Cyber Resilience im Energiesektor: In fĂŒnf Schritten zur widerstandsfĂ€higen IT-Infrastruktur
Energieversorger werden immer hĂ€ufiger zum Ziel von Hackerangriffen. Sind diese erfolgreich, können groĂe Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zusammenbrechen. Als kritische Infrastruktur (KRITIS) ist der Energiesektor daher gesetzlich dazu verpflichtet, sich besonders gut zu schĂŒtzen. Diese Herausforderung lĂ€sst sich sukzessive mit Sustainable Cyber Resilience meistern.
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Dirk Schrader, CISSP, CISM, ISO/IEC 27001 Practitioner bei Greenbone Networks erklĂ€rt im Folgenden wie Energieunternehmen in fĂŒnf Schritten widerstandsfĂ€higer gegen Cyberangriffe werden.
Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) informierte im Sommer 2018 ĂŒber eine weltweite Cyber-Angriffskampagne auf deutsche Energieunternehmen. Hacker waren ĂŒber eine Router-Schwachstelle in das Netz einer EnBW-Tochterfirma eingedrungen, leiteten Daten ĂŒber Malware aus und schnitten beim Internetverkehr mit. Zum Zugriff auf Produktions- oder Steuerungsnetzwerke kam es glĂŒcklicherweise nicht. Theoretisch wĂ€re dies jedoch möglich, da IT und OT-Systeme (Operational Technology) immer stĂ€rker miteinander verschmelzen â Industrieanlagen sind heute damit genauso angreifbar wie ein BĂŒrocomputer. Aufgrund ihrer Bedeutung fĂŒr das gesellschaftliche Leben und des steigenden Schadpotenzials von Hackerangriffen mĂŒssen KRITIS-Betreiber daher laut IT-Sicherheitsgesetz (IT-SIG) ein anspruchsvolles MindestmaĂ an IT-Sicherheit gewĂ€hrleisten, das dem »Stand der Technik« entspricht. Reaktive IT-Security-MaĂnahmen werden dieser Anforderung lĂ€ngst nicht mehr gerecht. Vielmehr mĂŒssen Verantwortliche auf neue prĂ€ventive Sicherheitskonzepte wie Sustainable Cyber Resilience setzen. Dieses verbindet unter anderem die folgenden technischen und organisatorischen Security-MaĂnahmen.
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Ăberblick ĂŒber heterogene IT-Landschaft gewinnen
ZunĂ€chst sollten Verantwortliche in Energieunternehmen mit einer Bestandsaufnahme klĂ€ren, welche GerĂ€te, Systeme und Applikationen im Unternehmensnetzwerk zusammenlaufen. Dies sind sowohl IT-Systeme zur Unternehmensadministration als auch Steuerungssysteme in Kraftwerken. Hinzu kommen auf Kundenseite beispielsweise Smart Meter, intelligente StromzĂ€hler, die an das Internet angeschlossen sind und Verbrauchsdaten digital an den Energieversorger ĂŒbertragen. Der Ist-Stand wird eine historisch gewachsene Kombination aus Legacy-Systemen und brandneuen GerĂ€ten zeigen, die SicherheitslĂŒcken und UnzulĂ€nglichkeiten aufweisen. Doch nur wer seine Schwachstellen kennt, kann sich schĂŒtzen.
