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Jüchen: Musterflächen geben ersten Eindruck über neuen Adenauerplatz
Jüchen: Musterflächen geben ersten Eindruck über neuen Adenauerplatz
Jüchen – Mit Bescheid vom 05.07.2017 hat die Bezirksregierung Düsseldorf den von der Gemeinde gestellten Förderantrag für die Neugestaltung des Adenauerplatzes, des Festplatzes sowie Teilen der Hochstraße im Ortsteil Hochneukirch genehmigt. (more…)
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„Ich glaube, dass es nun eine Chance für den Frieden gibt, eine große Chance. Wir müssen sie nutzen um derer willen, die hier stehen, und für die, die nicht hier sind – und das sind viele. Ich habe immer geglaubt, dass die Mehrheit der Menschen Frieden will und bereit ist, für den Frieden Risiken einzugehen. Dadurch dass Sie heute hierher gekommen sind, zeigen Sie, zusammen mit vielen anderen, die nicht gekommen sind, dass die Menschen wirklich Frieden wünschen und der Gewalt entgegentreten.“
(Yitzhak Rabin am 5. November 2005)
Ich bin sauer. Um nicht zu sagen: richtig sauer. Ich bin irritiert. Um nicht zu sagen: Wirklich irritiert. Ich versuche zu verstehen und verstehe es nicht …
Worum geht es? Wie jeder und jede mittlerweile mitbekommen haben dürfte, setzte ich mich seit jetzt fast zehn Jahren für eine Aufwertung des Yitzhak-Rabin-Platzes ein. Viele wissen nicht einmal wo er liegt und dass wir in Köln überhaupt einen solchen Platz haben. Es ist ein kleiner Platz im Dreieck zwischen Rudolf-, Zülpicher Platz und Rathenauplatz. Zur Einweihung am 3. Dezember 1996 war sogar Rabins Witwe Leah Rabin nach Köln gekommen.
Hauptmerkmal des Platzes ist ein Trafohaus, welches man einst mit Ranken zu verschönern suchte und das nun wechselweise weiß oder mit Graffiti auf dem Platz thront. Man könnte sagen: Der Platz ist irgendwie nichts. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Keine wirkliche Grünfläche. Kein richtiger Platz. Ohne Aufenthaltsqualität. Ein Hundeklo und eine Sperrmüllkippe – seinem Namensgeber unwürdig.
Soweit die Vorgeschichte. Bereits 2007 hatten wir in der Bezirksvertretung eine Neugestaltung des Platzes gefordert. Daraufhin hatte die Bezirksvertretung Innenstadt einen Studentenwettbewerb zur Gestaltung des Platzes initiiert. 2008 beauftragte die Bezirksvertretung die Verwaltung einstimmig, eine Neugestaltung des Yitzhak-Rabin-Platzes auf der Grundlage des Gewinnerentwurfs von Sebastian Bischof vorzunehmen. Doch seitdem ist nichts geschehen. Einmal wollte die Verwaltung die Neugestaltung des Platzes gemeinsam mit den Ringen angehen. Dann wurde mit zu hohen Kosten für die Neugestaltung argumentiert.
Im Jahr 2015 habe ich einen neuen Anlauf für die Umgestaltung unternommen. Wenn derzeit schon keine große Lösung möglich ist, sollte man doch bitte den Platz wenigstens auf Vordermann bringen – ihn aufräumen, Sitzmobiliar aufstellen und durch kleine Maßnahmen sein Erscheinungsbild verbessern. So weit, so gut. Die RheinEnergie, der das Trafohaus gehört, zeigte sich willig und versucht seitdem, das Trafohaus sauber zu halten. Ein mühseliges Geschäft. Aber sie kümmert sich drum. Deshalb schlug ich vor, das Trafohaus mit StreetArt zu gestaltet.
Aber damit fing das Drama an. Die Gestaltung des Platzes wurde zu einem „Projekt“ des Stadtraummanagements. Und das Stadtraummanagement arbeitet gründlich. Sehr gründlich. Es wurden große Überlegungen angestellt – mit Beseitigung der Parkplätze auf der Westseite des Platzes, unter Einbeziehung der kleinen Straße zwischen Kiosk und Trafohaus. Alles unzweifelhaft gute Ideen. Als aber die Überlegungen erstmals in der Lenkungsgruppe Masterplan vorgestellt wurden, war mir sofort klar: Wenn das „Projekt“ so aufgepumpt wird, wird es zu meinen Lebzeiten nichts mehr mit der Aufwertung des Yitzhak-Rabin-Platzes. Ich flehte, predigte – und nervte: Geht den Platz doch lieber schon einmal mit kleinen Maßnahmen an. Besser als Stillstand. Sonst bekommen wir nie was hin …
Gesagt – getan: Die wirklich engagierte Stadtraummanagerin hatte verstanden und entwickelte im Gespräch mit der Bezirksvertretung Vorschläge: Das Trafohaus könnte tatsächlich im Streetart-Stil gestaltet werden. Statt der üblichen Bänke könnte z.B. Sitzmobiliar gewählt werden, das dem Stil des Trafohauses angeglichen ist. Gut vernetzte Akteure der Kölner Urban Art-Szene machten sich auf Wunsch der Verwaltung Gedanken und schlugen geeignete Künstler vor.
