Auf dem verschneiten Weg hinauf zu den Toren von Eisenschmiede stauen sich die Lastkarren. Ein alter JÀger, auf dessen Holzkarren einige frisch geschossene Klippeneber liegen, unterhÀlt sich gut gelaunt mit einer Bierbrauerin, die vor ihm in der Schlange wartet.
In den StraĂen der alten Zwergenstadt herrscht rege Betriebsamkeit. Aus den umliegenden Dörfern treffen nach und nach die Lieferanten fĂŒr das bevorstehende Winterhauchfest ein. Verwandte und Freunde, die sich lange nicht gesehen haben, begrĂŒĂen sich ĂŒberschwĂ€nglich. Im MilitĂ€rviertel werden lange Tischreihen fĂŒr ein groĂes Bankett aufgebaut. Alle Balkone sind mit festlichen Girlanden und Lichterketten geschmĂŒckt. In den WerkstĂ€tten werden Geschenke gebastelt und geschraubt, verzaubert und bunt verpackt.
Aus der Ingenieurwerkstatt von Bryn Steinschild schallt fröhliches Lachen. Bryn und ihre Gehilfin Arlyn Schwarzbach legen letzte Hand an eine Reihe mechanischer Yetis und reichen sie dann zum Testen an Arlyns kleine Schwester Gretie weiter. Die kleine Worgin trĂ€gt stolz eine Ingenieursbrille mit grĂŒnen GlĂ€sern und eine SchĂŒrze auf der "Kwalitetskontrole" steht. Um sie herum marschieren surrend einige der fertigen Spielzeuge.
Da flitzt ein dunkler Schatten zur TĂŒr hinein und stĂŒrzt sich auf das MĂ€dchen, die durch den Schwung umgestoĂen wird und auf einen Haufen Yetifelle plumpst. "Azira!" Lachend legt sie die Arme um das aufgeregte Marsuul und krault es hinter den Ohren.Â
Das lĂ€chelnde Gesicht der WaldlĂ€uferin Rhanoriel taucht im TĂŒrrahmen auf. Ihre leuchtend blauen Haare sind unter einer roten WinterhauchmĂŒtze versteckt, an der ein kleiner Mistelzweig steckt. "Fröhliches Winterhauchfest, ihr Lieben! Die Wachen sagen, sie mĂŒssen bald hier sein. Beeilt euch, wir treffen uns dann mit Noxa an der Steinfeuertaverne."
"Endlich, das wurde aber auch Zeit!" Bryn fĂ€hrt sich nervös durch ihre Haare. "Wie sehe ich aus?" Arlyn nimmt einen Lappen und reibt der Zwergin einen kleinen Ălfleck von der Stirn. "Perfekt!" Dann eilen sie hinaus in Richtung des Bankenviertels, wo sich die Taverne befindet. Ăberall treten die Bewohner Eisenschmiedes aus ihren HĂ€usern auf die StraĂen und schauen gespannt nach oben. Ein aufgeregter Ruf ertönt "Dort! Ach nein, das ist nur eine Wache." Vor der Taverne treffen sie Rhanoriel und die Gnomin Noxa, die einen Beutel Zuckerstangen herumreicht und aufgeregt von einem FuĂ auf den anderen hĂŒpft. "Hach! Die Parade der Heimkehrenden ist doch das allerschönste an Winterhauch! Und das Essen natĂŒrlich!"
Derweil ist der alte JĂ€ger mit seinem Karren schon fast zu den Toren von Eisenschmiede aufgerĂŒckt als er den Ruf eines GebirgsjĂ€gers hört. "Sie kommen! Sie sind da!" Wie ein Lauffeuer wird der Ruf weitergetragen, bis hinein in die Stadt. Er dreht sich auf seinem Karren um und schaut nach oben. Noch in weiter Ferne, doch fĂŒr seine scharfen Augen gut zu erkennen, nĂ€hern sich mehrere groĂe Formationen von Greifenreitern und Flugmaschinen der Stadt. Aus ganz Azeroth, Nordend, den Verheerten Inseln, aus Pandaria und Kul Tiras kommen Zwerge, Gnome, Nachtelfen, Worgen um das Winterhauchfest im Kreis ihrer Freunde und Verwandten in Eisenschmiede zu verbringen. Unterwegs schlieĂen sie sich wie Zugvögel zu VerbĂ€nden zusammen um dann schlieĂlich gemeinsam in Eisenschmiede eine Ehrenrunde durch die Stadt zu fliegen.
