Februar 2023
Es ist ganz einfach, sagt die Webseite
Es ist FrĂŒhling, und mich ĂŒbermannt ein FrĂŒhlingsgefĂŒhl: Ich will mir eine Premiummitgliedschaft fĂŒr eine namhafte Seite mit "not safe for work"-Content leisten, etwa 60 Euro soll sie kosten. Jedoch gibt es einen Haken: die Firma hinter der Webseite sitzt in den USA; dort sind in den letzten Jahren die meisten Zahlungsanbieter Opfer der guillotinehaften Klinge der öffentlichen Meinung geworden und bieten derartigen Seiten keine Zahlungsoptionen mehr an â so auch Paypal, was ich sonst benutzt hĂ€tte. Die einzigen halbwegs sinnvollen Optionen in Deutschland sind Kreditkarte, CryptowĂ€hrung und paysafecard. Die ersten beiden besitze ich nicht, so soll es paysafecard sein.
Die Webseite von paysafecard verspricht, es sei ganz einfach: eine Verkaufsstelle finden, bezahlen, einen Code erhalten, einlösen, fertig. Mein Herz flattert vor Freude, als es sieht, dass es sogar eine Suche gibt von Verkaufsstellen, wo man den ersehnten Code erwerben kann. HauptsĂ€chlich scheint der Code in Kiosken, ElektroniklĂ€den, Telefon-Shops und Tankstellen beheimatet. Erschwert wird meine Quest dadurch, dass Sonntag ist â viele Stellen wollen ihr Tor mir nicht öffnen.
Eine genaue Analyse des Anteils der Kioske, die auf der Webseite gelistet, aber schlicht nicht mehr existent sind, soll nicht Gegenstand dieser Niederschrift sein â eine solche AufzĂ€hlung wĂŒrde sowohl mich als auch die Leser:innen in tiefste Verzweiflung stĂŒrzen. Berichten möchte ich lediglich, wie ich an zwei verschiedenen Stellen an Guthaben komme.
Tankstelle: "Ich kann nur 25 Euro-Codes ausdrucken, und auch nur einen auf einmal." "... Was heiĂt denn auf einmal?" "Ich glaube, alle 15 Minuten?" Auch mein GegenĂŒber scheint im minoischen Labyrinth dieser Payment-Digitalisierung seinen Verstand, mindestens aber seine Selbstsicherheit verloren zu haben. "Wir können es aber auch mit 50 Euro versuchen. Sollen wir?" Jo.
Der tapfere ErfĂŒllungsgehilfe meines Wunsches holt eine Seite voller Barcodes hervor und scannt einen ab, an dem "50 Euro" steht (es gibt auch welche fĂŒr 100 Euro). Ich zahle mit ec-Karte.
Das Geld wird abgebucht, der Code jedoch wird nicht gedruckt. Der Tankstellenmensch gibt mir mein Geld bar wieder. Eine Kasse weiter druckt er mir dann einen Code ĂŒber 25 Euro â diesmal erfolgreich.
Warum es auf der Seite Barcodes fĂŒr Artikel gibt, die nicht verkauft werden können, soll ich nie erfahren.
Da ich keine Lust habe, zweimal im Abstand einer Viertelstunde wiederzukommen, ĂŒberlege ich mir Alternativen. Ein Geistesblitz!
Es gibt am anderen Ende der Stadt eine Tankstelle einer bekannten Kette, fĂŒr die ich zufĂ€llig eine Guthabenkarte besitze, mit der man wohl alle Artikel kaufen kann (nicht nur den Treibstoff, der die eigentliche raison d'ĂȘtre der Tankstelle ist). Und tatsĂ€chlich, sie ist in dem magischen Filialenfinder auf der Seite von paysafecard gelistet. Flugs fahre ich hin und trage nochmals mein Anliegen vor.
Der Mensch hinterm Tresen hantiert fĂŒr mich auf einem Touchscreen-GerĂ€t (unklar, ob das ein spezielles GerĂ€t ist oder das normale Kassenterminal). Hier können tatsĂ€chlich 50 Euro ausgewĂ€hlt werden.
Ich ziehe am ec-Kartenleser, der auch wohl als Guthabenkarte-Leser fungiert, das Magnetband meiner Guthabenkarte durch, mit der man, wir erinnern uns, alles zahlen kann.
"Artikel nicht erlaubt", sagt der ec-und-Guthaben-Karte-Leser.
Der Mensch hinterm Tresen meint, sowas habe er auch noch nicht erlebt. Ich zahle nun also doch mit ec-Karte und fahre nach Hause.
WofĂŒr wollte ich den Code nochmal?
(sympathischeufos)














