Im philosophischen Institut herrschte eine ganz seltsame Teilnahmslosigkeit, die jede Form von Mobilisierung oder Initiative schon im Keim erstickte. Man kam sich von der AuĂenwelt wie abgeschnitten vor, von den Farben und dem LĂ€rm dieser Zeit, auch von der Lebendigkeit der anderen FakultĂ€ten. (âŠ) Mich interessierte das Denken der Gegenwart und der Vergangenheit, der Bezug zum historischen Moment. Womit wir aber abgespeist wurden, waren oberflĂ€chliche, redundtante LektĂŒren von Autoren und Texten, deren Relevanz man besser verstand, wenn man sie selbst las, anstatt sie sich von denjenigen verflachen zu lassen, die dafĂŒr auch noch bezahlt wurden. All das atmete den scholastischen Geist in seiner trostlosesten, traurigsten Form. (âŠ) Meine Professoren (âŠ)? Talentfreie Repetitoren, die selbst zum Konservatismus im eigentlichen Sinne nicht fĂ€hig waren. Denn dazu hĂ€tten sie ihren SchĂŒlern, von denen ohnehin keiner eine Chance hatte, jemals eine Machtposition einzunehmen, ja irgendetwas weitergeben mĂŒssen. Ihr Unterricht aber beraubte die philosophische Kultur ihres Wertes und ihrer Substanz. Das einzige, was man als Student aus ihm mitnehmen konnte, war das Verlangen, sich entgegen der Ansichten und Absichten der Professoren anderweitig umzusehen und andere Texte zu lesen.
Eribon, Didier (2016): RĂŒckkehr nach Reims. S. 177f. Frankfurt am Main: Suhrkamp.











