Ich glaube, weil viele Menschen den Sinn oder die Wahrheit hinter der Spiritualität nur dann begreifen, wenn ihre Lebensumstände sie dazu zwingen, wird sie von vielen “normalen” Leuten, die nicht damit in Berührung kamen, verhöhnt und mit Skepsis oder Spott betrachtet, während Leute, die schwere Depressionen oder traumatische Ereignisse erleben mussten, nicht selten ein offenes Interesse dafür entwickeln. Erstere glauben, dahinter stünde ein intellektuelles, logisches, psychologisches oder gedankliches Ideenkonstrukt, gleich dessen von Religionen. Manche vergleichen Spiritualität sogar mit Scientology. In Wahrheit verkörpert Spiritualität aber das Gegenteil davon. Natürlich umfasst sie eine ganze Palette von Grundsätzen, Lehrreden und Gedanken, aber diese bilden nicht das Fundament der Spiritualität selbst, sondern deuten lediglich darauf hin.
Spiritualität ist keine Wissenschaft, sondern eine Art und Weise zu Leben und mit dem Leben umzugehen. Sie ist weniger wie ein klar bestimmter Faktor, mehr wie das Bauchgefühl, das wir alle kennen, wenn wir vor einer Entscheidung stehen. Niemand würde sagen, dieses Bauchgefühl sei die Wahrheit oder gar wissenschaftlich Fundiert aber trotzdem hören wir darauf. Spiritualität hat noch keinen Menschen unglücklich gemacht. Oberflächlich betrachtet, könnte man sie als eine Philosophie beschreiben, die sich mehr intuitiv, weniger gedanklich mit den Fragen des Lebens beschäftigt. Dabei geht es aber nicht um den Inhalt des Lebens, sondern vielmehr um die Frage, was Leben überhaupt ist. Leben und Sein stellen dabei nicht nur die beiden zentralen Knotenpunkte dar, sondern verschmelzen miteinander.