Tag 1340 / Ich möchte jemanden zusammenschlagen, aber es soll ihm nicht wehtun.
"Können Sie denn...?"
"Haben Sie denn...?"
"Sind Sie...?"
Irgendwann gesagt: "Das sind ja alles rhetorische Fragen."
Wieder die Position von jemand, der krank geworden ist.
"WeiĂź man nicht, wie lange der Ausfall andauert. Sie kennen das ja."
Autsch!
Mit dem gestorbenen Vater ist das jetzt etwas Anderes. Etwas noch Schwereres.
Keine innere Bereitschaft für Gespräche mit der Vermittlungshelferin. Keine Arbeit, wo ich mich zeitlich und kognitiv stark einbringen muss. Beschäftigung, ja. Arbeitstherapie vielleicht. Pause erstmal. Reicht.
Zehn, zwölf Gespräche dieses Jahr. Katze Krebs. Katze tot. Job angefangen. Job beendet. Beziehung angefangen. Beziehung beendet. Vater tot.
Nicht hinfahren wollen. Unwohl. Geburtsstadt. Heimatstadt.
"Jetzt haben wir ja kurz etwas zu uns gesagt. Dann stellen Sie sich doch mal vor."
"In meiner letzten Anstellung..."
Traurig geworden, während ich das aussprach. Impulsgedanke: Ich brech das jetzt hier ab. Morgen wird mein Vater zu Grabe getragen. Ich schäme mich für meine Vergangenheit, dafür, dass meine berufstätige Vergangenheit so weit zurückliegt. Ich bin das gar nicht. Wieso zitier ich hier meine letzte Stelle?
Ich soll sowas nicht mehr machen! Ich will sowas nicht mehr machen!
Warum hab ich mich hier beworben?
Wie mit Saufen, Pornos gucken, Frustfressen, Sexchats, Kompensationsshoppen...
Tausendmal probiert, tausendmal ScheiĂźe erlebt.
Und es wird nicht beim 1.001. Mal plötzlich geil.
ScheiĂźjob!
Geile Lage, gut erreichbar, Hammergebäude, Superarbeitszeiten, renommierter Arbeitgeber, aber Horroraufgaben. Und dümmlich abweisende potentielle Kollegen, Vorgesetzte.
So ein angenehmes Ah-Oh-Wow-GefĂĽhl beim Aussteigen aus dem Bus, so zuversichtlich...
Wenn die Stelle von letzter Woche klappt, Erwartungshorizont abchecken. In welchem Zeitraum soll das neu aufgestellt werden? Mit welchen quantitativen Zielen?
In Berlin ist es schwieriger, ein Taxi zu bekommen, als es wahrscheinlich ist, mit öffentlichen Verkehrsmitteln pünktlich das Ziel zu erreichen.
Online-Tauschhandel, neue Tauschbörse im U-Bahn-TV angekündigt. FuerBier.de
Es gibt so viel zu tun fĂĽr Agatha!
Keine Zeit fĂĽr Arbeit.
Zugfahrt
Beim Betreten des ICE-WCs an Katzi gedacht. Wie sie laut miaut hat im Korb, als ich sie vor der Dresden-Reha mit Mutti zu Mutti brachte. Und dann bin ich mit Katzi aufs ICE-WC und hab die Tür des Katzenkorbs geöffnet und dann hat sie sich umgedreht und in den Korb gepinkelt und ich hab das Handtuch wegeschmissen und wir waren beide zufrieden, wie gut wir das hinbekommen haben.
Zugfahrt
September- und Oktoberfotos angesehen im Handy.
Als ob’s nicht mein Leben gewesen ist.
Ach, das hab ich gemacht?
Da bin ich gewesen?
Dies hab ich fotografiert?
Voll verstrahlt.
Voll vernebelt.
In tiefer Trauer durch diese Tage und Wochen.
Zugfahrt
Allerhöchste Höchstanspannung.
In die Hand gekniffen.
Sooo doll!
SpĂĽre kaum was.
Muss mich abreagieren.
Ich möchte jemanden zusammenschlagen, aber es soll ihm nicht wehtun.
Ich möchte schreien, aber es soll nicht so laut sein.
Michael Kiwanuka
Cold Little Heart
https://www.youtube.com/watch?v=X9H9ezSe5v0