Mai bis August 2026
Es soll doch einfach nur piepsen bitte, wie schwer kann das sein
Vorab: Alle, die beim Lesen denken, dass die Mutter stattdessen lieber gar nicht mehr Auto fahren soll, haben wahrscheinlich selbst keine alten Verwandten, die auf dem Land leben und nicht auf die guten Ratschläge ihrer Nachfahren hören. Wer welche hat, weiß, dass ich nicht mehr tun kann als das hier Beschriebene.
Ich wünsche mir, dass es im Auto meiner Mutter piepst, wenn sie zu schnell fährt. Denn das tut sie oft, obwohl ihre Reaktionszeiten die einer 83-Jährigen sind. Neuere Autos piepsen von alleine. Ihres ist aber zu alt dafür (elf Jahre). Das Navi darin ist ein separates Gerät, das nur warnpiepst, wenn man es mitnimmt und anschließt. Das wird die Mutter nie tun, weil sie selbst kein Interesse am Piepsen hat und es lästig findet. Sie hat eine Freundin, in deren Auto es oft piepst, und sagt immer, wie sehr ihr das auf die Nerven gehen würde. Ich sage dann, dass man auch einfach die Geschwindigkeitsbeschränkungen einhalten kann und dass es dann nicht piepst. Aber auf dieses Argument reagiert die Mutter nicht.
Deshalb kaufe ich Ende Mai ein separates Piepsgerät bei Ebay, das außerdem die gerade gefahrene Geschwindigkeit in großen, leicht erkennbaren Zahlen anzeigt. Die Geschwindigkeitsinfo bezieht es von chinesischen BeiDou-Satelliten. Als es ankommt, merke ich, dass man dem Piepsgerät nur eine einzige Geschwindigkeit beibringen kann, bei deren Überschreitung es piepst. Das geht also nicht.
Vielleicht kann man ja doch Diebstahlgefahren ignorieren, das Navi dauerhaft im Auto haben und eine Lösung finden, wie es sich beim Start automatisch einschaltet und beim Parken wieder aus.
Ich trage das Navi ins Auto und finde heraus, dass das mit dem automatischen Einschalten ganz leicht geht. Nur das automatische Abschalten ist schwierig. Vorerst muss man also immer beim Parken des Autos den Navi-Stecker ziehen und ihn beim Losfahren wieder in die Buchse stecken. Die Mutter macht das natĂĽrlich nicht, aber wegen eines Schlaganfalls darf sie drei Monate lang sowieso nicht fahren, und ich werde einfach immer dran denken.
So finde ich heraus, dass auch ich im Ort oft zu schnell fahre. Nur ein bisschen, und vor allem an historischen Stellen, wo man zur Zeit meiner Führerscheinprüfung schneller fahren durfte als heute. Aber öfter als gedacht.
Mitte Juni nähern sich die drei Monate ihrem Ende und die Mutter will zur Auffrischung / Beruhigung eine Fahrstunde bei einem ebenfalls über-80-jährigen Fahrlehrer nehmen. Der Fahrlehrer kommt zu ihr, aber ihr Auto springt nicht an, weil die Batterie leer ist. Ich habe immer dran gedacht, das Navi beim Parken auszustecken, nur dieses eine Mal nicht. Das Auto bekommt eine neue Batterie.
Ich telefoniere mit der Autowerkstatt. Es wĂĽrde 150 Euro kosten, die Ladebuchse so umzubauen, dass sie nur Strom liefert, wenn die ZĂĽndung an ist, "zwoa Stundn han do glei weg".
Mein Bruder bestellt stattdessen ein Kabel mit OBD2 Stecker, "da sind geschaltete 12V drauf". Nachdem er ein paar Mal vergisst, es mitzubringen, können wir es schließlich ausprobieren. Es bringt aber nichts (aus Gründen, die ich beim Aufschreiben schon wieder vergessen habe).
Deshalb kaufe ich Mitte Juli bei Ebay einen "Batteriewächter", das ist ein Kabel, das zwischen Ladebuchse und Navi kommt. Es ist ein Sensor für die Spannung drin und ich hoffe, dass nach dem Abstellen des Autos die Spannung so weit absinkt, dass der Batteriewächter die Verbindung trennt und sich das Navi dann abschaltet.
Das ist leider nicht der Fall. Die Spannung sinkt erst, wenn die Batterie schon fast leer ist, und dann schaltet sich das Navi ab. Leider halten Autobatterien viel weniger Ladezyklen aus als Lithiumbatterien, das ist also keine Dauerlösung.
Sowohl mein Bruder als auch ich haben inzwischen beim Suchen von der Existenz von "Piggyback"-Kabeln erfahren, die man im Sicherungskasten des Autos auf eine andere Sicherung einfach draufbasteln kann. Ich wollte so was nur nicht einbauen, weil ich nichts habe, mit dem man messen kann, auf welchen Sicherungen wann welche Spannung drauf ist, und weil man auĂźerdem die Konstruktion dann noch irgendwie mit dem Autoblech verbinden muss wegen Erdung oder so. Das ist mir zu mystisch.
Aber im August baut der Bruder in meiner Abwesenheit diese Piggyback-Konstruktion in den Sicherungskasten des Autos, und jetzt funktioniert es endlich: Beim Starten des Autos geht das Navi an, beim Abstellen geht es aus. Dazwischen piepst es, wenn man zu schnell fährt. Das billige, nutzlose Piepsgerät, das OBD2-Kabel, das Batteriewächterkabel und das Piggyback-Kabel haben insgesamt ungefähr so viel gekostet, wie es gekostet hätte, in der Werkstatt die 12-Volt-Buchse umbauen zu lassen.
Braucht jemand ein nutzloses Piepsgerät oder ein Batteriewächterkabel?
(Kathrin Passig)