Jubel bricht aus, als die Heimkehrenden nĂ€her kommen und hintereinander durch die Tore von Eisenschmiede in die Stadt fliegen. TaschentĂŒcher werden gezĂŒckt, um zu winken oder sich die TrĂ€nen zu trocknen, MĂŒtzen und Helme werden geschmissen und von einer ĂŒber der Bankenhalle kreisenden Flugmaschine feuert eine Ingenieurin eine Konfettikanone ab.
Die Barbierin Pella hat vor ihrem Salon ein Fass mit Eierpunsch fĂŒr ihre Kundschaft aufgebaut. Eine junge Lagerarbeiterin mit hoch aufgetĂŒrmten rosafarbenen Haaren und einer vom Punsch geröteten Nase stöĂt einen Schrei aus. "Da ist Kiruni!" Sie winkt freudig und eine rothaarige Zwergin auf einem krĂ€ftigen Wildhammergreif erwidert lachend ihren GruĂ.
Vor der Steinfeuertaverne spĂ€ht Bryn nervös in die Höhe. Rhanoriel legt ihr eine Hand auf die Schulter und zeigt nach oben. "Dort!" Erleichtert lacht die Zwergin auf und reiĂt jubelnd die Arme hoch "Whoo-hoo!" Rosmelda, die nach der spektakulĂ€r fehlgeschlagenen Aktion in Tirsfal in den Un'Goro Krater versetzt wurde, strahlt und wirft ihr eine Kusshand zu. Rhanoriel, Noxa und Arlyn werfen lachend ihre WinterhauchmĂŒtzen in die Luft.
SpĂ€ter beim Bankett sitzen die Freundinnen zusammen, erzĂ€hlen, lachen, essen und trinken. Sie erinnern sich an die schlimmen Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres, doch auch an die Hoffnung und die neuen Freundschaften, die daraus entstanden sind. Zusammen schmieden sie PlĂ€ne fĂŒr neue Abenteuer und stoĂen miteinander auf die Zukunft an.
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Moin Leute, liebe Gildenmitglieder!
Nach langer Zeit ist endlich das Video des Hauptstadtraids in gekĂŒrzter Fassung online! Im Sommer diesen Jahren waren wir zum Abschluss von Legion und zum Beginn des Krieges zwischen Allianz und Horde in den HauptstĂ€dten der Allianzler um die Bosse zu klatschen und uns den Erfolg + Mount zu sichern.
Wenn ihr mal sehen wollt wie die Söhne (und Töchter) durch ganze StÀdte rasieren, schaut euch gerne das Video an!
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Kiruni eilt durch das Bankenviertel von Eisenschmiede. Die bequemen Kettenstiefel der untersetzten Zwergin machen erstaunlich wenig GerĂ€usche auf den alten Steinfliesen. Ăber ihrem langen blaurot gemusterten Kilt trĂ€gt sie einen grauen Reiseumhang. Das rundliche Gesicht ist von feinen LachfĂ€ltchen durchzogen. Sie mustert interessiert das exotische Reittier eines Pandaren, der gerade die Bankhalle verlĂ€sst.Â
Schon von weitem sieht Kiruni, dass die Steinfeuertaverne heute Abend zum Bersten voll ist. Kein Wunder, nachdem Moira die StĂ€mme zum Kampf gegen die Horde aufgerufen hat kommen tĂ€glich neue Gruppen von Kriegern, Abenteurern und GlĂŒcksrittern in Eisenschmiede an.
