Ich lieĂ alles, was ich konnte, zurĂŒck. Ich bin nur mein Körper. Meine Angst. Mein Schmerz. Und ich spĂŒre dein Verlangen in meinem Nacken. Deine Blicke auf dem Rest von mir. Beim lebendigen Leib gefressen von den Geistern meiner Vergangenheit. Und wenn ich die Augen öffne, bin, war und werde ich alleine sein. Nur die WĂ€nde reden mit deiner Stimme zu mir. Dein Gesicht zeichnet sich in den winzigen Schatten der Raufasertapete. Immer noch funkelt deine BerĂŒhrung, dieser Sommer ist zu warm zum Vergessen. Nur ich bin das bereits. Wie furchtbar meine Hoffnung doch war.
Alles, was du willst, war nichts und das ist alles, was ich bin.
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Unser siebzehntes Stichwort lautet âAlles was du willstâ und kommt von @lexiklecksi.
Was willst du und wer ist das lyrische du? Wenn du alles haben könntest, was du willst, welche Folgen hĂ€tte das? Zeugt es von Ehrgeiz oder GröĂenwahnsinn, alles haben zu wollen? Was du willst, ist deine kreative Entscheidung beim Schreiben.
Regeln
Ihr habt bis Sonntag um 12 Uhr (GMT+1) Zeit, um einen Text von 100 bis 1000 Worten zu dem vorgegebenen Thema zu schreiben und unter #Blitzgeschichten und mit ErwÀhnung von @blitzgeschichten zu posten.
Alle Einreichungen teilen wir auf unserem Blog und freuen uns schon darauf, neue, spannende Geschichten von euch zu lesen. Kommentiert, wenn wir euch zu unserer Leseliste hinzufĂŒgen sollen, damit ihr kein neues Stichwort verpasst. Vergesst auch nicht, die Geschichten der anderen zu lesen und zu kommentieren.
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Diesmal mit einer Steampunk-Maschine und einem meiner Lieblings-Settings aus einem meiner WIPs.
Vielleicht ein bisschen melodramatisch, aber. Tja.
Der eiserne Friedhof glĂ€nzte im trĂŒben Mondlicht - Metallteile, die zwischen dem wuchernden Unkraut und der allgegenwĂ€rtigen Korrosion hervorblitzten wie die verzweifelten HĂ€nde Ertrinkender in einem Sumpf.
Die wenigen verwitterten Steinbögen, die sich noch ĂŒber das GestrĂŒpp erhoben, passten besser an einen so melancholischen Ort als die weiĂen Rosen, die um diese Jahreszeit am ganzen GelĂ€nde blĂŒhten, rein und schimmernd und in makellosem Kontrast zu den verwesenden Automatenteilen.
Die Rosen dufteten, so hieĂ es bei den wenigen lokalen Dichtern, nach Schwermut und Vergangenheit, aber das konnte Martine McGuir nicht beurteilen, als sie ĂŒber den Friedhof wanderte und ihr Kleid immer wieder den Dornen entzog. Sie hatte keine Chemorezeptoren.
Es war selten, dass ein Kriegsautomat ihrer Bauart am eisernen Friedhof landete, schon aus GeheimhaltungsgrĂŒnden. Doch manchmal fand auf welchen Umwegen auch immer ein Bauteil wie ihre seinen Weg auf die Schrotthalde, lĂ€ngst aus seinem ursprĂŒnglichen Körper und Kontext gerissen; sein letzter Besitzer womöglich unwissend, was er da vor oder in sich hatte.
Aber Martine McGuir war ohnehin nicht auf der Suche nach Ersatzteilen. Seit sie dem MilitĂ€r entflohen war, hatte sie sich mit groĂer Sorgfalt gewartet, gerade weil sie wusste, wie schwer selbige zu bekommen waren.
Warum genau sie den eisernen Friedhof besuchte, hÀtte sie nicht sagen können; es hÀtte sie aber auch niemand zu fragen gewagt, selbst wenn einer ihrer Schergen davon gewusst hÀtte.
Jemand musste es wohl tun. Auch wenn die volkstĂŒmliche Bezeichnung der Schrotthalde in Anbetracht der achtlos Weggeworfenen wie blanker Hohn wirkte, schien es doch richtig, sie hin und wieder zu besuchen.
Nach ihren Geschwistern zu sehen, die weniger GlĂŒck gehabt hatten.
