Donald Trumps Grönland-Obsession erklÀrt
Seine gebetsmĂŒhlenartig wiederholte Forderung Grönland unter US-Kontrolle zu bringen, begrĂŒndet Donald Trump offiziell mit zwingenden GrĂŒnden der nationalen Sicherheit. Und er hat sogar mehrfach unverhohlene Drohungen ausgesprochen, seinen angeblichen Anspruch auf die Insel sogar militĂ€risch durchzusetzen. Dass er dazu in der Lage ist, zeigt der Ăberfall der USA auf Venezuela. Immerhin hat Trump in seiner konfusen Rede auf dem Wirtschaftsforum in Davos eingelenkt und angekĂŒndigt, auf militĂ€rische Gewalt zu verzichten, und will sich sogar auf ein Abkommen einlassen. Das wohl auch, weil viele europĂ€ische Politiker endlich mal ihr RĂŒckgrat entdeckt und ihm deutlich gemacht haben: âSo nicht!â Doch viele politische Analysten befĂŒrchten, dass damit die sprichwörtliche Kuh noch nicht vom grönlĂ€ndischen Eis ist. Da sich die Launen und Forderungen des US-PrĂ€sidenten schneller Ă€ndern als das Wetter, befĂŒrchten viele Fachleute, dass er nach wie vor auf den Besitz von Grönland spekuliert und das frĂŒher oder spĂ€ter wieder Ă€uĂern dĂŒrfte. Aber warum das Ganze? Was steckt nun wirklich hinter Donald Trumps Mantra âWe need Greenland!â? Das schauen wir uns heute an. Das Sicherheitsargument, das keines ist Das Sicherheitsargument von Donald Trump ist faktisch mindestens fragwĂŒrdig. Trump fabulierte, dass Grönland von ârussischen und chinesischen Schiffen umzingeltâ sei. Deshalb sei die Kontrolle ĂŒber und im Prinzip der Besitz durch die Ăbernahme von Grönland eine âabsolute Notwendigkeitâ fĂŒr die nationale Sicherheit der USA. Diese Darstellung wird von fĂŒhrenden Arktis-Experten als irrefĂŒhrend eingestuft. Beispielsweise von Michael Paul, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), der sich auf Arktis-Geopolitik spezialisiert hat. Der erklĂ€rt dazu unmissverstĂ€ndlich, dass die Kriegsschiffe, die Trump ĂŒberall sehen will, völliger Quatsch sind. Und aus Grönland selbst heiĂt es, die einzigen Kriegsschiffe weit und breit sind von der dĂ€nischen Marine. Und das ist vollkommen normal, denn Grönland ist schlieĂlich ein Teil des Königreiches DĂ€nemark. Michael Paul sagt auĂerdem, dass die Schiffe aus Russland und China bereits seit vielen Jahren in die Arktis einfahren können und dass sich im Prinzip nichts geĂ€ndert hat. Es gibt also keine neue Lage. TatsĂ€chlich ist die sicherheitspolitische RealitĂ€t deutlich weniger dramatisch: WĂ€hrend China 2024 erstmals mehrere Eisbrecher gleichzeitig in arktischen GewĂ€ssern stationierte, hatte Russland bereits wĂ€hrend des Kalten Krieges U-Boote in diesen GewĂ€ssern stationiert. Entgegen Trumps populistischer Darstellung haben sich die GewĂ€sser zwischen Grönland, Island und GroĂbritannien â die strategisch wichtige GIUK-LĂŒcke â nicht plötzlich zu einem Kriegsschauplatz entwickelt. Trumps Aussagen und BegrĂŒndungen in dieser Hinsicht sind schlichtweg ĂŒbertrieben und falsch. Man könnte sie auch strategische LĂŒgen nennen. Was aber noch viel bedeutsamer ist: Die USA könnten vollkommen problemlos ihre militĂ€rische PrĂ€senz in Grönland quasi nach Belieben ausbauen. Und das, ohne die Insel annektieren zu mĂŒssen. Zwischen den USA, DĂ€nemark und Grönland besteht bereits seit 1951 ein gut ausgearbeitetes Verteidigungsabkommen. Mit diesem Abkommen könnten die USA problemlos ihren MilitĂ€rflugplatz Thule â der seit April 2023 Pituffik Space