Es war mir eine große Ehre, am 01.09.2015 im Rahmen der sensationellen Begrüßungsveranstaltung für die neuen Auszubildenden in Leipzig, Herrn Ulrich Weber zu interviewen, den Personalvorstand der Deutschen Bahn, mitverantwortlich für die Belange der dreihunderttausend Mitarbeiter weltweit. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie aufgeregt man in ein solches Interview geht. Meine innere Unruhe konnte ich aber schnell durch die ruhige und offene Art von Herrn Weber ablegen. Genug der Vorrede, hier das exklusive Interview.
Attraktivität spielt im Leben eine große Rolle. Wie attraktiv ist eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn aus Ihrer Sicht?
Wir sind ein guter Ausbildungsbetrieb, dem die Auszubildenden am Herzen liegen. Eine Ausbildung in unserem Unternehmen ist die Eintrittskarte in das Berufsleben. Der Beruf stellt dabei die Grundlage für alle persönlichen Ziele, ob in einem Unternehmen oder privat. Wer eine interessante Arbeit, geregeltes Einkommen, gute Kolleginnen und Kollegen und ein positives Umfeld vorfindet, dem macht es auch über längere Zeit Freude zu arbeiten. All das wollen wir unserem Nachwuchs bieten.
Woher beziehen Sie ihre Motivation, täglich so engagiert in Ihrer Position als Personalvorstand tätig zu sein? Gibt es einen Tipp für die frisch gebackenen Azubis?
Glück ist, einen Beruf zu finden, der einen interessiert und motiviert. Im Kern liegt meine Tätigkeit rund um die Arbeit mit Menschen. Ich sehe meinen Beitrag darin, die wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens und die Interessen der Beschäftigten in Einklang zu bringen. Meine feste Überzeugung ist es, dass der richtige Einsatz von Fähigkeiten und Fertigkeiten der Mitarbeiter unter guten Rahmenbedingungen dem Unternehmen eine enorm hohe Leistung liefern können. Das ist eine strategische Aufgabe, die nie aufhört, denn einen Idealzustand werden wir nie erreichen. Dazu ist die Welt zu sehr von Veränderung geprägt. Daran müssen sich die Unternehmen ständig anpassen, ebenso wie jeder einzelne von uns.
Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung mit dem Projekt Arbeit 4.0 auf die Ausbildung im Konzern der Deutschen Bahn und wie wichtig finden Sie solche Projekte wie DB-unplugged?
Wie es sich konkret und im Einzelnen auswirkt, wissen wir noch nicht. Wir haben eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich die Wirkung und die Folgen von Digitalisierung auf Arbeit, Arbeitsplätze, Qualifizierung, Arbeitsmittel und Lernmethoden genau anschaut. Zum Beispiel wäre das E-Learning zu nennen. Vieles wird heutzutage nicht nur im klassischen Unterricht vermittelt, sondern es gibt Formate, die gleiches online leisten können.
Gerade im Bezug zur Ausbildung ist der Onlinetest erwähnenswert. Wir haben uns zwar dazu entschieden auf Zeugnisse im ersten Schritt zu verzichten, die Möglichkeit für eine andere Bewerberauswahl kam jedoch erst durch die Digitalisierung. Fernab von Schulnoten und Herkunft kann damit ein Wissensstand erfasst werden. Dadurch bekommt jeder Bewerber dieselbe Chance auf eine individuelle Einschätzung und das Unternehmen die Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiter und Persönlichkeiten kennenzulernen. Ebenfalls verändern sich Arbeitsplätze z. B. in Form von anderen Arbeitsmitteln. Wo uns die Digitalisierung hinführt, ist noch nicht abzusehen. Es entstehen neue Berufe oder andere Tätigkeiten werden vielleicht nicht mehr benötigt. Darauf müssen wir auch als Arbeitgeber reagieren.
Den DB-Azubi-Blog sehe ich als schönes Angebot für unsere jungen Mitarbeiter oder jene, die es noch werden wollen. Wir wollen ihnen eine Plattform bieten, in der sie sich zeitgemäß austauschen können. Die Deutsche Bahn möchte sich auch nach außen aufgeschlossen und attraktiv präsentieren.