Martine McGuir war sich nicht sicher, ob sie sich mit diesem albernen Verhalten nicht ebenjenen Menschen anglich, die ihresgleichen so verachteten - Automaten hatten keine Geschwister, ebensowenig wie GrĂ€ber. Aber in manchen NĂ€chten ĂŒberkam sie das BedĂŒrfnis, und wer sollte sie schon aufhalten?
Das Mondlicht verfing sich an etwas GoldglĂ€nzendem, und Martine McGuir war froh, in dieser Nacht gekommen zu sein. Ein so seltenes FundstĂŒck wĂ€re sicher nicht lang hier herumgelegen.
Es war ein Herz.
Ein Herz wie ihres.
Von den fĂŒnf winzigen GlasblĂ€schen, die einmal die alchemistischen Substanzen beheimatet hatten, die den Automaten ihr Leben verliehen, waren zwei gesprungen - wahrscheinlich der Grund, warum die Einheit hier gelandet war.
Die Ventilklappen und zierlichen Messingröhrchen, die sie verbanden und umringten, schienen jedoch unbeschĂ€digt. Selbst an den KupferdrĂ€hten, die nach auĂen und nun ins Nichts fĂŒhrten, hatten sich kaum noch Spuren von GrĂŒnspan gebildet. Das Herz - und sein Besitzer - mochte gestern noch lebendig gewesen sein.
Nun, vielleicht war sein Besitzer es noch.
Das Herz jedoch war wohl verloren.
Martine McGuir hob es sacht auf. Kurz ĂŒberlegte sie, es mitzunehmen. Möglich, dass sie einen verschwiegenen GlasblĂ€ser und einen verschwiegenen Alchemisten auftrieb. Andererseits aberâŠ
Sie kniete sich nieder und vergrub es.
Vielleicht wurde sie zu menschlich, aber wer sollte sie schon aufhalten?
Mehr gab es nicht mehr zu geben. Der Boden war trocken und hart. Es war etwas zu kalt fĂŒr diesen langen Sommer. Der Wind ĂŒbernahm den Rest. Aber ich wollte noch etwas bleiben. SpĂŒrte den Körper, der mir blieb. Ein tiefschwarzes Loch öffnete sich in meinem Bauch, eine Erkenntnis, dass jede mögliche Zukunft eine Gemeinsamkeit hat. Deine Abwesenheit. Das Absolute trumpft jede Möglichkeit. Ich gab dir alles, was mir blieb fĂŒr diesen Moment. Dankbarkeit ĂŒberfĂŒllte mich. Und dein zierliches Schweigen begleitete mich in die Nacht.
Ich trank ein Bier fĂŒr uns, ich sang ein Lied fĂŒr uns, fĂŒhr auf FeuerrĂ€dern Richtung Zukunft durch die Nacht. FĂŒr uns.
die muttergöttin schaute recht verdrieĂlich
auf ihre schöpfung / einen rosenstrauch
sie waren schön und weià und auch sehr lieblich
doch nur mit dornen / respektierte man sie auch
.
@blitzgeschichten
Prompt N° 16: WeiĂe Rosen
23 Wörter mal Faktor 3,7 macht 99,9 Wörter.
(Gedicht mit Privatrechnung.)
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Unser sechzehntes Stichwort kommt von @krawalle-n-hiebe und lautet âWeiĂe Rosenâ.
Wer schenkt wem weiĂe Rosen und zu welchem Anlass? Sind die weiĂen Rosen ein Symbol fĂŒr Reinheit, Unschuld oder einen Neuanfang? Oder eher ein Symbol der Trauer als Grabgesteck aus weiĂen Rosen. Vielleicht wird mit den weiĂen Rosen eine Hochzeit geschmĂŒckt. Was die weiĂen Rosen bedeuten, ist deiner KreativitĂ€t ĂŒberlassen.
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Blitzgeschichten braucht deine Stichworte fĂŒr zukĂŒnftige Schreibevents. Möchtest du andere Schreiberlinge inspirieren, eine Blitzgeschichte zu schreiben? Spukt dir schon seit Tagen eine Idee oder ein Konzept im Kopf herum, was du selbst nicht zu einer Geschichte verarbeiten kannst? Dann nimm das zum Anlass, deine Stichworte einzureichen, sodass andere dazu Blitzgeschichten verfassen können.
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Prompt | Im Schutz der Dunkelheit - @blitzgeschichten
Mit nur leichter VerspÀtung und eigentlich weniger eine Blitzgeschichte als ein Ausschnitt aus einer noch nicht existierenden Novelle(?). Aber immerhin!
Eirian wusste nicht, was er tun sollte.