Am Eingang drĂ€ngt sie sich an einer Gruppe Worgen mit finsteren Gesichtern vorbei. Eine Kriegerin, deren Fell im Nacken bereits grau gefĂ€rbt ist, hebt ihren Krug und ruft mit tiefer, knurrender Stimme. âAuf die, die nicht mehr hier sind!â Stille senkt sich kurz ĂŒber die volle Gaststube als alle respektvoll ihre Humpen heben.
âKiruni! Das Ăbliche?â Gwenna, die energische Bardame der Steinfeuertaverne, schiebt sich mit einem groĂen Holztablett voller dampfender SchĂŒsseln mit Eintopf an ihr vorbei. âDu wirst schon erwartet.â Die rotbackige Kellnerin nickt in Richtung eines Tisches in der Ecke der Gaststube. Obwohl die GĂ€ste in der Taverne dicht gedrĂ€ngt stehen, sitzt an dem Tisch nur eine einzige Zwergin, das Gesicht teilweise im Schatten ihrer Kapuze verborgen.
Kiruni lĂ€sst sich in einen der freien StĂŒhle fallen und lacht. âRosi! Na du tust ja geheimnisvoll.â Die Dunkeleisenzwergin wirft ihr einen gelassenen Blick zu und erwidert. âTja, ich habe eben noch kurz ĂŒberlegt, ob ich eine Pfeife auspacken soll.â Sie schlĂ€gt ihre Kapuze zurĂŒck und ein LĂ€cheln huscht ĂŒber das strenge Gesicht der Kriegerin, dann wird ihr Blick wieder ernst. âHast du dich umgehört?â
Kiruni nickt. âVon den alten GefĂ€hrten ist leider kaum noch jemand ĂŒbrig. Marlonzo ist an der Verheerten KĂŒste verschollen.â Gwenna stellt einen Krug Honigmet vor ihr ab. âHier meine Liebe.â Kiruni nimmt einen groĂen Schluck. âTja und Malabar lebt jetzt bei einer reichen Nachtelfe in Goldhain.â Die Dunkeleisenzwergin schĂŒttelt den Kopf. âMenschen. Immer dasselbe mit denen. Kaum die ersten KĂ€mpfe hinter sich, schon wollen sie sich zur Ruhe setzen. Ich glaube ja, das kommt von der kurzen Lebenserwartung.â
âDa kannst du Recht haben.â Kiruni zuckt mit den Achseln. âAber es gibt da eine JĂ€gerin, eine Leerenelfe. Sie ist neu in Eisenschmiede. Macht einen verlĂ€sslichen Eindruck. Ich habe ihr neulich ein paar BĂŒndel Felle abgekauft und wir kamen ins GesprĂ€ch. Sie sagte, sie bringt noch eine Hexenmeisterin mit.â
âHm, na gut. Wir werden sehen. Ich habe Arlyn gefragt und sie war sofort Feuer und Flamme. Sie will Rache fĂŒr den Tod ihrer Eltern.â Kiruni starrt die Kriegerin unglĂ€ubig an. âSprichst du von der Schurkin, die vor kurzem bei euch eingebrochen ist weil sie dachte, dass sie ihre Schwester aus den HĂ€nden von Feinden befreien muss? Die dann zitternd und wirres Zeug phantasierend auf dem Boden lag als ihr mich gerufen habt?â Die Dunkeleisenzwergin nickt. âJa, genau die.â
Kiruni runzelt die Stirn und trinkt einen weiteren Schluck Met. âRosmelda, wir haben beide schon oft gesehen, wie Krieger ihre schlimmen Erinnerungen mit der Gegenwart verwechselt haben. Es braucht einige Zeit, bis die WĂ€nde um das Hier und Jetzt wieder stabiler werden.â Die Augen der Dunkeleisenzwergin glĂŒhen orange als sie erwidert. âArlyn verdient eine Chance. Und ich vertraue auf deine FĂ€higkeiten als Heilerin.â Kiruni seufzt. âJa, schon gut, es ist deine Entscheidung. Ich habe nur keine Lust, plötzlich einen Dolch im RĂŒcken zu haben weil sie mich mit einem Ork verwechselt.â Rosmelda lĂ€chelt. âDas wird nicht passieren. Zumindest solange du nicht wieder diese hĂ€ssliche grĂŒne SchulterrĂŒstung anziehst.â
Gwenna stellt ein Holzbrett mit einem Laib Brot, einem Klumpen Butter und einer Blutwurst aus Thelsamar auf den Tisch. âDie beiden da drĂŒben haben nach dir gefragt, Kiruni.â Sie deutet auf ein ungleiches Paar an der Theke.
