1995 bis 1999 (oder so)
Ich war jung und hatte Zeit und einen Videorekorder
Als mein Opa ins Seniorenheim zieht, bekomme ich seinen alten Fernseher und habe jetzt mein eigenes FernsehgerĂ€t im Zimmer. Irgendwoher bekomme ich auch einen gebrauchten Videorekorder und werde die nĂ€chsten vier bis fĂŒnf Jahre so viele Filme gucken und sammeln wie vielleicht nie wieder.
Der Videorekorder hat zwar keine Anleitung, ich finde aber trotzdem irgendwie raus, wie man ihn programmieren kann. Man muss sich nur lange genug mit den GerÀten beschÀftigen.
Ich lese die Fernsehzeitung sehr grĂŒndlich und markiere alles, was ich aufnehmen möchte. Da wir nur sechs Programme empfangen (ARD, ZDF, WDR, RTL, VOX und je nach Wetterlage SWR), mĂŒssen gelegentlich Bekannte mit Kabel- oder Satellitenfernsehen einspringen. So wĂ€chst meine Sammlung selbst aufgenommener VHS-Kassetten rasant an und muss dementsprechend verwaltet werden. Die Verwaltung lĂ€uft zweigleisig.
1. Die Videokassetten selber mĂŒssen etikettiert werden. Dazu messe ich die entsprechend benötigte GröĂe fĂŒr den Kassetten selber und fĂŒr die untere Seite der HĂŒlle und erstelle eine Vorlage in Microsoft Word. Dann ergĂ€nze ich den Text (fortlaufende Nummerierung, Titel und - fĂŒr die groĂen Etiketten - Regisseur) und  drucke entsprechende Etiketten auf Klebefolie. Ich ĂŒberspiele relativ selten bereits aufgenommene Kassetten und kann so davon ausgehen, dass ich nicht dauernd neu drucken und ĂŒberkleben muss.
Ob ich immer erst drucke, wenn ich genug neue Kassetten fĂŒr eine DIN-A-4-Vorlage zusammen habe oder ob ich einen Weg finde, mit genauen Abmessungen und einem zuverlĂ€ssigen Drucker eine Seite nach und nach zu bedrucken, weiĂ ich nicht mehr.
Wozu die kleinen Etiketten gut sind, erkennt man gut, wenn man die Videokassetten im Regal stehen sieht. Leider ist die QualitĂ€t des Bildes schlecht, so dass man die Filmtitel nur erkennt, wenn man ich ist und noch eine grobe Erinnerung an die VHS-Sammlung hat. (Auf dem Bild zu sehen sind u.a. âDer Tod und das MĂ€dchenâ, â...denn sie wissen nicht, was sie tunâ, âAllen gehtâs gutâ, âDon Juan de Marcoâ, Stranger than Paradiesâ, âDie Blechtrommelâ, âMystery Trainâ, âE-Mail fĂŒr dichâ, âJennifer Eightâ, âDas GlĂŒck liegt in der Wieseâ, âWas geschah wirklich mit Baby Jane?â, âTot Ziensâ und eventuell âDie Unschuld der KrĂ€henâ. Bei mindestens zwei der Filme kann ich mich nicht daran erinnern, sie je gesehen zu haben, aber ich hĂ€tte können, wenn ich gewollt hĂ€tte.)
2. ZusÀtzlich erstelle ich eine Tabelle in Quattro Pro, in der ich die Filme eintrage mit ihrer fortlaufenden Nummer, Regisseur und vermutlich noch ein paar anderen Eigenschaften.
Es gibt keine Verbindung zwischen der Verwaltung in Quattro Pro und der Etikettenerstellung, beide Systeme laufen nebeneinander her.
Die VHS-Sammlung zieht noch zwei Mal mit mir um, erst in die erste eigene Wohnung nach Bonn und dann ein paar Jahre spĂ€ter wieder zurĂŒck in die erste gemeinsame Wohnung nach Leverkusen. Irgendwann zwischen 2004 und 2007 gestehe ich mir ein, dass die Zeit von VHS wohl vorbei ist und packe alle Kassetten in Bananenkartons. Als meine Tante davon erfĂ€hrt, interveniert sie, so dass einige Kartons dann doch nicht auf dem MĂŒll, sondern bei ihr landen. Was dann daraus geworden ist, entzieht sich meinem Wissen.
(Anne SchĂŒĂler)











