Hohe QualitÀt in der Offensive - mangelt es in der Breite? WM-Vorschau: Serbien
Kurzes Vorwort: Diesen Artikel habe ich vor dem Start der Gruppe G verfasst. Eigentlich sollte er schon lĂ€ngst veröffentlicht werden. Aufgrund von mehreren Problemen ist das leider nix geworden. Da der Text inzwischen schon veraltet ist, macht es auch keinen Sinn mehr ihn richtig zu veröffentlichen. Stattdessen lade ich ihn einfach mal hier hoch, da ich trotzdem sehr viel Zeit mit dem Sammeln der Informationen verbracht habe. Viel SpaĂ.
Bei der WM 2018 war der Kader von Serbien noch vergiftet. Verschiedene GrĂŒppchen bildeten sich und im gesamten Kader kam nie die Vorstellung auf, dass man als Team gemeinsam etwas erreichen muss. Vier Jahre spĂ€ter hat Trainer Dragan StojkoviÄ es geschafft, aus diesem TrĂŒmmerhaufen eine Einheit zu formen. Doch wie weit schaffen die Serben es dieses Jahr in Katar? Die bereits bekannte "Todesgruppe" G ist fĂŒr das Team um Sergej Milinkovic-Savic oder DuĆĄan VlahoviÄ eine wahre ZerreiĂprobe. Kann die neue Einheit vom Balkan sich gegen schwierige Gegner behaupten?
Serbien hat sich bereits dreimal fĂŒr die WM qualifiziert. Das hört sich wenig an. Ist es aber gar nicht. Denn erst seit der WM 2010 tritt man als Serbien an. Bei der WM 2006 in Deutschland trat man noch als "Serbien und Montenegro" an und davor gab es auch noch einige WMs mit Jugoslawien. Serbien selbst hat sich zwar, bis auf 2014, immer qualifiziert, kam allerdings nie ĂŒber die Gruppenphase hinaus. 2018 fiel Serbien durch einen sehr zerrĂŒtteten Kader auf. Viele Spieler sollen sich gestritten haben und das Vertrauen wurde dem Trainer entzogen. Nun greift Dragan StojkoviÄ mit einer neu geformten Einheit neu an.
Gegen die Schweiz spielte man bereits 2018. Hier verlor man unglĂŒcklich mit 1:2, da die Schweizer einen Last-Minute-Ausgleich erzielten. Auch bei der WM 2018 ging es gegen Brasilien. Hier verlor man mit 0:2. 2014 gab es ebenfalls ein Freundschaftsspiel, das die Brasilianer mit 1:0 gewannen. Gegen Kamerun gab es bereits ein spannendes Freundschaftsspiel. Hier gewann Serbien 2010 mit 4:3. Bereits damals traf Chupo-Moting fĂŒr Kamerun.
Star-Spieler: Sergej Milinkovic-Savic
Wenn ein Spieler mit einem knapp 100 Millionen schweren Wechsel zu Juventus Turin in Verbindung gebracht wird, dann sollte den meisten klar sein, dass es sich hier um einen absoluten Star-Spieler handelt. Doch wie vielen Menschen sagt der Name Sergej Milinkovic-Savic etwas? Und wie viele haben gerade bei den 100 Millionen die HĂ€nde ĂŒber den Kopf geschlagen und gefragt: "Der soll 100 Millionen wert sein?" Es sind diese Reaktionen, die ihn unter den meisten WM-Zuschauern dann doch unter dem Radar fliegen lassen. Doch die StĂ€rken des Mittelfeldmotors von Lazio Rom sind genau das, was man sich von den modernen Mittelfeldspielern in dieser Zeit erwartet. Denn seine Statistiken zeigen, dass 100 Millionen als Preisschild mehr als gerechtfertigt sind. Expected Goals pro 90 Minuten liegen bei 0,30. Damit liegt er in den Top 1 % der Mittelfeldspieler in Europas Top-Ligen. Durchschnittlich 2,11 SchĂŒsse pro Spiel - Top 5 %, 0,2 Assists pro 90 Minuten - Top 8 %. Dazu 4,51 erhaltene progressive PĂ€sse pro 90 Minuten - Top 4 % und 2,69 gewonnene Kopfballduelle pro Spiel - Top 4 %. Diese Statistiken sollten wohl reichen, um zu zeigen, warum Sergej Milinkovic-Savic der wohl beste Spieler bei Serbien und einer der besten Mittelfeldspieler der Welt ist. Zehn Torbeteiligungen in 14 Spielen in der Serie A unterstreichen das zusĂ€tzlich.
Player to watch: Strahinja Pavlovic
Genauso wie unser Player to watch bei der Schweiz, kommt auch Strahinja Pavlovic aus der hochtalentierten Mannschaft von RB Salzburg. Die roten Bullen haben erneut ein enorm starkes und junges Team aufgebaut. Pavlovic passt perfekt in das Anforderungsprofil, das man in der RB-Schule sucht. Ein spielstarker Innenverteidiger mit gutem Tempo. Bei RB setzte er sich schnell durch. Denn der 1,94 Meter groĂe Innenverteidiger kam erst diese Saison aus Monaco nach Salzburg. Er ĂŒberzeugte und wurde bereits nach drei Spieltagen zur absoluten Stammkraft bei RB. In der Champions League spielte er jede einzelne Minute. Dazu kommt er in der österreichischen Bundesliga auf noch zusĂ€tzlich ein Tor und eine Vorlage. Bei dieser WM wird er Stammkraft in der Dreierkette der Serben werden. Ein Spieler, auf den die meisten Talentscouts ein Auge legen sollten. Auch wenn ein Wechsel zum Schwesterclub immer eine Option darstellt.
