Sind so viele römische Fragen! Zum Beispiel die:
Hat die Münchener Fakultät Raum für mich? Beißen die Kollegen dort? Do your dogmaticians bite? Do you have a room?
Sind so viele Antworten, zum Beispiel die:
Nein, die Kollegen beißen nicht. Ja, Raum haben wir hier für den Herr'n.
GRMPS + SCHNAPPL *schnapp.
Sie haben doch gesagt, die Kollegen beißen nicht!
Das sind ja nicht die Kollegen!
Und Raum? Sie sagten doch, sie hätten Raum!
Ja, aber nur für den Herr'n!
The Pink Panther ist eine Filmreihe zu dem Feiertag, den man mancherorts Pinkster nennt, an anderen Orten Pfingsten, an wieder anderen Orten die pentecostale Feier, dann wieder shavout oder aber Feier des Mondlichts, eines nächtlichen, traumhaften Lichts. Peters Sellers kann in allen Zungen reden, er kann alle Gesichter sein. Die Reihe macht alles übersetzbar, das ist Alchemie, die mit anderem Namen Komik heißt. Peter Sellers ist ein römischer Name, der kann den Stein, den Petrus, den Felsen, auf dem die Kur steht, händeln, greifen, verkaufen, dafür werben und wirbeln. Peter Sellers hat von Gaius' gelernt, von den römischen Institutionen, unter anderem von den Passagen zur mancipatio/ venditio. Darum steht er so stoisch rum wenn alles wirbelt, und darum ist er so komisch.
Diese kleine Passage aus einem der Filme spielt an einer Art Bar, einer Schranke. Inspector Clousseau, ein Polizist (Polobjekt!) trifft auf einen nicht unbedingt Münchener Türhüter, aber ein bajuwarischer Empfänger, also ein beschränkt empfänglicher Empfänger ist der schon. Clousseau (der schlüssig Schleusende, ein eisern listig Verwässernder, der von a bis o alles mitmachen kann) ist auf dem Weg zu einem Schloss. Die Kafkamimesis ist etwas aufdringlich, aber ok, wenn es sein muss. Die Drehbuchautoren waren unter Druck und wurden nicht dafür bezahlt, sich zuviel auszudenken, darum griffen sie auf die bekannte Literatur zu dem Thema zurück, eben auf Kafka.
In Bayern sind alle beschränkt empfänglichen Empfänger ausnahmslos in der CSU, das wird also auch ein Politiker sein, der dort an der Rezeption steht, vielleicht sogar der Oberbürgermeister des Dorfes, in dem der französische Polizist auftaucht. Der Polizist nästelt ein Lexikon aus dem Mantel, zieht Mantik aus der Manteltasche, woher dennn sonst? Das Lexikon ist für Wärter, Wartende, Wachende und Wortgeber dasjenige, was der Laokoon für die Bewohner von Troja ist. In seinem Kapitel Im Dom, dem Kapitel, das man schon liest, wenn der Mann vom Lande kommt und vor dem Lex (Gesetz) stehen bleibt, beschreibt Franz Kafka, was passieren kann, wenn man ein Wörterbuch hervorzieht: Man kann wütend werden. Kafka zeigt aber auch, dass das doch komisch ist. Und diese Szene wiederholt hier darum nur den Prozeß, nur eine kleine Passage aus Kafkas Prozess, was nicht schlimm ist, weil man das Rad nicht immer neu erfinden muss.
Was passiert? Es passiert, was passieren muss, denn immer passiert, was passieren muss. Die einzige Mousse, die es gibt, das ist die Passage, oh schade! Daran können nicht einmal Juristen etwas ändern, keine juristische Methode und keine juridische Kulturtechnik. Die Erde dreht sich ohne zu zucken weiter, wie in den Sekunden, die direkt nach dem Tod unserer Geliebten einsetzen. Die Erde rast weiter, wie das raschelnde und bald auch fallende Laub an dem Baum, unter dem wir unsere Geliebten begraben haben. Alles geht vorüber, wie die Körper, von denen Thomas Hobbes im Leviathan sagt, sie seien das meteorologische Subjekt (das meteorologische Thema), weil sie manchmal kommen, manchmal gehen. Beim Mahl kontrahiert etwas, beim Mahl distrahiert etwas - immer sitzt der Augenblick, der Moment, einem achronologisch geschichteten Material auf, das Aby Warburg zum Ausgangspunkt einer Geschichte und Theorie von 'Trajans Gerechtigkeit' macht: It is just traction, alles nur eine Sache der Betrachtung.
Daran können weder juristische Methoden noch juridische Kulturtechniken etwas ändern. Alles passiert. In den rhetorischen Institutionen gibt Quintilian dazu aber einen Rat und verknüpft ihn mit dem Begriff decorum. Alles passiert. Aber, schreibt Quintilian:Paene omnia decent. Alles passiert, schmückt aber nur limitiert. So gut wie alles mustert - das wäre eine bolische Übersetzung desjenigen Rates, der mich seit ersten veröffentlichten Texten, seit Texten zur Ikonophobie (Who is afraid of black-red-and-gold?) sowie zu Regeln und Fiktionen (Regel und Fiktion. Zur normativen Kraft des Kontrafaktischen) geistern lässt, weil der Rat mich begeistert.