Das war so eigentlich nichts Neues, im Grunde seines Herzens hatte er sich immer gefragt, wie er ĂŒberhaupt in den Hohen Rat berufen worden war, aber nun, als wĂ€re die Lage mit Octavius nicht schon schlimm genug - nun das: der Hohe Rat war aufgelöst, und das, hatte der PrĂ€sident versprochen, war erst der Anfang.
Der Anfang einer stĂŒrmischen Nacht war es auch - die erste von vielen, wenn nicht irgendjemand die Rolle des Hohen Rats ĂŒbernahm. Es wunderte Eirian kaum, dass diese Menschen nicht wussten, wie viel Schutz sie den Magiern verdankten, aber dass es so weit kommen wĂŒrde, hatte er nicht erwartet.
Er war noch dabei, vorsichtig in Betracht zu ziehen, vielleicht das Haus zu verlassen - vielleicht irgendwo am Lande Unterschlupf zu finden, bis sich die politische Lage wieder beruhigte - als es schon an der TĂŒr klingelte.
Er war fast schon so weit, zu erschrecken, aber es war Octavius.
Ausgerechnet Octavius. Sein Herz war bleischwer, als er ihm aufmachte, und er fragte sich bitter, ob es das wert gewesen war - die Freude, Octavius zu sehen, aufzugeben fĂŒr seinen hanebĂŒchenen Plan. Aber das alles spielte jetzt keine Rolle.
Er hatte Octavius noch nie in so legeren Klamotten gesehen, nicht mal beim Ausgehen und im Rat natĂŒrlich schon gar nicht. Er trug ferner eine gepackte Reisetasche und sah jetzt schon aus, als wĂ€re er einem Nervenzusammenbruch nahe.
»Ich hab mit Severin und Lisandra gesprochen«, sagte er, ohne sich mit einer BegrĂŒĂung aufzuhalten, und trat an Eirian vorbei ein.
»Hallo«, sagte Eirian und schloss leise die TĂŒr.
Octavius blieb stehen und musterte ihn von oben bis unten, als wÀre er sich nicht sicher, was er vor sich sah. Er musste wirklich ziemlich aufgelöst sein.
»Soll ich uns Tee machen?«, schlug Eirian vor; am liebsten hĂ€tte er Octavius einfach an sich gedrĂŒckt, bis er sich beruhigte, aber er bezweifelte, dass das funktioniert hĂ€tte.
Octavius rĂŒhrte sich nicht. »Hast du keine Nachrichten gehört?«
»Schon, also - ich hab schon ĂŒberlegt, irgendwo aufs Land rauszufahren-«
»Aber du hast noch nicht gepackt?«
Octaviusâ Dringlichkeit ĂŒberraschte ihn. Sicher, die Lage war ernst, aber so-
»Also, ich hab mit den anderen gesprochen. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir uns am besten grĂŒppchenweise aufteilen. Nicht allein. Willst du mit mir kommen?«
Das verschlug Eirian die Sprache, als wĂ€re die Tatsache, dass Octavius so viel mehr redete, nicht jetzt schon ungewöhnlich genug. Kurz musste er sich der Vorstellung hingeben, wie er und Octavius, nur sie beide, sich in irgendein kleines HĂ€uschen im Nirgendwo zurĂŒckzogen. Vielleicht wĂŒrde sich sogar eine Gelegenheit ergeben, ihm endlich alles zu erklĂ€ren. Vielleicht - aber er musste sich zusammenreiĂen. Hier ging es um sehr viel Ernsteres als sein blödes Herz.
»Ich weiĂ, dass das riskant fĂŒr dich ist, aber ich. Nun. Du bist mein liebster Freund im Rat und-«
Eirian konnte nichts dafĂŒr, wie ebenjenes blöde Herz bei diesen Worten zu flattern anfing. »Riskant? Octav, warum sollte es riskant sein, mit einem der mĂ€chtigsten Magier-«
»Ich bin ein dunkler Magier, Eiri. Auf mich schieĂen sie sich zuerst ein.«
Und da erst begriff Eirian. Es kam so unerwartet von Octavius, dass er es nicht hatte glauben können. Er hatte Angst.
»Zwei Minuten«, sagte Eirian und suchte nach irgend etwas Tröstlichem zu sagen. »Und mach dir keine Sorgen. Selbst wenn sie uns finden - im Notfall könntest du sie ja-«
»Will ich aber nicht«, sagte Octavius mit erstickter Stimme, und da musste Eirian ihn doch umarmen.
»Ist ja gut, so weit wird es schon nicht kommen.«
»Geh packen«, murmelte Octavius, entzog sich aber nicht seinen Armen.
