Impressionen vom Konzert Relief mit Thorsten Töpp (Konzertgitarre, Komposition, Tapes) und André O. Möller (E-Gitarre)
am 10. März 2023 im Pool, Tersteegenstraße 63, 40474 Düsseldorf
Es war mir eine große Freude, dieses Neue Musik Konzert im Pool organisieren zu dürfen.
Ich wurde in den letzten Tagen häufiger gefragt, wie es denn war, das Konzert im Pool. Ich kann das ehrlicherweise nicht objektiv beurteilen. Ich glaube es war gut (vielleicht sogar sehr gut). Ich weiss aber, dass es nicht alle so empfunden haben, was mir ehrlicherweise berichtet wurde und was mich nicht überrascht, denn Neue Musik ist per se nicht unterhaltsam oder rein vergnüglich. Neues Musik verlangt dem Zuhörer einiges ab und stimuliert anders, ja möglicherweise auf einer anderen Ebene als z.B. Jazz- oder Pop-Musik.
An dieser Stelle komme ich immer in Erklärungsnot. Ich berichte dann gerne davon, wie sich die meisten Neue Musik Konzerterlebnisse bei mir abspielen. Ich sage dann meist so etwas: Wenn es losgeht, bin ich sehr aufmerksam und hochkonzentriert bei den Musikern. Wer macht was und wie wirkt es aufeinander und auf mich. Dabei erwische ich mich, dass ich einige Uhhhs und Ähhhs im Kopf habe. Ich scheine mich zu wehren, was aber nicht verwunderlich ist, denn ein Neue Musik Konzert ist eine komplexe, sinnliche Erfahrung, die meiner Alltagserfahrung kaum entspricht. Ich sitze also da und wundere mich. Ich werde "umprogrammiert", scheint es –– und das ist erstmal nicht sehr angenehm. Nach einigen Minuten befinde ich mich in einer Tagtraumphase. Ereignisse der letzten Stunden geistern mir durch den Kopf (Was lief gut, was lief so la-la?) und vermischen sich mit der Wahrnehmung der Musik. Ich weiss nicht, wie lange das am 10. März im Pool so ging, aber irgendwann bin ich wieder aufgewacht, war wieder hellwach und wieder fokussiert auf das Spiel der Musiker. Bewegung der Hände, Augen, Füße. Alles ergibt nun Sinn. Sämtliche Irritation ist verflogen und so könnte es nun stundenlang weitergehen. Ich bin nun erfolgreich "umprogrammiert" worden. Meine Wirklichkeit ist umprogrammiert worden. Sie ist nun artifizieller als zuvor, scheinbar logischer, reiner, besser. Winkt Platon vom Notenblatt herüber? Schon möglich.
Wie auch immer –– irgendwann geht es zu Ende, das Konzert ist vorbei. Ein neues, ungewohntes Gefühl breitet sich aus. War alles falsch, unecht, was bis gerade noch so wirksam und stabil erschien? In den anerkennenden Applaus für die Musiker mischt sich das Wundern und Staunen über die eigene Empfindung. Es braucht eine Weile, bis man in die (konventionelle) Realität zurück gekrabbelt ist –– keine Angst, der Weg zurück funktioniert immer. Aber es bleibt auch etwas zurück. Das Wissen um diese Erfahrung stellt für mich eine Bereicherung dar. Die Welt ist vielfältiger, reicher, freier geworden. Diese Bereicherung ist der mentale Gewinn bei der Beschäftigung mit Neuer Musik und in ihrer Geistiggeist (Mentalität) hat sie nun mal ihren Ursprung.
Ich denke, diese Form der Erfahrung sollten wir uns öfter gönnen oder zumuten –– je nach dem, wie spielerisch unser Umgang mit der mentalen Umprogrammierung/ Manipulation ausgebildet ist. Ich jedenfalls freue mich auf weitere Konzerte dieser Art.












