Adventskalendergeschichten
24. Dezember
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âAls ich gestorben bin und meine Seele meinen Körper verlieĂ, hatte ich kaum jemals etwas Gutes oder Schönes erlebt, sodass ich auch nichts dergleichen erwartet habe. Ich war froh, als die Schmerzen verklangen und sich ein Nebel ĂŒber meinen Verstand legte, der mich sacht einhĂŒllte. Ich hatte keinen Namen, weil Tiere wie ich nur nummeriert werden. Ich war ein Versuchshund, aber zum GlĂŒck bin ich jetzt aus der Hölle entkommen.
Als ich blinzle, sehe ich drei Gestalten die auf mich zukommen. Ich habe solche Tiere noch nie zuvor gesehen, aber ich weiĂ trotzdem, was sie sind. Eine kleine Ferkelprinzessin tritt auf mich zu und stupst sacht mit ihrer Nase in mein Fell. Sie ist noch so winzig klein. Ihre BerĂŒhrung fĂŒhlt sich tröstend an und sie erzĂ€hlt mir damit stumm, wie ihr Bruder sie zu wĂ€rmen versucht hat, um den Tod von ihr fern zu halten. Ich kann die ZĂ€rtlichkeit spĂŒren, die die gequĂ€lten Geschwister ausgetauscht haben.
Ich selbst wurde wohl nur von einem einzigen Wesen jemals geliebt. Es war die Katze im KĂ€fig gegenĂŒber, die mit mir litt. Beim Namen nannten wir uns nicht, aber sie betitelte mich als 'dummen Hund' und ich kann auch jetzt die tiefe Liebe spĂŒren, die in dieser rauten Bezeichnung verborgen liegt. Ich weiĂ jetzt, dass es ihr gut gehen wird. Sie wird ĂŒberleben und gerettet werden. Das FerkelmĂ€dchen weiĂ es nun auch.
Mit dem Ferkel ist noch ein schwarzes KĂ€lbchen gekommen. Beide sind sehr jung. Noch viel jĂŒnger als ich. Als der junge Stier mit einer sachten BerĂŒhrung seine Geschichte erzĂ€hlt, blicken wir uns danach auf unsere eigenen Arten lĂ€chelnd an. Seine Freunde sind auch gerettet worden und er freut sich fĂŒr ihr GlĂŒck, auch wenn es ihm selbst nicht zuteil wurde. Wir sind die, die es nicht geschafft haben. Wir sind unseren Folterknechten erlegen.
Die dritte Seele, die in ihrer irdischen Gestalt zu mir tritt, ist die Ălteste von uns. Sie war eine Mutter und lebte am Rande der menschlichen Welt. Ein Eindringling in ihr kleines Reich schoss ihr zwischen die Rippen und zwang sie, ihre kleine Tochter allein und schutzlos zurĂŒckzulassen. Wir vier wissen, dass sie gerettet wurde. Und wir sind alle gleichermaĂen froh. So unzĂ€hlbar viele teilen dieses GlĂŒck nicht. Tiere wie wir vier.
Meine drei neuen Freunde erzĂ€hlen mir, dass sie jene abholen, die es nicht schaffen. Sie sagen mir, dass jeder von uns einen Namen hat, auch wenn wir ihn im Leben nicht kannten. Sie fragen mich, ob ich ihnen helfen möchte, jene aus den Schmerzen zu holen, die noch in der Hölle gefangen sind. Das möchte ich. Und ich möchte der sein, der in vielen Jahren die Katze abholt, um ihr fĂŒr ihre Liebe zu danken und dafĂŒr, dass sie mich im Herzen bei sich trĂ€gt.
Meine drei neuen Freunde geben mir meinen Namen. Lucifer. Er bedeutet 'Lichtbringer'. Meine Seele wird von WĂ€rme und Liebe und Licht geflutet und ich lasse andĂ€chtig die Verantwortung auf mich wirken, die mit diesem groĂen Namen einher geht. Lichtbringer... Ich hoffe, dass ein kleiner Hund wie ich, einem so groĂen Namen gerecht werden kann. Ich wĂŒrde gerne das Licht bringen, in die dunklen Höllen, die fĂŒr uns Tiere auf Erden geschaffen wurden. Ich wĂŒrde so gerne mehr tun, als nur die Seelen der Verstorbenen hinĂŒber zu geleiten. FĂŒr die Lebenden wĂŒrde ich gerne einen Unterschied machen.
