Videogram
Erstellen Sie ein Konto oder melden Sie sich bei Videogram an – teilen Sie den Leuten, die Sie verstehen, was Sie interessiert. https://www.

seen from Singapore
seen from United States

seen from Türkiye
seen from United States

seen from Canada
seen from United States
seen from United States
seen from China
seen from Canada
seen from China

seen from Canada

seen from United States
seen from United States
seen from United States
seen from Angola
seen from Singapore
seen from United States
seen from United States
seen from United States
seen from United States
Videogram
Erstellen Sie ein Konto oder melden Sie sich bei Videogram an – teilen Sie den Leuten, die Sie verstehen, was Sie interessiert. https://www.

Anya is live and ready to show you everything. Watch her strip, dance, and perform exclusive shows just for you. Interact in real-time and make your fantasies come true.
Free to watch • No registration required • HD streaming
Kommentieren
1.
In ihrer Arbeit über Aby Warburg und den Antisemitismus stellt Charlotte Schoell-Glass ebenfalls die These auf, dass sich Aby Warburg juridischer Kulturtechniken bediene. Ich interpretiere ihre These. Ich mache das an zwei Vorgängen fest: an der Art und Weise, wie sie die beiden Tafeln in ihrem Buch reproduziert, nämlich als Doppeltafel oder sogar als eine Tafel, die in der Mitte zwar getrennt, aber nur durch eine Falz oder Falte getrennt wird. Optisch werden die beiden Tafeln zwar getrennt, aber nicht so weit getrennt, dass man entweder nur die eine oder die andere im Blick hat. Was Schoell-Glass da macht, das ist eine stumme Routine. So was bezeichne auch als Kulturtechnik, insbesondere weil sich dieser Zweig der Medienwissenschaft über eine Beschäftigung mit solchen stummen Routinen, mit einer Praxis ohne Begriffe und mit einem impliziten Wissen (oder tacit knowledge) und dann in (teilweise scharfer, überspitzter) Abgrenzung zu solchen hermeneutischen Verfahren entwickelt hat, in denen die Anwesenheit von Stimmen, Sprache, Schreiben und Begriff offensichtlicher sein sollen. Juridisch ist dieses Verfahren schon deswegen, weil es Differenzen operationalisiert, also normativ ist, und weil Juristen auch so etwas machen, auch sie verteilen Tafeln auf Doppelseiten ( z.B. Hermann Jahrreis macht so etwas). Das ist ein denkbar weiter Begriff des Juridismus. Operationen, die in der Kontingenz erfolgen und dabei etwas übertragen oder teilen, das sind in dem Sinne juridische Operationen. Man könnte die Tafeln abbilden, nicht abbilden, auf verschiedene Weise abbilden. So wie es dort geschieht, so soll es sein: Das operationalisiert den Umgang mit Differenz, also mit unter anderem auch mit dem Überschuss an Möglichkeiten, der besteht. Schon deswegen ist das bei Schoell-Glass eine juridische Kulturtechnik, aber Schoell-Glass legt auch nahe, dass Warburg selber das so wollte, insoweit unterstellt sie auch Warburg, wenn man voraussetzt was ich voraussetze, dass er mit juridischen Kulturtechniken hantiere.
2.
Das ist allgemein und abstrakt gesagt. Schoell-Glass, und damit kommt der zweite Vorgang ins Spiel, begreift aber auch explizit, begrifflich und theoretisch das, was Warburg macht, als juridische Kulturtechnik und spezifiziert dabei dasjenige, was ich so abstrakt und allgemein als Operationalisierung von Differenz bezeichne. Sie liefert nämlich eine ausführliche Beschreibung der Tafeln und sagt, das ist insofern der Kern, Warburgs Anordnung sei mit einer "glossierten Handschrift", also mit einer Glosse oder einem Kommentar vergleichbar. Ein paar Zeilen weiter schreibt sie auch, diese Doppeltafel ein Kommentar. Das ist er schon der Form und einem graphischen Verfahren nach.
Die spezifische juridische Kulturtechnik, die sie beschreibt, ist (wie das Protokoll) eine spezifische graphische Kulturtechnik, das ist die Technik des Glossierens oder der Glossatoren, die Technik des Kommentierens oder des Kommentars. Das ist historisch bedingt eine juridische Kulturtechnik, die sogar historisch mit der Ausprägung nicht nur juridischer Verfahren, sondern juristischer Methoden verknüpft wird. Die Schule in Bologna soll damit ab dem 11. Jahrhundert sogar eine Technik verwendet haben, die für die Rechtswissenschaft selbst grundlegend werden sollte, so lauten eine Reihe von Thesen. Man leitet daraus sogar einen Entwicklungssprung ab, den Harold Berman sogar eine Revolution nennt, er nennt das die papale Revolution. Das graphische Verfahren spaltet das Schreiben nicht, es macht die Spaltung des Schreibens explizit und verdoppelt sowohl den Schreibgrund, also