Traditional Zabidian house.
Zabid, Yemen
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Traditional Zabidian house.
Zabid, Yemen

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Zabid. Alter Turm im Südwesten
Zabid, Yemen, 17.1.1901
Hermann Burchardt
Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin
Zabid. Bab Schebarik
Zabid, Yemen, 17.1.1901
Hermann Burchardt
Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin
Zabid, Yemen
Bisher ist die von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrollierte Stadt von Kämpfen verschont geblieben, doch die Sorge ist groß, dass die sunnitischen Regierungstruppen die Stadt früher oder später ins Visier nehmen könnten…. Bild-, Text-und Video-Quelle: youtube.com (User: faz) Nutzungsrecht: Schunck.info darf den Film nach geltendem Recht von der Plattform youtube.com und / oder vimeo.com einbetten. Für…
Architekturjuwel im Jemen: Zabid fürchtet Bürgerkrieg was originally published on schunck.info

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Zabid is not Chicago Der Ort dieses Pop-Momentes ist weit weg. Nicht weit wie Tokio oder weg wie die 80er, jene 80er, deren Popkultur für eingeweihte Zuhörer noch verschlüsselte Bastelanleitungen enthielt, für Bricolagen, für Schablonen und Muster, die dann unsere Welt waren. Ich rede von einem Ort am Ende dieser Welten.
Ich erreichte Zabid an einem brutal heißen staubigen Tag auf der ölig-dreckigen Ladefläche eines Toyota Pickup, eingeklemmt zwischen ein paar Ziegen, ein paar Säcken stacheligem Irgendwas und vier Quat kauenden Jemeni. Die Sonne stach senkrecht vom Himmel und der Fahrtwind fühlte sich an wie ein riesiger Föhn, der einem ins Gesicht bläst. Wir hatten uns die öde, holperige Fahrt damit verkürzt zuzusehen, wie der Beifahrer in voller Fahrt auf rumpeliger Wüstenpiste mit seiner Kalaschnikow auf irgendwelche Schrottteile am Straßenrand ballert. Wollt Ihr da hinten auch mal? Die Patrone kostet 1 Dollar. Wucher! 50 Rial? Deal. Peng.
Nachdem die alten Griechen fast vergessen, also irgendwie eher Klassik waren, und in Europa noch nichts so richtig vorwärts ging, haben die Araber hier in Zabid in alten Schriften die Algebra wieder entdeckt. Zabid ist eine alte Universitätsstadt, bzw. war Universitätsstadt. Heute ist Zabid keine Stadt mehr, eher ein Dorf. Ein Kaff auf hunderten Lehmhügeln, die allesamt zerflossenes Zeugnis ehemaliger Lehmziegel-Moscheen, Lehmziegel-Paläste, Lehmziegel-Schulen, Lehmziegel-Bibliotheken, Lehmziegel-Kultur sind. Was aber die Zeit überdauert hat ist ein Rotationssystem: Auch heute noch werden ‘Studenten’ im Uhrzeigersinn durch eine bestimmte Anzahl Koranschulen geschleust, um in jeder Schule eine spezielle Disziplin zu lernen. Früher waren diese Stationen Algebra, Astronomie, Poesie, Medizin, Geometrie, Pharmazie, Geographie, Musik, Philosophie und so weiter und so fort. Irgendwann hatte der Student den Zirkel durchlaufen und kam am anderen Ende als Gelehrter wieder heraus. Heute wird hier Religion gelehrt. Also nur Religion. Und eher die etwas fundamentalere, härtere Gangart von Religion. Und irgendwann kommen am anderen Ende dann, naja, Ihr könnt euch das ja denken.
Es kommen nicht viele Besucher nach Zabid. Manchmal hält ein Tross klimatisierter Land Cruiser am Stadtrand, draußen bei der alten Festung und in Rekordzeit werden ein paar Fotos gemacht, ein paar Einheimische wedeln (angeblich traditioneller Tanz) mit ihren Dolchen, Foto? Nein! Und in einer Stunde ist der Spuk vorbei. Hält auch kein Mensch länger aus bei der Hitze und alle verfallen wieder in ihren Standbymodus irgendwo im Schatten.
Wer aber für ein paar Tage in einem der für Reisende bereitgehaltenen Haustürme absteigt und Fragen zu den Koranschulen stellt, der zieht morgens beim Frühstück auf dem Suq dann doch ein wenig Aufmerksamkeit auf sich:
Deutscher? Ja. Gut.
Christ? (Nein! Also in Deutschland, … also Religion ist nicht mehr…) Ja.
Jesus kommt auch im Koran vor. Aha.
Verheiratet? Nein.
Warum? (Weil… also, … in Deutschland, also da kann man auch ohne… und…) Bald.
Ahhh - klasse! Willste noch ne Tasse Gibr?