Damit ging es aber los. Denn ein Künstler, der vorgeschlagen wurde, lebt in Israel – genauer: in Tel Aviv. Kölnerinnen und Kölner wissen: Tel Aviv ist eine unserer Partnerstädte. Prima, könnte man meinen. Dieser Künstler war auch bereits im Zusammenhang der CityLeaks-Festivals in Köln zu sehen. Aber die Stadtverwaltung bekam kalte Füße. Bei der Gestaltung des Trafohauses geht es um Kunst. Also sollte plötzlich der Kunstbeirat eingeschaltet werden. Man wollte seine Expertise hören. Er sollte Vorschläge für die Künstler unterbreiten. Man wollte einen Wettbewerb organisieren. Also nächste Schleife. Wieder Verzögerung.
Die Menschen, die sich mit der Verwaltung bereits Gedanken zur Gestaltung des Trafohauses gemacht und Zeit investiert hatten, waren enttäuscht und sauer. Sie bekamen keinen Hinweis von der Verwaltung, warum es nicht weitergeht. Keinen Hinweis, warum der Kunstbeirat plötzlich mit dem „Projekt“ befasst ist. Keinen Hinweis, wie mit ihren bereits unterbreiteten Vorschlägen umgegangen wird.
Ich hakte nach. Ob denn der vorgeschlagene Tel Aviver Künstler ebenfalls eingeladen würde, seine Ideen zur Gestaltung des Trafohauses in einen Wettbewerb einzubringen, fragte ich. Der sei zu politisch, sagt die Verwaltung. Ich verstand nicht.
Ob es denn bei der Gestaltung Yitzhak-Rabin-Platzes auch ein Bezug zum Namensgeber vorgesehen sei, wollte ich wissen. Die Platzgestaltung solle dem Namensgeber würdig sein, sagt die Verwaltung. Aber auf keinen Fall politisch.
Ob dann auch eine Wiese mit Gänseblümchen in Frage käme, wollte ich genervt wissen. Nein, sagt die Verwaltung. Der Platz solle dem Namensgeber würdig sein – aber nicht politisch.
Aber dann sei es in der Gestaltung beliebig, ob sie für einen Lieschen Müller- oder einen Yitzhak-Rabin-Platz erfolge, wollte ich wissen. Die Gestaltung dürfe auf keinen Fall nicht politisch sein, sagt die Verwaltung …
Kunst, die politisch ist: wo kommen wir denn da hin …
Ich erinnere: Bereits die Entscheidung, den Platz nach Yitzhak Rabin zu benennen, war und ist eine politische. Yitzhak Rabin war Friedensnobelpreisträger, der von einem israelischen, fundamentalistischen Nationalisten am 5. November 2005 bei einer Friedenskundgebung in Tel Aviv ermordet wurde. Yitzhak Rabin wurde von seinen Gegnern in Israel, denen sein Friedensengagement zu weit ging, als Verräter, Mörder und Nazi angefeindet. Aufgrund seiner Friedenspolitik wurde er ermordet. Warum tut man sich aber in Köln so schwer, in der Platzgestaltung des Namensgebers zu gedenken? Aus Angst, man könnte damit zwischen die Fronten des Israelisch-Palästinensischen-Konfliktes geraten? Oder mehr noch: Ein unbewusstes Unbehagen, einen Israeli zu würdigen? Woher kommt diese Weigerung oder Blockade? Ist nicht auch die strikte Ablehnung, sich in der Frage der Gestaltung überhaupt mit der Person des Namensgebers auseinanderzusetzen, eine politische Haltung?
Epilog
Mittlerweile wurden Bänke auf dem Yitzhak-Rabin-Platz aufgestellt. Zuerst wurden sie mitten auf dem Platz hintereinander positioniert, so dass sich Spötter schon an einen Zugabteil erinnert fühlten. Dann wurde eine Bank gedreht – aber in sicherem Abstand von der anderen Bank, dass eine Unterhaltung nicht möglich ist. Man könnte sich ja auf dem Platz länger aufhalten und miteinander ins Gespräch kommen … und dafür sind Plätze in Köln ja nicht da. Auch kein Yitzhak-Rabin-Platz.
Eins ist klar: Wenn wir schon bei kleinen Plätzen kein geordnetes Verfahren hinbekommen, Verfahren abgesprochen und wieder verworfen werden, neue Akteure einbezogen werden, zusätzliche Schleifen gedreht werden, wenn sich Verwaltung im Klein-Klein verliert, wie soll es dann bei großen Plätzen wie dem Ebertplatz laufen? Dieses Hin und Her ist wie bei den Bänken keinem Außenstehenden zu vermitteln!
Man kann nicht nicht politisch sein … Die unendliche Geschichte des Yitzhak-Rabin-Platzes „Ich glaube, dass es nun eine Chance für den Frieden gibt, eine große Chance. Wir müssen sie nutzen um derer willen, die hier stehen, und für die, die nicht hier sind - und das sind viele.
Juli 2011 Tabor, CZ