Der Tod ist einsam, die Knechtschaft dagegen kollektiv.
Albert Camus: "Der Fall", S.102
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Der Tod ist einsam, die Knechtschaft dagegen kollektiv.
Albert Camus: "Der Fall", S.102

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„Der Mensch ist ein eigenartiges Geschöpf. All sein Handeln ist motiviert aus Verlangen und sein Charakter geschmiedet aus Schmerz [...] So wenig kann er sich doch freimachen von der ewigen Knechtschaft seiner Gefühle [...] Solange der Sturm in ihm tobt, kann er keinen Frieden finden. [...] Er wird Tag für Tag tun, was nötig ist. Der Schmerz sein Schiff, das Verlangen sein Kompass.“
—Dark
Doktoraler Stechschritt
Wir haben im Moment eine Famulantin auf Station. Für mich als nahezu logorroeisch-lehrbesessenen ist das eine ganz willkommene Abwechslung. Ich habe mega Spaß am Erklärung und Beibringen. Außerdem ergeben sich immer wieder lustige Situationen, die einen an den eigenen Werdegang erinnern.
Die Famulatur (lat. famulus ‚Gehilfe‘, ‚Diener‘) ist in Deutschland ein durch die Approbationsordnungen für werdende Ärzte und Apotheker vorgeschriebenes Praktikum von viermonatiger (Medizin) bzw. achtwöchiger (Pharmazie) Dauer. (Wikipedia, 09/2017)
- "Nierenversagen ja", antwortete ich auf die Frage der Famulantin. "Aber jetzt ist ja Nierenversagen nicht gleich Nierenversagen, oder?" Mit viel Schwung klappe ich den Kurvenordner zu, mache Kehrt und latsche in medizinischem Stechschritt los, um mich auf einen meiner chirurgisch ausgelagerten internistischen Patienten zu kümmern. - "Meinst du, ob es chronisch oder akut ist?", fragt die Famulantin und hechtet mir hinterher. - "Ja. Zum Beispiel. Außerdem musst du noch an die Ursachen des Nierenversagens denken. Das Problem kann ja sowohl prä-, intra- als auch postrenal sein." <kurzen Vortrag über verschiedene Arten des Nierenversagens hier einfügen> - "Also zusammengefasst je nachdem ob der Kaffeefilter selbst kaputt ist, der Kaffeefilter-Abfluss es nicht mehr tut oder man etwas in den Kaffeefilter kippt, das da nicht reingehört." Ich gucke nach rechts, um Feedback zur Erklärung zu bekommen. Habe ich die pfiffige Studentin jetzt komplett verwirrt, oder war das ein Erkenntnissgewinn? Etwas verdattert stelle ich fest, dass neben mir keiner mehr läuft. Ich bleibe stehen und schaue über meine Schulter. - "Warte!", ruft die Studentin und eilt den langen Korridor entlang. Es dauert etwas, bis sie wieder bei mir ist. - "Das kann doch gar nicht sein!", sagt sie. "Ich bin bestimmt zwanzig cm größer als du und habe viel längere Beine! Was machst du denn für Schritte, dass du dich SO UNGLAUBLICH SCHNELL durch die Klinik bewegen kannst?" Ich fange an zu lachen. Sie ist tatsächlich ein bisschen außer Atem, obwohl sie definitiv sportlicher ist, als ich. - "Haha. Tja, das lernt man. Sonst kriegt man die Arbeit nicht gebacken, wenn man so lange mit Rumlatschen verbummelt. Außerdem weht der Kittel erst ab einer gewissen Geschwindigkeit so cool hinter einem her wie ein Batman-Cape. Komm, probier es mal aus!" Ich marschiere wieder im Stechschritt los. Diesmal kommt sie einigermaßen hinterher. Viel raum für Unterricht ist auf dem Weg zwischen den Kliniken aber nicht. - "Nicht schlecht", sage ich und zwinkere ihr zu. "Trotzdem viel zu lernen du noch hast, mein junger Padawan."
(Ich gebe es ja zu. Ich bin nur Arzt geworden, damit ich bei der Arbeit ein Cape tragen kann)
"Luther hat allerdings die Knechtschaft aus Devotion besiegt, weil er die Knechtschaft aus Überzeugung an ihre Stelle gesetzt hat. Er hat den Glauben an die Autorität gebrochen, weil er die Autorität des Glaubens restauriert hat. Er hat die Paffen in Laien verwandelt, weil er die Laien in Pfaffen verwandelt hat. Er hat den Menschen von der äußeren Religiosität befreit, weil er die Religiosität zum inneren Menschen gemacht hat."
(Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung, MEW S. 386)
Freiheit ist Sittlichkeit, Vollziehung des Gesetzes des Lebens überhaupt, der geistigen Thätigkeit, sowohl im engern Sinne, wo die That Idee, wie im weitern, wo die Idee That genannt wird, mit klarem Bewußtsein desselben, also nicht aus Naturnothwendigkeit oder Naturbestimmtheit, wie bisheran in dem Leben aller Kreatur geschehen ist, sondern aus Selbstbestimmung. – Ohne diese Sittlichkeit ist kein Zustand der Gemeinschaft denkbar, aber ohne Gemeinschaft auch keine Sittlichkeit. Das Räthsel, wie aus dem geschlossenen Kreise der Knechtschaft hinausgegangen werden kann, löst der Geist, er allein, durch dialektischen Fortschritt, durch seine Geschichte. Die Geschichte hat bereits den geschlossenen Kreis der Knechtschaft durchbrochen. Die Revolution ist der Durchbruch aus der Gefangenschaft, Gefangenheit und Befangenheit, in welcher sich der Geist befand, bevor er selbstbewußt. Die Anarchie hat freilich zunächst nur, wie wir sahen, die äußere Schranke durchbrochen, ohne zur Selbstbestimmung oder Selbstbeschränkung, zur Sittlichkeit fortzuschreiten. Aber die Revolution ist noch unvollendet, und sie weiß, daß sie unvollendet. Aber die Anarchie konnte nicht bei dem Anfange stehen bleiben, und sie ist wirklich nicht dabei stehen geblieben. Und indem wir, Kinder der Revolution, über sie hinaus zur Sittlichkeit fortschreiten, so ist eben das Räthsel gelöst.
Moses Hess: Philosophie der Tat. In: Ders.: Philosophische und Sozialistische Schriften 1837-1850. Eine Auswahl. Berlin: 225.

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Wer mit dem Leben spielt, Kommt nie zurecht; Wer sich nicht selbst befiehlt, Bleibt immer Knecht.
J. W. Goethe
Man bildet sich immer ein, frei zu sein, wenn man eine Knechtschaft loswird - und bedenkt nur selten, in welche neue man bei dieser Befreiung gerät.
Ludwig Marcuse: "Obszön - Geschichte einer Entrüstung.", S.191
So bleibt die grundlegende Frage der politischen Philosophie immer noch jene, die Spinoza zu stellen wusste (und die Reich wiederentdeckt hat): Warum kämpfen die Menschen für ihre Knechtschaft, als ginge es um ihr Heil? [...] Warum ertragen Menschen seit Jahrhunderten Ausbeutung, Erniedrigung, Sklaverei und zwar in der Weise, dass sie solches nicht nur für die anderen wollen, sondern auch für sich selbst?
Gilles Deleuze & Felix Guattari: “Anti-Ödipus”, S.39