Das Eis ist gebrochen, man hat sich vergewissert, dass der Almani kein totaler Freak ist und geht zum gemütlichen Teil über. Gibr ist übrigens eine farblose Plörre, die aus Abfallprodukten des Kaffeeröstens gebraut wird, irgendwie nach nix schmeckt und so viel Koffein hat wie dick eingekochte Afri Cola mit RedBull. Und das bei 40 Grad. Im Schatten. Vormittags.
Die kommenden Tage werde ich von einer Gruppe Koranschüler adoptiert. Und weil niemand so genau weiß, was die Etikette für den Umgang mit einem deutschen Christen vorsieht, werde ich der Einfachheit halber überall hin mitgenommen: zum Unterricht beim Imam, zu den Gebeten, zum Essen, zum Bolzplatz, in einen traumhaften Dattelhain ein bisschen außerhalb, zur Verwandschaft.
Was mich verblüfft ist die Neugierde der Menschen auf mich und auf die Kultur aus der ich komme. Eigentlich ist die Rollenverteilung ja klar definiert - ich komme und besichtige das Andere. Aber hier fragt dieses Andere. Warum wir Deutschen nicht wie die Jemeni Pistolen tragen - wir seien doch ein freies Land. Wieviel ein Kilo Brot kostet, und ob das viel sei, gemessen am durchschnittlichen monatlichen Haushaltsbudget in Deutschland. Wie hoch ist denn das monatliche Haushaltsbudget pro Familie, so pi mal Daumen. Wie viele Tage regnet es in Deutschland im Jahr. Warum ich nicht bei meinen Eltern lebe.
Gehst Du nach deinem Studium zurück zu deinen Eltern? Hab ich eigentlich nicht vor.
Das ist traurig. Findest Du?
Ja. Ihr Europäer habt keine Familien. Das ist traurig. Wir hier legen großen Wert auf unsere Familien, auf unsere Liebsten. Ihr habt das verloren. Ihr nennt euch frei, aber eigentlich seid Ihr nur alleine. Alleine und ohne Orte.
Bamm!
Später in dieser Nacht, bei einem Spaziergang unter dem total unwirklichen Sternenhimmel erzählt Mehmed mir das erste mal von seiner Freundin.
Echt? Du hast eine Freundin? Wie jetzt … ???
Also nicht richtig Freundin, weil naja, man darf ja nicht, und …, hei - er sei echt ein anständiger Kerl und Sie auch! und mehr als ein bisschen Knutschen sei ja gar nicht, aber was schlimm ist - also, … man will sich doch kennen lernen. Und das braucht Zeit, Zeit und Gespräche, und wenn immer ihre Schwester, oder ihre Cousine, oder sonst wer mit dabei ist, dann redet es sich halt nicht so leicht dahin, dabei sei ihr Lachen so wunderbar, und … … große Scheiße. Sterne.
Ein paar Tage später dann große Aufregung. Dorfkino! Terminator 1! Die Jungs sind alle total aus dem Häuschen. Irgendwie haben die Araber ja einen Faible für unbesiegbare Machos aus dem 80er-Jahre-Kino. Ich mache mich gebührend lustig über meine Freunde, hei, ihr steht halt auf dicke Hose, was? Der starke Mann. Oder was findet Ihr an diesem Trash?
Mohamed: Ich mag Terminator. Los Angeles ist eine wunderschöne Stadt. So sauber. Da liegt nirgends Müll rum.
Mehmet: Ja, aber ich mag City Hai lieber. Los Angeles ist auch in der Wüste. So wie Zabid. City Hai spielt in Detroit, das ist es viel grüner. Da wachsen überall Bäume.
Mohamed: City Hai spielt in Chicago.
Mehmet: Sicher?
Mohamed: Ja.
Mehmet: OK, aber dort ist es so grün und schön. Ich liebe diese Stadt. Wenn ich hier einmal genug gelernt habe, dann will ich ein Projekt starten. Ich will die Einwohner von Zabid dazu bringen, ihren Müll nicht mehr in das Wadi zu werfen, wo der Regen einmal im Jahr den ganzen Dreck in die Wüste spült, und von wo der Wind den Müll dann den ganzen Sommer über wieder in die Stadt weht. Ich will das wir das kapieren. Und ich will hier einen Brunnen bauen. Einen Brunnen, mit einem Platz mit Bäumen. In amerikanischen Filmen sieht man immer Menschen unter Bäumen sitzen. So etwas will ich auch. Und wenn es hier sauber ist, und schattig, dann kommen die Touristen zu uns. Und wir können mit ihnen reden, ihnen was verkaufen oder was weiß ich. Darum gehe ich hier zur Koranschule.
Alle: Psst! Haltet die Klappe, der Film geht los! Klaus Gropper, November 2014. Pop-Momente bei Facebook liken und bei Twitter folgen