Base heiĂt â auf Grönland ausbauen. Nicht nur das, sie könnten zusĂ€tzliche militĂ€rische Basen und Installationen errichten â sofern Grönland und DĂ€nemark zustimmen. Das gab es schon mal. WĂ€hrend des Kalten Krieges hatten die USA zahlreiche MilitĂ€rstationen auf Grönland. Eine ganze Kette strategischer StĂŒtzpunkte und Radarstationen. All die wurden seit dem Ende des Kalten Krieges aufgegeben und zurĂŒckgebaut, bis jetzt mit der Pituffik Space Base nur noch diese eine hochspezialisierte MilitĂ€rbasis ĂŒbrig geblieben ist. Die USA selbst haben also ihre militĂ€rische PrĂ€senz in Grönland Zug um Zug abgebaut. Experte Michael Paul fasst das so zusammen, dass es im Augenblick keine Notwendigkeit gibt, verteidigungs- oder sicherheitspolitisch in Grönland etwas grundlegend zu Ă€ndern. Aber wenn die USA das wollten, könnten sie es ĂŒber bestehende VertrĂ€ge mit DĂ€nemark und im Rahmen der NATO-Partnerschaft vollkommen problemlos jederzeit tun. Ok, warum ist Donald Trump tatsĂ€chlich so scharf auf Grönland? Wenn es keine sicherheitspolitischen GrĂŒnde gibt, was steckt dann dahinter, wenn Donald Trump immer wieder sagt âWe need Greenlandâ und auch eine militĂ€rische Annexion nicht ausschlieĂt? Warum ist er so geil auf diese Insel? Die echten Motivationen dahinter sind zum einen die Rohstoffe und zum anderen sein VerstĂ€ndnis von Geopolitik. WĂ€hrend Trump Sicherheit als taktisches Argument zu nutzen versucht, stecken dahinter drei substanzielle AntriebskrĂ€fte: 1. Die arktische Dominanz gegen China und Russland Die Arktis durchlebt durchaus eine strategische Neuordnung. Der Klimawandel schmilzt Eismassen, eröffnet neue Schifffahrtsrouten und macht auĂerdem bislang unerreichbare Ressourcen wie diverse BodenschĂ€tze zugĂ€nglich. Nicht sofort innerhalb von ein oder zwei Jahren, aber mittelfristig und langfristig. China positioniert sich hier recht aggressiv: Peking hat China 2018 selbst als ânahen Arktis-Staatâ deklariert, obwohl China geografisch weit entfernt liegt. Die sogenannte Belt-and-Road-Initiative soll die âPolare SeidenstraĂeâ einschlieĂen. Und natĂŒrlich hat auch Russland massive Interessen an dieser Region. Zumal Russland deutlich nĂ€her an der Arktis liegt, als China. Faktisch grenzt Russland direkt an die Arktis an. Damit stehen die USA, bisher die dominante Arktis-Macht, vor einem Problem: Sie verfĂŒgen ĂŒber zu wenige moderne Eisbrecher und eine unterdimensionierte Infrastruktur im Vergleich zu Russland und dem wachsenden chinesischen Engagement. Grönlands geografische Position als Zugangspunkt zu diesem Raum ist fĂŒr Washington strategisch wertvoll. Und ja auch militĂ€risch macht eine Stationierung von FrĂŒhwarn- und Verteidigungssystemen auf dieser Insel durchaus Sinn. Aber all das wĂ€re, wie schon ausfĂŒhrlich erklĂ€rt, bereits jetzt problemlos und in Kooperation mit der NATO vollstĂ€ndig machbar. Der Besitz von Grönland ist aus dieser Hinsicht fĂŒr die USA irrelevant. 