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Trachten
Der Mensch tracht: er trägt etwas in seinen Kalender, seine Notizhefte oder seinen Zettelkasten ein. Er schreibt, plant und berechnet damit seine Zukunft, er kleidet sich (mehr oder weniger wirft er sich in Schale), er betrachtet sich und andere, er entwirft sich und anderes für sich und andere. Er trachtet nach etwas (er begehrt es), trachtet sogar nach dem Leben anderer (nach Girard mit einem mimetischen Begehren, das sich tödlich aufwiegeln kann).
Trachten, tragen und trainieren sind Begriffe einer juridischen Kulturtechnik, der Aby Warburg auf den Staatstafeln mit bildlichen, wörtlichen, begrifflichen und metaphorischen Mitteln nachgeht. Die Summe und das Manual seiner Bild- und Rechtswissenschaft (die eine Wissenschaft unbeständig-polaren Rechts ist) entwirft er aus Anlass der Lateranverträge, er entschlüsselt einen Vertrag also insoweit über (choreo-)graphische Techniken, die man mit den Verben trachten, tragen und trainieren bezeichnet.
Wenn es stimmt, was Jonathan Crary 1990 behauptet hat, nämlich dass in der Zeit zwischen 1810 und 1840 sich ein dominantes Modell der Beobachtung oder Betrachtung herausgebildet hat, nach dem sich auch der Tastsinn und der Sehsinn ausdifferenziert haben sollen und dieses Modell eine Form und Norm des Sehens bildet, dann ist das, was Warburg gemacht hat in dem Sinne dieses Modells nicht normal. Warburgs Tafeln folgen einem Protokoll, nachdem ein Betrachten zwischen Operationen der Hand und denen des Auges wie zwischen Polen pendelt und dabei auch den Rest eines Körpers durchläuft, eines Körpers, der unruhig oder unbeständigt gehabt wird und ebenso unruhig und unbeständig den Betrachter hat.