im engeren Sinne die Tafel, als auch das Schreiben. Schreibgrund und Schreiben haben danach auch jeweils für sich zwei Körper. Das zieht explizit einen Abstand, eine Entfernung in den Text ein. So etwas kann auch einen Text 'verabschieden', also so stellen, als käme er aus der Entfernung. Die Spaltung und Verdoppelung soll einrichten, was am Text unberührbar bleiben soll und was am Text berührt sein soll. Im Sekundanten namens Text, im normativen Text, in Texten, die vom Gesetz etwas sagen sollen, richtet der Kommentar Linien ein und weist plötzlich an sich ein Primat und etwas Sekundäres aus. Er richtet in der Referenzialität Schichten ein, er stratifiziert den Text. Wo es Kommentare gibt, da gibt es Quellen, Canones und Institutionen.
Nicht nur Juristen kommentieren, der Kommentar ist nicht einfach die exklusive Stütze juristischer Autonomie oder eines juristisch-epistemischen Monopols, andere machen das ja auch. Aber zumindest macht der Kommentar das Recht mit, er macht die Rechtspraxis mit und er macht die Rechtswissenschaft mit. Kommentieren ist eine normative, juridische mitmachende Technik. Das ist keine exklusiv rechtliche Operation und sie geht bestimmt nicht mit operativen Schließungen und dem Aufbau der Referenzstruktur zur großen Selbstreferenz einher. Es ist aber eine juridische Kulturtechnik, mit der alles Mögliche auch für das Recht übersetzt und übertragen wird und mit dem das Recht mit allem Möglichen geteilt wird.
Insoweit behaupte ich, auch Schoell-Glass würde Aby Warburg bereits als jemanden beschreiben, der in der Moderne nicht nur mit neu erfundenen Verfahren arbeiten würde. sondern der juridische Kulturtechniken aufgreift und weitertreibt.
2.
So, wie Tafel 78 nicht nur das diplomatische Protokoll diplomatisch protokolliert, sondern damit auch ein Objekt liefert, das man als theoretisches Objekt verstehen kann und von dem man sagen kann, dass es bei aller Praxis auch eine Theorie des diplomatischen Protokolls aufstelle, so stellt Tafel 79 auch eine Theorie des Kommentars auf. Das drängt sich zumindest auf, wenn man Tafel 79 damit vergleicht, was zum Beispiel Walter Benjamin über die Form des Kommentars sagt. Ich behaupte nicht, dass Warburg und Benjamin sich abgestimmt haben. Es gibt aber eine Assoziation zwischen Tafel 79 und Benjamins Vorstellung von der Form eines Kommentars, aus der man schließen kann, dass dann auch Tafel 79 ein theoretisches Objekt ist, auf dem eine Theorie des Kommentars erscheint.
Benjamin schreibt: "Der Kommentar, der heute noch zu prall ansitzt, kann morgen schon klassische Falten werfen. Wo seine Präzision fast indezent wirken könnte, kann morgen das Geheimnis sich retabliert haben."
Warburg arbeitet mit Tafel und Tabellen, er tafelt und tabelliert, er retabliert auch, wenn er Bilder hervorholt, die seiner Meinung nach Antike 'restituieren' (Warburg verwendet in einzelnen Texten den Begriff der Restitution synonym zum Begriff des Nachlebens). In dem Sinne retabliert Warburg Bilder, wenn er Bilder 'an seine Tafeln lässt'. Aber über diese sprachlichen Bestimmungen hinaus, die ich hier vornehme (denn Warburg selbst verwendet den Begriff des retablierens nicht) setzt Warburg immerhin das Bild eines Retabels auf Tafel 79, also ausgerechnet auf die Tafel, die nun den Wechsel von der Technik des Protokolls zur Technik des Kommentars vollzieht. Warburg setzt das Bild des Retabels auch nicht an irgendeine Stelle von Tafel 79 sondern in die Reihe der drei Bilder, die immer das gleiche Objekt enthalten (nämlich immer die catedra petri) und die auf Tafel 79 damit die dreiteilige Initiale dieser Tafel bilden. Wie auf Tafel 78 das Bild des Unterzeichner als Verzehrer das Initial des Protokolls bildet, bilden hier drei Bilder eines Sitzes das Initial des Kommentars. Und eines davon ist das Bild des Retabels, das Bernini geschaffen hat. Wörtlich, begrifflich tauchen "Retabel" und "retablieren" zwar nicht auf. Aber als Bild und als stumme Routine taucht beides auf. Beides taucht auf, wo der Kommentar beginnt.
Die Assoziation zu Benjamin, was für eine Assoziation ist das? Ist das so eine Assoziation, wie man eine Buche mit einer anderen Buche assoziiert, obwohl beide Buchen nichts davon gesagt haben, dass die das wollen? Ist das Koinzidenz? Das ist eine Musterung, daraus leite ich auch die Thesen ab, dass Warburgs Staatstafeln nicht nur den bürokratischen und studiokratischen Apparat zeigt, denn man Rom nennt und aus dem auch immer wieder Staaten, Personen, große und kleine Subjekte hervorgehen. Er agiert auch mit Techniken und Mitteln dieses Apparates.