Als ich noch am Leben war, konnte ich nichts tun. Ich bin nur ein Hund und ich bin der WillkĂŒr von euch Menschen schutzlos ausgeliefert. Alle Tiere sind das. Manche von uns werden geliebt, vom ersten, bis zum letzten Tag und von ganzem Herzen. Aber jedes einzelne Jahr werden mehr als hundert Milliarden Seelen von euch ausgelöscht und dabei werden all die Insekten nicht mitgezĂ€hlt. Wir Tiere können zwar alle miteinander kommunizieren, aber wir können nicht in eurer Sprache fĂŒr uns sprechen.
Wir sind darauf angewiesen, dass ihr Menschen eure Stimme fĂŒr uns erhebt. Ihr könnt euch fĂŒr uns stark machen und uns beschĂŒtzen. Ich weiĂ tief in mir, dass fast alle von euch schrecklich finden, was uns Tieren angetan wird. So viele von euch sehnen sich danach, sich mit uns zu versöhnen und uns ein besseres Leben zu gewĂ€hren. Jede einzelne eurer Stimmen zĂ€hlt und macht einen Unterschied fĂŒr uns. Ich weiĂ, eure Systeme sind schwierig aufzubrechen, aber bitte lasst euch nicht entmutigen. Unsere Leben hĂ€ngt von euch ab.
Wenn eure Worte kein Gehör finden, sprecht lauter. Wenn sich die Welt dann immer noch taub stellt, beginnt zu rufen. Wir Tiere schreien so laut wir können, aber nur ihr könnt dafĂŒr sorgen, dass wir gehört werden. Schreit mit uns, wenn es sein muss, denn ich weiĂ, dass wir das vielen von euch Wert sind. Nutzt nicht nur eure Stimmen, lasst auch Taten sprechen. Handelt fĂŒr uns, denn wir können leider nicht fĂŒr uns selbst handeln. Entscheidet euch fĂŒr ein Leben, das darauf ausgerichtet ist, Tieren zu helfen und keinem zu schaden.
Ich bitte euch instĂ€ndig, im Namen aller Tiere die ausgebeutet, gequĂ€lt, gefoltert, verstĂŒmmelt und ermordet werden. Tragt unsere Geschichten hinaus in die Welt, damit sie in jedem Haus und in jeder Gasse erklingen. Nehmt jenen, die sich die Augen zuhalten, sanft ihre HĂ€nde herunter und verratet ihnen das Geheimnis ihrer eigenen Kraft. Sagt ihnen, dass ihre Stimme Gewicht hat. Nehmt jenen, die sich die Ohren zuhalten, sanft die HĂ€nde herunter und flĂŒstert ihnen zu, dass sie gebraucht werden. Jenen, die es nicht wagen, das Wort zu erheben, sprecht Mut zu.
Lasst den Weckruf unĂŒberhörbar werden. Ihr habt so viel mehr Macht und Einfluss auf das Geschehen in der Welt, als ihr glaubt. Es gibt wenige, die uns diese GrĂ€ueltaten antun, aber viele, die es geschehen lassen, ohne es gut zu heiĂen. Wenn ihr diese Menschen erreicht, wird sich die Welt auf eine nie dagewesene Art verĂ€ndern. Werdet die gröĂte Friedensbewegung die die Welt je gesehen hat und bringt eine gewaltfreie, warme Lebensweise in die Mitte der Gesellschaft. Nicht nur wir Tiere werden davon profitieren, sondern auch ihr. ZĂŒndet das Licht der Liebe in euren Herzen an, damit auch jene den Weg finden, die in der Dunkelheit verloren gegangen sind.â