Acht Minuten spÀter verschwanden sie in der Nacht.
Die Gaslampen schlugen schwere Schatten gegen die Fassaden der HĂ€user. Aus dem Fenster von 3 Wolkengracht tanzte eine sanfte Musik. Sie hallte von den Kopfsteinpflastern dvon Fenster zu Fenster. Nicht nur die StraĂe entlang doch zwischen den Holzpfeilern des BĂ€ckers und den Kirchenbanken des Pfarrers. Die Noten dringten in die Ohren der Schlafenden ein und zauberten Welten empor.
Es waren Welten aller art. Von Bibliotheken die in den Himmel herraufstiegen, zu Grachten die wild hochfluteten. Die TrĂ€ume der Schlafenden trieben die Musik weiter. Haus zu Haus, TĂŒr zu TĂŒr. Der Muzikant saĂ mit einer versilberten Harfe vor dem Fenster. Seine Finger tanzten ĂŒber die Saiten, seine Augen folgten den Noten ĂŒber das Notenblatt. Wieder und wieder.
Die Noten flossen zusammen und der Mond erreichte seinen Zenit. Dann begann er etwas zu hören. Erst traute er seinen Ohren nicht und spielte weiter. Kurz danach flickerte ein Schatten durch sein Fenster. Er schaute auf. Eine Kutsche, geprĂ€gt mit dem Gelben Zeichen. FĂŒr uns wĂ€re es ein einzigartiges Zeichen, aber der Musikant erkannte es fĂŒr was es war.
Die Harfe verfall ins Schweigen und sein Stuhl zögerte vor dem Fall. Er eilte zur TĂŒr. Diese Nacht war Gesegnet. Vor der TĂŒr, im Schatten der Kutsche stand ein Bote. Im Schutz der Dunkelheit ubergab er dem Musikanten einen Brief und ein Notenbuch. Er hatten noch viel zu Spielen, und der König wĂŒrde nach Ihm Fragen. Und Seine Sterne wĂŒrden aufmerksam zuhören. Seine Musik mochte dem Musikanten einen Platz in der ewigen Stadt sichern.
â
Es ist mir noch ganz ungewöhnlich auf Deutsch zu Schreiben aber mit dem Stichwort von @blitzgeschichtenâ hat mir gut geholfen. Hoffe das Lesen macht SpaĂ.
So Freunde! Ausnahmsweise mal pĂŒnktlich hĂ€hĂ€. Irgendwie schreib ich nur Nachtgeschichten lel Aber et is wie et is. Thematisch baut es auf "Von der Asche in den Wind" auf. Gehörn irgendwie zusammen, aber bla kein Plan.
Im Schutze der Dunkelheit versammelten sie sich. Eine Rotte aus absonderlichen Gestalten kroch die Anhöhe hinauf. In den Schatten am Waldrand gepresst, wankten sie gespenstisch trunken um das verhasste Haus herum. Doch noch bekam er von diesen sonderbaren Treiben nichts mit. Der Versuch zu schlafen, schien auch diesmal fruchtlos zu bleibeb. Schon am Tage stieg eine unbestimmte Angst in ihm auf, des Nachts verstÀrkte sie sich. Das Treiben des Tages war zwar komplett verstummt, doch in seinem Kopf ging der Tumult weiter. Er durchlebte jede einzelne Interaktion, analysierte, beurteilte und kam zu keinem Ergebnis. Oh wie schön wÀre ein traumloser all immerwÀhrender Schlaf. Ein willkommener Gast wÀre Schlafes Bruder.
Die Uhr kroch langsam gegen 3. Der Schneewind und die Weide klopfen beharrlich gegen das Fenster und verlangten Einlass in das bedrĂŒckend warme Zimmer. Er beschloss aufzustehen und mit seinen Gedanken durchs Haus zu wandern. Sein Freund schnarchte leise vor sich hin. UnbekĂŒmmert und ungerĂŒhrt schlief dieser weiter.
Er wagte kein Licht anzumachen, schlich durch die GĂ€nge, navigierte mit wissender Routine in die KĂŒche. Wie jede Nacht warf er einen ziellosen Blick in den KĂŒhlschrank. Die Reste des Abends, die Reste des vorletzten Tages und glibbriger Pudding. Seine Mutter hat in ihrer lieblosen Art Essen ĂŒber Essen kredenzt, welche sich in ihrer Ekligkeit versuchten zu ĂŒbertrumpfen. Er schenkte seine volle Konzentration dem Festtagsbraten, der nichtssagend nach Pappe schmeckt. Die zerfallende Struktur und fahle Haut erinnerte an seine SchwĂ€gerin.