Anya is live and ready to show you everything. Watch her strip, dance, and perform exclusive shows just for you. Interact in real-time and make your fantasies come true.
Free to watch • No registration required • HD streaming
Tabellen
Jan van Eycks Verkündigung ist ein bekanntes Beispiel für ein Bild, das eine juridische Form hat, die Form eines Kommentars. Dabei fällt mir heute auf, dass es sich bei den Bildern-im-Bild um tabellarisch und kalendarisch geordnete Bilder handelt, die Zeichen des Zodiaks sind eindeutig. Das obere Bild zeigt Samson, das ist nicht nur der Herkules unter den Figuren des alten Testamentes, das ist auch (wie Herkules) ein polarer Held.
Kommentierungsexzess
Wer auch immer der Meister von Flémalle war, ob es Robert Campin war: Das Bild aus dem Prado lässt in seinem glossatorischen Exzess sogar Warburgs Staatstafeln wie flach eindimensionale Spontanentwürfe erscheinen. Dass eine Eheschließung dazu einlädt, dem Bild eine explizit juridische Form, die Form eines Kommentars zu geben, das ist doch klar.
Im 15 Jahrhundert explodieren aber diejenigen Bilder, die Kemp Bilder-in-Bildern oder auch Heteroglossen nennt. Wie Campin hier das Bild zuerst in zwei Teile spaltet (und das auch noch mit einer architektonischen Bruchlinie betont) und dann mit kleinen Grisaillen und Gemmen die Kommentare sich weiter verzweigen lässt, das sollte man auch als Vorgabe für Warburgs 'unbeständige' Kommentierungen sehen.
Was ist normativ?
1.
Normativität ist der Effekt operationalisierter Differenz. Was unterschieden wird, das ist normativ. Was entschieden wird, das ist in der Form der Unterscheidung normativ. Was verabschiedet wird, das ist in der Form der Verabschiedung normativ. Man stellt Normen her- und dar, in dem man etwas trennt, etwas (auf-)spaltet, etwas 'scheidet', eine Linie einzieht , etwas definiert, oder - wie Aby Warburg sagt - Distanz schafft. Distanznahme sei der Kern normativer Praxis, so heißt es bei Christoph Möllers. Darum haben alle diejenigen Bilder, die aufgespalten sind, eine deutliche, explizite juridische Form. Geht die Grenze des Bildes mitten durch das Bild, dann hat das Bild eine deutliche, explizite juridische Form. Ist ein Bild auf eine Weise mehrschichtig angelegt, die in einen kontinuierlichen Raum eine Diskontinuität einzieht, dann hat man es deutlich und explizit mit der juridischen Form eines Bildes zu tun. Bilder sind ohnehin normativ, sie sind Normen, das unterscheidet sie nicht von dem Satz, der Gesetz sein soll. Man sagt heute, das griechische Wort nomos heiße Gesetz, aber das Wort Gesetz ist eine sehr späte und sehr deutsche Erfindung.
Man kann nomos auch mit Zaun oder mit Zug, mit Trakt (Tracht) oder sogar mit Notenfolge übersetzen, denn das Wort nomos bezeichnet, was durch Unterscheidung, Teilung, zum Beispiel durch definitio, distinctio, divisio oder partitio gezogen wird darum auch und zieht. Das Tafelbild ist beinahe ein Prototyp einer Norm, es sollen die ersten Gesetze Gesetze der Tafeln gewesen sein. Dadurch, dass ein Bild (auf-)gespalten wird, wird es nicht normativ, wird es nicht Norm, denn das ist es ohnehin. Aber dadurch wird das Verfahren der Normierung deutlich und explizit.
