Great again aber bitte leise
Meinung von Angela Roesenberger
Noch vor seinem Amtsantritt spricht der designierte US-PrĂ€sident Donald Trump Drohungen aus und wirft mit abstrusen Aussagen um sich. Also alles wieder beim Alten und wie bei seiner letzten Amtszeit einfach peinlich und unangenehm? Doch dieses Mal offensichtlich mit einem winzigen, aber entscheidenden Unterschied: Mit dem steinreichen Elon Musk und anderen rechtsgerichtetem und radikalem Wahnsinn bietet er als Underdog nun die gesamte Palette an Machtgehabe. Das System ist am Ende, der Liberalismus ist an allem schuld, schei* auf die Demokratie, eine harte Hand muss her und ĂŒberhaupt: great again Amerika. Und alle anderen, die auch eher aus den unteren Schichten kommen, vergöttern ihn und fĂŒhlen sich mit ihm verbunden â denn er ist ein AuĂenseiter wie sie.Â
Man muss sich daher nicht dafĂŒr schĂ€men, alles sehr argwöhnisch betrachten zu wollen.Â
Als verurteilte StraftÀter spekuliert Trump offensichtlich schon von der Fusion Kanadas als 51. Bundesstaat der USA. Auch Grönland und der Panamakanal stehen auf seiner Einkaufsliste. Er möchte sich am liebsten alles einverleiben und kontrollieren. Seine Kommentare, Grönland und Panama notfalls militÀrisch erobern zu wollen, löst neben der Schockwelle allerdings weltweit gleich einmal massives Unbehagen aus. Ob er das beabsichtigt hat?
Die AnkĂŒndigung, dass die NATO-Mitglieder fĂŒnf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigungsausgaben innerhalb der NATO investieren sollen, regt zu weiteren Ăberlegungen an. Allerdings entfachen seine ĂuĂerungen nicht bei allen NATO-Staaten Jubelschreie â insbesondere bei jenen LĂ€ndern, die bereits massiv ĂŒberschuldet sind.Â
Und sein Gefolgsmann und enger Berater Elon Musk beschimpft seit geraumer Zeit England. König Charles solle die Regierung absetzen, so lauten seine kindlichen ĂuĂerungen. Alternativ könnte auch Amerika das britische Volk befreien. Bitte, was hat er da soeben gesagt? Das bedarf keiner weiteren Worte, oder?Â
Und den Rechten verleiht er durch sein Sympathisieren mit der AfD in Deutschland nicht nur FlĂŒgel, sondern stöĂt damit bei allen auf viel UnverstĂ€ndnis, die sich gegen die AfD und Rechtspopulismus positionieren. Mit seiner Lobhudelei fĂŒr die AfD beeinflusst er allerdings den Wahlkampf Deutschlands und ob das so gut ist, mag ich bezweifeln. Aber sein wasserabsorbierendes Tesla-Werk, das nicht nur fĂŒr Freudenschreie sorgt, drĂŒckt er uns geschickt aufs Auge, um seinen strategischen FuĂ langfristig in Deutschlands TĂŒr zu setzen. Und ganz ehrlich, wir machen uns von solchen Deals doch nur abhĂ€ngig. Und nicht zu vergessen, wir sind damit einmal mehr erpressbar. Wenn der sein Werk abzieht, fliegen uns die ArbeitsplĂ€tze um die Ohren und das Getöse dazu ist groĂ. Jede Wette, dass die Endlosdiskussionen und Schuldzuweisungen dann wieder losgehen, nach dem Motto: Das hĂ€tte man alles schon viel eher sehen mĂŒssen, ein Regierungswechsel muss her.... blablabla, ach und die Merkel ist an allem dran schuld.
Es ist grundsĂ€tzlich sehr auffallend, wie er sich in der Ăffentlichkeit prĂ€sentiert. Es sieht so aus, als ob er im Rausch von Geltungswahn und anderem Undefinierbaren zunehmend die Kontrolle ĂŒber sich verliert. Er wĂ€lzt sich gewissermaĂen in seinem Ăberfluss von Verschwörungstheorien und LĂŒgen von links nach rechts und trommelt, wie ein WeiĂrĂŒcken-MĂ€nnchen, auf seiner Brust herum. Er brĂŒllt dabei lauthals in die Menschenmenge und verhĂ€lt sich gefĂŒhlt wie ein Orang-Utan im Dschungel.Â
âGo hellâ könnten wir beiden wĂŒnschen und zur Tagesordnung ĂŒbergehen. Sollen sie doch âgreat again hallelujaâ machen und uns in Ruhe lassen. Doch die Lage ist leider ernst zu nehmen.
