Der größte Feind der Wahrheit ist nicht die Lüge...
In Epochen längeren Friedens fragt man sich mitunter, wie es passieren kann, dass scheinbar Millionen von Menschen ihren Verstand beiseite legen, um Diktaturen den Weg zu ebnen, unter denen sie dann sinnlose Kriege, Massaker, Massenvergewaltigungen und Völkermorde begehen. Es ist schier unbegreiflich und Absurd.
Manche glauben, die Verantwortlichen würden sich mit ihren Ideologien bloß irren, aber im Grunde sind Menschen viel simpler. Man braucht ihnen nur zwei Dinge immer und immer wieder von allen Seiten einreden: Gefahren und Feindbilder. Alles übrige erledigt sich ganz von selbst. Würde man die Menschen von heute an jeden Tag mit Lautsprechern beschallen, dass das Spaghetti-Monster der Herrscher über die Welt ist, egal wie absurd und schwachsinnig diese Idee auch ist: Irgendwann würde es jeder glauben. Sobald die Mehrheit daran glaubt haben sie eine soziale Machtstellung. Und von da an wäre jedes noch so geniale Argument gegen das Spaghetti-Monster zwecklos. Natürlich wird irgendwann jedes Mittel recht sein, die ungläubigen zu beseitigen. Man braucht aber keine Absolute Mehrheit dazu. Um irre Sekten zu gründen reicht schon eine Relative Mehrheit; ein Freundeskreis oder Umfeld, ein Staat oder eine Gemeinde.
Der größte Feind der Wahrheit ist nicht die Lüge, sondern die Mehrheit. Du braucht keine Wahrheit, wenn du Teil der Mehrheit bist. Das Selbstgefühl vieler Menschen kreist ausschließlich um ihren sozialen Standpunkt, also darum, ob sie Teil der Gruppe sind. Heute mehr denn je. Da kann man nicht erwarten, dass jedes Individuum dieser Gesellschaft seine Position auf logische, rationale Argumente aufbaut.
Dieses Phänomen liegt wesentlich dem menschlichen Ego zu Grunde (also der eigenen Ich-Identität) und den Konditionen, aus denen es leibt. Heutzutage sind Angst, vergangener Schmerz und das daraus resultierende "Sich ungerecht behandelt fühlen", also das Opfer-Dasein die wichtigsten Quellen, aus denen Menschen ihr Ego speisen und ihre Ich-Identität beziehen.
Wenn wir über Ethik sprechen, meinen viele Menschen, dass es der Wahrheit egal ist, wer an sie glaubt. Ja, mag sein, aber den Millionen Menschen die durch die Lüge und den Wahn sterben, wie egal ist es denen? Früher waren es die Hexen, dann die Schwarzen in Amerika, dann die Armenier, dann die Juden, die Opfer der Sowjetunion und heute sind es die Uiguren in China. Und überall gibt es sowas aktuell, nur eben in kleinerer, also unwichtigerer Auflage. Wir haben das nicht überwunden. Es wird sich noch oft wiederholen. Kleine Randbemerkung: Jeder Krieg und jedes Massaker geschieht im Sinne des "Guten", der "Moral" und der "Vernunft".