2.
Ekphrasis: Darunter sammeln sich seit der Antike Überlegungen zum Verhältnis zwischen Bild und Wort. Ähnlich wie Horaz Formel ("Ut pictura poiesis") und ähnlich wie das Bündel frühneuzeitlicher Bildbegriffe der Rhetorik, die Carsten Peter Warnke rekonstruiert hat sammelt Ekphrasis auf eine mannifaltige, multiple Weise nicht nur Verhältnisse zwischen Wort und Bild, sondern zwischen einer Reihe unterschiedlicher Medien und ihrer Techniken.
In einem Text zur Ekphrasis hat WolfgangKemp sich mit Bildern- ind Bildern befasst, also mit Bildern, die ihre Einheit durchbrechen und in sich noch einmal ein anderes Bild aufnehmen oder, so kann man das auch sehen, ausscheiden. Zumindest meint Kemp solche Bilder, in denen andere Bilder auftauchen. Was hat ein Beitrag über Bilder in Bildern mit der Ekphrasis zu tun? Kemp behauptet, dass es dabei zu Übersetzungen kommt. Wenn Maler Bilder in Bildern beschreiben, so Kemp, dann täten sie mehr als zweimal dasselbe; ihre 'Bildbeschreibungen' gäben ebenso grundsätzliche Übersetzungsprobleme auf, wie sie beim Übergang von einem Medium in ein anderes entstehen.
Anders gesagt; in solchen Momenten explizieren die Maler, dass bilden übersetzen heißt und dass der Vorgang, etwas 'in ein Medium zu nehmen' die Eigenheiten des Medium auch unterläuft. Die Trennung eines Mediums verschmilzt nicht wieder, sie wird nicht aufgehoben, die Grenze eines Mediums wird nicht unscharf, das Medium wird nicht entgrenzt. In den Netzwerkideologien der letzten Jahrzehnte ging das Versprechen der Vernetzung mit einem Versprechen einer Entgrenzung einher, insoweit muss man ganz deutlich sagen, dass die Maler solcher Bilder nichts von Vernetzung erzählen. Den Begriff, den Kemp wählt, das ist der Begriff einer Einbettung (embedding). Wichtig scheint mir, dass der Vorgang zweiseitig ist: Das ist Einbettung und Ausscheidung, wenn deutlich ist, dass man es mit einem und einem anderen Bild zu tun hat. Mit Bachtin schließlich nennt Kemp solche Bilder Heteroglossen. Und damit schließt sich wieder der Kreis: das sind Bilder mit einer deutlichen, expliziten, juridischen Form. Sie haben die Form eines Kommentars. Solche Bilder kommentieren in einen engeren, technischen Sinne, sie benutzen eine juridische Kulturtechnik.
3.
Andere Begriffe, die Wolfgang Kemp für die Glossen, die Bilder-in-Bildern wählt sind die des zweiten Registers und des Bildes zweiten Grades. Die juridische Technik des Bildkommentars soll zweite Register und soll Bilder zweiten Grades liefern. Normativität kann man als Synonym für Sekundarität verstehen - Kemps Beschreibung verstärkt diese Möglichkeit. Aber auch in diesem Fall gilt, dass solche Bilder sich nicht exklusiv durch Sekundarität auszeichnen, sie explizieren und verdeutlichen nur die Sekundarität.