Die gröĂere der beiden ist eine schlanke Leerenelfe in einer dunkel schimmernden KettenrĂŒstung. Das hĂŒbsche, wenn auch leicht arrogant wirkende Gesicht wird von dunkelblauen Haaren umrahmt, die an den Spitzen hellblau leuchten. Die schönen Augen der Elfe leuchten in einem nebligen Graublau. Gelassen beobachtet sie die GĂ€ste der vollen Taverne.
Neben ihr steht eine nervös aussehende junge Gnomin. Auf ihrem schlichten, schwarzen Kleid sind mit rotem und violettem Garn gestickte Runen zu erkennen. Schwarze, zu groĂen Schnecken geflochtene Haare umrahmen ein blasses, pausbĂ€ckiges Gesicht. In ihren groĂen blauen Augen zeigt sich Neugier, Unsicherheit und ein zwar schwacher aber unĂŒbersehbarer Funken von Entschlossenheit.
Mit weit aufgerissenen Augen starrt die Gnomin einen riesigen Wildhammerzwerg an, der gerade eine wilde Geschichte zum besten gibt. Die Schultern und Arme des Veteranen zieren auffĂ€llige blaue TĂ€towierungen. Plötzlich dreht sich der Zwerg zu ihr um und poltert âWas gibt es da zu gucken, Kleine?â Erschrocken stottert die Gnomin âEnt...Entschuldigung!â
Die Leerenelfe macht eine Handbewegung und ein Marsuul klettert blitzschnell am Bein des Wildhammerzwergs hoch bis auf seine Schulter, wo es sich festkrallt. Schattenhafte, sich bewegende Flecken ĂŒberziehen das Fell des Marsuuls, das seine messerscharfen NagezĂ€hne um das Ohr des Zwergs legt. Der Zwerg erstarrt.
Die Leerenelfe legt den Kopf schief und sagt mit ruhiger, fast gelangweilter Stimme âAzira ist der Meinung, das ihr derjenige seid, der sich bei meiner Begleitung fĂŒr seine Unhöflichkeit entschuldigen sollte.â Der Zwerg starrt sie an. Dann lacht er laut auf. âHa! Ihr habt mich erwischt!â Grinsend verbeugt er sich vor der Gnomin. âIch entschuldige mich fĂŒr mein ruppiges Benehmen! Darf ich euch beiden einen Krug Met spendieren?â âSpĂ€ter vielleicht.â lĂ€chelt die Leerenelfe âWir sind verabredet.â Das Marsuul wirft noch einen bedauernden Blick auf das Zwergenohr, klettert dann flink wieder hinab und verschwindet in der UmhĂ€ngetasche der Elfe.
Gwenna kommt mit einem Tablett voller leerer KrĂŒge zurĂŒck zur Theke und macht eine Kopfbewegung in Richtung des Tisches von Rosmelda und Kiruni. âIch bringe euch gleich etwas zu trinken.â
Die beiden nĂ€hern sich dem Tisch, an dem inzwischen auch eine groĂe junge Worgin Platz genommen hat. Ihr dunkelbraunes Fell ist am Kopf bereits von grauen StrĂ€hnen durchzogen. Unter ihrem Umhang ist Kleidung aus weichem dunklem Leder zu erkennen sowie ein breiter GĂŒrtel mit vielen Taschen und mit Halterungen, in denen Dolche und Wurfmesser stecken. Ihre grauen Augen starren grimmig in einen Krug Ziegenmilch und ihr linkes Augenlid zuckt nervös.
