Triathlon darf man nicht zu ernst nehmen
Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit, in der die Sport- und Fitnessbranche boomt. Die guten Vorsätze sind noch frisch, gesünder leben, weniger Alkohol und mehr Bewegung stehen hoch im Kurs. Doch muss es gleich einen Triathlon als Ziel für das neue Jahr sein? Nico Hoffmann, Initiator des Projekts „In 6 Monaten zum Triathlon-Finisher“ sagt JA!
F: Herr Hoffmann, dass Projekt „In 6 Monaten zum Triathlon-Finisher“ geht in diesem Jahr bereits in die 4. Runde. Gibt es überhaupt noch genug Verrückte, die so etwas in Angriff nehmen wollen?
A: Erstaunlicherweise, ja! (lacht) Aber im Ernst, als Nichttriathlet hat man beim Stichwort „Triathlon“ zunächst immer die Lavawüste auf Hawaii, brennende Hitze und ausgemergelte Einzelkämpfer vor dem inneren Auge…
F: Männer wie Lothar Leder, Thomas Hellriegel oder Jürgen Zäck.
A: Genau, aber schauen Sie sich doch mal einen Jedermanntriathlon in Schopfheim oder Großweier an. Da sieht die Sache anders aus. Dort ist vom ambitionierten Amateursportler bis zur Triathloneinsteigerin auf ihrem Trekkingrad mit Gepäckträger und Körbchen alles vertreten.
F: Triathlon als Volkssport?
A: Inzwischen schon. Vor einigen Jahren sah es noch nicht so aus, aber in den letzten Jahren haben sich die Zahl der Veranstaltungen und somit auch die Teilnehmerzahlen mehr als verzehnfacht. Es kommt eben auf die Distanz an. Nicht jeder muss gleich die Langdistanz auf Hawaii mit 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad und 42 km Laufen in Angriff nehmen.
F: Sondern?
A: Für Einsteiger gibt es viele Möglichkeiten. In der Regel startet man jedoch als Anfänger mit der Sprintdistanz, da müssen „nur“ 500m geschwommen, 20 km Rad gefahren und 5km gelaufen werden. Danach kann man die Distanzen langsam steigern.
F: Das klingt durchaus machbar.
A: Ist es auch. Als durchschnittlich trainierter Mensch kann man das mit ein wenig Training gut schaffen.
F: Auch in sechs Monaten?
A: Auf jeden Fall. In den letzten drei Jahren hat es bei unserem Projekt jeder geschafft am Ende auch Triathlon-Finisher zu werden.
F: Bekommt man denn in diesen sechs Monaten Frau und Kind noch zu Gesicht vor lauter Training?
A: In der Regel schon. Es kommt aber natürlich immer auf die eigenen Ambitionen an. Das Ganze ist ein Hobby, eine Freizeitbeschäftigung. Nebenher müssen die meisten ja auch noch ein paar Stunden pro Woche arbeiten. Wenn man es mit dem Training da sehr ernst nimmt, kann es schon eng mit der Zeit für die Familie werden. Aber das ist ja nicht unser Ziel. Bei uns sind es im Normallfall 4-5 Stunden Training pro Woche.
F: So wenig?
A: Wenn man effizient trainiert reicht das, um die Sprintdistanz zu finishen. Eine Stunde pro Woche ist gemeinsames Schwimmtraining, ungefähr eine Stunde wird gelaufen, der Rest wird auf dem Rad oder mit Athletikeinheiten verbracht. Natürlich darf auch jeder für sich selbst noch trainieren, aber unsere gemeinsamen Trainingseinheiten sind so geplant, dass man bei regelmäßiger Teilnahme die Sprintdistanz locker finishen kann. Es soll ja auch Spaß machen, man darf Triathlon nicht zu ernst und verbissen nehmen.
F: Also geht es bei mehr Training nur noch darum, schneller zu werden?
A: Im Prinzip schon, wobei beim ersten Mal doch eher das Ankommen und weniger die Zeit im Fokus steht. Oft unterschätzt man auch die Kombination der drei Sportarten, die Distanzen im einzelnen sind überschaubar, doch direkt hintereinander alles im Wettkampftempo zu absolvieren ist dann doch nochmal eine neue Herausforderung.
