25 Jahre ist es her. Der letzte Besuch und Aufenthalt in Dresden. In der Zwischenzeit haben wir gefĂŒhlte 2 Millionen Mal die Semper Oper hinter einem Glas Bier gesehen und die Stadt selbst hat auch nicht viel gegen den schlechten Ruf getan, den ihr manche ihrer BĂŒrger beschert haben, um attraktiv zu wirken. Der nĂ€chste Besuch hĂ€tte sicherlich noch lange auf sich warten lassen, wĂ€re da nicht ein stetiges Echo, welches wir in den Kunstkreisen vernahmen: Ostrale, Ostrale...
Man hört, dort pilgern Kunstfans hin, um jung erschaffenes, unkonventionell zusammengefĂŒhrtes und in einem besonderem Umfeld prĂ€sentiertes Gut zu erleben. Im elften Jahr bereits. Grund genug fĂŒr uns die Durchquerung der Bundesrepublik zu planen. GlĂŒckliche UmstĂ€nde lassen eine VIP Einladung zur Eröffnung in unseren Briefkasten flattern. Es ist entschieden. Dresden zeig dich!
Vorweg genommen: Wir hatten einen umwerfenden Eröffnungs-Abend. Die AtmosphĂ€re, friedlich kontemplativ. Wenige bis keine der ĂŒblichen Selbstdarsteller im Publikum. Die wandelnden Kunstwerke haben sich entweder bis nach Dresden nicht getraut oder die wissen noch nichts davon. Keine Hektik, keine Rempeleien. Aber auch nirgends ein einziger Hinweis auf einen möglichen Verkauf der Arbeiten. Uns wird bis zum Ende nicht klar, ob die Kunst sich hier selbst und von wirtschaftlichen ZwĂ€ngen vermeintlich befreit feiert, oder ob es auch um ihre eigene Förderung geht. Und wenn letzteres, in welche Richtung, mit welcher Motivation und mit welchem Ziel? FĂŒr Menschen wie uns, die Kunstsammler sein dĂŒrfen, nur weil wir auf der anderen Seite unser Einkommen mit viel Arbeit generieren, bleiben die Anstrengungen des Ostrale-Teams sich zu finanzieren unĂŒberhörbar und in diesem Kontext zugleich unverstĂ€ndlich. Wo wird welcher monetĂ€rer Mehrwert hier generiert? Ist es ĂŒberhaupt gewollt? Wir finden nicht, dass man sich selbst verrĂ€t und verkauft, wenn man die Kunst nicht nur vor, sondern auch unter die Leute bringt. Aber vielleicht ist dies auch alles nur falsch verstanden ...
In allen Dingen, die wir vor unserem jetzigen und ersten Besuch der Ostrale gehört und gelesen haben, war immer die Rede von dieser besonderen Architektur in der diese Ausstellung statt findet. FĂŒr noch Unwissende: Es sind ehemalige Schlachthof-GebĂ€ude. Von einem sehr groĂen Schlachthof, zumindest in der Zeit als er noch betrieben wurde. Und jetzt verfĂ€llt das Ensemble. Keiner hat das Geld um - und nur wenige sehen einen Sinn darin - die GebĂ€ude zu erhalten. Und wenn es nach dem Wunsch der Ostrale-Organisatoren ginge, auch die Ostrale nachhaltig in diesem Komplex zu verankern. Und damit Dresden zu einem Kunstmagneten zu etablieren. Die Ostrale muss also um ihre SpielstĂ€tte bangen. Aber muss sie sich auch fĂŒrchten?
Ganz ehrlich? Die GebĂ€ude sind sehenswert und als ehemalige âAngstrĂ€umeâ auch besonders geladen. Aber gleichzeitig sind sie schwer zu bespielen und nur bedingt barrierefrei. In der ganzen Diskussion um die Zukunft der Ostrale sehen wir weder Dresden noch die ehemaligen Schlachthöfe als kritischen Erfolgsfaktor fĂŒr die Marke und Vermarktung der Ostrale. Punkt.
Gute Marken können ĂŒberall bestehen. Gute Macher, die hier zweifelsohne am Werk sind, mĂŒssen allerdings auch langfristige Perspektiven erfahren dĂŒrfen. Die Ausnahme bilden Projekte welche als temporĂ€r erklĂ€rt wurden. Die Ostrale hat diesen Zeitpunkt âverpasstâ. Sie ist zu erwachsen und zu ârundâ - im Blick und aus der Perspektive des Besuchers - als dass sie als Laune oder flĂŒchtiges Moment empfunden wird. Damit ist sie also bereits Verpflichtungen eingegangen. Sie basieren auf den gelebten Anspruch und lassen sich an den immensen logistischen Aufwand ablesen. Wer weiĂ, wie so etwas nur zustande kommen kann, weiĂ was fĂŒr eine Aufgabe es ist. Die Zukunft also liegt unserer Meinung nach nicht am Ort oder an einem bestimmten GebĂ€ude, sondern und insbesondere an dem Durchhaltevermögen der Macher. Wir drĂŒcken die Daumen!
Wenn ihr die Möglichkeit habt, fahrt hin! Es ist eine Bereicherung. Wenn ihr es nicht schafft, haben wir einige Bilder fĂŒr euch als Facebook-Album bereitgestellt :-)
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