
Sie weinte während der ganzen Fahrt. Der Jeep hielt. Die Männer nahmen sie von der Ladefläche. Der Blonde griff sie an den Fußgelenken. Der Jäger packte sie am Oberkörper. Sie machten sich nicht die Mühe, sie zu fesseln. Der Schmerz hatte ihren Widerstand augenscheinlich gebrochen. Nach einiger Zeit durchschritten sie den zerklüfteten Höhleneingang inmitten eines hochaufragenden Felsens. Ein Bach ergoss sich aus der Höhle Richtung See. Die Männer gingen, beladen mit der Frau, entlang dem Ufer in die Höhle. Ein Abzweig führte in den Felsen hinein. Sie folgten diesem Gang, der an der Decke von altmodischen elektrischen Lampen erleuchtet war, die hier vor langer Zeit angebracht worden waren. Nach einer Weile öffnete sich der Gang in eine hallenartige Höhle. An einer Ecke stand die Esse einer Schmiede mit Werkzeugen, einem Amboss und einer Werkbank. Sie durchquerten die Halle und folgten einem weiteren Gang. Nach einigen Metern hielten sie an einer Eisentür. Lars fischte aus seiner Hose einen großen Schlüssel und schloss auf. Sie trugen sie in eine kleine Seitenkammer der Höhle. Dort setzten sie sie auf dem Boden ab. Sie spürte den Sand unter ihrem Po. Auch hier befand sich an der Decke eine Lampe. Einen Lichtschalter gab es in dieser Kammer nicht. “Ich komme gleich wieder.” Die schwere Eisentür wurde verschlossen, das Licht ging aus und es wurde schwarz um sie herum. Sie legte sich auf den Boden und wartete. Die Schmerzen waren immer noch unerträglich. Nach einigen Minuten ging das Licht wieder an. Die Tür öffnete sich und der Jäger stellte einen großen Krug Wasser, eine Schüssel und einen Eimer in die Kammer. Außerdem drapierte er mehrere große Wolldecken auf einer niedrigen hölzernen Pritsche, die in einer Ecke der Höhlenkammer stand. In die Mitte des Raums breitete er eine dunkelgrüne Plastikplane aus. Zuletzt trug er eine Art ledernen Arztkoffer hinein. “Ich muss Deine anderen Wunden versorgen. Du willst hier ja nicht an einer Infektion sterben. Zuerst muss ich dich waschen. Leg dich auf die Plane.” Ihr tat alles weh und sie war müde. Sie legte sich auf den Rücken und ließ sich von ihm mit einem Waschlappen waschen. Die Wärme des Wassers tat ihr gut. Sie gehorchte sogar, als er sie aufforderte, ihr Beine zu spreizen, damit er ihr Geschlecht und ihren Hintern reinigen konnte, was dringend notwendig war, da sie sich im Wald vor Angst und Schmerz eingenässt hatte. “Ich versorge jetzt deine Wunden. Das kann wieder weh tun, ist aber unumgänglich.” Mit einer Pinzette befreite er sie von den zahllosen Dornen an ihren Füßen. Er reinigte und desinfizierte sorgsam ihre Verletzungen, bemüht, ihr nicht weitere unnötige Schmerzen zu bereiten. Er untersuchte ihren Kopf. Auf der rechten Seite hatte sich eine Beule gebildet. Ab und zu stöhnte sie leise auf. “Ich denke, du hast keine weiteren ernsteren Verletzungen. Du hattest Glück, dass ich schnell wieder auf den Beinen war. Lars hätte dich ohne weiteres töten können. Jetzt leg dich auf die Wolldecke.” Sie versuchte aufzustehen, zitterte aber am ganzen Körper und fiel wieder zu Boden. Er hob sie sanft auf und trug sie zum Lager. Behutsam legte er die beiden Decken über sie, fühlte die Wärme ihrer Stirn. Normale Temperatur dachte er. Aus seiner Arzttasche nahm er vier Pillen. “Hier nimm die Tabletten, eine Schmerz- und Schlaftablette, eine gegen Entzündungen und deine Antibabypille aus deiner Tasche. Die wirst du alle brauchen.” Er reichte ihr einen Becher mit Wasser und sie schluckte die Tabletten herunter. “Schlaf jetzt.” sagte er mit einer verführerisch sanften Stimmlage. sanft strich er ihr über die Haare. Die Schmerztablette milderte langsam den hämmernden Schmerz in ihrem Finger. Erschöpft schlief sie ein und merkte nicht einmal als das Licht erlosch.
Als sie erwachte umgab sie tiefe Dunkelheit und Stille. Sie drehte sich von der Seite auf den Rücken. Mit dem Pochen in ihrem Finger kam die Erinnerung wieder an die Flucht, die schrecklichen Schmerzen, das Ankommen in der Höhle. Völlig ungewohnt war dieses völlige Fehlen von Licht und Geräuschen. Sie dachte an den Jäger, diesen unheimlichen, starken Mann. Verwirrend war die fast zärtliche Fürsorge mit der er ihre Wunden versorgt hatte nach den Gewaltausbrüchen. Sie war hier gefangen, musste irgendwie raus. Als sie versuchte, sich aufzusetzen, spürte sie ihre körperliche Schwäche und die Kopfschmerzen. Resigniert legte sie sich wieder auf die Pritsche.