12.05.2016: Heute ist mein geliebter Opa für immer eingeschlafen. Zum Abschied habe ich seine ruhende Leiche geküsst. Sie war kalt und grau. Ich hab mich so steif gefühlt, plötzlich war ich leer und stand neben mir. Es kam mir alles so surreal vor. Ich hab mich nichts gefragt, nichts gedacht. Nur Schaum. Jetzt, Stunden später, denke ich über unsere gemeinsame Zeit nach. Teils glückliche, teils traurige Erinnerungen. Er wartete darauf, bis seine Krankheit verschwindet und sagte immer: nur der Tod wird mich von dieser Krankheit befreien. Damals hab ich ihn immer getröstet und hab versucht ihn aufzubauen. Ich sagte: Du sollst dir nicht so viele depressive Gedanken machen, du wirst wieder gesund werden. Sieh dich an, du bist stark! Aber dabei wusste ich: Irgendwann wird dieser verdammte Tag kommen. Ich hab gebetet. Jeden Tag. Nur an diesem Tag nicht. Ich habe das Gefühl, dass Gott darauf gewartet hat, dass ich vergesse zu beten. Deshalb hat er ihn mir heute genommen. Einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Einen Menschen, mit dem ich wichtige Kernerinnerungen teile. Trotzdem muss ich sagen: ich freue mich einerseits für ihn, weil er nun keine Schmerzen mehr hat und einen sauberen Tod hatte. Er wurde weder ermordet, noch malträtiert. Er schlief und ging. Ich glaube nicht, dass ich so ruhig darüber reflektieren könnte, wenn ich wüsste, dass irgendein Mensch verantwortlich für den Tod meines Opas gewesen wäre. Andererseits ist ein wichtiger Teil von mir nun für immer weggegangen und ich fühle mich so, als würde ich mich langsam Stück für Stück auflösen. Ich habe furchtbare Angst vor den Gefühlen, die demnächst auf mich zukommen werden. Ich habe Angst wieder in ein schwarzes Loch zu fallen...diesesmal so tief, dass ich befürchte nicht mehr aufstehen zu können. Ich spüre und fühle im Moment nichts. Doch. Angst, Nervosität und Verzweiflung. Ich wollte schlafen, weil mein Körper sich so verdammt schwer anfühlt. Aber ich bin ängstlich aufgestanden. Ich zittere am ganzen Körper. Mein eigener Körper scheint trotz dieser Hitze zu frieren. Ich will meinen Opa zurück haben. Ich bin sauer, wütend und will schreien. Aber stattdessen sitze ich hier mit einem Pokerface. Ich bitte Gott darum meinen Opa zu schützen. Ich bete zu ihm, seine Sünden zu verzeihen und sollten sie nicht zu verzeihen sein, soll er sie mir übertragen. Ich will nicht, dass Opa in die Hölle muss. Ich will nicht, dass er länger leidet. Ich bete zu Gott, dass Opa glücklich ist. Ich bete, dass er mich und unsere Familie nicht vergisst.