Der Ort meines tiefsten Versagens
Sollte vielleicht dieses schon tot geborene Kind links liegen lassen oder es eben tatsächlich beerdigen. Wie man das mit toten Kindern machen sollte. Und aus dem, was ich habe und woran ich noch arbeite, aus diesen kleinen Texten und Textfragmenten etwas zaubern. Aber oft scheint es mir so, als hätte ich nichts zu sagen, als würden mir die Geschichten im Halse stecken bleiben, und eine Geschichte, die nur aus Erinnerungen besteht, aus Familiengeschichten, käme mir zu banal und lächerlich vor. Aber eine Geschichte erfinden und in jeder Szene wieder etwas Neues einbauen, immer wieder neue Kehrtwendungen und Ideen, was für ein kreativer Horror.
Aber erst mal lebe ich in einer Bude mit einem fetten Bäcker als Mitbewohner im Niemandsland - ich lebe exakt dort, wo ich nicht sein will.
Wie beschissen. Wurde darüber schon einmal geschrieben? Wurde die Geschichte des Versagens schon geschrieben? Darin habe ich Expertise, da bin ich der ausgesuchte Experte, den keiner sucht, der aber reichlich Auskunft geben könnte. Wenn es jemanden interessieren würde.
Warum eigentlich wollen wir nicht versagen, wegen des unguten Gefühls? Und warum haben wir ein ungutes Gefühl? Wenn der Buddha sagt, alle Menschen wollen Erfolg und keinen Misserfolg, sollte man sich doch fragen: warum?
Mn könnte ja auch gut dastehen vor der Verwandtschaft oder den Freunden mit einem großartigen Versagen. Warum wollen wir erreichen oder gewinnen?
Warum lassen wir uns nicht einfach gehen? Ohne Ziele, ohne Absichten, einfach auf einen langweiligen, aber ruhigen Tag bedacht.
Warum fühlen wir uns wohl, wenn wir Erfolg haben und nicht, wenn wir versagen? Wegen irgendwelcher Hormone? Darf das denn wahr sein?