Als die Neuankömmlinge sich gesetzt haben und Gwenna zwei kleine Humpen Kirschgrog vor ihnen abgestellt hat, beginnt Kiruni die Vorstellungsrunde. âDies hier ist die WaldlĂ€uferin Rhanoriel Morgentau und dies ist Noxa, eine Hex...â Sie stutzt und starrt die Gnomin aus zusammengekniffenen Augen an. âĂh, die Wahrsagerin aus dem dĂŒsteren Viertel?â Noxa wird rot und nickt eifrig. âAha. Nun ja.â Sie rĂ€uspert sich und zeigt dann auf die junge Worgin âUnd dies ist Arlyn Schwarzbach aus Teldrassil.â
âMich kennen ja die meisten schon, ich bin Kiruni Silberhammer. Wenn ich nicht gerade mit den Kollegen von der Forscherliga unterwegs bin, flicke ich Verwundete wieder zusammen. Und dies ist Rosmelda Steinschild, eine erfahrene Kriegerin mit der ich schon in vielen Schlachten gekĂ€mpft habe. Sie erzĂ€hlt euch besser selbst von dem Auftrag, um den es geht.â
Rosmelda rĂ€uspert sich. âDanke, dass ihr alle gekommen seid. Ich will euch nichts vormachen. Der Auftrag ist Ă€uĂerst gefĂ€hrlich.â Sie rĂ€uspert sich erneut. âIhr wisst alle, was in Teldrassil geschehen ist. Der KriegshĂ€uptling der Horde ist wahnsinnig geworden und muss gestoppt werden. Wenn die Horde es nicht selbst tut, dann tun wir es. Der Auftrag, den ich von Moira Thaurissan erhalten habe lautet: Geht nach Tirisfal und tötet Sylvanas WindlĂ€ufer.â
Die Kriegerin blickt in die Runde. Kiruni erwidert ihren Blick mit gelassenem Gesicht. Arlyn starrt entschlossen und mit malenden Kieferknochen ins Feuer. Die WaldlĂ€uferin wirkt ĂŒberrascht und nachdenklich. Noxa guckt die Zwergin mit offenem Mund erschrocken an.
Rosmelda spricht mit ruhiger Stimme weiter. âDie Allianzarmee, die von dem jungen König aus Sturmwind zusammen gerufen wurde, belagert die Ruinen von Lordaeron. Viele Krieger und Kriegerinnen unserer StĂ€mme sind ebenfalls unterwegs nach Tirisfal um dort gegen die Horde zu kĂ€mpfen. Dies werden wir als Ablenkung nutzen. Die Horde erwartet den Angriff groĂer SchlachtzĂŒge. Sie rechnen nicht mit einer kleinen Gruppe, die unbemerkt durch die Linien schlĂŒpft.â
Die Kriegerin blickt ihre Zuhörerinnen der Reihe nach ernst an. âIch will euch nichts vormachen. Es kann gut sein, dass wir nicht zurĂŒckkehren werden. Aber ein weiteres Teldrassil muss verhindert werden.â Rosmelda lehnt sich zurĂŒck. âAlso, was meint ihr dazu?â
Arlyn sieht die Kriegerin kalt an. Das Zucken in ihrem Lid ist verschwunden. âDu kennst meine Antwort bereits. Ich werde nicht ruhen, bis die Banshee fĂŒr den Tod meiner Eltern bezahlt hat.â
âIch bin ebenfalls dabei.â Kiruni zuckt mit den Schultern. âIch wollte mir diese Ruinen immer schon mal aus der NĂ€he ansehen.â
Rhanoriel holt tief Luft. âSylvanas WindlĂ€ufer also? Das wird nicht leicht. Aber ...â ihre Stimme wird feierlich â... du hast meinen Bogen.â Die Elfe lacht hell auf. âDas wollte ich schon immer mal sagen.â
Alle Blicke richten sich auf Noxa. Die Gnomin schluckt. âTja, Ă€h, das klingt ja aufregend! Aber ich weiĂ nicht, ob meine AusrĂŒstung dafĂŒr reicht...â âAch wasâ grinst Rhanoriel âwir finden schon etwas fĂŒr dich.â âAh. Ja, also dann wĂ€re ich auch gerne dabei.â Noxa strahlt.