2. Rohstoffe sind ein wichtiger Faktor Schauen wir kurz auf die MilitĂ€roperation in Venezuela, mit der der amtierende, aber umstrittene und diktatorische PrĂ€sident Maduro abgerĂ€umt wurde. Diese fand nicht wirklich wegen des âDrogenterrorismusâ statt. Donald Trump hat nebenbei recht unverblĂŒmt erklĂ€rt, dass man es primĂ€r auf die gigantischen Ălvorkommen in Venezuela abgesehen hat. Kein Land hat mehr Ălreserven im Boden und vor der KĂŒste. Und Ressourcen und Rohstoffe sind auch bei Grönland ein wichtiges Motiv fĂŒr Donald Trump. Vor allem seltene Erden und kritische Mineralien, denn Grönlands Vorkommen gehören zu den gröĂten der Welt. In SĂŒdgrönland wird das Vorkommen dieser seltenen Erden auf 6,6 Millionen Tonnen geschĂ€tzt â das zweitgröĂte Vorkommen weltweit. In Grönland findet man 27 von 34 von der EU als kritisch und wichtig eingestuften Mineralien. Damit nicht genug, denn auf der Insel gibt es mehr zu holen: Gold, Zink, Kupfer, Lithium, Titan oder auch Metalle aus der Platingruppe. Und auf Grönland gibt es auch noch groĂe Vorkommen an Ăl und Gas. Aber warum ist dies ein so wichtiges Motiv fĂŒr die USA? Aktuell kontrolliert China etwa 90 % des globalen Abbaus seltener Erden und auch deren Verarbeitung. Diese Mineralien sind fĂŒr allerlei technische Anwendungen von der Elektrotechnik, ĂŒber Windkraftanlagen und Batterien bis zu Verteidigungstechnologie unverzichtbar. Ein westlicher Technologiewettbewerb ohne Seltenerd-Zugang ist nicht möglich. An dieser Stelle noch etwas wirklich Groteskes! Viele dieser Rohstoffe werden nur und erst deshalb zugĂ€nglich, weil der Klimawandel Teile der permanenten EisflĂ€chen auf der Insel schmelzen lĂ€sst. Genau der Klimawandel, den Donald Trump höchstselbst als nicht existent und als Betrug bezeichnet. Er leugnet öffentlich also den Klimawandel, will aber dennoch genau von dessen Auswirkungen profitieren. Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen hat jĂŒngst explizit bekrĂ€ftigt, dass China von den zukĂŒnftigen Seltenerd-Entwicklungen auf der Insel ausgeschlossen bleibt. Die westliche Strategie â USA, EU, Japan â zielt auf eine integrierte Lieferkette ab, die Chinas Marktdominanz aufbricht. Wie ein Analyst es formuliert: Mit Grönlands Rohstoffen und Japans Raffinerietechnologie könne der Westen eine vollstĂ€ndig integrierte, politisch abgestimmte Lieferkette schaffen, die mit Chinas etablierter Industrie konkurriert. Man sieht also: Die USA könnten davon vollkommen problemlos profitieren, ohne âBesitzerâ von Grönland zu sein. Aber wahrscheinlich denkt Trump, wenn die USA Grönland besitzen, kann man die Rohstoffe quasi kostenlos ausbeuten, anstatt sich mit anderen Nationen handelseinig werden zu mĂŒssen. 3. Imperialistische GroĂmachtpolitik und âDealmakingâ Bisher haben wir also gelernt, dass sowohl das Thema Sicherheit als auch das Thema Rohstoffe fĂŒr die USA jederzeit machbar wĂ€re, ohne dass Grönland ein Teil der USA wĂŒrde. Trump muss Grönland nicht annektieren, um die Sicherheit auszubauen und an grönlĂ€ndische Rohstoffe heranzukommen. Aber warum dann trotzdem dieser Besitzanspruch und diese immer aggressivere Rhetorik in Sachen âWe need Greenlandâ? Warum kommen von Trump und aus seinem Umfeld immer wieder zumindest rhetorische Drohungen? Warum riskiert Trump â sollte er Ernst machen â das Auseinanderfallen des seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden VerteidigungsbĂŒndnisses namens NATO? Das wĂ€re eine Katastrophe. Auch fĂŒr ihn und die USA? Der Grund deutet sich in Trumps Wahlslogan âMake America Great Againâ an. Er meint das gewissermaĂen auch wörtlich. Experten der Bundeszentrale fĂŒr Politische Bildung halten fest, dass Trump hier hauptsĂ€chlich imperialistische Ambitionen hat. Mit âGreatâ meint er also nicht nur âtollâ, sondern tatsĂ€chlich auch âgröĂerâ. Trump möchte die USA zu