Ich sitze im CafĂ© mit Kinderwagen. Treffe eine alte Freundin. Was immer schon eine Gratwanderung an sich ist. “Alte Freunde” sind Menschen, die man eigentlich schon auf’s Abstellgleis geschoben hat. Irgendwann, Jahre später, aus Langeweile oder einfach weil sich die geografische Situation so anbietet, sieht man sie wieder. Sie strahlt ĂĽber beide Ohren: “Wann ist denn die Taufe? Gibt es schon einen Paten?” Ich seufze: “Nein, das planen wir nicht.” Dieser simple Satz lässt Paniksirenen in ihren Augen aufleuchten. “Aber was macht ihr, wenn etwas passiert?” Ich ziehe meine Augenbrauen zusammen. “Was denn?”, frage ich dann. Das böse Omen wurde ausgesprochen. Offensichtlich zielt sie auf das ab, was ich schon im vergangenen Artikel als “der Fall” benannt habe. “Na”, antwortet sie, “Im UnglĂĽcksfall. Die meisten kriegen nicht mal ein anständiges Begräbnis.” “Aha”, sage ich und ich fĂĽhle, dass mein Blick töten kann. Sie ist offensichtlich in einer Art “liebevollen” Sorge versunken. “Du weiĂźt schon”, plappert sie weiter, “Einfach um es abzusichern. Nur fĂĽr den Fall.” Ich atme bewusst und erwidere ihr Lächeln: “Was soll passieren?” Der schlimmste mögliche Fall, ĂĽberlege ich, ewiges Fegefeuer. Meine Freundin giggelt und winkt lachend ab. “Das ist so ein Ding bei euch Psychologen. Immer alles analysieren, was?”Â