Tag 1104 / Entweder ich nehme jetzt Bedarfsmedikation, oder ich raste gleich aus!
Heute bin ich so drauf - schnell genervt, geräuschempfindlich, hoher Anspruch an soziale Regeln und Normen, die die anderen nicht einhalten, ich aber auch nicht, wenn ich ihnen das auf meine Art und Weise mitteile, was ich dann im Tagesverlauf ein drittes Mal tue, ohne Bedarfsmedikation genommen zu haben.
Gegen eine chemische Modulation des Zustands entschieden -
a) weil ich suchtkrank bin
b) weil ich heute noch viel schaffen will.
Kann ich hier in der Reha-Einrichtung meine Persönlichkeitsstörung ausleben, rauslassen, weil ich unter mehrheitlich Gestörten bin?
Weil die in meinen Augen ihren Störungen freien Lauf lassen?
Ging's mir im Büropraktikum so schlecht, weil ich meine störungsspezifischen Reaktionen unterdrückt habe?
Bin ich doch nicht so arbeitsfähig wie ich denke bzw. dachte?
Ich brauche eine Arbeit, die nicht so viel Reaktanz in mir provoziert. Und auch Menschen um mich, auf die ich nicht so heftig reagiere.
Alter, die eine Teilnehmerin feilt sich die Nägel in der Runde! In der Einheit! In der moderierten Gruppensitzung! Im Seminar!
Nicht einen abgebrochenen Nagel. Alle zehn Fingernägel!
Und ich seh die Blicke der anderen.
Und mich erdrückt mein hyperausgeprägtes Anstands-, Moral-, Sittlichkeits-, Sozialnormbewusstsein.
Erdrückt mich, bis es aus mir rausplatzt: "Entweder du hörst auf oder ich gehe!"
Und das war sicherlich ein harscher Ton.
Explosiv, nicht unbedingt laut.
Aber für alle unerwartet, daher alle erschrocken, und ich letztlich auch, denn plötzlich zittere ich.
Ich habe meine Gefühle nicht unter Kontrolle, meine Handlungsimpulse, ich bin sozial manchmal schwierig, aus einer Überanpassung folgt eine Überreaktion, im Affekt übersteuert.
Das hatten wir doch schon - Tag 1006 - zumindest auf der Theorieebene.
Ich hab zweimal versucht, den Betreuerersatzpfleger zu erreichen.
Ich könnte jetzt den Krisendienst oder jemanden von AA anrufen.
Die Beule im Schritt ist wieder da.
Ich dachte, sie ist weg, aber ab Wien kam sie wieder.
Vielleicht von den vielen Tausend Schritten.
Heute ist sie aufgegangen.
Ich sollte einen Termin bei der chirurgischen Dermatologie machen.
Am besten sofort.
Wenn ich mir das rausoperieren lasse, muss ich jemanden um Hilfe bitten. Ich mag niemanden an mich ranlassen.
Meine Katze hat Zuckungen und ich weiß nicht, woher das kommt.
Die Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit ist beinah noch schlimmer.
Die eine in der Reha-Einrichtung weiß jetzt, was sie werden will, welche Weiterbildung und wo.
Klingt gut, was sie vorhat.
Klingt so, dass ich verstehe, warum sie genau das will.
Acht Monate, den Bereich wollte ich auch ausprobieren während der Maßnahme, keinen Praktikumsplatz gefunden.
Und ist halt die Frage: Will ich das wirklich?
Was will ich?
Und was kann ich?
- trocken, persönlichkeitsgestört -
Zuversicht im Arsch.
Die gestern ausgedruckten Stellenanzeigen heute wieder verworfen.
K.Flay
Giver
https://www.youtube.com/watch?v=nt26yjdItdA