Rosmelda trinkt einen groĂen Schluck aus ihrem Humpen. Eine ArchĂ€ologin, eine traumatisierte Killerin, eine Rollenspielerin und eine AnfĂ€ngerin. GroĂartig. Was soll denn da schon schief gehen.
Die Kriegerin starrt ins prasselnde Kaminfeuer der lĂ€rmenden Gaststube. Nun, sie wird alles dafĂŒr tun, damit dies keine Selbstmordmission wird. Sie hat Bryn versprochen, gesund zu ihr zurĂŒckzukommen. Sie wird ihr Versprechen halten und sie wird auch die anderen heil zurĂŒckbringen. Das Kaminfeuer spiegelt sich in den orange leuchtenden Augen der Dunkeleisenzwergin und ihr langer, dunkler Zopf scheint feurig zu glĂŒhen.
Rosmelda Steinschild richtet sich entschlossen auf. Dieses Abenteuer wird nicht ihr letztes sein.
Sie hebt ihren Humpen und stöĂt mit den anderen an.
âAuf die Freiheit!âÂ
âAuf das Leben!âÂ
âAuf die, die wir lieben!â
âAuf das Abenteuer!â flĂŒstert Noxa und grinst aufgeregt.
Und dann sitzen die fĂŒnf noch bis spĂ€t in der Nacht zusammen und besprechen ihren Plan.
Framboise starrt mit offenem Mund auf das Chaos um sie herum. Ăberall riesige Nachtelfen und Worgen mit wĂŒtenden, sorgenvollen oder schmerzverzerrten Gesichtern, dazwischen hektische GebirgsjĂ€ger, Rufe und Schreie ertönen, laut kreischende Hippogryphen schlagen mit den FlĂŒgeln, Heiler eilen zwischen den Verletzten hin und her, lĂ€rmende Flugmaschinen knattern ĂŒber das Geschehen hinweg und ĂŒber allem hĂ€ngt beiĂender Brandgeruch.
Da sieht sie plötzlich ein bekanntes Gesicht. "Pella, guck mal, da ist Kiruni." Wichtig fĂŒgt sie hinzu: "Das ist eine meiner Kundinnen." Sie zeigt auf eine untersetzte, rothaarige Zwergin mit der rot-weiĂen Armbinde der Heiler ohne Grenzen. Einer von Kirunis langen Zöpfen ist zur HĂ€lfe verbrannt und ihr Gesicht ist ruĂverschmiert. In ihrem GĂŒrtel steckt ein groĂer, runenbedeckter Schmiedehammer, an dem sich immer wieder statische Aufladungen bilden und in kleinen, blĂ€ulichen Blitzen entladen. Die Zwergin beugt sich ĂŒber eine der verletzten Greifenreiterinnen aus Darnassus. Aus den HĂ€nden der Heilerin flieĂt ein sprudelnder Wasserstrahl, den sie ĂŒber die schlimmen Wunden der Kriegerin fĂŒhrt. Sie winkt eine Gruppe Gnomenpriester herbei, die nach einem Blick auf die schwer verletzte Schildwache mit ernsten Gesichtern eine Hymne anstimmen. Goldenes Licht breitet sich unter der Gruppe aus und strahlt nach oben, taucht die Heiler und die Verletzte in ein funkelndes Leuchten.
Doch ihre MĂŒhen sind umsonst, die Verletzungen der Schildwache sind zu schwer. Als sie stirbt, rollt eine TrĂ€ne ĂŒber die Wange der Zwergin. "Verdammt!" Zornig wischt sie sich mit dem HandrĂŒcken ĂŒber die Augen.
