17. MĂ€rz 2023
Es wird weiter gepustet, aber viel leiser
Wir sitzen in einem Park auf einer Bank in der Sonne und unterhalten uns. Wenige Meter von uns entfernt ist ein Angestellter der Parkanlagen damit beschĂ€ftigt, Laub, das von den BĂ€umen auf den Weg gefallen ist, zu Haufen zusammen zu pusten. DafĂŒr verwendet er einen LaubblĂ€ser. Das ist bemerkenswert, denn dieser LaubblĂ€ser ist so leise, dass wir uns dabei weiter unterhalten können. Bisher waren alle meine Begegnungen mit LaubblĂ€sern so, dass GesprĂ€che in deren unmittelbarer NĂ€he nicht möglich waren - denn die GerĂ€te wurden mit Verbrennungsmotoren angetrieben und machten bemerkenswert viel LĂ€rm. HĂ€ufig tragen die Menschen, die so ein GerĂ€t bedienen, deshalb einen LĂ€rmschutz ĂŒber den Ohren.
Einschub 1 Laub fĂ€llt von BĂ€umen. Wenn zu viel davon zum Beispiel auf einen Weg fĂ€llt, kann das dort als störend empfunden werden. Um es von dem Weg zu entfernen, sind grundsĂ€tzlich verschiedene Möglichkeiten denkbar: Das Laub kann mit einem Besen oder einem Rechen zusammengekehrt werden. Oder es kann mit einem LaubblĂ€ser zusammengepustet oder einem Laubsauger eingesaugt werden. LaubblĂ€ser sind GerĂ€te, die in RucksackgröĂe auf dem RĂŒcken getragen werden. So ein LaubblĂ€ser erzeugt einen starken Luftstrom, der ĂŒber einen flexibel an dem Rucksack befestigten Schlauch am Ende ein RohrstĂŒck oder eine DĂŒse in gerichteter Form verlĂ€sst und mit dem das Laub dann also aufgewirbelt und einigermaĂen kontrolliert bewegt werden kann. Mit einem LaubblĂ€ser geht also das Zusammenblasen von Laub wesentlich einfacher, bequemer und schneller als das Zusammenrechen mit Muskelkraft. Mit dem LaubblĂ€ser ist es auch möglich, mit vertretbarem Aufwand Laub zum Beispiel aus Hecken herauszublasen, wenn man das fĂŒr erforderlich hĂ€lt. Allerdings gefĂ€hrdet man damit kleinere Tiere wie Insekten oder Igel und zerstört ganz besonders in diesem Falle deren UnterschlĂŒpfe.
Eine kurze Internetsuche zeigt mir, dass es wohl schon seit ein paar Jahren elektrische LaubblÀser gibt, sie sind mir offenbar bisher nur noch nicht aufgefallen.
Einschub 2 Verbrennungsmotoren werden weit ĂŒberwiegend mit fossilen Brennstoffen angetrieben. Fossile Brennstoffe entstanden vermutlich ĂŒberwiegend vor vielen hundert Millionen Jahren. Abgestorbene Tiere und Pflanzen sanken im Meer zu Boden und wurden dort in kilometerdicken Sedimenten unter hohem Druck in einem Vorgang, der wiederum Jahrtausende dauerte, zu Erdöl.
Erdöl wird fĂŒr unzĂ€hlige Dinge in unserem Alltag verwendet. Es ist ein wichtiger Grundstoff der chemischen Industrie. Es wird fĂŒr die Herstellung aller möglicher Kunststoffe, aus denen wiederum ComputergehĂ€use, Matratzen, Eimer, KleidungsstĂŒcke, Lebensmittelmittelverpackungen und alles Mögliche, was uns im Alltag umgibt, hergestellt werden, verwendet; ebenfalls fĂŒr Farben, Lacke, Waschmittel, DĂŒngemittel, Arneimittel usw.Â
Oder das Erdöl kann (nachdem es raffiniert wurde) verbrannt werden.
Bis zum heutigen Tag habe ich nur LaubblÀser bewusst wahrgenommen, die einen Verbrennungsmotor enthalten.
Einschub 3 Ich wundere mich seit deutlich ĂŒber 20 Jahren darĂŒber, in einer Welt zu leben, in der es die Gesellschaft fĂŒr eine gute Idee hĂ€lt, dass es wirtschaftlich möglich ist, diesen wertvollen Rohstoff Erdöl, fĂŒr dessen Herstellung die Natur so lange gebraucht hat und von dem wir nur eine sehr begrenzte Menge zur VerfĂŒgung haben, unter kontrollierten Bedingungen mit groĂem LĂ€rm innerhalb von Sekundenbruchteilen zur Explosion zu bringen - und dies nur, um wiederum (unter Nutzung eines rechtslaufenden Carnot-Kreisprozesses) einen Motor anzutreiben, lediglich mit dem Ziel, Laub und Kleintiere durch die Gegend zu wirbeln und dabei aber den wertvollen, begrenzt verfĂŒgbaren Rohstoff irreversibel in ĂŒberwiegend Feinstaub (gesundheitsschĂ€dlich), Stickoxide (gesundheitsschĂ€dlich) und Kohlendioxid (klimaschĂ€digend) zu verwandeln.Â
Ich wurde aber auch schon ermahnt, dass es mir nicht zusteht, ĂŒber andere Menschen und deren PrioritĂ€ten zu urteilen.
Darum freue ich mich nur einmal hier im Techniktagebuch ĂŒber diesen Fortschritt hin zu elektrischen LaubblĂ€sern (auch wenn das Problem fĂŒr die Tiere damit leider noch nicht gelöst ist). Vielleicht fasst sich die Politik ja doch noch ein Herz und verbietet die Dinger.
(Molinarius)