Voraussichtliche Aufstellung:
Serbien wird mit einer Dreierkette mit FlĂŒgelzangen operieren. Ein Mittelfeld mit zwei eher destruktiven Sechsern scheint auch sehr wahrscheinlich. Die offensiven drei werden sich der Form von Vlahovic anpassen. Aktuell rechnen wir aber tatsĂ€chlich mit einem 3-4-2-1 oder einem 4-5-2, je nachdem, wie offensiv Sergej Milinkovic-Savic sich positionieren wird.
Im Tor gibt es namentlich eine kleine Aufmerksamkeit. Vanja Milinkovic-Savic - Der Name klingt eigentlich nach guten Genen und so ist es auch. Denn hier haben wir den Bruder unseres Starspielers. Spielt in der Serie A beim FC Turin und wurde ĂŒbrigens, wie sein Bruder, in Spanien geboren. Dazu kommen noch Marko DmitroviÄ vom FC Sevilla mit und Predrag RajkoviÄ von RCD Mallorca. Beide werden auf der Bank Platz nehmen mĂŒssen.
Die Innenverteidigung bildet sich wie folgt: zuerst unser Player to watch - Strahinja Pavlovic, dazu der einzige Bundesligaspieler im Kader der Serben, MiloĆĄ VeljkoviÄ. Der dritte Platz wird aktuell noch ein bisschen bestritten. Die Wahl wird wohl auf Nikola MilenkoviÄ vom AC Florenz fallen. SrÄan BabiÄ von Almeria, Stefan MitroviÄ von Getafe (ehemals Freiburg) und Filip MladenoviÄ von Legia Warschau (ehemals 1. FC Köln) werden allerdings alle bereit sein, sollte einer dieser Stammspieler ausfallen. Dazu kommt noch ein spannendes Talent aus der Heimat. Strahinja ErakoviÄ spielt aktuell bei Roter Stern Belgrad und ist mit gerade einmal 21 Jahren schon der zweitwertvollste Spieler, der aktuell in der serbischen Liga spielt. Zu den FlĂŒgelverteidigern kommen wir im Mittelfeld.
Die linke Seite ist nur fĂŒr einen Spieler gemacht und das ist Filip KostiÄ. Der ehemalige Frankfurter hat die FlĂŒgelposition in einer Dreierkette nahezu perfektioniert. Ein weiterer Kandidat fĂŒr seinen Platz könnte Darko LazoviÄ von Hellas Verona sein. Allerdings sollte bei einem fitten KostiÄ nichts an ihm vorbeifĂŒhren. Die rechte Seite ĂŒbernimmt dann Andrija Zivkovic von PAOK Saloniki. Eine offensivere Option wĂ€re hier der ehemalige Herthaner Nemanja Radonjic, jetzt spielt er beim FC Turin. Das doppelte (eher destruktive) Mittelfeld haben dann Nemanja Gudelj vom FC Sevilla und SaĆĄa LukiÄ von erneut dem FC Turin inne. Insgesamt fĂŒnf Spieler im Kader von Serbien spiele alleine in Turin (sowohl FC als auch Juventus). Erster Ersatz wĂ€re das Toptalent Ivan IliÄ von Hellas Verona. Ebenfalls kommt Ex-Herthaner Marko GrujiÄ infrage. Inzwischen spielt der Mittelfeldmotor beim FC Porto. Nemanja MaksimoviÄ ist hier eher eine Art Hybrid. Er kann sowohl offensiver als auch defensiver eingesetzt werden. Bei Getafe ist allerdings eine eher defensivere Position gewöhnt. ZusĂ€tzlich kommen noch UroĆĄ RaÄiÄ von Sporting Braga und der ehemalige Mainzer Filip ÄuriÄiÄ von Sampdoria Genua. Superstar Milinkovic Savic ist eher offensiv einzuordnen. In einem Dreiermittelfeld wĂŒrde er hier allerdings das Kommando ĂŒbernehmen.
Die Offensive ist das PrunkstĂŒck der Serben. Die beiden TopstĂŒrmer DuĆĄan VlahoviÄ von Juventus Turin und Aleksandar MitroviÄ vom FC Fulham (neun Tore in 12 Spielen) werden hier von ĂŒberragenden MĂ€nnern, wie Sergej Milinkovic Savic oder KapitĂ€n Dusan Tadic bedient. Das Besondere in der Offensive: Der eigentliche Top-StĂŒrmer Vlahovic wird wohl nicht von Anfang an spielen. Stattdessen wird Mitrovic den alleinigen Sturm ĂŒbernehmen. Milinkovic Savic kann sich aber auch nach hinten fallen lassen und Tadic wĂŒrde dann als alleinige 10er agieren. Ein Doppelspitze aus Vlahovic und Mitrovic. Es könnte schlimmer sein. Vor allem, wenn man noch den ehemaligen Frankfurter Luka Jovic von der Bank bringen kann. Der Goalgetter findet aktuell beim AC Florenz zu alter Form zurĂŒck.
Prognose: Auftakt gegen Brasilien wird schwierig. Danach wird das Spiel gegen Kamerun vielleicht schon ein Endspiel sein.
Autor: David Seddig
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