Ein leises und sanftes Klopfen riss ihn aus der Konzentration. Beinahe hĂ€tte er es ĂŒberhört bei dem grellen Licht und penetranten Summen des KĂŒhlschrank Lichtes. Suchend gleiten seine Sinne ĂŒber den Raum, doch jetzt war es wieder verschwunden. War es die Weide? Oder doch die Insomnie, die seiner Sinne Streiche spielte. Wie lange hat er nicht mehr geschlafen? Wer weiĂ das schon.
Doch, doch! Da war es wieder! Ein leises deplatziertes Klopfen. So recht bestimmen konnte er es nicht. RĂ€tselhafte Schatten warfen sich durch die Fenster, konturiert durch eine mysteriöse Lichtquelle. War Vollmond? Er hatte jegliches ZeitgefĂŒhl verloren. Ein Blick durchs Fenster machte ihn auch nicht schlauer. Der frisch gefallene Schnee der Nacht kaschierte die Spuren des Tages, der Wald zeigte keine Anzeichen von Bewegung und der Himmel war dunkel und sternbehangen wie eh und je. Aber woher kam dann die Schatten?
Da war es wieder! Das Klopfen. Es schien von der HaustĂŒr zu kommen.
Vor der TĂŒr begrĂŒĂte ihn aber nur die KĂ€lte. Die einzigen GerĂ€usche, die er wahrnahm, waren das Knacken und Surren des Schnees. Ein leichter Wind kam wieder auf und wiegte die BĂ€ume leicht in den Schlaf. Das sanfte Wippen zog ihn in den Bann. Es fĂŒllte seinen Kopf mit einer angenehmen Leichtigkeit, die die KĂ€lte der AuĂenwelt vergessen lieĂ. SĂŒĂ und verlockend wirkte diese weihnachtliche Schneelandschaft. Oh, wenn er nur wĂŒsste, was da kreucht und fleucht im Schutze der Dunkelheit. Begierig auszubrechen aus der KĂ€lte des Waldes und einbrechen in das warme Haus.
Da war es wieder das leise Klopfen. Es machte ihn wahnsinnig, hat es ihn doch aus seinem friedlichen Nichtssein heraus gerissen. Da war, aber noch was anderes. Die Angst. Er wollte nicht zurĂŒck ins Haus, auch wenn dieses mehr Sicherheit versprach, schien der Wald verlockender. Eine widerwĂ€rtige Abscheu ergriff ihn. Die Ăbelkeit zog sich in die tiefsten GedĂ€rme. Er entschied sich nun doch, reinzugehen, auch wenn das GefĂŒhl nicht verschwand.
Die Nachtpilger standen weiterhin unbemerkt und stumm am Waldrand. Er hat sie gesehen und doch nicht erkannt. Sie waren ein StĂŒck weiter. Bald, sehr bald wird sich die TĂŒr fĂŒr sie öffnen.
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Ich schlieĂe die Augen. Ich gehe auf in der Abwesenheit. Nichts nimmt mich in sich auf. Stille wiegt mich in ihren Armen. Ich bin unsichtbar. Ich glĂŒhe nur im Inneren.
Es gibt kein Verstecken, nur das Fehlen von Aufmerksamkeit. Was bleibt ist ein Raum zum Verweilen, zum Sein ohne nadelstechende Blicke, bestimmend wie, was und wer man ist. Ich bin formlos. Ich bin gerade so. Lasse Gedanken schreien und singen. Ich halte meine Hand. Bin der Schutz, den ich brauche. Ich will, dass es genug ist.
Emotionen ĂŒberwĂ€ltigen mich. Ich lasse es passieren. Ich verteile mich. Im Absoluten. Vollkommen. Fast. Okay. Mit der Einsamkeit.