Da ertönt ein lauter, schmerzvoller Schrei hinter Kiruni. Als sie sich umdreht, sieht sie noch kurz die messerscharfen Krallen eines groĂen Hippogryphen vor ihrem Gesicht auftauchen, ehe eine unsichtbare Hand sie wegzieht in Richtung einer geistesgegenwĂ€rtigen Pandarenpriesterin.    Â
"Das ist ihr Greif. Er ist ĂŒbel zugerichtet, ich fĂŒrchte, wir werden ihn auch verlieren."
Einige ZwergenjÀger eilen herbei und verteilen sich um den verzweifelten Hippogryphen. Eisfallen werden entsichert und Flinten mit BetÀubungsmunition geladen.
"Ruuhig, mein Junge, gaanz ruhig!"
Ein alter, weiĂhaariger JĂ€ger lĂ€sst den wild mit dem Kopf rollenden Hippogryphen nicht aus den Augen. Der groĂe Vogel stöĂt drohende Schreie aus und versucht immer wieder, sich in die Luft abzustoĂen. Sein linker FlĂŒgel hĂ€ngt jedoch schlaff herunter und seine Schreie klingen immer schmerzerfĂŒllter.
Der erfahrene Zwerg steht ruhig vor dem riesigen Tier und gibt leise, beruhigende Laute von sich. Eine weitere JĂ€gerin beobachtet jede Bewegung des Greifen aufmerksam, eine entsicherte Eisfalle wurfbereit in den HĂ€nden.
Kiruni seufzt und stemmt die HĂ€nde in die HĂŒften. "Oh nein, mein Lieber, du wirst mir nicht auch noch wegsterben! Bring mich hoch zu ihm, Kimu." Entschlossen geht sie auf den Vogel zu und wirft mit einer schnellen Handbewegung ein mit blauen Symbolen bemaltes Holztotem in Richtung des verletzten Greifen. Aus dem Totem sprudelt ein schmaler Strom frischen Quellwassers.
Die Pandarenpriesterin spricht einige Worte zu Kiruni woraufhin diese langsam in die Luft schwebt wie ein Ballon. Die Zwergin rudert einen Moment nervös mit den Armen und findet dann ihr Gleichgewicht wieder. Etwas oberhalb des verletzten FlĂŒgels kommt sie zum Stillstand, wĂ€hrend der Vogel sie argwöhnisch beobachtet.
"Und, wie sieht es aus?" Die JÀgerin mit der Eisfalle wirft einen nervösen Blick in Richtung der scharfen Krallen des Tiers. "Könnt ihr etwas erkennen?"
"Tja, also der FlĂŒgel ist gebrochen. Aber das bekommen wir schon hin!"
Kiruni breitet die Arme aus und ein leichter Regen setzt ein, kĂŒhlende Tropfen fallen auf die Federn des Tieres. Der Hippogryph wird ruhiger und der Schmerz in seinen Augen weicht Neugier, wĂ€hrend er die seltsame kleine Gestalt, die vor ihm in der Luft schwebt, betrachtet. Â
Die Zwergin beginnt mit krÀftiger Stimme eine alte Melodie zu singen, ein Lied in der rauen Sprache der Wildhammer. Ihre Worte erzÀhlen von der Weite des Himmels und dem Rauschen des Windes unter krÀftigen Schwingen, von einsamen Berggipfeln und von Freiheit und Leichtigkeit, von Freundschaft und Treue.
Der groĂe Vogel legt den Kopf schief und berĂŒhrt ihre ausgestreckte Hand mit den Schnabel. Seine Körper wird ruhig und er faltet seinen gesunden FlĂŒgel an die Seite wĂ€hrend der linke langsam aufhört zu zittern.
