"Die Schilderung der After-Party im Morgengrauen erntet Begeisterungsstürme, alles andere kriegt maximal ein wohlwollendes Lächeln. Warum verdient Feiern mehr Anerkennung als der Spieleabend oder die Netflix-Session? Was reizt uns so daran? Feiern heißt hier übrigens nicht nur Alkohol trinken. Es geht ums Rausgehen und alles, was dazu gehört – in Clubs, auf Hauspartys oder Festivals. [..] Nachdem Kinder ihre Freund*innen in Schule und Sportverein treffen, werden dafür später Partys wichtig. „Wir haben dort die Möglichkeit, uns auszutauschen und kennenzulernen.“ Wer feiere, sei nicht allein, sondern unter seinesgleichen und fühle sich sicher, erklärt Heiko Kirschner. „Eine Sicherheit, die immer schwieriger zu finden ist. Man hat heute so viele Freiheiten und Möglichkeiten, dass es schwierig ist sich zu entscheiden. Ob vor dem Bierregal oder beim Musikgeschmack.“ [..] „Feste ermöglichen einen Ausbruch aus dem Alltag.“ Der steigende Leistungsdruck auf junge Menschen fördere die Lust am Exzess, ist der Forscher überzeugt. „Die Freiräume, die junge Menschen im schulischen oder beruflichen Alltag haben, werden immer kleiner. In der Ausnahmesituation des Feierns spürt man dann das Bedürfnis, endlich mal ein bisschen über die Stränge zu schlagen.“ [..] „Es gilt das Motto: Work Hard, Party Hard. Deshalb ist es falsch zu glauben, Feiern sei Eskapismus. Selbstoptimierung fängt bei der Ernährung an und hört bei Partys und Events auf.“ Man optimiere mit Feiern eben das eigene Image und den sozialen Status. Dazu gehört nicht nur das Feiern selbst, sondern auch seine Darstellung. Hier kommen Facebook, Snapchat, Instagram et cetera ins Spiel. Einfacher denn je können wir zeigen, wie hemmungslos und verrückt wir unsere Samstagnacht verbringen – und erreichen dabei deutlich mehr Menschen als am Montagmorgen im Büro. [..] Derjenige, der gesellig und oft auf Veranstaltungen unterwegs ist, der ist eben ein angesehener Mensch. Er gilt als nett und kommunikativ, jemand, mit dem man reden kann"