Die StraĂenlaterne flackert, als ich die dunkle StraĂe entlang gehe. Mit einem Blick nach hinten vergewissere ich mich, dass mir niemand auf dem Weg nach Hause folgt. Der abschĂŒssige Gehweg ist wie leer gefegt, genauso der nasse Asphalt der LandstraĂe. In der Ferne sehe ich die HĂ€user meiner Siedlung aufragen. Von hier aus wirken sie beinahe lebendig, als wĂŒrden die DĂ€cher sich im peitschenden Wind neigen, die nie abgeschlossenen TĂŒren in ihren Scharnieren klappern, die Blumentöpfe auf dem Treppenabsatz davonlaufen. Schnellen Schrittes laufe ich an einem gedrungenen HĂ€uschen vorbei, das sich an eine Weide schmiegt. HexenhĂ€uschen nannten wir es als Kinder, spielten oft im angrenzenden Wald, aber trauten uns nie zu nahe heran. Manche Dorfbewohner munkelten, die alte Frau, die dort einmal wohnte, sei lĂ€ngst verstorben. Andere wiederum waren sich sicher, dass die alte Hexe noch lebte und ihren Zauber wirkt. In manchen NĂ€chten brannte schwaches Kerzenlicht hinter den milchigen Fenstern und eine schwarze Katze strich oft um das HĂ€uschen herum. Alles nur alberne Gruselgeschichten, um Kinder zum Zubettgehen zu ermahnen, denke ich mir jetzt.
Fröstelnd schlinge ich meine Regenjacke enger um mich und bereue, keinen Pullover angezogen zu haben. Die NĂ€chte bleiben vorerst kĂŒhl. Plötzlich erklingt ein leises Scharren hinter mir. Ăngstlich wende ich mich um, doch kann in der Dunkelheit der kaum beleuchteten StraĂe nichts erkennen. Vermutlich war es nur ein Tier, vielleicht die schwarze Katze? Doch dann scharrt es wieder am Boden, diesmal nĂ€her. Ein menschenscheues Tier wĂŒrde sich doch eher von mir entfernen, statt zu mir hinzulaufen, oder? Ich beschleunige meine Schritte, den Blick fest auf die nahende Siedlung gerichtet, wo auch die DoppelhaushĂ€lfte meiner Familie steht. Da ertönt ein Klacken, wie von einer Schnalle oder einem Schuh mit Absatz. Das kann doch kein Tier sein! Ich drehe der Siedlung den RĂŒcken zu und starre in die SchwĂ€rze der Nacht. Verfolgt mich jemand? âHallo?â, rufe ich ins Nichts. Keine Antwort. Dann ein leises Keuchen. Die Angst greift mit eisigen Fingern nach mir, packt mich an der Schulter und lĂ€sst mich herumwirbeln. âIst da jemand?â, frage ich nochmal. Angestrengt versuche ich, die grauen Schemen auszumachen, Konturen zu erkennen, doch die StraĂenlampe an diesem Abschnitt des Weges ist schon vor Tagen erloschen. Alles in mir spannt sich zur Flucht an, doch ich kann mich nicht von der Stelle rĂŒhren. War es doch nur der Wind, der mir einen Streich spielt? Ich bin alleine. So alleine, wenn ich hier schreie, wird mein Schrei vom Wind fortgetragen, bevor er die nĂ€chsten HĂ€user erreicht und die Bewohner alarmieren kann. Ich warte noch eine elendig lange Minute, doch höre nichts auĂer dem Rascheln der BlĂ€tter.
KopfschĂŒttelnd wende ich mich um und setzte meinen Heimweg fort. Es war wohl nichts, ich habe mir das nur eingebildet. Bestimmt nur, weil ich an die Gruselgeschichte mit der Hexe gedacht habe. LĂ€cherlich! Doch das leise Lachen erstickt mir in der Kehle, als sich eine Hand auf meinen Mund presst. Jemand packt mich von hinten und reiĂt meinen Arm herum, verdreht ihn so, dass ich mich nicht wehren kann. âGanz ruhigâ, wispert eine heisere, tiefe Stimme in mein Ohr. Mir wird schlecht von dem Mundgeruch, der nach faulen Eiern riecht. Im Schutz der Dunkelheit hat sich der Mann an mich herangeschlichen. Ich muss mich losreiĂen und fliehen, so schnell meine Beine mich tragen können nach Hause rennen! Doch ich hĂ€nge schlaff und bewegungsunfĂ€hig in seinen Armen. Etwas scheint meine Nerven zu lĂ€hmen, den Fluchtreflex zu unterdrĂŒcken. âLass mich sofort los!â, zische ich zwischen seinen Fingern, die er weiterhin vor meinen Mund gepresst hĂ€lt. âAuf gar keinen Fallâ, erwidert er in widerlicher Sicherheit. âIch hatte noch gar keinen SpaĂ mit dirâ, fĂŒgt er noch hinzu und seine Stimme klingt so voller unterdrĂŒcktem Verlangen, dass mir kotzĂŒbel wird. So fest wie ich kann, trete ich mit meinem Bein nach hinten, wie ich es in Krimifilmen gesehen habe. Doch ich erwische ihn nicht wie geplant am Knie, denn er weicht meinem Tritt geschickt aus und drĂŒckt mich dann zu Boden.