Schwachstellen-Management implementieren
Haben sich Verantwortliche einen Ăberblick verschafft, gilt es, die Schwachstellen im Unternehmensnetzwerk zu schlieĂen. Dies gelingt mithilfe einer Schwachstellen-Management-Lösung (engl. Vulnerability Management). Dazu mĂŒssen Energieversorger sich in einem ersten Schritt ĂŒber ihre IT-Sicherheitsziele klar werden und kritische Assets identifizieren. Ein Schwachstellen-Management-Tool scannt dann kontinuierlich alle im Netzwerk angeschlossenen GerĂ€te auf SicherheitslĂŒcken und priorisiert sie gemÀà ihrem potenziellen Risiko. IT-Sicherheitsverantwortliche können diese dann schlieĂen, etwa durch Updates oder Patches, die das Tool vorschlĂ€gt. Eins sollten Verantwortliche sich hier jedoch klar machen: Ziel kann und sollte nicht lauten, alle vorhandenen SicherheitslĂŒcken auf einmal zu schlieĂen. Das ist weder praktikabel noch wirtschaftlich sinnvoll. Vielmehr gilt es vor allem, die besonders risikoreichen Schwachstellen zuerst zu eliminieren.
Systeme physisch absichern
Auch die physische Sicherheit von IT und OT-Systemen ist entscheidend, weshalb Einwirkungen wie Wasser, Feuer oder Einbruch nicht auĂer Acht gelassen werden dĂŒrfen. Zwingend notwendig sind Zugangskontrollsysteme, die unbefugte Zugriffe auf Server und Netzwerkkomponenten verhindern. Dies kann ĂŒber elektronische Zutrittscodes, Magnetkarten oder biometrische Daten geschehen. Feuer-, Gas-, Rauch und Feuchtigkeitsmelder oder CO2-Löschanlagen sind weitere wichtige Schutzvorkehrungen. Klimaanlagen verhindern das Ăberhitzen der Systeme im Serverraum.
Security-Prozesse und Verantwortlichkeiten festlegen
Energieunternehmen sollten zudem ein Information Security Management System (ISMS) etablieren. Systemkomponenten und Nutzer erhalten so nur die Rechte zugewiesen, die sie benötigen. Zudem dient ein ISMS dazu, SicherheitsvorfÀlle durchzuspielen und klar festzulegen, wer wann wie zu informieren ist und welche weiteren Schritte konkret von wem einzuleiten sind. Energieversorger haben zudem die Pflicht, das BSI bei einem Sicherheitsvorfall zu informieren.
Mitarbeiter fĂŒr Gefahren sensibilisieren
Wichtige PrĂ€ventionsmaĂnahmen sind nach wie vor auch Schulungen zur Sensibilisierung fĂŒr IT-Risiken. Denn viele Mitarbeiter sind sich nicht bewusst, wie gefĂ€hrlich es fĂŒr ihr Unternehmen wird, wenn sie auf eine Phishing-E-Mail hereinfallen. Die Gefahr steigt, wenn ein Betrugsversuch wie mit der Schadsoftware Emotet glaubwĂŒrdig formuliert ist und von einem Kontakt aus dem eigenen Adressbuch kommt.
Fazit: Sicherheit und Risiko gesund abwÀgen
»Wenn Unternehmen in der Lage sind, Schwachstellen in ihren IT-Systemen zeitnah aufzufinden, zu priorisieren und zu beseitigen, können sie ihre IT-Systeme kontinuierlich sicherer machen und die AngriffsflĂ€che reduzieren. Das ist ein laufender Prozess, der nie abgeschlossen sein darf«, erklĂ€rt Dirk Schrader, CISSP, CISM, ISO/IEC 27001 Practitioner bei Greenbone Networks. FĂŒr KRITIS-Betreiber wie Energieversorger ist Vulnerability Management Pflicht. Im Zusammenspiel mit physischer Sicherheit, vordefinierten Security-Prozessen und Mitarbeitersensibilisierung sind Unternehmen aus dem Energiesektor in der Lage, Risiken zu managen, weil sie das richtige MaĂ an Sicherheit und Risikobereitschaft abwĂ€gen können. Erst dann versetzen sie ihre Infrastrukturen in einen Zustand der Sustainable Cyber Resilience.
Mehr Informationen zum Thema Cyber Resilience im Energiesektor finden Sie im kostenlosen Whitepaper von Greenbone:
https://www.greenbone.net/whitepaper/energie/
Foto: Pixabay
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