einer GroĂmacht machen und dabei das Territorium des Landes ausbauen. Er trĂ€umt davon, der PrĂ€sident zu sein, der die USA tatsĂ€chlich auch geografisch vergröĂert hat. Wie wir wissen, hat er auch Kanada im Visier, um die USA zu vergröĂern. Er faselt immer wieder davon, Kanada zu einem US-Bundesstaat zu machen. Das Bestreben, Grönland an sich zu bringen, ist ĂŒbrigens absolut kein neues PhĂ€nomen, das erst unter Trump aufgekommen ist. Bereits seit 1868 versuchten die USA immer wieder einmal, Grönland zu erwerben. Trump allerdings hat diese Obsession reaktiviert und verstĂ€rkt, indem er schon 2019 in Sachen Grönland von einem âgroĂen Immobilienkaufâ faselte und in jĂŒngster Zeit militĂ€rische Optionen nicht ausschloss. Die Rhetorik und Taktik deuten auf klassisches Trump-Dealmaking: ZunĂ€chst Druck ausĂŒben. Wie durch wirtschaftliche Sanktionen gegen DĂ€nemark, beispielsweise durch die Aussetzung von Offshore-Windkraft-VertrĂ€gen. Dann sich extrem positionieren, beispielsweise durch Androhen einer militĂ€rischen Annexion. All das, um dann einen vermeintlich âgroĂen Dealâ abzuschlieĂen. Und dass das Motto âBist Du nicht willig, dann mit Gewaltâ manchmal auch in die Tat umgesetzt wird, haben wir gerade mit dem völkerrechtswidrigen MilitĂ€reinsatz in Venezuela erlebt. Aber immerhin haben die EuropĂ€er hier endlich mal RĂŒckgrat und Standhaftigkeit bewiesen, und das scheint ihn in Davos wohl beeindruckt zu haben. Schauen wir uns noch mögliche Szenarien an Wie könnte Trump es also anstellen, seine GroĂmachts-TrĂ€ume in Bezug auf Grönland umzusetzen? Was wĂ€ren die möglichen Szenarien? Da wĂ€re zunĂ€chst der sprichwörtliche Kauf. Die USA leisten eine finanzielle Kompensation fĂŒr Grönland an DĂ€nemark, an die GrönlĂ€nder und eventuelle andere Stakeholder, und nehmen dafĂŒr die Insel in ihren Besitz. Ist das wahrscheinlich? Nein. DĂ€nemark und Grönland selbst haben mehrfach sehr deutlich gemacht, dass die Insel definitiv nicht zum Verkauf steht. Dann wĂ€re da eine sogenannte âfreie Assoziationâ. Auf Englisch nennt sich das âCompact of Free Associationâ, auch COFA-Abkommen genannt. Die USA haben solche Assoziationsabkommen mit Mikronesien, der Republik der Marshallinseln und der Republik Palau. Theoretisch sind es freie Staaten, aber faktisch stehen sie unter der Kontrolle der USA. Man könnte das als moderne Form des Kolonialismus betrachten. Ist das wahrscheinlich? Nein. ZunĂ€chst mĂŒsste Grönland ĂŒber ein Referendum von DĂ€nemark und der EU unabhĂ€ngig werden, um ein solches Abkommen ĂŒberhaupt vereinbaren und unterzeichnen zu können. Bei einer wirtschaftlichen Notlage der Insel gĂ€be es ausreichend europĂ€ische Alternativen zu den USA. Grönland wĂŒrde aus der europĂ€ischen Geschlossenheit herausgebrochen, damit isoliert und faktisch unter US-Kontrolle gestellt. Das werden die GrönlĂ€nder nicht wollen. Das verbleibende Szenario ist tatsĂ€chlich die militĂ€rische Ăbernahme. In diesem Fall wĂŒrde faktisch und tatsĂ€chlich ein NATO-Land ein anderes NATO-Land angreifen. Die USA und DĂ€nemark sind GrĂŒndungsmitglieder der NATO und damit Partner in einem VerteidigungsbĂŒndnis, das geschlossen wurde, um sich gegen Ă€uĂere Feinde zu wehren. Die USA wĂŒrden einen Konflikt zweier BĂŒndnispartner vom Zaun brechen. Das wĂ€re eine Katastrophe und DĂ€nemarks Regierungschefin Mette Frederiksen hat schon klargemacht, was das bedeutet. Ich zitiere: âWenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen oder dessen Territorium in Anspruch nehmen, ist alles aus. Das heiĂt auch unsere NATO und damit die Sicherheit, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gewĂ€hrleistet ist.