Unsanft lande ich auf meinen Knien, spitze Steinchen bohren sich durch meine Jeans. âSei ein braves MĂ€dchen und spiel mit, dann passiert dir auch nichts und du kannst danach nach Hause gehen.â Ein falsches Versprechen, so viel steht fest. HĂ€tte ich doch nur diesen Selbstverteidigungskurs besucht, zu dem mich meine Freundin ĂŒberreden wollte! Dann könnte ich mich jetzt besser wehren und befreien. Aber nein, ich hielt das fĂŒr Angstmacherei. Was sollte mir schon passieren?, dachte ich damals. In meinem unscheinbaren Leben lauern keine Gefahren, so wog ich mich in falsche Sicherheit. Sein rasselnder Atem stellt meine Nackenhaare auf, als er sich daran zu schaffen macht, meine HĂ€nde mit Kabelbindern auf den RĂŒcken zu fesseln. Ich befehle meinen Körper, aufzuspringen und wegzurennen, doch der Befehl kommt nicht an. Wie der knorrige Baumstamm neben mir bleibe ich am Boden verwurzelt. âDu hast mir gleich gefallen, als ich dich am Bahnhof gesehen habeâ, flĂŒstert er, als er mir mit fahrigen Fingern durch meine langen Haare streicht.
Ich schlieĂe die Augen und wĂŒnsche mir, dass das alles nur ein Alptraum ist. Das passiert mir gar nicht wirklich. Wenn ich jetzt die Augen öffne, ist alles vorbei. Ich liege wieder in meinem kuscheligen Hochbett in meinem Schlafzimmer mit den blauen WĂ€nden und freue mich auf eine heiĂe Schokolade und ein Croissant. Doch als ich die Augen öffne, sehe ich ein weiĂes Tuch mit einem nassen Fleck, der ölig schimmert. Es ist das Letzte, was ich sehe, bevor ich das Bewusstsein verliere. Einfach so wird mir der Boden unter den Knien weggezogen und ich falle in ein tiefschwarzes Loch. Wer weiĂ, ob ich aus diesem Alptraum je wieder erwache?
Leseliste und meine Gedanken wĂ€hrend des Schreibens sowie eine Klarstellung unter âweiterlesenâ fĂŒr all meine Gedichte und Kurzgeschichten. (Kommentiert + wenn ihr hinzugefĂŒgt oder - wenn ihr entfernt werden wollt.)
Es ist lange her, dass ich eine Kurzgeschichte geschrieben habe. Ich wusste anfangs gar nicht, wo diese Geschichte mich hinfĂŒhrt, habe mit dem Gedanken gespielt, eine urbane Legende mit einer Hexe daraus zu machen.
Doch das wahre Grauen ist die RealitĂ€t, dass man als Frau nachts auf dem Heimweg stĂ€ndig die Angst vor einem sexuellen Ăbergriff oder Schlimmeren hat. Ich war beim Schreiben in Gedanken bei allen Opfern sexueller Gewalt, auch meinen Freundinnen.
Statistisch gesehen passiert ein sexueller Ăbergriff oder eine Vergewaltigung so, wie es meine Blitzgeschichte erzĂ€hlt, eher selten. Die meisten Ăbergriffe passieren daheim, durch den eigenen Partner oder Ex-Partner. Einer Person, der man sein Vertrauen und seine Liebe geschenkt hat, welches auf grausamste Weise missbraucht wird. Das wollte ich hier nur noch klarstellen, denn nur das Stichwort hat mich inspiriert, dieses Narrativ zu bedienen.
Unser fĂŒnfzehntes Stichwort kommt von @somealienquill und lautet "Im Schutz der Dunkelheit".
Was geschieht im Schutz der Dunkelheit? Wer lauert dort? TrĂ€gt sich die Geschichte in einem dĂŒsteren Wald zu oder in einem stĂ€dtischen Industriegebiet bei Nacht? Vor welchen neugierigen Blicken schĂŒtzt die Dunkelheit? Gibt es ein Verbrechen oder vielleicht eher eine LiebeserklĂ€rung? Ihr entscheidet!
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Loide, ich sachs euch wie es ist, ich hab ein bissn lang heute geschlafen. Aber schöner prompt wollte endlich eine Nachtszene von einer meiner Geschichten schreiben.
Ein Schauer zog durchs Dickicht. Aus Dunst und Nebel stiegen tanzende Gestalten. Die GesĂ€nge vorheriger Abende verklangen Tag um Tag, so dass die Nacht mit einer kĂŒhlen Stille grĂŒĂte.