Ändern am Lauf der Welt können juristische Methoden und juridische Kulturtechniken durch seltsame Zeitschleifen. Vorher weiß man es nicht, hinterher ist man schlauer. Mein Fokus liegt auf den juridischen Kulturtechniken, weil es sonst wenig Leute machen, in Deutschland war das sonst nur Cornelia Vismann. Die juridischen Kulturtechniken belegen das, was passiert, mit Norm und Form. Besonders interessiere ich mich seit einigen Jahren für Cornelia Vismann und Aby Warburg, also auch für minore Objekte, Anthropofagie ("Das Verzehren des Gottes", Bing/Warburg, 1929) und bolische Übersetzungen.
Das scheint verrückt, ist es auch, dabei folgt es sogar dem, was Deleuze die zwei Systeme des Verrückten nennt. Es scheint unverschämt, ist es auch, weil es zwei Systemen der Beschämung folgt. Der Gegenstand, zu dem ich forsche, hat zwei Seiten. Logisch betrachtet ist er paradox. Systemtheoretisch betrachtet handelt es sich um eine zügige (gezogene und ziehende) Form, a distinction, that is drawn, wie ein Lexikon aus der Manteltasche. Oder wie der Revolver aus dem Halfter.
Man kann den Gegenstand aporetisch zuspitzen und Passagen daraus machen, zum Beispiel durch Mahle und klamme Sendungen (Letter). Zur Beruhigung sei gesagt: Ich mache genau das gleiche wie Ino Augsberg, forsche zu den Rändern des Rechts, nur nicht so gut und passend, wie Ino das macht. Ohne Neid und Rivalität: Ino Augsberg ist ich verbessert, ist die verbesserte Version von Fabian Steinhauer. Er macht das gut autorisiert, das ist wichtig, man kann sehr gut die Autoren nachverfolgen, die akademische Lektüre - und kann so sicher sein, das etwas dahinter steckt. Ich bin die verschlimmerte Version von Augsberg. Wenn ich bin, dann ist punk dad, wenn Ino ist, ist punk dead. Ino muss googeln, wenn ich die Stooges zitiere, ich muss googeln, wenn er Eric Santer zitiert. Ich bin der Quack, that's gone to the dogs, ein Puppe oder ein Puppenspieler, man weiß das selbst nicht so genau. Das passt scho', weil es dem Passieren Form gibt. Der Ino ist mein Petersburger Doppelgänger, was man schon daran erkennt, dass ich mich und er mich viel besser loben kann als ich ihn. Na gut, ein bisschen neidisch bin ich schon.
Es kann sein, dass ein Münchner Kollege oder Stefan Korioth hier mitliest, muss aber nicht sein. Es kann sein, dass die von den Texten verschreckt werden. Beißt der Steinhauer? Kann man da überhaupt beißen, etwa auf Stein? Ist er jetzt vollends wahnsinnig geworden?
Es kann sein, dass man mich für einen niedrigen Retourkutschling hält, wenn ich über Kollegen schreibe, muss aber nicht sein. Wenn, dann wäre es nicht unbedingt falsch oder schlimm. Kann gut sein, dass sie mich durchschauen. Es würde mich wundern, dass sie diese Frage erst jetzt stellen. Mir scheint, dass ich immer schon wahnsinnig war, aber trotzdem bisher ganz gut gelebt habe. Alles was ist, muss nicht schlimm sein. Bolische Kulturtechnik ist auf eine Welt eingerichtet, die sich dreht und in der morgen schon nichts mehr so aussieht, wie heute.
Im Barock nennt man die Welt darum ein Theater. Darum performiert man, zieht sich Mäntel an, lüftet sie und tauscht sie aus. Darum übe ich das seit meiner ersten Dissertation: dort im Mantel eines Soldaten der NVA. Klar wollten die einen Gutacher, dass diese Arbeit nicht angenommen wird, die anderen haben sie mit summa cum laude benotet. Was denn sonst? (A-)Dressieren pol(aris)iert.
Der Begriff der Kontrafaktur, wie er bei Luhmann auftaucht (im Begriff der kontrafaktischen Stabilisierung) wird bei mir nicht über Ideale entfaltet, sondern über Trachten. Wenn man Trachten für ideal hält oder aber, wie man das in Portugal macht, die Metaphysik der Sitten mit Metaphysik der Kostüme übersetzt, dann kann man freilich einwenden, dass ich doch Idealist bin. Hans Vaihinger, der in der Arbeit über Regel und Fiktion eine gewisse Rolle spielt, nennt sein System sogar das einen idealen Positivismus, oder habe ich da was verwechselt? Einen positivistischen Idealismus? Wenn es der Wahrheitsfindung dient, wenn es also aufsitzen lässt, um mit Illusionen eine Zukunft haben zu können, soll mir das Kreuzen Recht sein.
Natürlich beißen die Dogmatiker, was denn sonst? Sie sind doch auch Dackelmantiker, sogar Dackel können Moses heißen. Mimesis kann exzessiv sein, man kann mindere Mimesis betreiben, Friedrich Balke, Maria Muhle und Bernhardt Siegert haben zuletzt im Kontext der Forschung zu juridischen Kulturtechniken an das mimetische Kreisen erinnert, also unter anderem an Tarde, Deleuze und Latour. So schrecklich auch manche Texte wirken, so schrecklich auch die Welt wirkt: Keine Sorge, alles wird kuratiert.