â Ob Trump eine solche Katastrophe riskiert? Experten schĂ€tzen dieses Risiko auf unter 5 Prozent. Letztlich dĂŒrften Trump aber auch sein Umfeld diesen Konflikt mit oder innerhalb der NATO und den zwangslĂ€ufig folgenden Bruch mit den restlichen EU-Staaten dann doch scheuen. Hoffentlich. Was stattdessen bereits passiert, ist eine subtile politische Einmischung. Die USA finanzieren proamerikanische Politiker in Grönland und unterstĂŒtzen eine proamerikanische UnabhĂ€ngigkeitsbewegung. Es werden verdeckte CIA-Operationen durchgefĂŒhrt. Ziel ist die langfristige Spaltung der grönlĂ€ndischen Politik. Begleitet wird das durch öffentliche Provokationen wie jĂŒngst die Ernennung von Jeff Landry, amtierender Gouverneur des Bundesstaates Louisiana, zum Sondergesandten fĂŒr Grönland. Oder durch diverse Scharfmacher aus Trumps unterwĂŒrfigem Umfeld, die dann in den Medien mit entsprechend martialischer Rhetorik auftreten. Also eine Mischung aus Beeinflussung, Unterwanderung und Provokation. SchieĂt Trump sich mit all dem ein Eigentor? Trumps aggressive Rhetorik und die beschriebenen âAktivitĂ€tenâ haben eine politische Konsequenz ausgelöst, die seinem Ziel direkt zuwiderlĂ€uft: Donald Trump und die USA verlieren rapide das Vertrauen bei GrönlĂ€ndern. Je mehr er Grönland haben will, umso mehr wollen die GrönlĂ€nder genau das nicht. Die Wahlen vom MĂ€rz 2025 beispielsweise offenbarten eine deutliche Botschaft: Die sozialliberale Demokraatit-Partei von Jens-Frederik Nielsen erzielte einen ĂŒberraschenden Sieg mit 30 %, obwohl sie 2021 bei der letzten Wahl gerade mal 9% der Stimmen bekam.Das ist explizit eine Botschaft gegen Trumps imperialistische Rhetorik, denn die Demokraatit-Partei gilt als klar USâkritisch. Die Partei positioniert sich deutlich gegen jede Form von Annexion oder âKaufâ. Sie strebt langfristig eine UnabhĂ€ngigkeit von DĂ€nemark an und nicht den Wechsel von einer AbhĂ€ngigkeit in die nĂ€chste. Parteichef Nielsen betont, dass GrönlĂ€nder GrönlĂ€nder sein wollen â weder DĂ€nen noch Amerikaner. Der Fokus der neuen Regierung liegt auf wirtschaftlicher Entwicklung, Gesundheit und Wohnungsbau â und garantiert nicht auf einer AbhĂ€ngigkeit von den USA. Damit nicht genug. Laut Umfragen lehnen 85 Prozent der GrönlĂ€nder die US-PlĂ€ne einer Ăbernahme ihres Landes ab. GrönlĂ€ndische Medien berichteten, dass eine Demonstration mit dem Motto âYankee go home!â ein historisches AusmaĂ gehabt habe. Dieser Vertrauensverlust ist fĂŒr Trumps Ziele fatal. Damit funktionieren dann auch sogenannte Soft-Power-Strategien wie Geldangebote oder Investitionen nicht mehr. Denn diese benötigen Vertrauen als Fundament. Und genau das hat Trump massiv beschĂ€digt. Schauen wir auf die NATO und die europĂ€ische Geschlossenheit Zwei Aspekte, die Trumps PlĂ€ne zusĂ€tzlich erschweren, sind die NATO und die europĂ€ische Geschlossenheit. Letztere wurde ja gerade erst durch den gemeinsamen Brief mehrerer europĂ€ischer Staatschefs an die USA demonstriert. Zu den Unterzeichnern gehört auch Bundeskanzler Merz. Und dann hauptsĂ€chlich jĂŒngst durch die Auftritte und Reden verschiedener Staatschefs auf dem Wirtschaftsforum