535 wörter fĂŒr @blitzgeschichten, das prompt war so toll!! die geschichte ist in eine gĂ€nzlich andere richtung gegangen als urprĂŒnglich erwartet. tw fĂŒr rauchen (zigaretten) und erwĂ€hnten alkohol
Matse schaut zu Ina hoch und rollt die Augen. âIch gehâ eine rauchen, kommst du mit?â
Ihre GetrĂ€nke waren eigentlich erst gekommen, Matses hat irgendeinen Zauber, sodass es aussieht, als wĂŒrden kleine Gespensterchen in dem Cocktail schwimmen.
Doch er tastet schon seine Taschen nach den Zigaretten ab und Ina nickt, folgt ihm, bevor ihr die Decke auf den Kopf fÀllt oder die Luft sie gÀnzlich erstickt.
Die StraĂe vor dem Pub liegt in einer FuĂgĂ€ngerzone, aber niemand ist um diese Uhrzeit dort unterwegs. Wolken bedecken den Himmel, kein Mondlicht fĂ€llt zu ihnen herunter.
Die HolztĂŒr des Pubs fĂ€llt hinter ihnen von alleine zu, nicht dick genug und nicht zu genug, um das Donnern des Basses und das Grölen und Lachen der GĂ€ste fĂŒr sich zu behalten.Â
Matse öffnet die Schachtel und hĂ€lt sie Ina hin, wie er es immer tut, genauso wie Ina mit einem LĂ€cheln ablehnt. Er hat nie versucht, sie zum Rauche zu ĂŒberreden, sie mitleidig oder abfĂ€llig angeschaut, wie es manche andere tun, wenn Ina von all dem nichts haben will. Genau deswegen geht sie auch mit ihm so oft raus.
Matse tastet nach einem Feuerzeug, aber Ina hat nur auf den Moment gewartet. Grinsend schnipst sie mit den Fingern und hÀlt die kleine Flamme ans Ende der Zigarette.
âWie hast du denn das angestellt?â, fragt Matse mit der Kippe im Mund und ihren Fingern in seinen.
âHabe Feuerquarz in meinen Nagellack gemischt. Nicht schlecht, oder?â Ina zieht ihre Hand zurĂŒck, verschrĂ€nkt die Arme vor der Brust um sich vor dem kĂŒhlen Nachtwind zu schĂŒtzen.
FĂŒr ein paar starre Sekunden schaut Matse ihr verblĂŒfft in die Augen, nur um dann irritiert zu fragen: âFĂŒr mich?â
âAlso bitte, so wichtig bist du mir auch nichtâ, sagt Ina, grinst, und rempelt mit ihrer Schulter leicht gegen seine. âSo oft, wie mir mein Kessel ĂŒbergekocht ist, brauchte ich eine schnellere Lösung, um das Feuer wieder anzumachen." Eine halbe LĂŒge, aber sie fĂŒhlt sich so viel sicherer als die Wahrheit an. Was, wenn er ihre Zuneigung missverstehen wĂŒrde? Nein, besser, sie behielt ihre kleinen Gesten fĂŒr sich.
âIch wĂŒrde jetzt sagen, dass du eben eine wirklich gute Hexe bist, aber wenn du das nur erfunden hast, weil dir der Kessel stĂ€ndig ĂŒberkocht, dann bin ich mir da doch nicht so sicher.â Matse zieht an der Zigarette und pustet den Qualm in die andere Richtung. Im Dunkel der Nacht geht er schnell verloren. Er will offensichtlich noch etwas sagen, aber die TĂŒr des Pubs wird wieder geöffnet.
Mit einem Mal purzelt der LĂ€rm mit den zwei Leuten heraus, die sich Arm in Arm halten.
âNein, ich schwöre, Nico! Heute ist die Nacht der NĂ€chte! Wir sollten heiraten!â
Ina erkennt das PĂ€rchen wieder, das neben ihnen gesessen hat. Und so genervt, wie sie ist, dass die beiden nach drauĂen gekommen sind, so erleichtert ist sie, dass sie vor ihnen wieder nach drinnen fliehen können.
Besagter Nico fĂŒhrt sein Herzblatt die StraĂe herunter. âMit dir ist jede Nacht die Nacht der NĂ€chte, wir sollten jeden Tag heiraten!â, verkĂŒndet er laut, wenn auch etwas undeutlich.
Matse rollt wieder die Augen, tritt seine Zigarette aus und hĂ€lt ihr die TĂŒr auf.