F: Vor allem das Schwimmen!
A: So geht es dem Großteil. Auch unter erfahrenen Triathleten ist das Schwimmen oft die unbeliebteste Einheit. Der Fokus liegt bei uns daher, zumindest am Anfang, noch sehr stark auf dem Schwimmtraining.
F: Die Teilnehmer am Projekt haben sozusagen ein „Rundum-Sorglos-Paket“?
A: So leicht ist es dann doch nicht, regelmäßig zu den Trainingseinheiten zu kommen können wir niemandem abnehmen. Aber sonst versuchen wir es unseren Sportlern so leicht wie möglich zu machen.
F: Zum Beispiel bei der Trainingsplanung?
A: Genau. Hier wollen wir uns immer weiter verbessern. In diesem Jahr sind wir beinahe schon auf professionellem Niveau. Zu Beginn gibt es einen Fitnesstest, darüber können wir dann die Pulsbereiche und Trainingszonen festlegen und den Trainingsplan so für jeden Teilnehmer individuell abstimmen. Auf Wunsch der Teilnehmer können wir beim Fitnesstest auch zusätzlich noch eine Laktatmessung durchführen, dann sind die Ergebnisse nochmal etwas detaillierter.
F: Lohnt sich dieser Aufwand? Und was kostet das Ganze für die Teilnehmer?
A: Aus versicherungstechnischen Gründen sind die Teilnehmer während des Vorbereitungsprojekts Mitglied beim ASV Ehningen, können aber natürlich auch alle Vorteile der Mitgliedschaft nutzen. Die Teilnahmegebühr bzw. der Mitgliedsbeitrag beträgt daher 65,- Euro. Fitnesstest, Trainingsplanung und auch alle sonstigen Trainingseinheiten sind darin bereits enthalten. Nur der Laktattest kostet nochmal ein paar Euro extra und für den Kraulkurs kommen eventuell nochmal ein paar Euro für den Eintritt ins Hallenbad oder Freibad hinzu. Wir haben leider für den gesamten Verein nur einmal pro Woche für eine Stunde zwei 25m-Bahnen im Hallenbad. Und da haben die langjährigen Vereinsmitglieder zunächst Vorrang. Daher müssen wir auf die normalen Öffnungszeiten ausweichen. Dennoch ist für den geringen Mitgliedsbeitrag wirklich sehr viel geboten.
F: Finanziert über Sponsoren?
A: Ja, anders geht es nicht. Die Radwelt versorgt die Teilnehmer mit Material und Bekleidung zu Teampreisen und sorgt für den technischen Support an den Rädern, über TRINITY BIKES gibt es die Möglichkeit, Teambikes zu besonderen Konditionen zu beziehen, Trainingspläne und Fitnesstests werden über IPS Coaching erstellt, die Apotheke Waegerle unterstützt mit Werbung unsere Teambekleidung.
F: Wann geht’s los?
A: Anmeldestart ist am 01. Februar. Hier kommt es aber darauf an, schnell zu sein. Die Plätze werden nach Eingang vergeben.
F: Und wann startet das Training?
A: Am 07. März ist unser erstes Teamtreffen. Da werden wir einige organisatorische Dinge besprechen und uns ein wenig kennenlernen. So richtig los geht’s dann am 28. März mit dem Fitnesstest.
F: Bis zum 02. August.
A: Richtig. Bis dahin haben wir 148 Tage Zeit fürs Training, um dann in Tübingen perfekt vorbereitet an den Start gehen zu können.
F: Mit der Startlinie IM Tübinger Neckar?
A: Das wird nochmal eine kleine Herausforderung, in einem Fluss zu schwimmen ist etwas schwerer als im Freibad, weil die Orientierung im trüben Wasser deutlich anspruchsvoller ist. Ich bin mir dennoch sicher, dass es eine tolle Veranstaltung und eine großartige Stimmung in Tübingen geben wird. Ein Wettkampf mitten in einer Großstadt ist immer etwas Besonderes.
Alle Informationen zum Projekt "In 6 Monaten zum Triathlon-Finisher" finden Sie auch auf www.Radwelt-Ehningen.de