Musk ist der weltweit wohlhabendste Mann, erzĂ€hlt man. Na ja, abgesehen von so manchem Saudi. Da fallen mir gleich der Sultan von Brunei oder der Herrscherfamilie von Katar ein â die tauchen in solchen Rankings natĂŒrlich erst gar nicht auf â man geht davon aus, dass diese Familien und einige andere deutlich wohlhabender sind. Aber wer lĂ€sst sich milliardenschwer dazu gerne in die Karten schauen. Egal, ich weiche ab.
Musk macht mit seiner Macht durch Reichtum sowie medialer Geltung mittlerweile Politik und gewinnt mĂ€chtig an Einfluss. Schaut man ihn genauer an, finden sich in seiner Gestik und Mimik sowie abstrusen ĂuĂerungen deutliche Anteile von Allmachtsfantasien wieder. Eng an der Politik angelehnt und als First Buddy von Trump, der in wenigen Tagen der PrĂ€sident der Vereinigten Staaten wird, bietet diese Konstellation gewaltigen ZĂŒndstoff. Gepaart mit Trumps GröĂenwahn entwickelt sich womöglich aus der bereits entzĂŒndeten Flamme in kĂŒrzester Zeit ein weltweiter FlĂ€chenbrand, der auĂer Kontrolle gerĂ€t.
Der Chinese, der Russe und auch MitlĂ€ufer wie Viktor OrbĂĄn und der diktatorische Alleinherrscher Kim Jong-un und wie sie noch alle heiĂen, sind weitere Kandidaten auf der Spielwiese. Und nun gesellen sich Trump und Musk noch hinzu.
Fast jeder hat es auf den Lippen: âDas kann nicht gut gehenâ, doch keiner bekennt sich wirklich dazu in der Ăffentlichkeit. Man will offensichtlich nicht negativ erscheinen und sich alle TĂŒrchen offen halten. So wie es aktuell Mark Zuckerberg macht. Er kĂŒndigt bei Facebook und Instagram einen drastischen Kurswechsel an, indem er Faktenchecker abschafft. Damit nĂ€hrt er sich dem designierten US-PrĂ€sidenten Donald Trump deutlich an. Noch vor einiger Zeit sah das mal ganz anders aus. Linientreue stelle ich mir anders vor. Den Weg mit dem wenigsten Widerstand zu gehen, ist zwar der leichteste, aber sicherlich nicht der authentischste. Nun ja, lassen wir das. Es kippen ja zurzeit zahlreiche Schergen um, damit sie beim Trump-Macht-Spiel dabei sein können. đ
Die EU-Kommission vermeidet derweilen laute Töne, auch KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen schweigt. Man könnte glatt meinen, dass alle vor Schreck erstarrt sind. Worauf genau warten wir jetzt? Ob Trump seine Versprechen wahr macht, oder nicht? WĂ€re es dann fĂŒr eine Reaktion nicht etwas zu spĂ€t?
Mehr oder weniger erinnert vieles an Geheimagent James Bond 007. In den Filmen gab es auch immer jemanden, der den Weltfrieden bedrohte. Und 007 hat sich mit viel KalkĂŒl, vollbusigen Blondinen und BrĂŒnetten im Anschlag und einem Haufen Technik sowie schnellem Automobil ins Zeug geschmissen, um im letzten Moment die Welt vor dem Bösewicht zu retten. Warten wir womöglich auf Ăhnliches oder hoffen wir auf ein Wunder?
Also wir können nur hoffen, dass Trump und Co. sich im eigenen Land austoben und great again zelebrieren, bis es ihnen an den Ohren heraus rauskommt. Wichtig sind dabei die Spielregeln. Mit anderen Worten sich bitte leise gegenĂŒber der restlichen Welt verhalten und das ohne groĂartiges Aufsehen zu erregen! Bitte danke und auf Wiedersehen, oder auch nicht.