Auf ein Zeichen der Pandarenpriesterin hin beginnt die Zwergin langsam wieder in Richtung der Steinfliesen zu sinken wĂ€hrend der Vogel seinen Blick nicht von ihr abwendet. Sein Kopf folgt ihr, bis sie auf den kĂŒhlen Fliesen sitzt. Kiruni macht ein leises, schnalzendes GerĂ€usch und der Greif legt den Kopf in ihren SchoĂ. Aus den HĂ€nden der Zwergin flieĂt kĂŒhles, schmerzstillendes Wasser und strömt ĂŒber den verletzen FlĂŒgel des Tieres. Der Greif schlieĂt erschöpft die Augen. Â
Kiruni nickt der Pandarin zu und diese beginnt mit Hilfe der beiden JĂ€ger, den gebrochenen FlĂŒgel des Greifen zu schienen wĂ€hrend die Zwergin weiter mit sanften Bewegungen den Kopf des Vogels streichelt. Zum Schluss zieht die Priesterin einen kleinen Stab aus ihrem GĂŒrtel und streicht damit ĂŒber die Verletzung. Dort, wo sie die Federn berĂŒhrt, beginnen diese in goldenem Licht zu funkeln.
"So, das mĂŒsste reichen. Jetzt ist er transportfĂ€hig."
Framboise und Pella klatschen erleichtert Beifall. "Hurra!"
Kiruni steht unter leichtem Ăchzen wieder auf und wischt sich die nassen HĂ€nde am Kleid ab. "Framboise, gut, dass du hier bist!". Kiruni lĂ€chelt die Gnomin an. "Bitte kĂŒmmere dich darum, dass der Greif zu meinem Haus gebracht wird. Seine Herrin ist gestorben und ich glaube, ich kann sein Vertrauen gewinnen."
Framboise nickt und beginnt geschÀftig, den Transport zu organisieren.
"Gut gemacht!" Pella nickt der Zwergin anerkennend zu. Und mit einem Blick auf den verbrannten Zopf "Wenn ihr eine neue Frisur wollt, kommt einfach vorbei. Ihr bekommt einen Sonderpreis!"
Die JĂ€gerin sichert inzwischen die Eisfalle und steckt sie zurĂŒck an ihren GĂŒrtel. An ihrer in die Stirn geschobenen Ingenieursbrille surrt leise ein RĂ€dchen.
"Bryn, danke fĂŒr deine Hilfe!"
"Keine Ursache, Kiruni. Ich bin froh, dass wenigstens der Greif es geschafft hat!" Eine schwarzhaarige Kriegerin tritt hinzu, an der Hand ein kleines WorgenmĂ€dchen, das mit einer mechanischen Katze spielt. Die JĂ€gerin lĂ€chelt. "Rosi und ich werden die Kleine bei uns aufnehmen. Wir wollten immer eine groĂe Familie."
LĂ€chelnd sieht Kiruni den dreien nach, die sich Hand in Hand entfernen. Langsam wird es ruhiger in der groĂen Halle. Die restlichen Verletzten werden in die Halle der Paladine gebracht. Dank der Organisation von Gwenna und Königin GraumĂ€hne wurden fĂŒr die meisten der FlĂŒchtlinge bereits Gastgeber gefunden und sie ziehen in kleinen Gruppen in Richtung ihrer UnterkĂŒnfte.
Eine Gruppe Mondpriesterinnen unterhĂ€lt sich angeregt mit einer krĂ€uterkundigen Zwergin ĂŒber das beste Rezept fĂŒr einen bekömmlichen Heiltrank. Die Assistenten des Greifenmeisters lassen sich von einer Schildwache die Vorteile eines darnassischen Sattelgurts erlĂ€utern. Ein Zwergenkind reitet lachend auf einem in seine BĂ€renform verwandelten, gutmĂŒtig brummenden Druiden. Die Bewohner von Eisenschmiede gehen langsam wieder zum AlltagsgeschĂ€ft ĂŒber.
Nachdenklich packt Kiruni ihre Totems zusammen. Dies war nur der Anfang eines schrecklichen Krieges. Schlimmeres wird kommen. Aber heute Nacht wird sie mit ihren Freunden am Feuer sitzen, sie werden essen, trinken und erzÀhlen und gemeinsam die Dunkelheit fernhalten.
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