in Davos Mitte Januar. Aber fangen wir mit der NATO an: DĂ€nemark inklusive Grönland ist GrĂŒndungsmitglied der 1949 geschaffenen NATO. Eine US-Annexion von Grönland wĂŒrde nicht nur massiv völkerrechtliche Normen brechen, sondern auch die NATO selbst spalten. Die NATO ist, wie schon erwĂ€hnt, ein SchutzbĂŒndnis aus vielen PartnerlĂ€ndern. WĂŒrde Trump also militĂ€risch auf Grönland intervenieren, wĂŒrde er mit DĂ€nemark ein Partnerland angreifen und den Bruch oder zumindest eine Spaltung der NATO riskieren. DĂ€nemarks Premierministerin Mette Frederiksen habe ich schon zitiert mit ihrer Warnung: Sollten die USA ein NATO-Land angreifen, âdann ist alles vorbeiâ. Dies wĂŒrde das Ende der seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden Sicherheitsarchitektur bedeuten. Machen wir mit der EU weiter. Sechs europĂ€ische LĂ€nder â Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und DĂ€nemark â haben sich wie oben erwĂ€hnt in einer gemeinsamen ErklĂ€rung gegen eine Annexion positioniert. Dies zeigt hier eine europĂ€ische Geschlossenheit gegenĂŒber Washington â ein Signal, dass Trump nicht damit rechnen kann, Europa zu spalten â zumindest nicht in dieser Frage. Und auch andere Staatschefs europĂ€ischer LĂ€nder haben sich bereits deutlich gegen Donald Trumps Ambitionen in Sachen Grönland positioniert. Und Davis hat bewiesen, dass diese Einigkeit den US-PrĂ€sidenten dann wohl doch beeindrucken kann. Kommen wir zum Fazit: Trumps wiederholte Behauptung, Grönland sei fĂŒr die nationale Sicherheit âabsolut notwendigâ, hĂ€lt einer faktischen ĂberprĂŒfung nicht stand. Die sicherheitspolitische Lage in der Arktis hat sich nicht wesentlich verschĂ€rft â es gibt keinen akuten Anlass fĂŒr einen âarktischen RĂŒstungswettlaufâ oder gar eine Annexion Grönlands. Zudem ermöglichen bestehende VertrĂ€ge völlig problemlos und jederzeit eine StĂ€rkung der US-PrĂ€senz auf Grönland und in der Arktis. Auch im Hinblick auf Rohstoffe könnte man sich mit bilateralen Wirtschaftsabkommen problemlos einig werden. Donald Trump trĂ€umt von geopolitischer Dominanz und den USA als einer von drei GroĂmĂ€chten neben Russland und China. Und er begehrt die Kontrolle ĂŒber einen SchlĂŒsselraum im arktischen Wettbewerb mit China und Russland. Das schlieĂt den âBesitzâ der Rohstoffe wie seltener Erden ein, um die AbhĂ€ngigkeit von China zu reduzieren. Er will nicht ĂŒber diese Rohstoffe verhandeln, er will sie einfach haben. Dann trĂ€umt Donald Trump in seinem GroĂmachtswahn von einer imperialistischen Expansion. Wenn er von âMake America Great Againâ spricht, dann meint er das auch wörtlich durch Erweiterung des Staatsgebietes. Deshalb will er neben Grönland auch Kanada einkassieren. Und nach der Aktion in Venezuela droht er beispielsweise auch Kuba. Er glaubt, die USA hĂ€tten einen Anspruch auf die âwestliche HemisphĂ€reâ und ein Recht auf eine territoriale Expansion. Europa sieht er dabei, wenn ĂŒberhaupt, nur als Juniorpartner, der sich unterzuordnen hat. Das macht seine Politik der letzten Monate klar. So wie Hitler von einem âGroĂdeutschen Reichâ trĂ€umte, so scheint Donald Ă€hnliche expansive GroĂmacht-Ambitionen zu haben. Man muss sich nur seine PlĂ€ne fĂŒr den Ballsaal neben dem WeiĂen Haus anschauen, um den GröĂenwahn zu erkennen. Die Chancen auf Erfolg in Bezug auf Grönland sind jedoch gering. 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