Egal wie sehr ich mich bemühe, keine Wertschätzung von niemandem..nicht von der Familie, nicht von Kollegen... fühl mich Grad so verdammt einsam...
me, meine Gedanken
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In mir ist dieser unbändige Drang alles mit dir zu teilen
Halle-Attentäter: Brieffreundschaft mit Polizistin geführt
Halle-Attentäter: Brieffreundschaft mit Polizistin geführt
Die Briefe von einer Polizistin an den zu lebenslanger Haft verurteilten Stephan B. sind bei Durchsuchungen seiner Zelle gefunden worden. Die Frau soll gegenüber Kollegen die Tat relativiert und sich positiv über den Attentäter geäußert haben.
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Als ich in der 9. und 10. Klasse war haben mir alle immer gesagt ich solle meinen Berufswunsch nochmal überdenken. "Sozialarbeiterin" sagten sie "das ist nichts für dich. Du bist zu lieb. Du bist zu nett. Du bist zu sozial. Du arbeitest dich kaputt. Ausserdem bekommt man zu wenig Geld" das war dann die Zeit in der ich dachte... okay dann eben Lehrerin. Nach drei Tagen in meinem Praktikum in einer Grundschule war klar NIEMALS. Also erst mal Abi. Dann kann man immernoch gucken. Dann der Entschluss: Psychologie Studium. Wäre da nur nicht der für mich definitiv unerreichbare NC gewesen. Nicht mit mir und dem Krebs gegen den ich neben der neuen so anderen Schule kämpfte. Also doch soziale Arbeit.
Obwohl ich zu nett bin. Zu lieb. Zu sozial. Zu emotional. Zu sensibel.
Und dann das Studium. Ja. Es war herausfordernd. Lange habe ich gebraucht um anzukommen. In mir mit mir. Dann war ich mir sicher. Ich bin richtig hier. Ich liebe was ich lerne. Was die Zukunft für mich bereit hält.
Und heute? Heute stellt sich heraus sie hatten recht. Ich bin zu lieb. Zu sensibel. Zu emotional. Aber anders als alle meinten. Nähe und Distanz zum Klientel? Die Arbeit nicht mit nach Hause nehmen? Die Geschichten des Klientels nicht für mich annehmen und klar trennen zwischen ihren und meinen Problemen? Gar kein Problem.
Es sind die Kollegen. Die ständig Grenzen überschreiten. Die schläge verteilen die (weil ich es zulasse) ständig unter der Gürtellinie treffen. Die zu viel fordern. Deren Gefühle ich spüre. Die ich nicht trennen kann von meinen. Die treffen. Genau da treffen wo zwischen den klienten und mir die Mauer ist die mich vor Verletzungen schützt.
Ich bin eine echt gute Sozialarbeiterin. Ich kann das wirklich gut. Und trotzdem kämpfe ich Tag für Tag. Gegen die Macht die sie über mich haben, mir das Gefühl zu geben doch nicht gut genug zu sein. Ich bewundere sie. Genauso wie sie mir leid tun. Genauso wie ich sie verabscheue.
Jetzt geht es nicht mehr nur darum meine klienten zu schützen. Es geht darum mich zu unterstützen. Mich zu schützen. Vor Schlägen. Vor Gürtellinien die überschritten werden. Vor vorgespielter Offenheit. Vor "du hast keine Kompetenz" und "du hast doch die kompetenz."
Es wäre schön wenn es schön wäre. Aber ich weiß. Ich bin nicht alleine. Und auch wenn ich alleine Kämpfe und fühle, da stehen Menschen hinter mir.
Ich hab zur Zeit nur einen Wunsch. Einen riesen großen Wunsch. Und viel Hoffnung. Und zwar, dass ich die Ausbildung bei euch weiter machen kann. Ich hoffe und wünsche es mir so sehr. Ich hab so viel Lust bei dir was zu lernen. Wenn das wirklich klappt, ich wäre der glücklichste Mensch. Ich würde sogar eine Therapie anfangen, damit ich mein Leben wieder leben kann. Die Tage als ich bei dir zu Besuch war, waren so toll. Einfach ein Ort, wo ich akzeptiert werde so wie ich bin. Wo ich glücklich sein kann. An diesen Tagen hatte ich Lust zu Leben, die haben mir Kraft gegeben und gezeigt wie wertvoll das Leben sein kann... Und ein Tag später gehts mir wieder richtig scheiße, weil man sieht wie das Leben ist und weil man sich zu viele Hoffnungen macht und Angst hat, dass man gnadenlos Entäuscht wird.
Kollegen
Es gibt da diesen Satz „Wer einen solchen Kollegen hat, braucht keine Feinde mehr“, der bei uns ständig durchs Büro gerufen wird. Doch eigentlich müsste ich sagen: „Wer einen solchen Kollegen hat, braucht keine Freunde mehr.“
Als ich damals neu in der Firma war, hatte ich deine Scherze und ironischen Sprüche nicht verstanden. Und deine gruselig-blauen Huskyaugen verunsicherten doch sowieso jeden Menschen, der dich nicht kannte. Aber mit jedem deiner Scherze und mit jedem deiner ironischen Sprüche lernte ich dich besser kennen. Mochte ich dich mehr. Du nahmst mich auf in eure eingeschworene Büro-Truppe, als wäre es selbstverständlich. Was es für dich vermutlich auch war. Du ignorierst mein Stottern, brichst mein ängstliches Schweigen. Weil du so offensiv mit all meinen Schwächen umgehst. Und mit deinen ebenfalls. Für jeden Scherz über mich machst du drei Scherze über dich. Ich lache dich aus und du lachst mich aus. Wir kommunizieren nur noch mit Mittelfingern. Und Augenzwinkern. Und Grinsen.
„Wer einen solchen Kollegen hat, braucht keine Feinde mehr!“, werfe ich dir mit einem Augenzwinkern zum fünften und letzten Mal für heute an den Kopf, als ich an dir vorbei aus dem Büro gehe. Ich frage mich kurz, ob du mich vielleicht nicht gehört hast, denn ausnahmsweise kommt keine fiese Antwort von dir. Ich bin bereits am Auto, als du plötzlich neben mir stehst. „Ich wäre gern mehr als dein Kollege“, sagst du leise. Aus Gewohnheit warte ich auf die Pointe. Auf dein Zwinkern. Deinen Mittelfinger. Doch da kommt nichts mehr.
- Felicitas Sturm