- Sie haben in Ihrem Leben so viele Menschen kennengelernt, Erfahrungen mit Menschen gemacht.. Was haben Sie daraus gelernt?
- Gut, ich fange jetzt an, zu erzählen, kommen Sie dann in 5 Jahren wieder, bis dahin werde ich das Wesentliche gesagt haben..
- Sie meinen, es gibt sehr viel dazu zu sagen?
- Klar, kein Mensch gleicht dem anderen..
- Aber ein paar Grundsätze?
- Na ja.. wo soll man anfangen? Es gibt so viele Aspekte..
- Haben Sie dabei auch Fehler gemacht?
- Klar.. Als ich noch Schüler war, neigte ich dazu, Menschen zu idealisieren. Später habe ich realisiert, dass jeder Mensch fehlbar ist. Wer einem Menschen immer und unter allen Umständen vollkommen vertraut, macht einen Fehler.
- Sie meinen, es wird dann was Schlimmes passieren?
- Was Schlimmes? Nein, das muss nicht so kommen. Aber auch jemand, der sonst nahezu perfekt war, kann mal Fehler machen. Was für Fehler, das kann man nicht wissen. Man kann auch Glück haben und man wird vielleicht nie Grund haben, sich zu ärgern. Aber man kann es eben nicht wissen.
- Sie hatten mal von der Verengung des Bewusstseins gesprochen.
- Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Viele Menschen wollen einfache Lösungen. Sie wollen es sich einfach machen. Das geht dann oft auf Kosten der Wirklichkeit und eine Folge können Ungerechtigkeiten sein.
- Warum neigen viele Menschen dazu, ihr Bewusstsein zu verengen?
- Das ist nicht so einfach zu beantworten und es gibt nicht nur einen Grund dafür. Oft hat es mit einer mangelnden Bereitschaft zu tun, sich selbst zu hinterfragen, ja überhaupt zu reflektieren, über mögliche Zusammenhänge nachzudenken, sich Fragen zu stellen. Man will oft Unsicherheiten vermeiden und tut so, als gäbe es nur eine Möglichkeit, nur eine Antwort, nur einen Weg, nur eine Lösung usw.. Man will oft die Wirklichkeit nicht sehen, sondern man tut so, als wüsste man, was, wie, warum ist, wie es ist, was natürlich oft falsch ist. Problematisch ist dann eine zwischenmenschliche Asymmetrie..
- Was für eine Asymmetrie?
- Wenn der eine sich für Zusammenhänge interessiert bzw. sich ihnen nicht verschließt, der andere aber nur nach kurzen “Lösungen” sucht. Viele Konflikte haben mit dieser Asymmetrie zu tun. Das heißt aber nicht, dass der, der in einer Situation viele Zusammenhänge sieht, vielleicht in einer anderen Situation nicht der sein kann, der von Zusammenhängen nichts wissen will. Das Chaos, der Irrtum, Fehlbarkeit, Unzulänglichkeiten sind immer möglich, jeden Tag.
















